Rosenmontag

clown

Wenn keine Narren auf der Welt wären,
was wäre dann die Welt?

Johann Wolfgang von Goethe

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Karl Miziolek: Ins Leben geschaut

Karl Miziolek: Ins Leben geschaut

Mein heutiger Lesetipp

Die besten Geschichten schreibt das Leben. Das weiß auch Karl Miziolek und schaut einigen Menschen in seinem neuen Kurzgeschichtenbuch direkt über die Schulter, mitten ins Leben hinein.

So werden wir als Leser Zeugen, wie sich Menschen zufällig über den Weg laufen, aneinander Gefallen finden oder nach einer langen Gemeinsamkeit verschiedene Lebenswege einschlagen.

Wir erfahren, dass ein gesundes Misstrauen anderen gegenüber manchmal vorteilhaft sein kann, damit die eigene Würde gewahrt bleibt.

Menschen, denen das Schicksal übel mitspielt, müssen den Kopf nicht in den Sand stecken.

Über solche Menschen schreibt Karl, mit Empathie, Spannung und einer angenehmen Erzählweise.

Dieses Büchlein ist nicht nur lesenswert, sondern sicher auch ein hübsches Geschenk für Menschen aller Altersstufen.

© G. Bessen 2/ 17

inslebenklSeitenzahl 100
ISBN-13: 978-3-7431-9495-3
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: 07.02.2017
7,99 €

Karls Blog findet Ihr hier

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Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich

Thees Uhlmann, 1974 geboren, ist Musiker und Autor.

Mit seinem ersten Roman: Sophia, der Tod und ich beweist er sein schriftstellerisches Talent.

Mein heutiger Lesetipp (gelesen auf Empfehlung zweier Blogger)

Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich

42541550-00-00Der Erzähler, ein Mensch, der mit sich und der Welt eher unzufrieden ist,  bekommt überraschend Besuch. Der ihm Unbekannte an seiner Wohnungstür stellt sich als der Tod vor und eröffnet ihm, dass er noch drei Minuten Zeit habe, dann würde der Tod ihn mitnehmen. Plötzlich steht die Ex-Freundin des Protagonisten, Sophia, vor der Tür und so bekommt der Erzähler einen ungeahnten Aufschub. Es gelingt dem Tod nicht, ihn sterben zu lassen.

Sophia, der Tod und der (namenlose) Erzähler verbringen ein paar nette Stunden miteinander, besuchen zusammen eine Kneipe und der Tod lernt, wie es im richtigen Leben zugeht.

Da der Erzähler einen Sohn hat, dem er seit sieben Jahren zwar jeden Tag eine Postkarte schreibt, ihn aber ebenso lange nicht gesehen hat, verspürt  er den verständlichen Wunsch, sein Kind noch einmal zu sehen , bevor er stirbt.

Der Erzähler, Sophia und der Tod besuchen des Erzählers Mutter und mit ihrem Auto machen sich alle gemeinsam auf den Weg zum kleinen Johnny.

Die Mutter ist beglückt, dass ihr Sohn sie wieder einmal besucht, dazu mit der Wunschschwiegertochter und dem so reizenden Freund Morten de Sarg. Erst kurz vor dem Ende erfährt die Mutter, dass der reizende Freund der Tod und ihr eigener Sohn bald sterben wird.

Die Familie von Johnnys Mutter ist nicht weniger überrascht, als der Vater – der Postkartenmann – mit seiner Familie trotz Besuchsverbot angerückt kommt.

Johnny und sein Vater lernen sich etwas besser kennen, der Vater hat die Entwicklung seines Sohnes als positiv bewertet und kann nun in Ruhe sterben.

Inhaltlich beläuft sich die Handlung auf eine  Zeitspanne von wenigen Tagen, die Charaktere sind überschaubar. Das Eigentliche, was den Roman ausmacht, ist das Zusammenspiel der Hauptfiguren.

Der Erzähler scheint nicht sonderlich überrascht, als der Tod sich bei ihm einfindet. Sie kommen schnell miteinander ins Gespräche und man hat den Eindruck, das sind zwei beste Freunde. Der Tod entdeckt das menschliche Leben mit einer Freude, die man nur von Kindern kennt. Die beiden Frauen, Mutter und Exfreundin, kommen gut miteinander klar und man bekommt den Eindruck einer glücklichen Familie, bei der lediglich das Familienoberhaupt fehlt.

Doch was vordergründig so unkompliziert scheint, birgt auch während der Fahrt zu Johnny andere Elemente in sich. Zweimal taucht ein zweiter Todesgeselle auf, der dem „alten“ Tod den Job abnehmen möchte und es kommt zwischen den beiden Toden zu Kämpfen, die einmal nur  der Erzähler und im zweiten Fall auch Johnny miterleben, der sehr schnell gewahr wird, wer der Freund des Vaters ist und was seinem Vater bevorsteht.

Obwohl der Tod ein Tabuthema ist und sich niemand gern damit auseinander setzt, ist der Tod im Roman ein wahrer Kumpel und überaus sympathisch. Somit ist das Ende, das Sterben des Protagonisten, in seiner Tragik abgeschwächt.

Uhlmanns Roman lebt von der Sprache, einer Erzählweise der Leichtigkeit, mit Witz, Ironie und Humor. Ich kann dieses Buch  als lesenswert empfehlen und bewerte es mit vier Sternen.

© G. Bessen 2/2017

Seitenzahl 320
Erscheinungsdatum: 08.10.2015

ISBN 978-3-462-04793-6
Verlag Kiepenheuer & Witsch

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Ruhe in Frieden

barbara

VON NUN AN ….. IN EWIGKEIT

Minibares

Barbara Klein

*10.12.1949 +19.02.2017

 

 

Sie war so tapfer und hat gegen ihre Krankheit angekämpft.
Niemals hat sie geklagt und trotzdem ihren Humor nicht verloren.
Nun hat sie ihren Frieden.
Bärbel, Du wirst uns fehlen.

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Jüdischer Friedhof in Berlin-Weißensee im Bezirk Pankow

Jüdischer Friedhof in Berlin-Weißensee im Bezirk Pankow

Einem Tipp von Ulli neulich bin ich nachgegangen und so habe ich den Jüdischern Friedhof in Berlin-Weißensee heute besucht. Mit etwa 115000 Grabstellen ist er der flächengrößte Jüdische Friedhof Europas. 1880 wurde er angelegt und seit den 70er Jahren steht er unter Denkmalschutz.

eingang-von-der-herbert-baum-strasseDer Zugang erfolgt über die Herbert-Baum-Straße im Komponistenviertel in Weißensee. Herbert-Baum war ein antifaschistischer Widerstandskämpfer und unweit des Friedhofseinganges findet man sein Grab.

Unmittelbar hinter dem Eingangstor befindet sich ein Holocaust-Denkmal mit dem folgenden Text: „Gedenke Ewiger was uns geschehen. Gewidmet dem Gedächtnis unserer ermordeten Brüder und Schwestern 1933 – 1945 und den Lebenden die das Vermächtnis der Toten erfüllen sollen.“

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin

holocaust-gedenkstaette-und-eingangAus gelben Ziegeln sind die Gebäude hinter dem Holocaust- Denkmal. Vom Eingang aus hinter den Arkadengängen liegt die Trauerhalle, die alle anderen Gebäude überragt.

So unterschiedlich die Menschen in ihren verschiedenen Zeitepochen gelebt haben, so unterschiedlich sind die letzten Ruhestätten: von Mausoleen über Grabtempel und ausladenden  Familiengruften für Großfamilien bis hin zu Einzelgräbern, die von Efeu überwuchert werden.

Im Gegensatz zu den christlichen Friedhöfen bleiben die jüdischen Gräber bis zum „Jüngsten Tag“ und kennen keinen Grabschmuck mit  Blumen (wobei auf mehreren Gräbern auch Wintergestecke zu finden waren).

Ein Ort der Stille, der Beschaulichkeit und des Grauens, wenn man an die vielen unsinnigen Opfer des Naziregimes denkt.

Danke, liebe Ulli, für den Tipp!

© Text und Fotos: G. Bessen 2/17, Textinfos aus Wikipedia

 

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500 Follower

500 Follower, ein Grund, allen ein herzliches DANKE zu sagen.

DANKE für’s Lesen, für’s Kommentieren und für’s Vorbeischauen.

Wie ich im Advent schon mal schrieb, hat das „Lesestübchen“ nur noch ganz wenig Speicherplatz. Daher wird es Zeit, neue Wege zu gehen.

Hier werden künftig nur noch Buchempfehlungen, Ausflugstipps aus dem „Speckgürtel“ bei Berlin und momentan Aktuelles erscheinen.

Alle anderen „geistigen Ergüsse“ findet ihr in meinem anderen Blog  Visitenkarte.

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Herzlich, Anna-Lena

 

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Valentin – ein Limerick

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Veronika Peters: Das Meer in Gold und Grau

Anfang Januar hatte ich Veronika Peters bereits mit einem anderen Roman vorgestellt.

Mein heutiger Lesetipp

Veronika Peters: Das Meer in Gold und Grau

 33790779-00-00Katja Werner, knapp 30 Jahre alt, steht vor einem Scherbenhaufen. Wegen der Beziehung zu einem verheirateten Mann verliert sie ihren Job und ihre Wohnung bei ihren Arbeitgebern. Sie macht sich auf den Weg an die Ostsee, um die Halbschwester ihres Vaters kennenzulernen.

Ihre 73-jährige Tante Ruth betreibt dort ein sehr individuell gestaltetes Strandhotel „Palau“. Aus einer geplanten kurzen Auszeit von einigen Tagen  wird für Katja ein mehrmonatiger Aufenthalt, der ihr Leben bereichert und prägt.

Katja ist ein Mensch, der sich Konflikten gern entzieht und eher davonläuft, als sie auszutragen und an ihnen zu reifen. Der Gedanke, sofort wieder abreisen zu können, steckt in ihrem Hinterkopf fest, doch sie bleibet bis zum Ende.  Im „Palau“ trifft sie auf eine eingeschworene Wohngemeinschaft von Menschen, die jenseits ihrer Lebensmitte sind und die es dorthin verschlagen hat wie Strandgut, das die Wellen ans Ufer spülen. In diese Gemeinschaft wächst Katja hinein, wird mit Aufgaben betraut, die sie fordern, ihr aber auch Spaß machen. Sie erlebt dort als junge Frau in der Gemeinschaft der deutlich Älteren eine Zeit, an der sie wächst, reift und die die ruhigste ihres noch jungen Lebens ist.

Die Charaktere, besonders Katja und Ruth, werden in einer Art gezeichnet, die beide mit ihren Ecken und Kanten zeigt, die sich aber auch in ihrer charakterlichen Entwicklung gegenseitig abrunden und zu einer tiefen Verbundenheit gelangen. Alle anderen Bewohner von Palau umringen diese beiden Menschen und man spürt förmlich diese innere Beziehung aller miteinander.

Die Handlung spielt  ausschließlich im Palau  und trotzdem empfand ich die Handlung an keiner Stelle der Buches als langatmig. Das Meer in seinen unterschiedlichen Schattierungen in Gold und Grau passt sich den Stimmungen und Erlebnissen der Bewohner an.

So poetisch, wie der Titel anmutet, ist auch die Sprache des Romanes und trotzdem ist er anspruchsvoll, so dass man diesen Roman nicht mehr aus der Hand legen und sich hundertprozentig hinein vertiefen möchte.

© G. Bessen 2/17

Taschenbuch, erschienen am 20.05.2013,
im Goldmann-Verlag, 288 Seiten
ISBN: 978-3-442-46789-1
€ 9,99

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Anmerkung: Dieses Buch ist der Folgeband von „Die Liebe in Grenzen“, erschienen 2013. Das habe ich nicht gewusst, auch nicht gelesen und ich denke, das tut dem oben beschriebenen Buch keinen Abbruch.

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Worauf ich mich freue…

aktuell: Minusgrade, Dauerfrost und Ostwind …

naturimpressionen

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Die Umwelt der Alten

Dieser Text ist gerade überall im Netz zu finden, auch per whats app bekam ich ihn. Den Autor kenne ich leider nicht. Ich halte den Text für bemerkenswert.

Die Umwelt der Alten

In diesem Sinne sind wir erzogen worden.

     Beim Bezahlen an der Kasse im Supermarkt schlägt die Kassiererin der vor mir bezahlenden alten Dame vor, sie möge doch beim nächsten Einkauf ihre Einkaufstasche mitbringen, denn Plastiktüten seien schlecht für die Umwelt. „Da haben Sie Recht“, entschuldigt sich die alte Dame, „doch leider war ich in Eile und habe meine Einkaufstasche entgegen meiner Gewohnheit zu Hause vergessen.“

Die junge Frau erwidert: „Ja wissen Sie, unser Problem ist nämlich, dass Ihre Generation sich keine Gedanken darüber gemacht hat, in    welch schlechtem Zustand Sie die Umwelt uns und den zukünftigen    Generationen hinterlässt. Umweltschutz ist sicherlich ein Fremdwort für Sie.“

  „Das stimmt. Unsere Generation kannte keinen Umweltschutz – war auch gar nicht nötig, denn Sprudel- und Bierflaschen gaben wir an den Laden zurück in dem wir sie gekauft hatten. Von dort gingen sie an    den Hersteller, der die Flaschen wusch, sterilisierte und auffüllte,    so dass jede Flasche unzählige Male benutzt wurde. Die Milch holten    wir beim Milchhändler in unserer eigenen Milchkanne ab. Aber Umweltschutz kannten wir nicht.

Für unsere Gemüseeinkäufe benutzten wir Einkaufsnetze, für den Resteinkauf unsere Einkaufstaschen. Vergaßen wir sie, so packte uns    der Händler den Einkauf in braune Papiertüten, die wir zu Hause für    viele Zwecke weiter verwendeten, z.B. zum Einpacken der Schulbücher,    die uns von der Schule unter der Auflage, dass wir sie gut  behandeln, kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Nach Beendigung  des Schuljahres wurden sie wieder eingesammelt und in gutem Zustand  an den nachfolgenden Jahrgang weiter gereicht. Aber Umweltschutz    kannten wir nicht.

Wir stiegen Treppen hoch, denn Aufzüge oder Rolltreppen gab es nicht  so wie heute in jedem Kaufhaus oder Bürogebäude. Wir gingen zu Fuß  die paar Schritte zum nächsten Lebensmittelgeschäft und benutzten  dazu keinen 300 PS starken Geländewagen. Sie haben Recht,  Umweltschutz kannten wir nicht.

Damals wuschen wir die Babywindeln, weil es keine Einwegwindeln gab.  Wir trockneten die Wäsche nicht in einem Strom fressenden Trockner,  sondern mit Wind- und Solarenergie auf der Wäscheleine aus Hanf. Die  Kleidung der Kinder ging stets an die jüngeren Geschwister, denn  immer neue Kinderkleidung konnten wir uns nicht leisten. Aber  Umweltschutz kannten wir nicht.

Im Haus hatten wir ein einziges Radio und später einen kleinen  Fernseher mit einem Bildschirm in Taschentuchgröße. In der Küche gab  es keine elektrischen Maschinen. Alles wurde von Hand geschnitten,  geraspelt, geschält. Als Polstermaterial für Päckchen oder Pakete    benutzten wir alte Zeitungen, kein Styropor oder Plastikblasen. Der    Rasenmäher wurde mit der Hand geschoben, machte keinen Krach und    keinen Gestank. Das war unser Fitnesstraining, weshalb wir keine  Fitnessstudios mit elektrischen Laufbändern und anderem Energie  fressenden Unsinn benötigten. Aber Umweltschutz kannten wir nicht.

Das Wasser tranken wir aus der Leitung und benötigten dazu keine  Plastiktasse oder Plastikflasche. Unsere leeren Schreibfüller wurden  wieder mit Tinte gefüllt, anstatt neue zu kaufen. Papier wurde  beidseitig beschrieben. Stumpfe Rasierklingen wurden ersetzt, und    nicht gleich ein neuer Rasierapparat gekauft. Aber Umweltschutz    kannten wir nicht.   Damals fuhren unsere Kinder mit dem Bus, der Straßenbahn, dem  Fahrrad oder gingen zu Fuß zur Schule. Einen 24-stündigen  Taxiservice der Mutter mit dem 50.000 EUR teuren Auto gab es nicht.  Aber Umweltschutz kannten wir nicht.

In jedem Zimmer gab es eine Steckdose und keine Steckdosenleisten  für unzählige Stromfresser, und wir benötigten auch kein von einem    35.000 Kilometer entfernten Satelliten gesteuertes System, um die    nächste Imbissbude zu finden. Jedoch Umweltschutz kannten wir nicht.   Aber bedenken Sie:   Es ist traurig, wenn die junge Generation sich darüber beklagt, wie  verschwenderisch wir Alten gelebt haben, nur weil wir keinen  Umweltschutz kannten?

Glaubt Sie wirklich, wir Alten benötigen eine  Belehrung von euch Grünschnäbeln? Und dann auch von einem Mädchen,  das mir noch nicht einmal das Wechselgeld heraus geben kann, ohne    die elektronische Kasse zu befragen.   Schönen Tag noch…  .“

 karikatur-zum-klimawandel

 

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