Auf dem Weihnachtsweg – 2. Advent

Viele erinnern sich sicher noch an Karl Miziolek, der uns im März des vergangenen Jahres so unerwartet verlassen hat. Vor einigen Jahren hatte er mein Weihnachtsmarkt-Gedicht vertont und rezitiert.

Somit möchte ich einfach an ihn erinnern und ihm Grüße dorthin schicken, wo er jetzt ist.

WEIHNACHTSMARKT

Glühwein und
gebrannte Mandeln,
so mancher Kunde
liebt zu handeln,
ein Kinderkettenkarussell,
für manches Kind
zu hoch, zu schnell.

„White Christmas“
schrillt laut durch die Luft,
vermischt sich mit
Rostbratwurstduft
und frischem Käse.
„Wie  pikant“,
seufzt eine Frau
am Kaffeestand.

Die Menschen hetzen,
ja sie schieben,
suchen Geschenke
für die Lieben.
Ein schneller Kauf,
schön eingepackt
und auf der Liste
abgehakt.

Zufrieden, satt,
randvoll die Tasche,
für Oma fehlt
die Glühweinflasche,
geht es nun weiter
im Gedränge
der kaufbesessenen
Menschenmenge.

© Text und Fotos: G.Bessen

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Auf dem Weihnachtsweg – 1. Advent

Advent ist abgeleitet von advenire = ankommen, eintreffen

Irgendwo anzukommen  bedeutet auch,  sich auf den Weg zu machen. Der Advent sollte eine Zeit sein, die Bewegtheit, aber auch die Sorgen und Unsicherheiten unserer Zeit und unseres Lebens für eine Zeit anzuhalten, innezuhalten und zu verweilen. Setzen wir dem Weihnachten des Konsums genau das entgegen, das Verweilen bei uns selbst und denen, die uns nahe stehen.

Wenn ich die Weichen richtig stelle,
das Signal entsprechend platziere,
gelingt es mir vielleicht,
anzukommen und weiterzufahren,
immer wieder neu.

Wenn ich es schaffe,
bei mir anzukommen,
komme ich auch beim Anderen an,
miteinander geht es weiter,
auf einem gemeinsamen Weg.

© Text und Foto: G.Bessen

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Sag JA

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Wärmestube

Jeden Wintermorgen
kreuze ich den Weg
frierender Wartender
vor der Wärmestube.

Es ist eine stetig wachsende
Gesellschaft der Abgehängten
und Abhängigen
von Wärmestuben und Tafeln,
von der Restwärme unserer Gesellschaft.

Hier ist der Ort,
an dem die Kälte
abgeschüttelt werden kann,
eiskalte Hände und Zehen auftauen,
wo sich Herzenstüren
langsam quietschend öffnen.

Die Augen tränen vor der Tür
und glänzen dahinter.
Müde, steife Glieder strecken sich
einen Moment lang
in so etwas wie Behaglichkeit aus.

Heute trete auch ich ein,
denn ich hab da mal ’ne Frage:
„Gibt es hier auch
Wärme- und Energiequellen für alle?
So für die ganze Gesellschaft?“

Die schlittert nämlich
von einer zur nächsten Krise:
der neue kalte Krieg,
Pandemie und Klima,
um nur die Offensichtlichen zu nennen.

Krisen,
die Fragen aufwerfen,
Geldbörsen leeren,
die bei manchen Menschen
die Herzen mit Angst
und die Köpfe mit Panik füllen.
Krisen als Auslöser,
den Verstand zu verwirren
den Respekt zu vergessen
und den Ton verrohen zu lassen.
Wir sind am Ende angelangt
mit Wärme und mit unseren Energien.

Die Wärmestubenmitarbeiterin
schaut mich treuherzig an:
„Ich kann Ihnen gerne einen
Kaffee machen.
Hier rücken alle zusammen,
da wird es Ihnen im Nu warm.
Da gehen Sie dann mit einer Wärme hinaus,
da denken Sie,
die reicht für die ganze Welt.“

Ich quetsche mich
zwischen die auftauenden,
dampfenden Leiber
und mache sie weit auf,
meine innere Wärmestube.

©Miriam Falkenberg

https://www.pfarrbriefservice.de/file/warmestube

Foto:© G. Bessen

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Herbstblätternaturschutz

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Der Dorotheenstädtische Friedhof in Berlin-Mitte

Berlins bekanntester Friedhof  ist der Dorotheenstädtische Friedhof, 1762 angelegt und bis 1826 mehrfach vergrößert. Viele bekannte Persönlichkeiten, Künstler, Dichter und Denker haben dort ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ein Besuch dort lohnt sich.

 

 

Bertolt Brecht (1898-1956), deutscher Dramatiker und Lyriker des 20. Jahrhunderts. Helene Weigel (1900-1971), österreichisch-deutsche Schauspielerin und Theaterintendantin; zweite Frau von Bert Brecht.

Christoph Wilhelm Hufeland (17621836), deutscher Arzt und königlicher Leibarzt.

Luiz Heinrich Mann (18711950), deutscher Schriftsteller aus der Familie Mann. Er war der ältere Bruder von Thomas Mann.

Nelly Mann (18981944 )

Johannes Robert Becher (18911958 ), deutscher expressionistischer Dichter und SED-Politiker, Minister für Kultur sowie erster Präsident des Kulturbundes der DDR.; Verfasser des Textes der Nationalhymne der DDRLilly Becher (19011978), deutsche Schriftstellerin und Publizistin.

Anna Seghers (19001983), deutsche Schriftstellerin und von 1952 bis 1978 Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR.

Fritz Teufel  (19432010), war West-Berliner Kommunarde, Autor und aktiver Teilnehmer der Studentenbewegung und Mitglied der terroristischen Bewegung 2. Juni.

George Tabori  (1914–2007) ungarisch-britischer Theaterautor, Theaterregisseur und Journalist.

Johann Gottlieb Fichte (17621814),  deutscher Erzieher und Philosoph und ein wichtiger Vertreter des Deutschen Idealismus. Johanna Marie Fichte  (1755-1819)

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831), Philosoph

Hans Wall (19422019 ), deutscher Unternehmer. Er war der Gründer der Wall AG, eines auf Stadtmöblierung und Außenwerbung spezialisiertes deutsches Unternehmen. Für sein Engagement wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz und anderen Auszeichnungen  geehrt.

Günter Gaus (19292004 ), deutscher Journalist, Publizist, Diplomat und Politiker.

Christa Wolf (19292011), deutsche Schriftstellerin. Sie zählte zu den bedeutendsten Schriftstellerpersönlichkeiten der DDR und wurde u. a. mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Johann Friedrich August Borsig (18041854), deutscher Unternehmer. Er gründete 1837 die Borsigwerke in Berlin.

Johannes Grützke (1937 – 2017), deutscher Maler, Zeichner, Grafiker und Medailleur.

Johannes Rau (1931-2006), deutscher SPD-Politiker und von 1999-2004 der 8. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

Egon Bahr (1922 – 2015), deutscher Politiker der SPD,  von 1972 bis 1974 Bundesminister für besondere Aufgaben und von 1974 bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Er war einer der entscheidenden Vordenker und führender Mitgestalter der von der Regierung unter Willy Brandt ab 1969 eingeleiteten Ost- und Deutschlandpolitik.

Otto Prokop (19212009),  österreichischdeutscher Gerichtsmediziner und forensischer Serologe, der einen wichtigen und international beachteten Einfluss auf die forensische Medizin und die Forschungspolitik in der DDR hatte.

Infos: https://www.berlin.de/sehenswuerdigkeiten/3560069-3558930-dorotheenstaedtischer-friedhof.html

Biographische Daten: https://www.wikipedia.de/

Fotos: © G.Bessen

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Zwischen Sommer und Winter

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NIE WIEDER! oder SCHON WIEDER!

Was haben wir gelernt? Wenn wir uns umschauen, scheint mir alles noch düsterer als vor einigen Jahren, als ich diesen Artikel geschrieben habe …

 

Der heutige 9. November ist ein Tag in der deutschen Geschichte, an dem sich mehrere Ereignisse immer wieder in unser Bewusstsein drängen: der Anfang der Ersten Deutschen Republik, die Reichspogromnacht 1938 und 1989, vor über 30 Jahren, der Fall der Berliner Mauer.

Ein deutscher Künstler namens Gunter Demnig erinnert seit 1992 an die Opfer des Nazi-Regimes. Dazu mauert er in Orten, in denen die Opfer zuletzt gewohnt haben, sogenannte STOLPERSTEINE, Gedenktafeln aus Messing ein, die an die Menschen erinnern sollen. So hält er die Erinnerung an mittlerweile tausende Menschen lebendig, die die Verbrechen des Nazi-Regimes nicht überleben konnten. Ein Projekt einer gelungenen Form der Menschlichkeit und des Sich-Erinnerns, besonders auch nach den jüngsten Vorkommnissen in Halle.

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Der November

Der November

 Ach, dieser Monat trägt den Trauerflor…
Der Sturm ritt johlend durch das Land der Farben.
Die Wälder weinten. Und die Farben starben.
Nun sind die Tage grau wie nie zuvor.
Und der November trägt den Trauerflor.

Der Friedhof öffnete sein dunkles Tor.
Die letzten Kränze werden feilgeboten.
Die Lebenden besuchen ihre Toten.
In der Kapelle klagt ein Männerchor.
Und der November trägt den Trauerflor.

Was man besaß, weiß man, wenn man’s verlor.
Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen.
Es regnet, Freunde. Und der Rest ist Schweigen.
Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor.
Und der November trägt den Trauerflor.

Erich Kästner (1899 – 1974)

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Das Café Tod

Mit dem Beginn der Winterzeit, den kürzeren Tagen und den sinkenden Temperaturen kommen wir nicht umhin, uns mit der eigenen Vergänglichkeit und den bevorstehenden Gedenktagen für unsere Verstorbenen auseinanderzusetzen.

Auch wenn wir seit unserer Geburt wissen, dass wir sterben werden, ist das Thema Tod oft noch ein Tabuthema. Über die Einrichtung „Café Tod“ gibt es mittlerweile viel zu lesen. Ich selbst besuche gelegentlich das Café Tod der Autorin und Journalistin Petra Wolf und kann ihre beiden Bücher, in denen sie Witwen und Witwer interviewt hat, nur empfehlen.

„Das Bleiben schmerzt mehr als das Gehen“, 2013

„Trauer ist der Preis der Liebe: Witwer erzählen“, 2016

 

Café Tod

Hereinspaziert ins Café Tod,
auch Lachen ist hier angebracht.
Am Kaffeetisch in kleiner Runde
wird unserer Lieben gern  gedacht.
Selbst wenn mal eine Träne rollt,
ein Zittern unseren Mund umschmollt,
gehört der Tod zu unserem Leben.
Seit dem Tag unserer Geburt
gehen wir ihm entgegen.

© G. Bessen

Gedenken

Namen nennen
oft unter Tränen,
in Dankbarkeit erinnern,
Gesichter vor sich sehen,
Geschichten wieder hören,
in Unvergessenheit Leben bewahren,
wo der Tod Fäden zerschnitt.

Den Gestorbenen einen Herzensort geben,
wie sie in Gottes Herzen
ihren lebendigen Platz haben,
unverloren, beim Namen gerufen,
grenzenlos geborgen.

Beständiger Wegweiser für uns,
das Leben wertzuschätzen.

© maria Sassin

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