Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler

Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler

Kein Lesetipp

Normalerweise empfehle ich Bücher, die ich selber gut fand. Bei Sebastian Fitzek überlasse ich es seinen Fans, ihn zu beurteilen.
„Der Nachtwandler“ ist das dritte und letzte Buch, das ich von ihm gelesen habe. Obwohl es spannend geschrieben ist, hat mich der für mich sehr abstruse Inhalt nicht überzeugt.

Leon Nader lebt mit seiner Frau Nathalie in einem Haus mit seltsamen Mitbewohnern. Seit seiner Kindheit leidet er an Schlafstörungen, die aber durch eine Therapie als geheilt galten. Als Nathalie eines Tages, arg zugerichtet, ihre Sachen packt und geht, keimt in ihm der Verdacht auf, dass seine Krankheit zurückgekehrt ist und er selbst dafür verantwortlich ist.
Leon beginnt, seine nächtlichen Aktivitäten selbst durch eine Kopfkamera zu filmen. Hinter seinem Schlafzimmerschrank findet er eine Tür, durch die er in die Tiefen eines Labyrinths hinabsteigt.

Was er dort erlebt und wie sich die Auflösung all dessen darstellt, ist für mich sehr an den Haaren herbeigezogen und kaum nachvollziehbar. Aber ich habe es zu Ende gelesen.

Vielleicht hat es auch von euch jemand gelesen und mag seine Erfahrungen mitteilen.

Erscheinungsdatum März 2013
ISBN 978-3-426-50374-4
Verlag Knaur, 320 Seiten
9,90 €

der_nachtwandler

Bildquelle

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Das Grauen von Nauen

Das Grauen von Nauen

Die Stadt Nauen liegt 35 Kilometer Luftlinie von mir entfernt.
Die flüchtlingsfeindliche Welle, die durch unser Land schwappt, hat auch Brandenburg mit einem fürchterlichen Brandanschlag getroffen. Die geplante Flüchtlingsunterkunft, eine Turnhalle, wurde in Brand gesetzt und brannte nieder, sie muss abgerissen werden.
Es wird von vorsätzlicher Brandstiftung mit rechtsextremem Hintergrund ausgegangen.
Und trotzdem haben die Bügerinnen und Bürger von Nauen nicht mitgejohlt, sondern sofort ein Zeichen gegen Fremdenhass gesetzt. Überlegungen werden angestellt, wie die Flüchtlinge nun untergebracht werden sollen.

Die Brandenburger Landesminister haben sofort reagiert und heute ein Extratreffen in Potsdam abgehalten. Ist dieser Brandanschlag ein Einzelfall? Politiker hoffen es (was sollen sie auch sonst sagen).
Das ist meiner Ansicht ein blauäugiges Denken, denn die Rechtsextremisten konzentrieren sich auch in Brandenburg.

Am Montag fängt in Brandenburg die Schule an. Flüchtlingskinder sollen in Kitas und Schulen untergebracht werden. Das erfordert schnellsten Handlungsbedarf. Der Personalschlüssel in Brandenburgs Kitas ist der drittschlechteste in Brandenburg und es herrscht Lehrermangel.

Sigmar Gabriels Worte in Heidenau zeigen negativste Wirkung, eine Bombendrohung im Willy-Brandt-Haus am heutigen Tag und eine weitere im LAGESO in Berlin- Moabit (Landesamt für Gesundheit und Soziales – ich habe im Beitrag HAUTNAH darüber berichtet) sind die Reaktionen. Es überrascht mich nicht, es zeigt, dass wir alle gefordert sind, mitzuhelfen, dem rechstradikalen und menschenverachtenden Mob die Stirn zu bieten.

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Worte und Taten

Auch klare Worte fruchten nur,
wenn Konsequenzen folgen.
Wie oft stoßen sie
auf taube Ohren.

Gendarmenmarkt 1 Gendarmenmarkt 2Gendarmenmarkt 3Fotos: Berliner Gendarmenmarkt

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Dazu eine weihnachtliche Geschichte von Elke Bräunling

Eine Weihnachtsgeschichte heute am 24. August?
Wie doof ist das denn, wirst du glauben.
Ist gar nicht doof, wie ich finde. In vier Monaten nämlich feiern wir Weihnachten zum Andenken an Maria, Josef und das Jesuskind. Auch sie waren Fremde und auch sie mussten fliehen. Eine alte Geschichte, die so aktuell ist und die gerade in diesen Tagen laut nach Toleranz und nach Hilfe ruft. Und nach Hoffnung.
Schaut nicht weg! Habt Verständnis! Habt Mitleid! Helft! Und hört nicht auf jene, die mit ihrem lauten Geschimpfe gerne vergessen, dass die meisten von uns auch Flüchtlinge unter den Vorfahren haben. Menschen, die damals nach den großen Kriegen dankbar waren, Aufnahme und eine neue Heimat in unserem Land gefunden zu haben.
Auch die Familie meiner Oma musste aus dem Baltikum fliehen. Sie alle haben an verschiedenen Orten in diesem Land eine Heimat gefunden. Das Heimweh, das kam irgendwann nur noch nachts in ihren Träumen. Es war immer da und ist noch immer da. Auch bei ihren Nachkommen. Auch bei mir.
Ja, Heimweh!
Niemand nämlich verlässt freiwillig seine Heimat. Nicht die Flüchtlinge damals und auch nicht die Flüchtlinge heute.
Das Heimweh, das bringen sie zusätzlich zu all ihren Nöten auch noch mit.
Wir sollten freundlich zu diesen Menschen sein und sie nicht fürchten. Sie nehmen uns nichts weg.
Wenn ihr helfen wollt: Überall gibt es Möglichkeiten zu helfen oder zu spenden.
Aktuell läuft gerade diese Aktion unter Bloggern: Blogger für Flüchtlinge – Menschen für Menschen
Danke fürs Lesen!

Der kleine Sternenengel und die Hoffnung
Eine Geschichte nicht nur zur Weihnachtszeit …

Es war einmal ein kleiner Engel, der hatte viele kleine Sternchen auf seinem Gewand. Es waren so viele, dass keiner sie zu zählen vermochte. An manchen Tagen leuchteten und blinkten sie alle zusammen um die Wette, dann nämlich, wenn der kleine Sternenengel glücklich war. Manchmal funkelten weniger Sterne auf seinem Kleid. Dann war der kleine Engel nicht ganz so froh. Es gab auch Tage, da sah man keinen einzigen Stern auf seinem Gewand. Das waren die Tage, an denen der kleine Engel traurig war. Auch einem Engel konnte dies nämlich passieren. Das war schlimm, denn wenn der kleine Sternenengel traurig war, musste er weinen, und wenn er weinte, purzelten die Lichtgeister, die für das Sternenfunkeln verantwortlich waren, wie Tränenbäche aus seinem Gewand. Leider passierte dies oft, denn der kleine Sternenengel war oft traurig.
“Du darfst nicht so viel weinen!”, sagten seine Gefährten.
“Aber ich bin so oft traurig!”, klagte der kleine Engel.
Das konnten die anderen Sternenengel nicht verstehen. “Warum bist du so oft traurig?”, fragten sie. “Am Himmel im Dunkeln zu funkeln macht doch Freude!”
Der kleine Sternenengel schüttelte den Kopf. “Wie kann ich mich freuen, wenn ich auf die Erde sehe?”, fragte er. “So viel Not herrscht dort und so viel Elend. Wie kann ich da fröhlich funkeln?”
“Das Erdenelend macht dich traurig?”, fragte einer der Engel.
“Was geht es uns an?”, meinte ein anderer.
“Die Erde ist so weit weg!”
“Unser Job ist das Leuchten!”
Die Engel waren sich einig.
“Licht soll Hoffnung bringen”, murmelte der kleine Engel, doch es hörte ihm keiner mehr zu. Und während seine Gefährten miteinander um die Wette funkelten, spähte er wieder auf die Erde hinab. Sogleich fiel sein Blick dorthin, wo Not herrschte: Er sah einen Mann und eine Frau. Sie schienen arm zu sein. Die Frau erwartete ein Kind. Müde schleppten sie sich durch die Straßen einer Stadt, aber da war niemand, der sie aufnahm. An allen Türen wurden sie abgewiesen. Als sie sich in einem dunklen Stall zum Schlaf legten, zerbrach dem kleinen Engel fast das Herz vor Kummer. Zu gerne hätte er ihnen geholfen.
“Licht soll Hoffnung bringen”, murmelte er nochmals betrübt. “Ach, was kann ich bloß tun?”
Schon tropften die Tränen über seine Backen, und aus seinem Gewand purzelte ein Lichtgeist nach dem anderen, bis der kleine Engel kein einziges Sternchen mehr zum Funkeln übrig hatte. Da musste er noch mehr weinen. Wie gerne wäre ich jetzt in dem Stall bei diesen ungeliebten, armen Leuten, dachte er und schloss die Augen.
Auf einmal wurde es warm um ihn. Der kleine Engel blinzelte. Was war das? Verwundert sah er sich um. Helles Licht strahlte ihm entgegen, und von irgendwoher sang es.
“Was ist geschehen?”, murmelte er. “Wo bin ich?”
Er hörte ein leises Weinen. Da sah er das Kind. Es lag in einer Krippe. In einem Stall.
Das ist doch der alte Stall! dachte der kleine Engel und freute sich. Wie hell es hier war! Und der Mann und die Frau! Wie glücklich sie sich über die Krippe beugten und dem Kind zulächelten!
Der kleine Sternenengel fühlte, wie alles in ihm lachte.
“Die Hoffnung”, jubelte er. “Sie ist da!”
Und er spürte, wie das Licht zu ihm zurückkehrte und wie die Sternchen auf seinem Gewand zu funkeln begannen. Der kleine Sternenengel war glücklich. Er warf einen liebevollen Blick auf das Kind, die Frau und den Mann und flüsterte:
“Danke.” Dann schwebte er funkelglitzerhell und hoffnungsfroh zum Himmel hinauf.
In dieser wundersamen Nacht strahlten die Sternchen auf dem Gewand des kleinen Engels heller als alle anderen Sterne am Himmel. Der kleine Engel war sehr froh, und er nahm sich vor, nie wieder die Hoffnung zu verlieren.
Er konnte aber nicht aus seiner Haut herausschlüpfen. Immer wieder entdeckte er Dinge, die nicht schön anzusehen waren und die ihn so traurig machten, dass er trotz aller Vorsätze weinen musste. Wie sollte er froh sein, wenn Menschen miteinander stritten, wenn sie böse zueinander waren und Kriege führten? Wenn sie hungerten, Not litten, einsam waren, Freunde oder ihre Heimat verloren? Ein Grund zum Traurigsein fand sich immer, und so landete der kleine Engel immer wieder weinend und frierend auf der Erde, weil er seine Lichtgeister verloren hatte. Aber wie durch ein Wunder fand er auch immer wieder ein Stück Hoffnung, und mit ihr kehrten die Lichtgeister auf sein Sternengewand zurück.
Auch in diesem Jahr hatte der kleine Sternenengel sein Licht verloren. Das war, als er in unserem Land Menschen entdeckt hatte, die eine neue Heimat suchten. Doch sie schienen nicht willkommen zu sein. Der kleine Engel sah Hass und Gewalt, und er hörte viele böse Worte.
“Wo sollen sie denn hin?”, empörte er sich. “Es ist doch genug Platz in diesem reichen Land!” Und weil er dies nicht begriff, musste er wieder weinen. Er weinte und … landete in einer Stadt mitten in einem hellen, warmen Lichtermeer. Viele Menschen, große und kleine, alte und junge, arme und junge, standen auf den Straßen,und jeder hielt ein kleines Licht in der Hand. Ein Licht gegen Hass und Streit und Gewalt. Es war eine funkelhelle Lichterkette, und auch die Menschengesichter strahlten hell und freundlich.
Der kleine Sternenengel lächelte. “Die Hoffnung”, rief er. “Sie ist immer noch da!”
Da kehrten die Lichtgeister zu ihm zurück, und die Sternchen auf seinem Gewand funkelten. Der kleine Sternenengel blinkerte den Menschen einen Abschiedsgruß zu und kehrte zu seinem Himmelsplatz zurück. Er war zufrieden. Es gab sie noch immer, die Hoffnung. Und es würde sie auch immer geben…
© Elke Bräunling

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Erholung – was ist das?

Erholung

Es ist kaum zu glauben, wie schnell Sommerferien vorbei sein können. Sie verfliegen schneller als Arbeitstage und ehe man sich versieht, ist die Zeit herum.
Durch mehrere Umstände konnten wir keine längere Reise machen, aber wenn man einen Garten hat, kann man ihn im Sommer besonders genießen.

„Fühlst du dich erholt?“ fragte ich eine Kollegin beim Kaffeetrinken etwa in der Ferienmitte. “Ich denke schon, ich träume nicht mehr von der Schule.“
Nach diesem Kriterium bin ich erholt in die Ferien gegangen, was aber sicher nicht der Fall war. Von der Schule geträumt habe ich überhaupt nicht, die hatte ich sogar schnell aus dem Kopf.

Meine PC-Zeit war sehr reduziert, das habt ihr sicher gemerkt und auch das war gut.
Ansonsten habe ich vieles „abgearbeitet“, habe viel gelesen, war viel unterwegs und hatte in der letzten Woche Besuch von einer rheinländischen Frohnatur. So nach und nach werde ich das Eine oder Andere berichten. Auch Blogrunden werden dann wieder regelmäßiger und wenn ich spritzige Gedanken habe, lasse ich euch teilhaben.

Am Mittwoch fangen wir wieder an, uns seelisch und moralisch auf den Schulbetrieb vorzubereiten und konferieren und am 31.8. werden die Tore für die Schüler geöffnet.
By the way: es ist mein letztes Arbeitsjahr, das ich mit meiner Klasse und einem hoffentlich superguten Abitur beenden werde. Der countdown läuft…

Erholung – was ist das? Woran lässt sie sich messen?
Diese Frage kann ich nicht beantworten,
aber vielleicht habt ihr da ein paar kluge Ideen?

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Regenbogen

Wenn das Glück uns scheinbar verlässt,
parkt es auf dem Regenbogen.

 

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Nein, ihr seid nicht ausländerfeindlich. Ihr seid menschenfeindlich!

Ursprünglich veröffentlicht auf Arwyn Yale:

Noch ein Beitrag zur “Flüchtlingsdebatte” werden sicherlich einige Leute denken. Ich kann aber einfach nicht die Klappe halten und schweigen, nicht nachdem ich zahlreiche menschenverachtende Kommentare/Beiträge gelesen habe.

Es hat schon eine gewissen Ironie von Nationalstolz zu sprechen (und im gleichen Atemzug zu betonen, dass es sich nicht um Ausländerfeindlichkeit handelt), und dann der deutschen Sprache teilweise kaum mächtig zu sein.

Ein paar Bespiele

Genauso ewig heißt es Karantäne und Rennen überall rum ein Witz

Die solln verecken das scheiß Vieh

Dreckspack soll dahin Gehen wo es herkommt brauchen wir Hier nicht

Zuerst den leuten in eigenen Land hier in deutschland helfen und wenn geld über ist dann kan man immer noch die anderen helfen tun

Zu oft gelesen, Sätze die damit beginnen:
Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, ABER …
zuerst sollte man doch den Menschen im eigenen Land helfen, es gibt genug Obdachlose, die auf der Straße schlafen, hungernde…

Original ansehen noch 1.714 Wörter

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So einfach kann es sein

https://www.youtube.com/watch?v=Z1zvfLk065I

Eine rührende und sympathische Geste

Leider muss man sich bei vielen Kommentaren zu diesem Video fragen, wieviel Müll ein Gehirn verträgt, bis es platzt.

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Die Mauer

Mauer- Malerei

Die Mauer ist gefallen,
doch in den Köpfen vieler
baut sie sich Stein für Stein auf
und der Ruf nach Grenzen wird laut.

Text und Foto G.Bessen

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Sonnenstuhl

SONNENSTUHL

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Hautnah (2)

Wir Deutschen reisen gerne und die Bürger und Bürgerinnen der neuen Bundesländer haben viel nachgeholt, was sie während des DDR-Regimes nicht konnten. Wir Deutschen freuen uns, wenn man uns in Urlaubsländern freundlich und zuvorkommend behandelt. Umgekehrt sollte es nicht anders sein. Schwarze Schafe gibt es auf beiden Seiten oder „Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es zurück!“.

Im Laufe unserer eigenen Geschichte sind Menschen durch gezielte Vertreibung und Weltkriege auf der Flucht gewesen und hatten oft nicht mehr als das, was sie am Körper trugen. Diejenigen, die es geschafft haben, waren glücklich und dankbar, an einem anderen Ort mit Hilfe und Unterstützung eine neue Zukunft aufzubauen.

Als unser Land nach dem zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche lag, waren wir über jede Art von Hilfe froh, die uns zur Seite stand. Als das Wirtschaftswachstum langsam begann, holten wir uns Gastarbeiter ins Land, die pompös empfangen wurden und die heute noch mit Kindern- und Kindeskindern hier leben und sich mehr oder weniger integriert haben und unser Land auch als ihr Land betrachten. Die DDR hat sie Werkshelfer genannt, ihnen Verträge für fünf Jahre gegeben, sie in Heimen untergebracht und dafür gesorgt, dass sie das Land nach Vertragsende wieder verließen. Vielen gelang es trotzdem, in der DDR zu bleiben.

Und nun kommen sie in Scharen, aus Kriegsgebieten, in denen ihre Heimat zerstört ist und die Perspektivlosigkeit keinen Raum für Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben lässt. Die Bilder der verzweifelten Menschen im Mittelmeer, die alles in Kauf nehmen und ein wenig Hoffnung als letzten Lebensmotor haben, riskieren alles, um eine Zukunft zu finden.  60 Millionen Menschen sind derzeit auf der Flucht.

Und wir in unserem blühenden und industrialisierten Deutschland, dem es uns doch vergleichsweise gut geht, das Millionen Euros vergeudet (ich erinnere mal wieder nur an den BER als eines von unzähligen Beispielen, dessen Eröffnung wieder mal auf den St. Nimmerleinstag verschoben wird), wir besänftigen unser Gewissen, in dem wir ein spendenfreudiges Volk sind, wenn es Naturkatastrophen gibt, die möglichst weit weg passieren. Dann schauen wir stolz auf die Untertitel, wenn das Fernsehen in Benefizveranstaltungen zeigt, dass Lieschen Müller einen Beitrag von tausend Euro gespendet hat, damit ein vom Erdbeben zerstörtes Kinderheim wieder aufgebaut werden kann. Weit weg – das ist die Devise. Ich habe gespendet und brauche keine weitere Tuchfühlung erwarten.

Es geht mir langsam mächtig auf die Nerven, wenn Landsleute sich aufregen, sie können das alles nicht mehr sehen und hören, unser Land hat selbst genug Probleme und zu wenig Arbeitsplätze.. bla bla bla. Die Scheuklappen werden aufgesetzt, es lebe die Vogel-Strauss-Mentalität.  Da sagen oft genau die Menschen, die selber die Arbeit nicht erfunden haben und ihr Leben auf Staatskosten leben. Wir haben leider auch viele Schulabgänger, die sich durch eigene Faulheit den Schulabschluss versaut haben und nun sehen müssen, wo sie bleiben. Die reißen den Mund sehr weit auf, hätten sie mehr für ihre Bildung getan, hätten wir vielleicht keinen Fachkräftemangel.

Wir Europäer, das so christliche Abendland,  haben in der Geschichte rücksichtlos andere Länder kolonialisiert, besetzt und beherrscht und uns an ihnen bereichert, ihre Resourcen ausgebeutet, andere Kulturen zerstört und uns als die Herren der Welt aufgeführt. Wir beliefern noch immer andere Länder mit Waffen und waschen unsere Hände in Unschuld, wenn andere durch die Politik der Europäer alles verlieren?

Nun sind wir zur Gegenleistung verpflichtet – mit Recht. Aber da fallen die Scheuklappen. Da war doch noch was? Nehmen erfordert immer ein Geben!

Wir können sicher nicht alle aufnehmen und ich denke, eine genaue Prüfung der Hintergründe, warum Menschen zu uns kommen ist vonnöten. Ich erinnere nur an unser Grundgesetz! Auch eine gerechte Aufteilung auf alle  Bundesländer und auf die europäischen Länder muss machbar sein. Dafür haben wir Volksvertreter gewählt. Und alles Gerede, es hätte nicht so weit kommen dürfen, nutzt uns auch nichts. Schon gar nicht  das Beschädigen und gar Anzünden von Flüchtlingsunterkünften, die noch gar nicht bewohnt sind. Armes Deutschland – Dunkeldeutschland. Es treibt mir nicht nur die Scham- sondern auch die Zornesröte ins Gesicht!

Sie sind da, die Massen von Menschen, die auf ein besseres Leben hoffen und sich hier eine Perspektive ausrechnen. Und es werden noch mehr kommen.  Seit Beginn der Ferien muss ich zwei Mal pro Woche als Begleitung auf das Gelände des ehemaligen Moabiter Krankenhauses und habe sie jedes Mal gesehen, die Massen von Flüchtlingen, die darauf hoffen, einen Asylantrag stellen zu können. Bei dieser Hitze campieren sie im Freien, haben oft nur eine große Pappe als Schlafunterlagen und wie inden letzten Tagen bekannt wurde, hat das LAGESO (Landesamt für Gesundheit und Soziales) in der Maobiter Turmstraße es bisher nicht einmal geschafft, die Leute hinreichend mit Essen und Trinken zu versorgen. Das nennt man eine Grundversorgung! Das machen nun Freiwillige, die hinfahren und die Menschen versorgen.

Es gibt sie noch, die Menschen mit Herz und der berühmten Berliner Schnauze, die selbstlos humanitäre Unterstützung organisieren, wenn Behörden versagen.

August 2015 Moabit (2) August 2015 Moabit (3) August 2015 Moabit (13) Text und Fotos: G.B. 8/15

Weitere Informationen: http://www.zeit.de/gesellschaft/2015-08/berlin-moabit-lageso-asyl

http://www.rbb-online.de/politik/thema/fluechtlinge/berlin/erstaufnahmestelle-moabit-campieren-vorlageso.htm/doc=!content!rbb!rbb!politik!thema!fluechtlinge!berlin!erstaufnahmestelle-moabit-campieren-vorlageso.html

http://www.welt.de/politik/deutschland/article144956995/In-Berlin-rangeln-Fluechtlinge-schon-ums-Essen.html Lohnenswert für Berliner und Randberliner ist auch die Seite: www.Kiezkartei.de

Weitere und wichtige Links von Frau Momo:

https://www.youtube.com/embed/i9kv-rmvGKg?version=3&rel=1&fs=1&showsearch=0&showinfo=1&iv_load_policy=1&wmode=transparent

http://www.sz-online.de/nachrichten/dirk-hilberts-rede-im-wortlaut-3167284.html

https://www.change.org/p/f%C3%BCr-ein-verbot-fremdenfeindlicher-demos-vor-fl%C3%BCchtlingsheimen-heimeohnehass/u/11670716?recruiter=44796941&utm_source=share_update&utm_medium=facebook&utm_campaign=facebook_link

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