Mediales

Unschöne  und beängstigende  Nachrichten umzingeln uns. Was wir hören und sehen, passiert, ohne Frage, aber wo bleiben die vielen anderen kleinen positiven Dinge? Wenn man sie auch gerade nicht erwähnen möchte, so sind sie dennoch da – das ist gewissermaßen Strafmilderung, Trost und sollte uns wieder zuversichtlich machen  …

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Sankt Martin und die Martinsgans 11.11.

„Laterne, Laterne, Sonne, Mond uns Sterne …“ Jedes Jahr ziehen die Kinder am Namenstag des Hl. Martin mit ihren leuchtenden Laternen und ihren Eltern und Geschwistern durch die dunklen Straßen und singen das Lied, das auch jeder von uns kennt.

Wer war St. Martin?

Der heilige Martin wurde um 316 in Savaria (damals im Römischen Reich, heute Ungarn) geboren und musste gegen seinen Willen, auf Wunsch des Vaters, zum Militär. Er starb 397 in Candes.

Der Überlieferung nach war Martin mit 17 Jahren im heutigen Frankreich stationiert und traf einen Bettler, der keine Kleider anhatte. Mit seinem Schwert teilte Martin den Mantel durch und gab eine Hälfte dem Bettler. In einem Traum offenbart sich Jesus Christus als der Bettler, der mit dem halben Mantel bekleidet war.

Ein Soldat teilte seinen Mantel in einer Zeit, in der das Christentum seine offizielle Anerkennung durch die römische Staatsmacht erfuhr. Er wurde als Missionar ein Wegbereiter früher kirchlichen Strukturen. Er gründete Klöster, lebte selbst immer wieder für längere Zeit  als Einsiedler und begründete somit die Fundamente des abendländischen Mönchtum. Auf Wunsch der Gläubigen wurde Martin im heutigen Frankreich Bischof von Tours.

Bildquelle

Was hat der Heilige Martin mit der Martinsgans zu tun?

Früher war die Martinsgans das letzte Festessen vor der vorweihnachtlichen Fastenzeit. Man sagt dem Hl. Martin nach, er sei ein bescheidener und zurückhaltender Mensch gewesen. Angeblich hatte er sich vor seiner Wahl zum Bischof im Gänsestall versteckt, um der Wahl zu entgehen. Leider vergeblich, denn  das laute Geschnatter der Gänse habe ihn verraten. Seitdem müssen die Gänse für ihren Verrat büßen.

 Das Los der Gänse

Die Liese von der Gänsewiese
hat eine schwere Lebenskrise.
Ihr charmanter Gänserich
ist nicht mehr da.
Sie glaubt es nicht!
Seit gestern ist er fort
und sie weiß nicht,
an welchem Ort.

Mit ihm sind viele fortgegangen,
ihr Herz zerspringt
schier vor Verlangen.
Die Gänse flüstern sich im Nu
die Neuigkeiten zu
und planen heimlich,
mit Bedacht,
davon zu laufen in der Nacht.

Gerüchte, so der Lange Hans,
erzählen von der Weihnachtsgans,
von Gänsekeulen, Gänsebrust,
darauf haben nur Menschen Lust.

Die Gänse weinen,
sind entsetzt,
das hat sie
doch zu sehr verletzt.

Sie sind entschlossen,
einer Meinung,
ihr Leben endet sicher nicht
als winterliches Hauptgericht.

© G. Bessen in „Wenn das Jahr zu Ende geht“, 2014

Das Teilen ist gar nicht so schwer. Und entgegen vieler Ansichten, werde ich davon nicht ärmer, sondern selbst reicher, wenn ich mich verschenke. Ich kann abgeben, was ich nicht benötige, was anderen aber helfen kann, ich kann meine Zeit und meine Aufmerksamkeit teilen und anderen das Gefühl geben, ich bin für sie da.

Der 11. November ist der „Tag der Kleiderspende“. Nach dem Vorbild des Hl. Martin kann man Hilfsbedürftigen durch das eigene Ausmisten Gutes tun und unbürokratisch helfen.

Dazu bitte hier entlang: https://www.kleiderstiftung.de/startseite/

 

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Stolpersteine

Stolpersteine

Der heutige 9. November ist ein Tag in der deutschen Geschichte, an dem sich mehrere Ereignisse immer wieder in unser Bewusstsein drängen: der Anfang der ersten Deutschen Republik, die Pogromnacht 1938 und der Fall der Berliner Mauer 1989.

Ein deutscher Künstler namens Gunter Demnig erinnert seit 1992 an die Opfer des Nazi-Regimes. Dazu mauert er in Orten, in denen die Opfer zuletzt gewohnt haben, sogenannte STOLPERSTEINE, Gedenktafeln aus Messing ein, die an die Menschen erinnern sollen. So hält er die Erinnerung an mittlerweile tausende Menschen lebendig, die die Verbrechen des Nazi-Regimes nicht überleben konnten. Ich finde dieses Projekt eine gelungene Form der Menschlichkeit und des Sich-Erinnerns.

Umso unverständlicher ist mir, wie Menschen auf die perverse Idee kommen, solche Mauersteine zu stehlen, wie es schon mehrfach geschehen ist. Mich packt das blanke Entsetzen, so etwas lesen zu müssen, ebenso wie Gräberschändungen von Mitbürgern jeder Herkunft und Kultur. Reicht es nicht, dass wir tagtäglich Zeugen von Gewalt und Ausländerhass werden, ohnmächtig zuschauen müssen, wenn Menschen zu Tode geprügelt werden? Wie rechtsradikales Gedankengut sich wie eine bedrohliche Welle immer mehr bei uns, ja, sogar weltweit, ausbreitet?

Dass die Lebenden nicht respektiert werden, ist eine Ungeheuerlichkeit, dass das Gedenken an die Toten und ihre tragische Lebensgeschichte so besudelt wird, ist eine Respektlosigkeit, die ihresgleichen sucht.

Die Stadt meines damaligen Brötchengebers, zu der auch die bekannte Gedenkstätte Sachsenhausen gehört, schloss sich bereits 2005 dem Projekt von Gunter Demnis an. Schüler eines Gymnasiums haben das Projekt begeistert angenommen. Meine ehemalige Schule hat sich vor vielen Jahren den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erworben. Diesem Beispiel sind viele andere Schulen bereits gefolgt.

Junge Menschen sind bereit, sich gegen rechte Einflüsse zu wehren und nicht unreflektiert fremdenfeindliche Parolen nachzuäffen, wenn sie entsprechend sensibilisiert und herangeführt werden, dass die Verbrechen unsere Geschichte sich nicht wiederholen dürfen. Und an uns Älteren liegt es, sie auf diesen Weg zu führen.

Wir schimpfen viel auf unser Land, in dem leider vieles nicht so ist, wie es nach unserer Meinung sein sollte. Derzeitige Wahlergebnisse, Unstimmigkeiten und Machtmissbrauch sprechen eine eindeutige Sprache.

Und trotzdem – die meisten von uns haben den Zweiten Weltkrieg nicht miterlebt. Und wir sollten dankbar sein, in einer Zeit des Friedens, einer Zeit ohne Krieg im eigenen Land groß geworden zu sein und leben zu dürfen.

Text: G. Bessen, Fotos: pixabay

 

Die Reichspogromnacht

Reichspogromnacht

80 Jahre sind seit dieser Nacht vergangen,
aber im Verborgenen lauert der Hass und
wartet …

Nacht der Zerstörung und grausamer
Schrecken, die machtvoll uralte Ängste
wecken

Krachendes Glas und splitternde Scherben
Zerschlagende Stöcke
Zerstörender Hass eilt durch Straßen und
Gassen.  Angstvolle Schreie im Klirren
zerspringender Fensterscheiben und
überall Menschen, die leiden

Gewalt trägt Entsetzen
Mordende Fratzen, zerstörte Gesichter
Geschürter Hass, wohl organisiert
explodiert in der Nacht, die über zu
viele Menschen Schrecken und Not
gebracht

Die Maske der Wut tobt mit Genuss,
findet kein Ende bis alles brennt
I m   g a n z e n   L a n d   i s t
G e w a l t   e n t h e m m t

Selten nur Mitleid, Hilfe tät Not, doch
in dieser Nacht lag beides tot
Es siegte die Gier, Hass wurde poliert
und Courage erstickte im Qalm von
Q u a l e n

Nie werde ich mit meinem Menschsein
prahlen

Ich gedenke in Demut, meine Gedanken
erzittern, splittern in Scherben und
Tränen rinnen, weil viel zu viele am
Gewaltpotential stricken

Fanatischer Hass an allen Orten
Terror mordet, zerschlägt und zerstört,
zündet in maßloser Wut menschen-
wichtiges Hab und Gut

Entsetzen und Scham erfüllen mein Herz

Freitag, der 9. November 2018

Gewalt exisitiert bevor sie passiert!

Ich verabscheue Gewalt in jeder Form,
ganz egal, gegen wen und welche
Volksgruppe sie sich richtet.

2013 schrieb ich meine Worte zu
dieser Nacht zum ersten Mal auf und
heute fühle ich genau wie damals

© Bruni Kantz

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Memento mori – lebendig die Toten und an den Tod erinnern

Memento mori – lebendig die Toten und an den Tod erinnern

Eine November-Blog-Aktion im Blog von Petra Schuseil und Annegret Zander

Kaum sind wir im November angekommen, gedenken wir in vielfältiger Form all derer, die uns vorausgegangen sind und die auf immer in unserer Erinnerung lebendig bleiben.

Liebe Freundin,

bald ist es ein Jahr her, dass mich die Diagnose wie ein Hammerschlag traf und danach dauerte es nicht allzu lange, bis ich zu deiner Trauerfeier kam, eine Feier, die mir noch heute lebendig in Erinnerung ist, weil sie unter die Haut ging.

In der Trauerhalle zogen zwei Dinge meinen Blick immer wieder magisch an, zum einen der Sarg, in dem du unfassbarerweise ruhtest und der inmitten von Kerzen und Pflanzen gar nicht bedrohlich wirkte und ein großes Porträtbild von dir, das den Raum dominierte. Es war wie im Leben, dein offener Blick ruhte auf den Menschen, die gekommen waren, um Abschied von dir zu nehmen, und dein sympathisches Lächeln war so warm, als wollte es uns all die Trauer um dich weglächeln.

Wir kannten uns ein paar Jahre und wenn wir uns alle vier Wochen sahen und miteinander plauderten, lernten wir uns immer ein wenig besser kennen. Doch in dieser einen Stunde habe ich so viel über dich erfahren wie in all den Jahren zuvor nicht.

Du warst eine Frau, die ein reiches, buntes und lebendiges Leben hatte, auch wenn es wie bei allen anderen Menschen auch mal von dunklen Wolken überschattet wurde. Und doch strahltest du eine dankbare Zufriedenheit aus, die keinen Raum für Klagen ließ.

Ich musste schmunzeln, als der Redner erzählte, welch interessanten Weg dein Leben genommen hatte, von einer ausgebildeten Standesbeamtin über deine zweifache Mutterrolle zum Friseur-Model, von der Chef-Hostess bei Messen zum Model in exklusiven Boutiquen bis ins hohe Alter. Dein wohlgeformter Körper und deine Ausstrahlung, wahre Geschenke der Natur, um die dich so manche jüngere Frau beneidet hat, haben dir diesen Weg ermöglicht. Du konntest für dich selbst sorgen, und doch warst du eine liebende Gattin und zweifache Mutter, ein Familienmensch durch und durch, aber auch eine exzellente Gastgeberin, die gern Gesellschaften um sich hatte und alles für deren Wohl tat.

Eure finanzielle Sicherheit ließ dich nie vergessen, dass es Menschen gibt, denen es nicht so gut ging, auch für sie hattest du immer ein hörendes Herz und helfende Hände.

Als vor der Trauerfeier ein attraktiver Mann, gefasst aber lächelnd, auf mich zukam und mich begrüßte, wusste ich sofort, es war der Mann deines Herzens. Auf den ersten Blick spürte ich, wie gut ihr zusammen gepasst habt und die Stationen eurer Ehe, die der Redner so lebendig schilderte, wurden begleitet von den Liedern, die euch durch eure lange und glückliche Ehe geführt hatten. Ob das ‚Hallelujah’ von Leonard Cohen oder ‚ Merci Chérie’ von Udo Jürgens, so bunt wie die Auswahl der Lieder, so farbenreich war eure gemeinsame Zeit.

Aber auch das ‚Ave Maria’ und so manche auf der Orgel gespielte Melodie war ein Teil deiner Abschiedsfeier und als der katholische Geistliche erzählte, dass er das Privileg und deine Erlaubnis hatte, dich mehrere Male im Hospiz zu besuchen, was du neben ihm nur deinem Mann gestattet hattest, konnten wir erahnen, wie schwer es für dich und deine beiden Söhne gewesen sein musste, so früh voneinander Abschied zu nehmen.

Dein Wunsch, sie sollten dich noch gut aussehend in Erinnerung behalten, ist verständlich, aber für ein Mutterherz doch sicher auch eine enorme Belastung gewesen.

Mit dem lieben Gott lässt sich offenbar nicht handeln, denn die Erzählung des Pfarrers, dass du zwar annimmst, dass der liebe Gott dir nun auch eine Prüfung in Form von Krankheit zumutet, er aber nun auch bitte dafür sorgen soll, dass das alles schnell geht, ließ uns alle schmunzeln. Aber wir alle wussten auch, dass du dich noch viele Wochen mit dem gierigen Schalentier in deinem Körper herumschlagen musstest, bis du endlich die Augen für immer schließen durftest.

Die Feier des Abschiedes von dir, liebe Freundin, war berührend, liebevoll, tränenreich aber auch schön. Das Attribut ‚schön’ habe ich noch nie bei einer Trauerfeier vergeben. Deine Krankheit kam unerwartet, der Kampf bis zu deinem Tod war sicher für dich und deine Familie ein schmerzvoller Weg, doch der Abschied von dir hat auch Hoffnung gemacht.Mögen wir alle darauf hoffen dürfen, dass es dir dort, wo du jetzt bist, gut geht und wir uns eines Tages in der Unendlichkeit wiederfinden werden.

© Text und Fotos: G. Bessen

Im Gedenken an Evi (1937 – 2018)

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Alltag – das Immerwiederkehrende (1)

Alltag – das Immerwiederkehrende

Ulli Gau hat zu einem Projekt aufgerufen, an jedem ersten Wochenende im Monat etwas aus dem eigenen Alltag zu beschreiben.

Meinen Gedanken, den ich heute dazu erweiternd formulieren möchte, habe ich etwa vor einem Jahr schon mal unter der Überschrift „Ein-Scheiß-Thema“ als Beitrag gebracht.

https://annalenaslesestuebchen.wordpress.com/2017/09/26/ein-scheiss-thema/

Wir liegen immer noch auf der Lauer, demonstrieren das eigene Tütchen in leuchtend gelber Farbe, doch ich muss sagen, in ‚unserem’ Kiez halten sich die Hinterlassenschaften mittlerweile in Grenzen.

In einer Nachbargemeinde gibt es ganze Hundetoiletten und so habe ich voller Freude ein Foto mitgebracht, das ich bei Gelegenheit mal unserem Bürgermeister schicken werde.

Allerdings frage ich mich bei der zunehmenden Plastikflut, was nun besser ist: die Hinterlassenschaften der Vierbeiner gleich gut platziert und nicht als Reintretefalle liegen zu lassen oder für noch mehr Plastikmüll verantwortlich zu sein? Ich könnte für unseren kleinen Hund mit einer leeren Papierfiltertüte losgehen, doch was machen die Menschen mit großen Hunden?

Und von der Hundeplastiktüte schlage ich dann gleich den Bogen zum neulich festgestellten Mikroplastik im Stuhl. Da hörte ich unlängst einen deutlichen Aufschrei im Freundes- und Bekanntenkreis und plötzlich werden nach Alternativen gesucht, wie man die Flut des Plastikmülles, der ja vielleicht doch irgendwann in den menschlichen Körper zurückkommt, wieder eindämmen kann. Von Wasseraufbereitern statt der Plastikflaschen bis hin zur Herstellung des eigenen Joghurt oder der eigenen Kosmetikartikel werden überall Überlegungen angestellt (wobei manche, die das ohnehin schon machen, nur ein müdes Lächeln zeigen …).

Wie dem auch sei, bei der Fülle der Plastikkarten, die einem ja von der Bankkarte über diverse Kundenkarten ständig ins Haus flattern, kann man ja irgendwie beruhigt sein, falls man später dement wird. Vielleicht lassen sich bis dahin die persönlichen Daten im Mikroplastik der Toilettenschüsseln ablesen und die Kaffeesatzleserei ist dann völlig out …

© G. Bessen November 2018

 

 

 

 

 

 

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Unverbesserliche Besserwisser – Wortspielerei

Unverbesserliche Besserwisser

Wissen
unverbesserliche
Besserwisser
wirklich
alles besser?

Wenn
unverbesserliche
Besserwisser
besseres
Wissen
für sich behalten,
kann sich
das Wissen anderer
nicht verbessern.

Nur wahres Wissen
kann die
Welt verbessern.

Text und Foto: G.Bessen

Die Besserwisser
sind die,
die nie an sich zweifeln,
die, die alles besser wissen,
die, die von sich überzeugt sind
die, die alles können.

Wenn man sie hört!

Die, die jede andere Meinung stört,
von denen ein jeder schon einmal gehört!
Sie zu überhören ist nicht möglich,
denn sie greifen dich ab,
du lässt sie stehen, aber sie
lassen dich nicht gehen.
Die, die einen in Grund und Boden schwätzen,
die, vor deren Geist alle andern verblassen.

Sind sie von allen guten Geistern verlassen?

Sie sind so von sich besessen,
dass sie sich selbst ein Denkmal setzen.
Täten sie es nicht selbst, wer würde es tun?

Wissen sie das und beugen sie vor?

Alleswisser erkennen alles,
in Windeseile und Blitzesschnelle,
und haben sofort die Lösung für alles parat
– mit Worten!

Taten sind nicht ihre Stärke,

sie ziehn sich zurück
und lassen dich stehen,

du kommst doch nun klar?!

© Bruni Kantz

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Im Gedenken an jene, die vorausgegangen sind …

Allerheiligen und Allerseelen

Wenn ich an deinem Grabe steh’,
vor Tränen blind, kaum etwas seh’,
geh’n die Gedanken gern zurück,
in Tage, hell vor Lebensglück.

Ein Seelenlicht zeigt dir den Weg,
mit grünen Zweigen ausgelegt,
ein Weg, den wir noch vor uns haben,
da hilft kein Zetern und kein Klagen.

Dein Lebenszeugnis spornt mich an,
beflügelt mich, doch dann –
fehlt mir der Mut, ich fühl’ mich leer.
Mein eigener Weg fällt mir so schwer!

Du bist schon ‚drüben’, angekommen,
im Haus der lichten Ewigkeit,
hast jedes Hindernis genommen
mit Blick auf die Unendlichkeit.

 

Als jemand, der dich stets verehrt,
steh ich hier, ganz in mich gekehrt.
Ich zünde eine Kerze an
und ruf dir zu: ‚Mach’s gut, bis dann!’

© Text und Fotos: G. Bessen, 2018

 

 

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Friedensmission

Das einzig wirkliche Übel ist das Fehlen von Liebe.

(John Robinson 1650 – 1723),
englischer Diplomat, sowie Bischof von Bristol und von London

Friedensmission

Für ein gutes Klima, das uns
und den folgenden Generationen
ein Leben in Würde
und der Wahrung der Grundrechte ermöglicht.

Für einen Frieden,
der in den Köpfen beginnt, das Herz ergreift
und mit zupackenden Händen
umgesetzt wird.

Für Verantwortliche in aller Welt,
die das Dienen dem Herrschen vorziehen
und sich gegen Machtmissbrauch
jeglicher Art wehren.

Für Menschen wie Du und ich,
die sich für die Würde aller Menschen,
unabhängig von Religion und Kulturkreis,
stark machen und Werte zu wahren versuchen.

© Text und Foto: G. Bessen

angeregt durch den Beitrag von Petra Schuseil im Blog Wesentlich werden

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Kahn der Erinnerungen

Im Kahn
meiner Erinnerungen
darf ich verweilen,
lasse mich treiben
und tauche ein
um ganz
in der Vergangenheit
zu sein.

© Text und Foto: G. Bessen

 

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Susann Pásztor: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Mein heutiger Lesetipp

Susann Pásztor:
Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Bildquelle

Fred ist alleinerziehender Vater seines 14-jährigen Sohnes Phil, der nach der Scheidung beim Vater geblieben ist und bei ihm lebt. Beide gehen respektvoll, aber distanziert miteinander um, denn jeder von ihnen lebt in seiner eigenen Welt.

Während Fred sich neben seiner Arbeit zum Sterbebegleiter ausbilden ließ, schreibt Phil in einem Internetforum Gedichte und untersucht Wörter nach ihrer Gesundheit und danach, ob sie wegen ihrer kranken Aussagekraft in ein Wörterkrankenhaus verschoben werden sollten.

Und dann tritt Karla in das Leben von Vater und Sohn, eine 60-jährige selbstbewusste Frau ohne Familie und Freunde, die an Pankreaskrebs erkrankt ist und weiß, dass sie bald sterben wird. Es ist Freds erster Fall als Sterbebegleiter, an dem er sich fast die Zähne ausbeißt. Auch Phil tritt in Karlas Leben, da sie ihn beauftragt, eine Vielzahl all ihrer Negative zu digitalisieren und zu archivieren.

Und noch einige Personen aus dem näheren Umfeld werden immer bedeutender in Karlas Leben. So bildet sich eine Gemeinschaft völlig unterschiedlicher Menschen um Karla, die sie mit Einfühlungsvermögen und Fürsorge sie bis zum letzten Tag ihres Lebens begleiten, das sie selbstbestimmt zu Ende bringt.

Der Tod als Tabuthema in unserer Gesellschaft und die Auseinandersetzung mit ihm, die Frage, wie verlässt man diese Welt und wie geht man mit der eigenen Sterblichkeit um, sind einige zentrale Fragen in diesem Buch.

Die Autorin, selbst ehrenamtliche Sterbebegleiterin, schafft es, in diesem Roman, den Schrecken Tod zu etwas Natürlichem zu machen, zu etwas, das unweigerlich jeden von uns mal treffen wird und auch ein Stück greifbarer zu machen.

Die Menschen um Karla, die sich – bis auf Fred und Phil – vorher absolut fremd waren und auch in völlig verschiedenen Welten leben, bilden eine Gemeinschaft wie einen Kokon, der es Karla ermöglicht, in Würde zu gehen.

Der Roman berührt, er geht in die Tiefe und doch strömt er einen Frieden aus, der sich im Titel spiegelt, wenn die Seele des Verstorbenen durch das geöffnete Fenster ihren Weg in die Unendlichkeit antritt.

© G. Bessen

Taschenbuch
288 Seiten
erschienen am 16. August 2018 (die gebundene Ausgabe erschien bereits 2017)
ISBN 978-3-462-05186-5
Kiepenheuer Witsch, 11 €

 

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