Festplattenschlafmützen

‚Festplattenschlafmützen‘ sind Bilder und Gedanken, die ihr Dasein still und geduldig auf dem Rechner fristen. Man findet sie beim Aufräumen und muss sich entscheiden, sie ans Licht zu führen oder sie in die ewige Verdammnis zu schicken …

Wer seine Hochzeitssuppe
vorschnell löffelt,
landet später oft bei
Schmalzstullen und Gurken.

© Text und Fotos: G. Bessen

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NIE WIEDER!

NIE WIEDER!

Der heutige 9. November ist ein Tag in der deutschen Geschichte, an dem sich mehrere Ereignisse immer wieder in unser Bewusstsein drängen: der Anfang der Ersten Deutschen Republik, die Reichspogromnacht 1938 und 1989, vor 30 Jahren, der Fall der Berliner Mauer.

Ein deutscher Künstler namens Gunter Demnig erinnert seit 1992 an die Opfer des Nazi-Regimes. Dazu mauert er in Orten, in denen die Opfer zuletzt gewohnt haben, sogenannte STOLPERSTEINE, Gedenktafeln aus Messing ein, die an die Menschen erinnern sollen. So hält er die Erinnerung an mittlerweile tausende Menschen lebendig, die die Verbrechen des Nazi-Regimes nicht überleben konnten. Ein Projekt einer gelungenen Form der Menschlichkeit und des Sich-Erinnerns, besonders auch nach den jüngsten Vorkommnissen in Halle.

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Nebel-Leben

Nebel
Undurchsicht überall
Eine rote Rose
lässt sich nicht verschlucken
Leben

© G. Bessen

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Hände

Hände

Wärme mich, wenn mir kalt ist.
Tröste mich, wenn ich traurig bin.
Halte mich, wenn ich zu fallen drohe.
Gib mir etwas von Deiner Kraft,
wenn meine Kräfte schwinden.
Gib mir Zuversicht
in meiner Hoffnungslosigkeit.

Halte meine Hand
bis zum letzten Atemzug.
Mit
Deiner Wärme,
Deiner Kraft,
Deiner Zuversicht
finde ich das Licht
am Ende des Tunnels.

Als unsere Hände einander hielten,
lebten wir,
eingebunden in den Schoß
unserer Familien,
gehalten von unseren Partnern,
getragen von deren Liebe.

Nun sind auch wir
in der anderen Welt,
jenseits unserer einstigen Vorstellung,
angekommen und aufgehoben
im ewigen Licht.

© Texte und Fotos G. Bessen

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In den Gärten der Welt …

In den Gärten der Welt …

Bevor sich der Oktober verabschiedet, möchte ich ihm Gelegenheit geben, sich in den Gärten der Welt in Berlin-Marzahn von seiner schönsten Seite zu zeigen.

Marzahn liegt am nördöstlichen Stadtrand von Berlin und grenzt im Süden an Treptow-Köpenick, im Westen an Berlin-Lichtenberg und im Norden und Osten an Brandenburg. Gewachsen ist der Bezirk aus den „Dörfern“ Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf, Marzahn und Mahlsdorf. Mit den Gärten der Welt im weitläufigen Erholungspark Marzahn entstand eine Oase für alle Sinne. Bereits im Mai 1987 zur 750-Jahr-Feier Berlins öffnete dort die Berliner Gartenschau ihre Tore.

Heute sind die Gärten der Welt eine Oase  und eine Idylle für alle Sinne, mit Wasserläufen, Pflanzen, Irrgarten und Labyrinth. Verschiedene Themengärten verzaubern den Besucher in diesem weitläufigen Areal (Größe etwa 21 Hektar) und versetzen ihn in eine andere Welt.

Eine Seilbahn vom U-Bahnhof Kienberg aus bringt den Besucher mitten in die Gärten der Welt und der Blick aus der Vogelperspektive ist lohnenswert. Um alle Gärten intensiv zu erleben, sollte man sich einen ganzen Tag Zeit nehmen. Hungern und dursten muss niemand, dafür sorgt eine vielfältige Gastronomie.

Chinesischer Garten:  „Garten des wiedergewonnenen Mondes“

Japanischer Garten: „Garten des zusammenfließenden Wassers“

Christlicher Garten als moderner Klostergarten

Balinesischer Garten:  „Garten der drei Harmonien“

Koreanischer Garten: „Seouler Garten“

Orientalischer Garten: „Garten der vier Ströme”

Italienischer Renaissancegarten:  „Giardino della Bobolina“

Fotos: G. Bessen

Informationsquelle

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Neues aus der Stadt der Limericks

Eine Witwe in Limerick,
nicht schlank, doch auch nicht wirklich dick,
hatte Marotten,
aß Kieler Sprotten
und pflegte noch so manchen Tick.

Der Vogel auf der Nebelbank
suchte den Streit und liebte Zank.
Die Sonne kam raus
und schon war es aus.
Nun herrscht Frieden, Gott sei Dank!


Die Zeit wurde jüngst umgestellt,
das kostet letztendlich nur Geld.
Ich fahr’ nun zur Kur,
und ganz ohne Uhr.
Was kümmert mich der Rest der Welt?

Texte und Fotos: © G. Bessen, Oktober 2019

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Die Poesie der Erde

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Aus dem Land der Dichter und Denker

Aus dem Land der Dichter und Denker

Unser christliches Abendland hat wahre Ko­ry­phäen in Kunst, Literatur und Musik hervorgebracht. Gerade gestern Abend haben wir uns in kleinem Kreis mit Gedichten befasst. Das Spektrum reichte von Heinrich Heine, Christian Morgenstern, Rainer Maria Rilke bis zu Rose Ausländer, um einige zu nennen. Sprache macht Inhalte transparent und führt in die Weite.

Dass unsere heutige Sprache sich sehr verändert, und das meine ich hier nicht unbedingt in positiver Hinsicht, wissen wir alle, die moderne Medien und soziale Netzwerke nutzen.

Über die Flut der Amerikanismen und Anglizismen regt sich kaum noch jemand auf, nur die ältere Generation, die des Englischen nicht mächtig ist, erträgt sie.

In unserem regionalen Radiosender, den wir wegen der guten Musik eigentlich gern hören, tönt es nun den lieben langen Tag: ‚EVERYBODY HÖRTS’. Schaltet man den Fernseher ein, stolpert man in der Werbung häufig über die Formulierung: ‚Shop-Apotheke … ich weg’.

Vielleicht fehlt es mir wirklich an dem nötigen Humor, das gut zu finden, oder mein innerer Rotstift ist noch zu lebendig, denn es soll ja noch Menschen geben, die hier leben, sich hier integrieren und unsere ohnehin nicht einfache Sprache erlernen wollen. In diesem Fall schließe ich mich dem guten alten Friedrich Schiller an:

„Die Sprache ist der Spiegel einer Nation.
Wenn wir in diesen Spiegel schauen,
so kommt uns ein großes treffliches Bild
von uns selbst daraus entgegen.“
Friedrich Schiller (1759-1805)

 

© G. Bessen

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Von Irrungen und Wirrungen oder wie zwei Engel mir den Tag retteten … (2)

Meine Hoffnung bewahrheitete sich. Die Hose war bis Duisburg fast trocken und bis auf einen kleinen Rand deutete nichts auf mein Kaffeemalheur hin. Die schlaue Hausfrau fährt nicht ohne ‚Rei in der Tube’ weg und die Endreinigung der Hose hatte bis zum Abend Zeit. Nun ging es darum, weiterzukommen, was sich doch als etwas schwierig herausstellte.

Wir bereits mehrfach in diesem Jahr bei der DB erlebt, hatte mein Anschlusszug nach Viersen Verspätung, dann fuhr kurz darauf doch einer, der mich aber wiederum in Viersen in Kalamitäten brachte, da ich den Zug nach Kaldenkirchen nicht pünktlich bekommen würde und eine Stunde warten musste. Da ich Verabredungen nicht unentschuldigt absage, rief ich den Taxifahrer an, schilderte ihm meine Situation und vertröstete ihn auf später und versprach, mich wieder zu melden. In Viersen setzte dann doch ein Regionalzug ein und als ich in Kaldenkirchen ausstieg und die beiden Taxistellplätze leer waren, meldete ich mich noch einmal freudestrahlend telefonisch, dass ich nun doch da sei. Gut, ich war nun da, mit letztendlich zwanzigminütiger Verspätung, aber auf eine der beiden Taxis des Ortes hätte ich mindestens eine und eine halbe Stunde warten müssen. Vom Regionalzug, der bereits weiter nach Venlo fuhr (und da gibt es hinreichend Taxis und einen Bus, für den ich sogar noch ein Busticket vom letzten Jahr in der Tasche hatte), sah ich nur noch die Rücklichter.

Auf dem Bahnhofsvorplatz stand ein Auto mit Düsseldorfer Kennzeichen und einem Schild darin: DB – Sicherheitsdienst. Am geöffneten Kofferraum stand ein südländisch wirkender junger Mann, rauchend und eifrig in irgendwelchen Papieren lesend. Ich schritt auf ihn zu, fragte ihn, ob er wüsste, wo hier eine Bushaltestelle wäre, wo Busse Richtung Venlo führen. Den Ort, wo ich eigentlich hinwollte, kannte er ohnehin nicht.

Er verneinte, bot mir aber an, mich für einen kleinen Obolus dorthin zu fahren, wenn ich noch etwa fünfzehn Minuten Zeit hätte, denn er wartete auf wichtige Papiere. Was hatte ich für eine Wahl, als die nächsten knapp zehn Kilometer per pedes zurückzulegen?

Wir verbrachten die Zeit mit einer netten Unterhaltung, er rauchend, ich eher die Blase zusammenkneifend, denn das war doch alles recht aufregend. Nach einer Weile bot er mir an, im Auto zu warten, da er noch mal ins Bahnhofsgebäude müsse, und ich nahm dankend im Wagen Platz.

Da erst wurde mir so langsam klar, was ich hier eigentlich tat. Der junge Mann hätte mein Sohn sein können und die Zeit des mutigen Trampens in jungen Sturm- und Drangzeiten war ja lange vorbei. Als ich mich genauer im Auto umsah, entdeckte ich hinter mir auf dem Rücksitz einen Kindersitz, der mich schlagartig ein wenig beruhigte. Und im Zündschloss steckte ein dicker Schlüsselbund. Also vertraute er mir, dass ich mich mit dem Auto nicht davon machte und ich vertraute ihm.

Als er dann kam, verging die Fahrt wie im Fluge. Wir unterhielten uns so nett und anregend, besonders über die Stadt Witten, in der der junge Mann mit türkischen Wurzeln geboren worden war, genau wie mein Vater, der an dem Tag Geburtstag gehabt hätte und ebenfalls gebürtig aus Witten stammte.

Am Zielort angekommen, umarmten wir uns, beide in Freude darüber, dass uns das Schicksal auf so nette Art und Weise zusammen geführt hatte und dann fuhr er heim nach Düsseldorf zu Frau und Kind und ich atmete tief ein und begann meinen Urlaub, der am Morgen noch so am seidenen Faden gehangen hatte. Man mag an Engel glauben oder nicht, zwei Engel auf je zwei Beinen hatten das möglich gemacht.

© G. Bessen, Oktober 2019

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Von Irrungen und Wirrungen oder wie zwei Engel mir den Tag retteten … (1)

Von Irrungen und Wirrungen oder wie zwei Engel mir den Tag retteten …

Der Reisetermin stand fest und mit rechtzeitiger Buchung spuckte die DB einen Supersparpreis aus. Nun konnte es losgehen …

Sehr euphorisch startete ich meinen Tag mit Vorfreude auf meine Urlaubswoche in Holland, wo es mich immer wieder hinzieht, wenn ich das dringende Bedürfnis zur Entschleunigung habe.

Obwohl wir zeitig losfuhren, standen wir bereits fast vor der Haustür im Stau – quälend, zäh und ohne irgendeinen Grund, der nachvollziehbar gewesen wäre. Als klar war, dass es zeitlich eng würde, steuerten wir den Bahnhof in Berlin an, an dem mein ICE eingesetzt werden sollte. Doch der Stau hatte sich auch den Weg dorthin wie eine lästige Krake geschnappt und mir gingen schlagartig sämtliche Kronleuchter auf, dass ich direkt vom Hauptbahnhof aus einen anderen Zug nehmen und eine neue Fahrkarte dazu erstehen oder bestenfalls ganz zu Hause bleiben müsste. Die letztere war gar keine Option, die erste eine wahrscheinliche und die mittlere – na, ja, bestenfalls ein notwendiges Übel.

Ich fiel von einer Hitzewallung in die nächste, an diesem ohnehin bereits warmen Endaugusttag und überlegte fieberhaft, wie ich das alles ohne große Blessuren hinbekommen könnte.

Nach Baustellen und weiteren Staus kamen wir beide, mit ziemlich blank liegenden Nerven, am Berliner Hauptbahnhof an und ich schickte den Göttergatten postwendend nach Hause, damit er wenigstens seine weiteren Termine einhalten konnte.

Die Dame am Infoschalter der Deutschen Bahn war fast beleidigt und machte mir unmissverständlich klar, dass die Deutsche Bahn ja wohl an Staus auf der Straße keine Schuld habe. Das hatte ich weder behauptet noch gedacht und weitere Anmerkungen, wie sehr ich mit der DB in diesem Jahr bereits mit der Kirche ums Dorf gefahren war und recht wenig wegen Hitze, Gleisbauarbeiten, Oberleitungsschäden oder schlichten Zugverspätungen geklappt hatte, verkniff ich mir.

Im Reisezentrum der DB zog ich eine Wartemarke und landete ausgerechnet an Schalter Nummer 13. Um meine aufsteigenden Tränen erst einmal herunterzuschlucken, holte ich mehrfach tief Luft, bevor ich zum Sprechen ansetzte, und erklärte der freundlich aussehenden Dame am Schalter mein Problem mit der Frage, mit welchem Zug ich denn ohne größeren Zeitverzug fahren könne, da im letzten Ort vor der holländischen Grenze eine Taxe warten würde, die mich die wenigen Kilometer zu meinem endgültigen Ziel bringen sollte.

Die Dame am Schalter schob mir eine Packung Taschentücher zu, schaute sich meine Fahrkarte an, tippte und druckte aus, stempelte und ich traute meinen Augen und Ohren nicht: Ich bekam eine Platzkarte, die Zugbindung auf meiner Fahrkarte wurde aufgehoben (ich habe versprochen, nicht zu verraten, was die Dame da notiert hatte) und ich musste keinen Pfennig dazu zahlen.

„Gehen Sie in Ruhe einen Kaffee trinken und dann fahren Sie gemütlich los! Ich wünsche Ihnen eine gute Reise!“ Ich betonte mehrfach, dass sie für heute mein rettender Engel sei und verabschiedete mich in großer Dankbarkeit und wiedergewonnener Vorfreude und Freude überhaupt.

Aus Umweltschutzgründen vermeide ich seit Langem, Coffee to go Becher aus Pappe zu kaufen, doch meine Nerven lagen so blank, dass ich kurz danach mit meinem Koffer und einem heißen Kaffee im Pappbecher  in mein Abteil ging und zielstrebig meinen frisch reservierten Platz suchte.

Kann es eigentlich noch schlimmer kommen? Dieser Gedanke befiel mich, als sich der heiße Kaffee bereits in mehreren Schlückchen über meine hellblaue Jeans ergoss, nämlich genau da, wo manche Frauen Pampas tragen.

Dem Entsetzen gab ich keine große Bühne, verschwand auf dem nächstbesten Klo und rieb damit an meiner Hose herum, was Seifenspender und der spärliche Wasserfluss des DB-Klowasserhahnes hergaben. In der Hoffnung, dass die Hose zwischen Berlin und Duisburg trocknen würde, drückte ich meine große Handtasche vor meinen Bauch und verschwand leise wieder auf meinem Platz. An diesem Tag konnte mich nun wirklich nichts mehr aus den Socken schmeißen … .

Fortsetzung folgt …

 

 

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