Un-Wettereien

Un-Wettereien

Nach dem verheerenden Unwetter in Hamburg am 22.6.2017 schien der Zugverkehr zwischen Berlin und Hamburg zum Erliegen zu kommen. Trotzdem gelang es mir, am 23.6. früh, ohne Probleme  nach Hamburg zu kommen, wurde ich doch gegen Mittag zum Klassentreffen in Münster erwartet.

In Hamburg tobte dann das Chaos. Auch wenn fast alle Züge wieder fuhren, gab es doch gelegentliche wetterbedingte Zugausfälle und die Züge, die fuhren, waren natürlich nicht pünktlich und völlig überfüllt.

Gegen höhere Gewalten sind wir machtlos, aber nicht gegen die Bockbeinigkeit und Sturheit von Menschen. Haben sie sich erst einmal mit ihrem Koffer in einen Waggon gezwängt, bleiben sie stehen (notfalls bis zum Jüngsten Tag), auch wenn es nicht vor und zurück geht und auch die Durchsagen des Zugpersonals, dass der Zug überladen nicht einen Millimeter fahren wird, trafen größtenteils auf taube Ohren.

Meinen Zug konnte ich vergessen, zu meinem Wagen, in dem ich einen Platz reserviert hatte, wäre ich nie durchgedrungen. So nahm ich wohlwollend wahr, dass eine Stunde später ein anderer Zug über Münster fahren würde, nahm meinen Koffer und wartete geduldig auf den Zug. Er kam auch, fuhr mit siebzig weiteren Minuten Verspätung irgendwann los, platzte aber auch aus allen Nähten.

Mit einem jungen Münsteraner schlug ich mich dann ab Osnabrück mit einem Regionalzug, der an jeder Milchkanne hielt, bis Münster durch. Während meine Schulfreundinnen bei Kaffee und Kuchen bereits am Aasee saßen, traf ich – völlig entnervt und entkräftet gegen 16 Uhr im Hotel ein.

Trotz all der Widrigkeiten war es ein absolut tolles Wochenende, das ich am Sonntag Mittag mit einer Weiterfahrt nach Venlo/Holland fortsetzte.

Das Niederrheingebiet ächzte noch unter den hochsommerlichen Temperaturen der Woche davor. Alles war staubtrocken, einige Bäume hatten gelbe Blätter wie im Frühherbst  oder andere hingen vor Trockenheit  einfach nur traurig herab. Die Maas führte auch schon mal mehr Wasser und diverse Hochwasserkatastrophen an dieser Stelle schienen Jahrhunderte entfernt.

Ein paar Nieselregen begleiteten mich durch die Tage in Holland, kühlere Luft konnte sich auch nur schwerlich durchsetzen und so kehrte ich am vergangenen Donnerstag zurück nach Hause.

Kaum saß ich im ICE von Duisburg nach Berlin, erreichten mich die Schauergeschichten über den Ausnahmezustand in Berlin und die ersten WhatsApp-Bildchen. Ab Hannover setzte immer stärker werdender Dauerregen ein und in Berlin tobte der Bär. Trotzdem bin ich pünktlich am Berliner Hauptbahnhof und mit der S-Bahn bis an die Stadtgrenze gekommen, wo ein völlig durchnässter Ehemann auf mich wartete.

Wir sind glimpflich davon gekommen, ein paar feuchte Flecken im Kellerboden durch hoch stehendes Grundwasser, sonst ist nichts bei uns passiert. Um uns herum sah es nicht überall so gut aus.

In der Stadt und Schule  meines früheren Brötchengebers musste am Freitag der Unterricht ausfallen, da der Keller mit verschiedenen Unterrichtsräumen und unserem schönen neuen Schülercafe geflutet war…

Ich hoffe, Ihr seid gut durch die wettermäßigen Turbulenzen gekommen und hattet es einigermaßen schön.

 

 

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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33 Antworten zu Un-Wettereien

  1. Brigitte schreibt:

    Grüß dich Anna-Lena,
    an dich habe ich wirklich gedacht während der Flutungen und gehofft, du mögest nicht die Dame sein, welche im Gully versunken ist. Zum Glück warst du ja ziemlich fern, da sah es ein klein wenig besser aus.
    Gegen die Gewalten der Natur sind wir machtlos, aber benehmen könnte man sich zumindest. Da hast du völlig recht. Doch das lässt überall ziemlich nach.
    Gut, dass bei euch nicht mehr passiert ist als eine Kleinflutung. Heute weiß man einfach nicht mehr, was auf einen zukommt.
    Lieben Gruß, Brigitte

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Die Dame im Gully war ja wirklich ein Schreckensbild!
      Ich denke, wir müssen auf ganz andere Wetterbedingungen einstellen und uns auch mental anpassen, da ist ein Ellenbogengehabe einfach fehl am Platz.

      Ich grüße dich herzlich und wünsche dir einen schönen Restabend.

      Herzlich
      Anna-Lena

      Gefällt 1 Person

  2. Beate Neufeld schreibt:

    Ach du Iiebe Zeit, welche Unwegsamkeiten!
    Gut, dass du wieder wohlbehalten in Berlin „gelandet“ bist.
    Wir sind hier zu Glück vor Unwettern verschont geblieben.
    Einen lieben Sonntagabendgruß sendet dir:
    Beate

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  3. Echt, so wat gibbet? Dass der Zug überladen ist und Freiwillige aussteigen sollen? :-O
    Mann, da lob ich mir mein Fahrrad!

    Gefällt 3 Personen

  4. Arno von Rosen schreibt:

    Was wäre das Leben ohne ein paar Abenteuer liebe Anna-Lena 🙂

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    • Anna-Lena schreibt:

      So ist es, lieber Arno. Allerdings kamen mir doch auf dem Hamburger Bahnhof angstvolle Gedanken. Wenn dort jemand hätte durchdrehen wollen, hätte er/sie sein Punktekonto an Menschenleben in die Höhe getrieben. Gott sei Dank waren die Menschen halbwegs besonnen und eher stur als gefährlich.

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  5. freiedenkerin schreibt:

    Hier in München sind wir sehr, sehr glimpflich davon gekommen. Ich habe mich über den Regen am Wochenende gefreut, denn der ist nach der sommerlichen Hitzewelle neulich schon dringend nötig gewesen.
    Weisst du, wie dieser Stichpimpulibockforcelorum schmeckt und was das für ein Schnaps ist? 😉
    Herzliche Grüße!

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    • Anna-Lena schreibt:

      Der Regen war auch hier nötig, aber das Maß stimmte einfach nicht.
      Den Stichpimpulibockforcelorum haben wir natürlich probiert 😆 , alleine der Name war es wert. Er ist ein Kräuterschnaps und schmeckt mild, ein wenig wie Jägermeister. Danach haben wir noch „Schwatter Assi“ probiert, er schmeckt ähnlich, aber kräftiger und würziger.
      Beide waren sehr lecker und dach einem deftigen Essen genau das Richtige 🙂 .

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  6. meinesichtderwelt schreibt:

    Das Like ist einzig und allein dafür, dass du wohlbehalten unterwegs warst und her alles gut überstanden habt … Wetter ist und bleibt Naturgewalt und zeigt uns immer wieder auf, wie wenig der Mensch diese Welt planen oder gar „bestimmen kann“, einen lieben Gruß zu euch

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  7. karlswortbilder schreibt:

    wichtig ist, es ist gut ausgegangen und zuhause nichts Schlimmes passiert. Die Bilder im Fernsehen war ja arg
    lg
    karl

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  8. buchstabenwiese schreibt:

    Ganz schön heftig muss es bei euch gewesen sein, liebe Anna-Lena. Gut, dass ihr relativ glimpflich davongekommen seid.
    Während bei euch im wahrsten Sinne Land unter war, war es hier unglaublich trocken. Unser Rasen ist strohfarben. Wir hätten euch gerne etwas Regen abgenommen. Aber ich hätte nicht mit euch tauschen wollen.
    Mittlerweile hat es bei uns zum Glück etwas geregnet.
    Das Wetter wird immer verrückter.
    Liebe Grüße,
    Martina

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ich war ja nach dem Wochenende in Münster ein paar Tage in der Nähe von Venlo. Da war alles verstrocknet und was in der Zeit herunterkam, verdunstete fast schon vor dem Fallen.
      Langsam kehrt der Sommer zurück.

      Herzlichst
      Anna-Lena

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  9. Emily schreibt:

    Wenn das Unwetter kommt, dann richtig. Da habt ihr aber Glück gehabt, die haben eine unangenehme Sprache gesprochen. Wasser kann man kaum aufhalten. Hoffentlich war es das erst einmal!
    Dein Reisewetter hätte schöner sein können, obwohl…Hitze & Zug ist auch keine glückliche Situation 😆
    Ganz liebe Grüße,
    Emily

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Was über 25 Grad ist, muss ich nicht haben. Somit war mein Reisewetter schon ganz passabel. Ich konnte – meist im Sonnenschein Fotos machen und unterwegs sein, ohne Wedelfächer und Schweißausbrüche 🙂 .

      Herzliche Grüße zurück,
      Anna-Lena

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  10. www.wortbehagen.de schreibt:

    Liebe Anna-Lena, wie gut, daß Du am Ende doch noch zum Klassentreffen gekommen bist.
    Vermutlich haben Dich alle schon sehr vermißt!
    Du hast Deine anders freie Zeit ausgekostet und ich hoffe, Ihr kommt mit den Regenschäden klar und Du kannst Deiner Mutter hilfreich unter die Arme greifen.
    Sie wird froh sein, daß Du nun wieder da bist…

    Ganz herzlich, Deine Bruni

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ja, das ist sie, liebe Bruni 🙂 .
      Regenschäden haben wir zum Glück keine, da sieht es in den Orten um uns herum schon anders aus, manche hat es übel erwischt.
      Hoffen wir, dass in diesem Jahr keine weiteren Katastrophen passieren werden.

      Herzlichst,
      Anna-Lena

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  11. www.wortbehagen.de schreibt:

    oh ja, hoffen wir es!!!

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  12. Kunterbunt schreibt:

    Da hast du ja überall das Unwetter ‚mitgenommen‘. Wir sind zum Glück auch verschont worden und haben uns über den Regen gefreut – für die Natur, für den Garten. LG 🙂

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  13. Helga/Rheinland schreibt:

    Gottlob ist es gut ausgegangen, Anna-Lena!
    Aber das weiß man vorher nie und entsprechend ist die Anspannung. Eine Reise mit diesen Aufregungen muss man wirklich nicht haben!
    Liebe Grüße von Helga

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ja, das stimmt und ich bin froh, dass alles so glimpflich ausgegangen ist. In anderen Teilen ist wirklich viel passiert.

      Liebe Grüße aus dem angenehm temperierten Brandenburg,
      Anna-Lena

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  14. Träumerle Kerstin schreibt:

    Auch in unserer Nähe waren die Schauer so heftig, dass die Straßen überflutet wurden, Fahrzeuge durch riesige Hagelkörner beschädigt. An uns ist das Unwetter zum Glück vorbei gezogen, wir hatten ja gerade eine Woche vorher erst Unwetter.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Um uns herum tobte es auch, als ich am 30.6. zurückkam, aber wir hatten unverschämtes Glück, noch nicht mal Wasser im Keller.
      Aber das ist kein Garantieschein für weitere Regenfälle.
      Halten wir uns gegenseitig die Daumen.
      Ich habe deinen Bericht gelesen – furchtbar!

      Auch dir herzliche Grüße,
      Anna-Lena

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  15. Agnes schreibt:

    Oh, das tut mir leid, dass Du so eine Anfahrt hattest.
    Wir sind am 22. relativ früh nach Berlin gefahren, waren am Mittag schon da, und hörten dann am Nachmittag von dem Chaos, das Züge ausfielen etc. Wir waren froh noch vor dem Unwetter nach Berlin gekommen zu sein.
    Schade, dass Dir dadurch etliche Stunden beim Zusammensein mit den Schulkolleginnen fehlen.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man vieles viel intensiver aufnimmt, wenn man weiß, dass es zeitliche Begrenzungen gibt. Auch mit meiner Verspätung hatte ich meine Freude und meinen Spaß. Gegen höhere Gewalt ist man nun mal machtlos!

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