Entrückt – Wege zur Entspannung

Entrückt –  Wege zur Entspannung

Obwohl ich sie nicht sah, spürte ich sie, jede einzelne von ihnen. Vom Kopf bis zum Fuß entfalteten sie leise ihre Macht über mich, hielten mich fest und zwangen mich in die Unbeweglichkeit. Eine leichte Bewegung hätte ihre Wirkung unterbrochen.

Ein – aus – die Atemwelle kommen lassen. Nach einer Weile hatte sich die Atmung reguliert und ich ließ atmen. Die Bilder hinter meinen geschlossenen Augenlidern wurden langsamer, verblassten und ein tiefes Schwarz breitete sich aus. Die Ohren wandten sich der leisen Hintergrundmusik zu, nahmen sie auf und leiteten sie ins Körperinnere wie in einen großen Resonanzkörper. Dort blieben sie liegen, leise, melodisch und besänftigend.

Und dann kam sie, die Schwerelosigkeit, die Tiefenentspannung. Der Körper hatte sein Gewicht scheinbar völlig verloren. Ob er lag oder schwebte, war nicht zu spüren.
Die Augen fielen zurück in ihre Höhlen, das anfänglich kaum merkbare Zittern der Lider ging in eine tiefe Schwere über. Dann wurde es ganz still.
Ich zählte mit, siebzehn – achtzehn. Das waren alle. Ich bewegte mich vorsichtig und versuchte, in den Alltag zurückzufinden.

©G.B. 3/15

Akupunktur

Dazu ein passender Text von finbar

Erdmeditation

Die von mir so getaufte Erdmeditation ist eine hervorragende – zumindest für mich, weil maßgeschneiderte – Methode, die beste und einzige, die ich kenne, die wirklich bewirkt, dass die tagsüber verbrauchte Lebensenergie zumindest zum Großteil relativ rasch in mich zurückströmt und mich wieder mit flottem Lebenselixier versorgt.
Die Erdmeditation besteht aus mehreren Komponenten und ist durch das Werk dreier wundervoll humaner Menschen inspiriert, die mir stets sehr nahe sind und die ich sehr schätze: Da wäre einmal Jon Kabat-Zinn, ein wichtiger Vertreter der modernen Achtsamkeitsphilosophie und -psychologie, dessen Bücher “Zur Besinnung kommen” und “Im Alltag Ruhe finden” ich inzwischen beinahe komplett verinnerlicht habe, dann der wunderbare Dalai Lama und dessen Buch “Die Regeln des Glücks” sowie natürlich last but really not least Marc Aurel mit all seinen lebenswichtigen Gedanken in „Wege zu sich selbst“.
Kabat-Zinn definiert in seinen Büchern eine Seemeditation so: sich ausgestreckt auf den Boden legen und sich dabei einbilden, als “toter Mann” auf einem ruhigen See zu liegen und zu meditieren. Ich habe dieses Sinnbild für mich abgewandelt, da mich die Vorstellung rücklings auf einem See zu liegen eher unruhig werden lässt, zur sogenannten Erdmeditation, einfach statt dem See die Erde, Boden, fester Boden unter meinem Rücken, Erdverbundenheit, das passt viel besser zu mir, als einer der im Sternzeichen Jungfrau geboren wurde. Soviel zur Theorie. In der Praxis sieht das wie folgt aus.
Wenn ich nach der täglichen Arbeit erschöpft, etwas angeschlagen und ziemlich groggy endlich wieder zuhause in meinen vier Wänden bin, sich alle Körperteile und vor allem auch das leitende Prinzip der Seele matt und schlapp anfühlen und tatsächlich auch sind, dann schnappe ich mir eine blaue oder rote Decke, nicht zu dünn und nicht zu dick, breite sie auf dem Boden aus zu einem Zwei-auf-ein-Meter-achtzig-Rechteck und lege mich rücklings passend – entkleidet bis auf die Unterhose und das T-Shirt – darauf und strecke alle viere von mir: die Erdmeditation kann losgehen.
Zunächst liege ich für ca. 5 Minuten regungslos – sozusagen wie tot – mit geschlossenen Augen und beobachte konzentriert meinen Atem wie er – am Anfang noch ziemlich hektisch – durch die Nase ein- und ausströmt. Ich versuche mich in dieser Phase immer und noch ausschließlich auf meinen Atem zu konzentrieren, auch wenn die wilden verrückten Gedanken wie ein Beelzebub andauernd im Quadrat herumspringen (so wie auch mein Herz), Gedanken, dieser zumeist nur Müll des Gehirns.
Kaum merklich wird nun allmählich – innerhalb weniger Minuten nur – mein Atem, mein Quell des Lebens, langsam ruhiger; selbst die Gedanken, diese oft quälenden, beruhigen sich nun langsam, wenn gleich sie immer noch wie leuchtende Blitze durch meinen Kopf schießen, aber in deutlich geringerer Frequenz. Es ist in dieser ersten Phase der Erdmeditation immens wichtig, die Gedanken, alle die da kommen mögen, einfach nur geschehen zu lassen, sich absolut nicht darum zu kümmern, sie kommen und gehen, einfach vorbeiziehen zu lassen, das ist sehr wichtig, wenn auch sehr schwierig, also i.d.R. erst nach viel Übung erreichbar, wenn überhaupt.
Auf dieser, meiner Decke zu liegen fast wie ein Toter, absolut erdverbunden und ohne die alltägliche Last der Schwerkraft zu spüren, beruhigt (mich) enorm, so dass ich oft schon nach lediglich so ca. 5 Minuten – während ich weiterhin meinem Atem mit Aufmerksamkeit folge – bereit bin für den nächsten Schritt der Erdmeditation, den sogenannten Körperscan.
Der Körperscan setzt bei mir immer bei der rechten Hand ein, danach wandere ich gedanklich den rechten Arm hinauf bis zum Hals, alles an der Oberseite meines fest auf der Erde liegenden Körpers, alle Arme und Beine sind von mir gestreckt (etwa so wie bei Leonardo da Vincis berühmter Manpower-Zeichnung); vom Hals geht der Körperscan zunächst über das Gesicht, bis zum Scheitel des Kopfes und dann über dessen Rückseite, den Hals und dann den Rücken gedanklich hinunter bis zum Gesäß; dabei versuche ich überall, wo ich an meinem Körper gedanklich ankomme, sozusagen mich näher hinzoome, genau und ausführlich zu spüren, wie dort die Lage ist; d.h. sind Schmerzen da oder Verkrampfungen, und falls dies so ist, dann verstärke ich mein dort Hineinspüren (halte den Körperscan also kurz an), lenke meinen lebenspendenden Atem mit voller Konzentration und Kraft genau dorthin, genau an diese mich plagende Körperstelle, solange, bis sie sich wenigstens etwas besser anfühlt.
Was hier rasch nacheinander aufgezählt wird, sozusagen als Reiseweg meinen Körper entlang, rauf und runter, geschieht in Wirklichkeit ganz langsam, bloß keine Eile beim Körperscan – das ist oberstes Gebot -, sondern nach dem Motto “Verweile doch, es ist so schön (an jeder Stelle des Körpers)” muss das gehen, das ist das wichtigste, bloß keinen Stress, keine Hektik auch hier noch!.
Vom Po aus geht der Körperscan dann weiter den unteren Teil des rechten Oberschenkels entlang über die Unterseite des Knies bis zu rechten Ferse, vor zu den Zehenspitzen, von dort zurück auf der Vorderseite des rechten Beins, nun über die untere Mitte meines sich nun immer weiter entspannenden Körpers, bis zu den Geschlechtsteilen, hinan die Unterseite des linken Beins bis hinunter zur Ferse, dort Drumherum und dann über die Zehen, auf der Oberseite des linken Beines Richtung Kopf zurück und weiter den Körper hinauf bis zum linken Oberarm, hinab über den Ellenbogen bis zur linken Hand: Ende des Körperscans.
Je nach dem Ausmaß an Zeit, die mir für die Erdmeditation zur Verfügung steht, mache ich entweder nur den gedanklichen Körperscan (so wie gerade beschrieben, d.h. ohne meinen Körper dabei zu bewegen) oder den etwas aufwändigeren Muskel-an-und-entspannung-Körperscan nach Jacobson (auch PME genannt), wobei jeder der gerade aufgeführten Körperteile dann jeweils auch noch kurz angespannt und nach einigen Sekunden wieder entspannt wird. Hierdurch ist es möglich, einen noch tieferen Entspannungsgrad zu erreichen als mit dem puren gedanklichen Körperscan, deshalb mache ich diesen immer dann, wenn ich genügend Zeit habe oder sie mir einfach schenken will oder muss, wenn ich z. B. akute Schmerzen irgendwo habe.
Nach dem Körperscan liege ich noch so lange wie ein Toter mit geschlossenen Augen am Boden, bis ich spüre, dass mein Lebensakku sich – das geschieht ausschließlich in diesem tiefen Entspannungszustand, in dem ich mich nun befinde – rasch wieder auflädt.
Das Signal “aufgeladen” ertönt plötzlich wie von selbst nach einer gewissen Tiefenentspannungszeit und ist der Impuls, den ich verspüre mich dann wieder zurückzunehmen, also diesen sich unvergleichlich wohlig anfühlenden, wundersamen magisch warmen Prä-Todes-Zustand wieder zu verlassen und ins alltägliche Leben (nun wieder mit großer Freude und Kraft!) zurückzukehren.
Der Impuls dazu lässt mich räkeln, gähnen und strecken nach Belieben und die nächste Phase setzt ein und besteht aus einem vorher genau festgelegten und individuell auf den jeweiligen Übenden maßgeschneiderten kleinen Programm an Yoga-Übungen, die zunächst langsam, dann immer rascher ausgeführt werden; ca. 10 Minuten langen. Bei mir sind als Übungen immer mindestens dabei: Kobra, (diagonale) Katze, Hund, Baum, Sonnengruß, aber da variiere ich nach Lust und Laune.
Danach sind mein Körper, mein Geist und meine Seele wieder bereit, das weitere Leben ebenso genussvoll zu leben, und das mit zurückgewonnener optimaler Lebensenergie in nur insgesamt ca. einer halben Stunde (täglicher) Erdmeditation.
Der Abend kann frisch und munter nun folgen und auch eine ruhelose, selbst schlaflose Nacht (dann allerdings mit viel Lesen!) kann diesem abendlichen Regenerationsprozess kaum Schaden zufügen, denn ich bin nun wieder fit wie ein Turnschuh und lebensfroh bis mindestens zum Mittag des nächsten Tages, bis dann nach einem erneut langen, mühevollen Arbeitstag meine Erdmeditation mir dann erneut ermöglichen wird, mein mir noch verbleibendes Leben auch tatsächlich bewusst und kraftvoll weiterzuleben.

© finbarsgift

Ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern
entspannte Osterfeiertage und viel Erholung.

Hier wird es in den nächsten Tagen ruhig bleiben,
aber in meiner Visitenkarte geht es weiter!

Veröffentlicht unter 'Körperwelten', Fundstücke | Verschlagwortet mit , , , , , | 8 Kommentare

Sonntage

Sonntage

Bild | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit , , , , , | 17 Kommentare

Weg-gespart

Weg-gespart

Es ist doch so einfach, sich einen Sündenbock zu suchen, anstatt darüber nachzudenken, was in unserer Gesellschaft zu verändern ist.
Es ist auch kein Geheimnis, dass die Anzahl der Menschen, die unter psychosomatischen Symptomen leiden, rasant ansteigt.

Kinder leiden bereits vielfach unter ADHS (Aufmerksamkeits Defizit Hyperaktivitäts Störung) – aus welchen Gründen auch immer. Pädagogen könnten allein aus ihren täglichen Erfahrungen wahre Bücher darüber schreiben, aber wie für alles gibt es Pillen und viele Eltern vertrauen darauf, anstatt für ihr Kind die nötige Hilfe und Unterstützung zu suchen. Schulische Anforderungen, Prüfungsdruck, die Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz und die oftmals erforderliche Nebentätigkeit zur Finanzierung eines Studiums oder einer Ausbildung überfordern viele junge Menschen.

Heute muss man für seine Tätigkeit oftmals ein Abitur haben, jung und belastbar sein und möglichst schon etliche Jahre Berufserfahrung haben. Ich bin durchaus dafür, dass junge Menschen sich für einen Schulabschluss anstrengen sollten, ein guter Abschluss fliegt einem nicht wie ein gebratenes Täubchen in den Schoß.

Doch die gesellschaftlichen Bedingungen sind in manchen Bereichen einfach nicht mehr tragbar.
Der Polizist von heute ist schon lange nicht mehr nur dein Freund und Helfer. Knallhart muss er mittlerweile sein eigenes Leben verteidigen und lebt in ständiger Anspannung, denn auch er weiß nicht immer, wen er vor sich hat und was ihm im nächsten Moment passiert.
Der Arzt, das Symbol für die Götter ins Weiß, ist schon lange von seinem Podest heruntergeschubst worden. Einem Patienten gegenüber nicht zu verantwortende Arbeitszeiten begünstigen den einen oder anderen Kunstfehler.
Der Lehrer ist heute „Mädchen für alles“, mit zusätzlichen Verwaltungsaufgaben, die bald nach einer eigenen Sekretärin schreien und immer weniger Zeit für den Schüler, für den er auch noch die Erziehungsarbeit der Eltern übernehmen soll.
Krankenschwestern und Altenpfleger können ihre Arbeit kaum schaffen, der Betroffene ist der Patient, der oft nur noch als Versorgungsobjekt sein Dasein fristet.
So lässt sich die Liste für viele Berufe beliebig erweitern.

Die Rehakliniken sind voll mit Patienten, die an psychosomatischen Erkrankungen durch Überforderung, Leistungsdruck und einer Ellenbogengesellschft leiden, in der sich jeder oft der Nächste ist.
Daraus sollte ein Fazit gezogen werden, die Arbeitgeber (die sich oft ebenfalls in diesem Hamsterrad befinden) dahingehend zu unterstützen, dass sie die Zeit und Möglichkeit haben, ihre Fürsorge gegenüber ihren Mitarbeitern auch umsetzen zu können.
Weg-gespart wird so vieles, was den Dienst am Menschen so bedeutsam macht.

Stände ich heute noch einmal vor der Entscheidung, den Lehrerberuf zu wählen, könnte ich keinesfalls spontan ja dazu sagen. Vor ein paar Jahren konnte ich das noch.
Die Gesellschaft verändert sich, wir verändern uns, das Alter und damit die Belastbarkeit verändern sich. Die gesellschaftlichen Bedingungen verändern sich auch, doch meist in eine entgegengesetzte Richtung.

Es ist höchste Zeit umzukehren und den Blick wieder auf den Menschen zu richten.
©G.B. 3/15

An dieser Stelle besonders den Kolleginnen und Kollegen erholsame Osterferien!

Veröffentlicht unter Gerade aktuell, Mal kritisch angemerkt... | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 31 Kommentare

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ((Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz)

Menschen, die den Freitod wählen, sind bedauernswert.
Menschen, die den erweiterten Freitod wählen, sind bedauernswert und verantwortungslos.

Immer werden andere mit hinein gezogen, direkt oder indirekt.
Zurück bleiben Betroffene, trauernde Familien, Freunde, Weggefährten.

Niemand wird wieder lebendig, wenn der Täter, der zeitgleich auch ein Opfer ist, posthum
gehetzt, durchleuchtet und zerredet wird. Diskretion – die sollte man seinen Angehörigen schuldig bleiben.

Auch für ihn und sie sollte die „Würde des Menschen“ geltendes Recht bleiben.

Veröffentlicht unter Gerade aktuell | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | 29 Kommentare

Tränende Herzen

1-5-11

Bild | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit , , , , , , | 14 Kommentare

RIP

RIP

Bild | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit , , , , ,

Irrlichter

Irrlichter
sind meist
Irrtümer.

Wenn die
Zahlkarte
mit dem
Täterfoto kommt,
geht einem meist
ein Licht auf.

c/ G.B. 3/15

Zu schnell gefahren-Zugesandtes Foto: -Wolfgang Mutterer-

Veröffentlicht unter Wortbilder | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 23 Kommentare

Frühlingsdekoration

der-eierbaumDer Eierbaum

Ich mag sie nicht, diese bunten Plastikeier, die mittlerweile überall an Bäumen und Sträuchern schaukeln und das bevorstehende Osterfest ankündigen.
Warum?

- Ostern hat von seiner Bedeutung her gar nichts mit Eiern zu tun.
– Plastik ist alles andere als ein umweltverträgliches Material.
– Die aufbrechende Natur ist in ihrer Schönheit einzigartig, so dass sie keine künstliche Verschönerung braucht.

Aber jeder sollte es so halten, wie es gefällt.

Veröffentlicht unter Empfundenes, Gerade aktuell, Mal kritisch angemerkt... | Verschlagwortet mit , , , , , | 25 Kommentare

Eine Frage des Geschmackes

Süßholz und Gurken

Bild | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 23 Kommentare

Mein Ort des Friedens

Mein Ort des Friedens

Mein Ort des Friedens muss Ruhe ausstrahlen.
Ich möchte dort gern allein mit meinen Gedanken und Gefühlen sein, abschalten und innerlich still sein. Dieses Gefühl erzeugt eine Schwerelosigkeit und ein sanftes Treiben in die Weiten der Unendlichkeit.

FriedenEin Projekt von Lottaliebtblau

Veröffentlicht unter Empfundenes | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 27 Kommentare