Meeresrauschen

Meeresrauschen

Hörst du das Rauschen des Meeres?
Es erzählt dir seine Geschichte
von unerforschten Tiefen
und einer bunt schillernden Welt.

Von tosenden Gewalten,
die unbarmherzig Leben zerstören
und von Menschen,
die auch das letzte Geheimnis lüften
und vermarkten wollen.

Begnüge dich mit einer Muschel,
lausche ihrem Klang,
einem Zeugen aus vergangener Zeit,
als die Welt des Meeres
noch ein Eigenleben hatte.

©Text und Foto: G. Bessen

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Das Kreuz mit dem Kreuz

Das Leben mit all seinen Sorgen und Nöten sieht im Kreuz oft ein Symbol der Bürde und assoziiert damit Leid, Schmerz, Qual und Tod. Die 14 Kreuzwegstationen in Kirchen oder als Bildstöcke im Freien sind besonders in der Fastenzeit ein spiritueller Anreiz zu Gebet und Meditation.

Kreuze als Herausforderung zur Bewältigung des täglichen Lebens finden sich auf Friedhöfen und an Straßenrändern im Gedenken an einen tödlich Verunglückten.

Aber auch der eigene Rücken, das Kreuz mit dem Kreuz, macht gern mal als kreuzlahm von sich reden und auch ein Kreuzbandriss ist kein Vergnügen, wenn sich die Schmerzen kreuzförmig ausbreiten.

An Kreuzungen kreuzt sich oft, was sich nicht kreuzen will und das Rote Kreuz bekommt Arbeit, nach der sich je nach Schwierigkeitsgrad der Eine oder Andere dankbar bekreuzigt, wenn der Einsatz vorbei ist.

Besser haben es die Menschen auf Kreuzfahrtschiffen, die unbekümmert ihre Kreuzworträtsel lösen oder sich die Spielkarten mit dem Kreuz angeln. Hoffentlich merken sie, wo sie hinfahren, und verpassen nicht die eine oder andere Landesflagge mit Kreuzen.

Kreuzblütlern wird  als Antikrebs-Gemüse eine gesundheitsfördernde oder sogar heilende Wirkung zugesprochen und Kreuzkümmel ist eine Gewürzpflanze, die bei Verdauungsbeschwerden ihr Gutes tut.

Das Kreuz muss nicht immer eine negative Assoziation hervorrufen. Es gibt Menschen, die jeden Tag kreuzfidel genießen können.

© G. Bessen, Foto: pixabay

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Regentage

Regentage
wecken die Hoffung
auf ein
sonniges
Frühlingsbunt.

© G. Bessen

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Der Fasten-Hype

Der Fasten-Hype

Jeder redet vom Fasten, doch warum und wozu sollen wir fasten?

Seit jeher ist in den großen Weltreligionen vom Fasten die Rede, aus verschiedenen Gründen. Im Judentum ist neben einigen anderen Tagen für orthodoxe Juden der Versöhnungstag (Jom Kippur) ein jüdischer Ruhe- und Fastentag. Der Islam kennt den Fastenmonat Ramadan. Das Fasten gehört zu den fünf Grundpflichten eines gläubigen Moslems. Das Christentum erklärt die Zeit von Aschermittwoch bis Gründonnerstag als 40-tägige Fastenzeit als Vorbereitungszeit auf das Osterfest.

Dass das Fasten nicht nur auf religiösen Beweggründen basiert, zeigt ein gewisser Fasten-Hype in unserer modernen Wohlstandsgesellschaft. „Wohlstand“ und „Fasten“ ist für mich ein begrifflicher Anreiz, der mir sagt, von dem, was wir zuviel haben, könnten wir uns auch mal für einige Zeit verabschieden. Manches wissen wir danach vielleicht wieder neu zu schätzen.

VERZICHT NIMMT NICHT.
VERZICHT GIBT.

Martin Heidegger, Philosoph
1889-1976

Heilfasten und somit eine gründliche Reinigung unseres Körpers von innen ist heute keine Seltenheit mehr. Und wenn man in der sog. Fastenzeit bewusst auf bestimmte Nahrungsmittel verzichtet um gleichzeitig ein paar Kilos abzunehmen, ohne gleich die sommerliche Bikinifigur oder den Waschbrettbauch anzustreben, wer träumt insgeheim nicht davon?

Ob und wie man fastet, muss jeder selbst für sich entscheiden. Der eine übt sich tatsächlich in Askese, für manch anderen ist der Verzicht auf Süßes, den abendlichen Alkohol oder die Verdauungszigarette  Entsagung genug. Doch wer fastet, weiß nach dieser Zeit zu schätzen, was er wieder genießen darf.

DER WAHRE SINN DES FASTENS
LIEGT NICHT IM VERZICHTEN
Karl Rahner, kath. Theologe
1904-1984

Fasten bedeutet, bewusst auf etwas zu verzichten, sich neu zu orientieren und möglicherweise lässt sich ja ein bewusstes Reduzieren bestimmter lieb gewonnener Gewohnheiten für einige Tage mit Freude verwirklichen. So kann die Fastenzeit für jeden eine richtungweisende Zeit werden, je nachdem, wie man den eigenen Schwerpunkt setzt.

Ein Rauch verweht,
ein Wasser verrinnt,
eine Zeit vergeht,
eine NEUE beginnt!
Joachim Ringelnatz, deutscher Schriftsteller 
1883-1934

 

Fastenzeit

Schenke dir Zeit,
aber höre auch deinem Nächsten zu.

Gönne dir Freude,
doch gib etwas davon weiter.

Handele aus Liebe,
ein gesunder Egoismus ist jedoch erlaubt.

Genieße die Wärme um dich herum
und leite sie an Frierende weiter.

Sorge gut für dich,
maßgeschneidert.

© Text und Foto: G. Bessen

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Nach den tollen Tagen …

Foto: pixabay, Gestaltung: G. Bessen

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Alltag – das Immerwiederkehrende  (5)

Ulli Gau ruft zum Monatsbeginn wieder zu ihrem Projekt auf, an jedem ersten Wochenende im Monat etwas aus dem eigenen Alltag zu beschreiben.

 

Begegnungen

Unser Tag ist voll von Begegnungen. Und wie so oft im Leben lösen diese Begegnungen oft unterschiedliche Reaktionen in uns aus.

Vor Jahren gab es einen Zeitungsartikel, dass eine Schulleiterin in Passau ihre Schule zur „Hallo-und-tschüss-freien-Zone“ erklärte. Sie begründete das damit, dass Schüler und Schülerinnen mit diesen lapidaren Grußformeln später bei der Stellensuche Probleme bekämen und wünschte sich stattdessen ein „Grüß Gott“ und „Auf Wiedersehen“. (Von Kaugummi im Mund und Basecap auf dem Kopf soll erst gar nicht die Rede sein).

Mir hat das gefallen, denn ein Hallo an jeder Ecke, ob vom Paketboten, der nicht täglich zu uns kommt oder an einer Kasse eines Ladens, den ich zufällig mal betrete, feuert mich nicht gerade an.

Was ist so schwer daran,  ein ‚Guten Tag’, ‚Guten Morgen’ oder ‚Auf Wiedersehen’ über die Lippen zu bringen? Sind wir im Zeitalter modernster Technik, Chats oder SMS nicht nur denk- sondern auch sprachfaul geworden?

Unsere junge Generation wächst so auf. Aber auch hier finde ich es wichtig, dem durch eine Vorbildfunktion ein wenig entgegenzusteuern.

Ich persönlich  mag mich nicht von Hunz und Kunz mit Hallo begrüßen lassen, es sei denn, wir haben zusammen im Buddelkasten gesessen und das ist bei den allermeisten Menschen, denen ich täglich begegne, sehr unwahrscheinlich.

Grüß Gott ist in unserer brandenburgischen Diaspora eher ein fremdländischer Hinhorcher und möglicherweise übersetzungswürdig. Gegen Tschüss habe ich eigentlich generell nichts einzuwenden. Tschüss klingt für mich vertraut, ein wenig familiär und da kann ich gut mit leben.

Indem ich konsequent das Hallo-Sagen Fremden gegenüber auf ein Minimum reduziert habe, stelle ich fest, dass doch viele Menschen nicht mundfaul sind und die traditionellen Begrüßungsformeln ebenso wie ich nicht vergessen haben. Kommt gut in die neue Woche. Euch sage ich selbstverständlich gern Tschüss.

 

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Sich sorgen

Ich sorge gut für mich!
Du sorgst gut für Dich!
Er, sie es sorgt gut für sich!
Wir sorgen gut für uns!
Ihr sorgt gut für euch!
Sie sorgen gut für sich!

Uns woher kommen dann
all unsere großen und kleinen Sorgen?

 

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Häusermeer

Häusermeer

Freudenhäuser für den gekauften Augenblick.
Waschhäuser für den sauberen Anblick.
Waisenhäuser für einen verstörten Kinderblick.
Glashäuser für den ungestörten Durchblick.
Kaufhäuser für den Euroblick.
Herrenhäuser für den gehobenen Ausblick.
Frauenhäuser für den verletzten Seelenblick.
Ferienhäuser für den erholsamen Urlaubsblick.
Gotteshäuser für den meditierenden Innenblick.
Hochhäuser für den befreienden Weitblick.


© Text und Foto: G. Bessen

Als Ergänzung von Werner Kastens:

Bauernhäuser für den Ökoblick
Lichtspielhäuser für den Sorglosblick
Schauspielhäuser für den Seelenblick
Zuchthäuser für den Rückblick

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Finger weg!

Finger weg!

Schweigend verließen sie die Wohnung, ein jeder in seine eigenen Gedanken versunken. Sie waren erschüttert und fassungslos, doch sie waren in ihren Bemühungen einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Wochenlang hatte sich die ‚Helferrunde‘ bemüht, ihre Beobachtungen, Erfahrungen und Befürchtungen zusammenzutragen und auszuwerten, um einen entscheidenden Vorstoß zu wagen.

Als Fabian mit drei Jahren in den Kindergarten aufgenommen wurde, unterschied er sich deutlich von den anderen Kindern seines Alters. Er war noch nicht sauber und sprach kaum ein Wort. Seine ihm eigene Art, sich zu artikulieren bestand darin, zu kratzen und zu beißen, sobald sich ein Kind ihm zu sehr näherte. Nähe bedeutete für ihn Gefahr. „Hau ab“ und „Geh weg“, diese Worte dominierten in seinem begrenzten Sprachschatz.

Seine ältere Schwester Tanja besuchte den Hort der Kindertagesstätte und war somit seine Eintrittskarte. Die Familie war den Erzieherinnen bestens bekannt.

Fabian gewöhnte sich langsam ein. Als Integrationskinder kamen die Geschwister in den Vorzug, für einige Stunden in der Woche eine besonders intensive Einzelbetreuung zu genießen. Er lernte, sich angemessen zu artikulieren, Regeln und Grenzen zu akzeptieren und fühlte sich so wohl im Kreis Gleichaltriger, dass er freitags oft fragte, warum er nicht am Samstag und am Sonntag in den Kindergarten kommen könne.

Nach dem Wochenende schien das, was die Erzieherinnen im Laufe der Woche erreicht hatten, zu Hause wie ein Kartenhaus wieder eingestürzt zu sein, ein deutliches Zeichen, dass zu Hause nicht alles zum Besten stand.

„Schläfst du auch mit kleinen Kindern?“, fragte Tanja eines Nachmittags ihren Horterzieher, während er sie bei den Schulaufgaben betreute. Sie liebte es, mit anderen Mädchen nachmittags in einer Kleiderecke zu spielen. Mit der ausrangierten Kleidung Erwachsener und ein wenig Schminke genossen es die Mädchen, die ‚Grande Dame‘ zu spielen.

Die hygienischen Verhältnisse in der Familie standen nicht zum Besten. Tanja musste morgens oft im Kindergarten geduscht und frisch angezogen werden, um sie in die Schule schicken zu können. Daher war es um so verwunderlicher, dass die Mutter einmal schier lautstark ausrastete, als sie ihre Tochter abholen und sie in einem Erwachsenenkleid und Lippenstift und hochgesteckten Haaren vorfand. Sie wies die Erzieherinnen an, darauf zu achten, dass Tanja sich nicht schminke, das sei schädlich für die Haut. Diese Haltung war eindeutig, die Tochter entwickelte sich mit ihren knapp zwölf Jahren zu einem attraktiven Mädchen, das in den Augen der Mutter durchaus zur Konkurrentin wurde.

Eine zu kleine Wohnung mit feuchten Wänden für vier Personen, in der sich Zigarettenrauch und der Dunst von Alkohol mischten, streitende Eltern, die mit sich und der Welt unzufrieden waren, selbst aber unfähig, an ihrer Lage etwas zu ändern, das war das Elternhaus von Tanja und Fabian.

Die Mutter hatte in der Kindertagesstätte viele Ansprechpartnerinnen und nahm jede Hilfe dankbar an, auch den wohlgemeinten Rat zur genauen Verhütung bis hin zur Sterilisation. Doch es blieb nur beim Wunsch, keine weiteren Kinder mehr zu bekommen.

Als die kleine Jenny mit acht Monaten in den Kindergarten kam, lag der Verdacht des sexuellen Missbrauchs an Tanja und Fabian schon schwer in der Luft. Tanja musste aus Altersgründen den Hort verlassen, als Jenny kam. Sie hatte mehrere Jahre eine Spieltherapie bekommen, die sie jedoch nicht ausreichend gefestigt hatte. Sie lief mehrfach von zu Hause weg und wurde immer wieder von der Polizei aufgegriffen.

Fabian umsorgte seine kleine Schwester, die er abgöttisch liebte. Wollte er sie beschützen? Er selbst war gerade in die Schule gekommen und hatte wieder eigenartige Verhaltensmuster. Er schockte die Kinder, indem er Insekten aß, Regenwürmer suchte und sie verspeiste und alles in den Mund nahm, was in irgendeiner Form einem erigierten Penis ähnelte. Seine Aggressionen anderen Kindern und den Erziehern gegenüber ließen sich oft nur schwer bändigen.

Jugendamt, Schule und Kindertagesstätte arbeiteten bereits zu diesem Zeitpunkt eng zusammen. Als Fabian anfing, im Kindergarten großzügig Süßigkeiten zu verteilen, was sicher nicht dem Geldbeutel der Eltern entsprungen war, wurde er nach der Schule aus sicherer Entfernung beobachtet.

Ein neu eröffneter Aldi war sein erstes Ziel nach der Schule. Ungeniert klaute er die Süßigkeiten aus den Regalen, schaute sich um und ließ sie in seiner Schultasche verschwinden. Untypisch war, dass er immer in der Nähe der Kasse klaute und Gefahr lief, gerade da erwischt zu werden. Das war ein weiterer Hilferuf, den er deutlich signalisierte.

Recht schnell kam dann  alles ins Rollen, ausgelöst durch die Verhaftung eines alleinerziehenden Vaters, der seine beiden Söhne sexuell missbraucht hatte. Dieser Vater war ein Bekannter der Familie, bei dem Fabian und Tanja oft auch über Nacht waren, wenn ihre Eltern in der Kneipe versackt waren.

Mittlerweile war das vierte Kind geboren worden, ein schmächtiger, kränklicher Junge, der die Aufmerksamkeit seiner Mutter massiv einforderte und sie damit überforderte. Als das Kind plötzlich an Pseudokrupp starb, ließen die Eltern erstmalig offenere Gespräche zu.

Als die Helferrunde sich an diesem Abend in der Wohnung traf und den Verschlag zu sehen bekam, in dem der kleine Fabian gehaust hatte, war jedem klar, dass er lieber vierundzwanzig Stunden im Kindergarten verbracht hätte, als in dieser Dunkelkammer. Seine kleinen kräftigen Hände hatten unzählige Löcher ins Mauerwerk gekratzt, aber einen Weg zur Flucht hatte er sich dadurch nicht schaffen können.

Fabian wurde mit Einverständnis der Eltern in eine Pflegefamilie nach Schleswig-Holstein gebracht, in der er mit viel Liebe und Geborgenheit aufwachsen konnte.

© G. Bessen

In diese Geschichte war ich vor vielen Jahren als Pädagogin involviert, die Namen sind geändert.

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Der Kindheit beraubt

Der Kindheit beraubt,
leer ist der Blick,
Gedanken wagen
sich kaum zurück.
Vertrauen verloren,
Seele verletzt,
grausam
wurde ihr zugesetzt.

Verschlossen der Mund,
hört doch niemand zu.
Tief sitzt das Leid,
Gewalt macht sich breit.
Die Arme geritzt,
blutende Zeichen.
Entsetzen !

Und nie wird es weichen.
Erwachsen geworden,
mit einem Schlag.
Des Lebens beraubt,
Tag für Tag.

© G. Bessen, Foto: pixabay

Heute beginnt im Vatikan das Gipfeltreffen von Papst Franziskus und Bischöfen,
um den Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und anderen Schutzbefohlenen aufzuarbeiten.

 

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