Ein ungleiches Paar

Ein ungleiches Paar

Der Waldmeister war unglücklich. Das war nur allzu verständlich, denn er fristete sein Schattendasein unbeachtet. Selbst seine feinen duftenden Blüten wurden von niemandem gewürdigt.
So schloss er abends seine kleinen Blütenkelche und schlief mit feuchten Augen ein.

Er erwachte und blinzelte verschlafen in die aufgehende Sonne. Ihm war, als hätte ihn jemand gerufen. Ratlos schaute er sich um. Mit einem tiefen Seufzer verfiel er wieder in seine Waldmeisterdepression und überlegte, wie er den Tag verbringen könnte.

„Hallo Waldmeister, hast du Bohnen in den Ohren?“
Erneut blickte sich der kleine Waldmeister um.
„Hier bin ich, hier oben!“

Er reckte seine weißen Blütenköpfchen in alle Richtungen und staunte. Die Blüte der Sonnenblume hatte sich ein wenig geöffnet und hielt ihr leuchtendes Gesicht der Sonne entgegen.

„Bist du aber schön!“, entfuhr es ihm.
„Und du machst ein Gesicht, wie sieben Tage Regenwetter“, entgegnete die Sonnenblumenblüte mit einem leisen Vorwurf in der Stimme.

„Du hast gut reden. Du bist so schön und du hast einen wunderbaren Ausblick. Ich hier unten sehe so gut wie gar nichts. Ich bin zu klein und mich beachtet niemand.“ Seine Stimme wurde brüchig, er kämpfte mit den Tränen.

„Du bist auch schön, lieber Waldmeister und du duftest so intensiv. Wenn ich größer werde, muss ich aufpassen, dass mir niemand die Augen zerhackt. Hast du eine Ahnung, wie weh das tut?“

Darüber hatte sich der Waldmeister noch keine Gedanken gemacht.
„Was hast du gemacht, damit du so groß wirst, liebe Sonnenblume?“
„Darf ich dir einen Tipp geben, lieber Waldmeister? Davon wirst du vielleicht nicht größer, aber zufriedener: ICH BETE DIE SONNE AN.“
Der kleine Waldmeister blinzelte in die Morgensonne und lächelte.

Waldmeister und Sonnenblume

© G.Bessen 5/15

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Naturschönheiten

Naturwunder

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Sylvia Meywerk: Spiel der Tänzerin

Sylvia Meywerk: Spiel der Tänzerin

Mein heutiger Lesetipp

Karl, 54 Jahre alt, kennt nichts anderes, als seine Arbeit und ein Leben, das er etwa fünfzig Jahre mit seiner Mutter teilten musste. Seinen Vater hat er nie kennengelernt und seine seit vier Jahren verstorbene Mutter schikaniert und beleidigt ihn in seinen Gedanken und Gefühlen noch immer. Die einzige Freude, die Karl in seiner Kindheit hatte, war eine Tänzerin aus Porzellan, die er stundenlang anschauen und an deren Musik er sich erfreuen konnte.
Die Sehnsucht nach einer Frau, die ihn liebt, begleitet ihn bis ins Erwachsenenalter und flammt neu auf, als gegenüber ein Ehepaar einzieht. In Miriam sieht er seine Tänzerin wieder und beobachtet sie von nun an mit einem Opernglas.
Als es zu einer unerwarteten intimen Begegnung zwischen den beiden kommt, glaubt sich Karl am Ende seiner Sehnsucht.
Doch die Erkenntnis, nur Mittel zum Zwecke gewesen zu sein, zwingt ihn, aus der elterlichen Wohnung, in der er sein gesamtes Leben verbracht hat, auszuziehen.
Die Vergangenheit verblasst im Laufe der Jahre, bis sie ihn ganz unerwartet wieder einholt…

Der Debütroman von Sylvia Meywerk ist kein schönes Buch im eigentlichen Sinn. Es gibt kein Happy End und das Leben von Karl zu verfolgen, ist eher deprimierend. Und doch hat es mir gut gefallen, denn es lässt den Blick in eine Seele zu, die systematisch von der eigenen Mutter vergiftet und zerstört wurde.

Sehnsucht nach der Mutterliebe, der Wunsch, anerkannt zu werden, selber geliebt zu werden, das alles durfte Karl nie erfahren. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass er seine Sehnsüchte und Träume auf eine Porzellanspieluhr richtete und sich dann in die erstbeste Frau, die ihm für einen Moment Beachtung schenkt, verliebt.

Die schmerzliche Erfahrung, nicht geliebt und anerkannt zu werden, es niemanden recht machen zu können, kann Menschen in die Verzweiflung und in die Isolation stürzen und letztendlich zu ungewollten Handlungen einer durch und durch kranken Seele führen.

Wie gesagt, es ist kein erfrischender Roman, aber meiner Ansicht nach ein guter.

Ich wünsche Sylvia Meywerk viel Erfolg bei ihren Lesungen und weiteren Romanen.

© G.Bessen, Mai 2015

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Sylvia Meywerk
Spiel der Tänzerin
Seiten: 184
Format: 12 x 19 cm
Preis: 8,00 Euro
ISBN: 978-3-939564-50-8

Bildquelle

 

 

 

 

 

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Mutter mit 65

Spätes Mutterglück oder nur egoistische Selbstverwirklichung?

Kann der Kinderwunsch einer Mittsechzigerin so immens sein, dass sie keine Mühen scheut, sich mit Hilfe von Ei- und Samenzellen künstlich befruchten zu lassen? Annegret R., von Beruf Grundschullehrerin und 7-fache Oma sowie bereits Mutter von 13, zum Teil erwachsenen Kindern, hat am 19. Mai Vierlinge zur Welt gebracht. Nach nur 26 Schwangerschaftswochen sind drei Jungen und ein Mädchen als Frühchen per Kaiserschnitt geboren worden .

Wenn die Schwangerschaft angeblich auch problemlos verlaufen ist, so stellt sich mir erneut die Frage, was ist mit einer Frau los, die in diesem Alter unbedingt noch einmal Mutter werden muss? Ist es blinder Egoismus? Ist es pure Gleichgültigkeit dem Leben dieser Kinder gegenüber? Das eigene Leben scheint dabei auch keine Rolle zu spielen.

Es ist vom Alter her durchaus möglich, dass diese Frau ihre Vierlinge aufwachsen und auch noch deren eigene Mutter- oder Vaterschaft erleben wird, doch tut sie ihren Kindern damit wirklich einen Gefallen? Eine Frau, die ihr Berufsleben bereits hinter sich hat und den wohlverdienten Ruhestand genieße könnte, wird sich mit unruhigen Nächten, Windeln wechseln, Babygeschrei, dem Zahnen der Kinder und auch anderen Unangenehmen Begleiterscheinungen ausgesetzt sehen, denn schon ein Kind ist in gewissen Situationen kein einfaches Brot. Vier auf einen Streich – eine Herausforderung ohnegleichen.

Finanzielle Probleme wird diese Frau in Zukunft sicher nicht haben, denn diese „Story“ lässt sich bestens vermarkten und wir werden in der „Yellow Press“ sicher auf dem Laufenden gehalten, wenn wir das wollen.

Einen richtigen Zeitpunkt für eine Schwangerschaft gibt es nicht, aber eine biologische Uhr hat jede Frau und auf deren Verfallsdatum sollte jede Frau achten, wenn sie die Verantwortung für einen neuen Erdenbürger ernst nimmt.

Frauen, die in diesem Alter Kinder in die Welt setzen, sind nach meiner Ansicht pervers, mediengeil oder nicht ganz dicht. Ich habe keinerlei Verständnis dafür, sondern empfinde den Kindern gegenüber, die noch mit den Namen Neeta, Dries, Bence und Fjonn ‘gesegnet’ sind, ein tiefes Mitgefühl.

© G.Bessen, Mai 2015

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Wunder der Natur

Unter dem Einfluss eines wahren Frühlings
werden die Lippen locker,
Töne sind unhaltbar und
Worte werden zu wahren Lobgesängen.

aufbrechende MohnblüteIch wünsche Euch frohe Pfingsttage!

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Redewendung: Auf dem Sprung oder Hals- und Beinbruch

Auf dem Sprung sein

Wer immer auf dem Sprung ist,
sollte beim Sprung ins Bett
das richtige Sprungbrett wählen.

An der Feisneck (10)Unsere deutsche Sprache hat so manche Eigenheiten. In der Literatur gibt es die Wendung „Hals- und Beinbruch“ seit dem 17. Jahrhundert, aber nicht als Glückwunsch, so wie sie heute gemeint ist.
„Hals und Beinbruch“ bedeutet, dass man einem anderen Glück, ein gutes Gelingen oder viel Erfolg wünscht. Das Gute soll heraufbeschworen werden, indem man einem anderen das Böse wünscht. Das ist zumindest eine Möglichkeit der Deutung.
In unserer multikulturellen Gesellschaft mit ihren vielfältigen Sprachen und in einer vor Anglizismen nur so strotzenden deutschen Sprache können wir uns solche Redewendungen eigentlich gar nicht mehr erlauben. Wer soll das noch verstehen?

© Text und Foto:G. Bessen 5/15

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Redewendung: Auf dem Teppich bleiben

Auf dem Teppich zu bleiben
ist so schwierig
wie auf einem
fliegenden Teppich abzuheben.

706408_original_R_by_Walter Eberl_pixelio.de

Es gehört schon eine große Portion Gelassenheit dazu, nicht aus der Haut zu fahren, sondern auf dem Teppich zu bleiben, nachdem die Bahn ab Mittwoch wieder auf unbestimmte Zeit streiken will und das ausgerechnet vor Pfingsten, wenn viele Menschen verreisen wollen.
Die Kehrseite: das Benzin wird wieder teurer, die Straßen verstopfen, denn das Auto wollten sicher viele zuhause lassen. Nun sind sie darauf angewiesen, sich mit den anderen Blechlawinen durch die Staus zu rollen. Und dann kommen die Klimaschützer und regen sich über das Übermaß an Emissionen auf.

Auf dem Teppich sollten auch die bleiben, die meinen, sich zu Höherem berufen zu fühlen und geringschätzig auf andere herabblicken. Wir leben in einer Zeit, in der mehr Menschen weltweit als Flüchtlinge unterwegs sind als nach dem Zweiten Weltkrieg. Irgendwo müssen diese Menschen ja bleiben und wir können sicher nicht alle aufnehmen. Dafür haben wir Politiker gewählt, die eine EU gegründet haben und diesen großen europäischen Gedanken konsequent umsetzen müssen, so dass alle Staaten ihr Scherflein dazu beitragen. Nur gemeinschaftlich lassen sich diese Probleme lösen. Lasst Taten folgen!

Wer nun an Pfingsten verreisen und nicht auf dem heimischen Teppich bleiben will, braucht entweder viel Geduld oder eine Alternative.
Ich habe mich für die Alternative entschieden.

© G. Bessen 5/15

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Elisabeth Herrmann: Das Kindermädchen

Elisabeth Herrmann: Das Kindermädchen

Mein heutiger Lesetipp

Das Buch „Die 7. Stunde“ von Elisabeth Herrmann, das ich kürzlich vorgestellt habe, ist das zweite Buch, in dem der Anwalt Joachim Vernau einen komplizierten Fall an einer Berliner Privatschule zu lösen hat.

Der Roman davor, „ Das Kindermädchen“ spiegelt das Leben von Joachim Vernau in einer betuchten und einflussreichen Berliner Familie, an der Seite seiner Lebensgefährtin Sigrun, die ihren Wahlkampf darauf ausrichtet, die erste Berliner Innensenatorin zu werden.
Am Tag der Verlobung von Sigrun und Joachim bietet der Fast-Schwiegervater Utz von Zernikow Vernau die Partnerschaft in der Kanzlei an.

Doch das Fest endet abrupt durch das Auftreten von Milla, einer Ukrainerin, die von Utz die Unterschrift auf einem Blatt mit kyrillischer Schrift verlangt, eine Bestätigung, dass die Familie im Zweiten Weltkrieg eine ukrainische Zwangsarbeiterin als Kindermädchen beschäftigt hat. Von Zernikow weigert sich und schweigt.

Die Fassade der Familie von Zernikow bekommt Risse und Vernau stellt unangenehme Fragen. Zusammen mit seiner Kollegin Marie-Luise sucht er Antworten und beide erleben ein Abenteuer, das sie in die Vergangenheit der Familie von Zernikow und der Familie von Lehnsfeld führt, die weit in die Zeit des Zweiten Weltkrieges zurück reicht. Sigruns Großvater und Abel von Lehnsfeld haben sich mit Kunstwerken, die von den Nationalsozialisten enteignet wurden, ein Vermögen angeeignet, das der Enkel Aaron von Lehnsfeld unter allen Umständen bewahren will.

Von den Nationalsozialisten enteigneten Kunstwerke sind ein häufig aufgegriffenes Thema in Romanen. Das Schicksal von Zwangsarbeiterinnen im 2. Weltkrieg ein anderes, nicht weniger brisantes.
Beide Themenkomplexe hat Elisabeth Herrmann in einem spannenden Roman verwoben, der fesselnd, sprachlich ansprechend und teilweise nicht ohne eine gewisse Komik für mich ein großer Lesespaß war.

Mich hat Elisabeth Herrmann als angetane Leserin berührt und die nächsten beiden Romane um den Anwalt Joachim Vernau liegen bei mir schon bereit, gelesen zu werden.

© G. Bessen 5/2015

das_kindermaedchenBildquelle

erschienen: 2007
ISBN 978-3-442-46455-5
Verlag: Goldmann Taschenbuch
Preis: 9,99 €

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Ohne Worte

Wahre Schönheit
bedarf keiner Worte.

RapsText und Fotos: G. Bessen Mai 2015

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Karl Miziolek und Karin Heinrich: Fabelhafte Geschichten

Mein heutiger Lesetipp

Eine wahrlich fabelhafte Lektüre

In einer Jahreszeit, in der um uns herum das Leben neu erwacht, sollten wir unsere Sinne schärfen und lauschen, was die Natur uns mitteilen möchte. Dazu bieten sich Fabeln an, in denen Pflanzen und Tiere als Menschen auftreten und uns unser eigenes Verhalten spiegeln.

Das Büchlein „Fabelhafte Geschichten“ von Karl Miziolek und Karin Heinrich ist genau das richtige Buch, das uns in fünfundzwanzig Fabeln zeigt, dass es in der Natur wie bei uns Menschen zugeht. Neid, Dummheit, Ehrgeiz, Übermut und Eitelkeit, aber auch ungewöhnliche Freundschaften haben mich beim Lesen schmunzeln lassen und in mir den gewollten „Aha“-Effekt bewirkt.

Schwarz-weiße Zeichnungen zu allen Fabeln, Zitate berühmter Schriftsteller sowie bekannte Sprichwörter wie auch Weisheiten von Karin Heinrich machen dieses sympathische Büchlein zu einem Lesespaß für Jung und Alt.
Sehr empfehlenswert und kurzweilig, aber auch zum Nachdenken anregend!

Zu finden auf Karls Homepage
und bei Amazon
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c/ G. Bessen 5/2015

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