Judith Magdalena Kornev-Rietmann: Du Meister aller Lieder spiel!

Mein heutiger Lesetipp

Zur Autorin und diesem Buch:

Mit 17 Jahren bekam Judith (geboren 1978), eine außergewöhnliche Frau aus Freiburg, die Diagnose der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose.

So wie viele Menschen im Zusammenhang mit einer Krankheit Tagebuch führen oder ihren Krankheitsverlauf in Buchform dokumentieren, begann Judith sich mit ihrem Schicksal und ihrer Krankheit in Gedichtform auseinanderzusetzen.

Sie schrieb, solange sie es konnte. Auch als ihre Hände ihr den Dienst versagten, verfasste sie Gedichte und einige Briefe nach Diktat.

Im Verlauf ihrer schweren Krankheit versuchte Judith, mit unzähligen Therapien und Heilverfahren eine Verbesserung ihres Zustandes zu erreichen. Phasen des Rückzuges mit Schmerz und Trauer, aber auch einer Bejahung und Neugier auf das Leben wechselten sich ab. 2009 und 2010 reiste sie sogar noch nach Taizé.

Im Beisein ihrer Familie und ihrer Freunde verstarb sie im April 2012 im Alter von 33 Jahren.

Judiths Eltern, Clemens und Ulrike Rietmann, veröffentlichten 47 von etwa 150 Gedichten in diesem Buch.

Lebensfreude, Schmerz, Stimmungsschwankungen, Hoffnung und Verzweiflung, die Natur in ihrem jahreszeitlichen Wandel sowie Religion und Spiritualität tauchen thematisch immer wieder in ihren berührenden Gedichten auf.

Leseprobe:

Du Meister aller Lieder – spiel!
Ich lege mich in Deine Hände
so wie ein Engel, welcher fiel,
und sanft nun aufgerichtet steht
und fühlt, wie tosend Deine Hände
entfesselt sind, und in mir weht       
der Sturmwind Deines Atems.

Du Meister aller Lieder – spiel!         
Spiel mir das Lied vom Leben!

                                            23. 10. 1999      (aus: Du Meister aller Lieder spiel! Seite 15)

Näheres zur Autorin, ihr Leben und über das Buch sowie eine Bestellmöglichkeit:

www.juriet-gedichte.de   

ISBN 978-3-86814-010-1     € 12,50

Bildquelle

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Zu viel Gepäck

Zu viel Gepäck

So manches Mal stelle ich fest:
„Oh Schreck! Ich hab mich selber im Gepäck!“

Es geht nicht vor und nicht zurück,
ich fühle mich total bedrückt.

Fern unbeschwerter Leichtigkeit,
kein Sonnenschein, nur Dunkelheit.

Da finde ich das kleine Blatt,
seh’ mich an seiner Schönheit satt.

Die Leichtigkeit, die ich nun spür’,
sie öffnet mir so manche Tür.

Wo eben noch kein Weiterkommen,
erscheint mir alles leicht verschwommen.

Ein kleines Licht bahnt sich den Weg
auf einem nebelhaften Steg.

Bald leuchtet er als breiter Weg,
ein Ziel am Wegesende steht.

Ich fühl’ mich leicht und unbeschwert
und bin gespannt, wohin der Weg mich führt.

© Text und Foto: G. Bessen

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Geduldsfäden

Geduldsfäden

Geduld war nie mein 2. Vorname und wird es wohl auch nicht  mehr werden.
Aber jetzt in der Fastenzeit, in der wir ohnehin vieles schon so lange entbehren,
habe ich meinem Geduldsfaden versprochen, mich besonders um ihn zu kümmern.

Der Geduldsfaden
hat wenig zu tun
mit einem Nerv
wie ein Drahtseil.

Der Geduldsfaden
ist ein feines Fädchen,
oft dem Zerreißen nahe,
dünnhäutig und fragil.

Pflegen wir ihn,
reden wir ihm gut zu,
halten wir ihn seidig
und geschmeidig.

© G. Bessen

 

 

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VER-LOCK-END

„Corona-Frisur“ im Mai 2020
Foto: G. Bessen,  Schlosspark Oranienburg

 

Ver-Lock-end

Endlich einen Termin!
Nicht für die Impfung!
Nein, für den Friseursalon!
Ich zähle die Tage
bis zu meinem
ganz persönlichen
„Haar-Lock-Down“ im März.

Gott lob, „Haarleluja“:
Schere und Rasierer
sind nicht mehr weit.
Wie wird es sein,
das erste Mal nach
so langer Zeit?
Werden sie sich
bei meinem Anblick
die Haare raufen?

Oder verlockend
ganz luftig und locker
vom Friseurhocker
für meine Locken
einen Längenzuschlag
berechnen?
Ist mir egal.
Hauptsache wieder
ein sachliches Haupt.

https://www.pfarrbriefservice.de/file/ver-lock-end

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Der Schneeosterhase

Ich hab’ den Osterhasen liegen seh’n,
die Sonne auf ihn nieder schien.
Ich fragte ihn: „Sag, Osterhase,
bist du denn fit zum Ostertage?“
Er lächelte, zwinkerte mir zu:
„Ganz sicher doch, was zweifelst du?
Ich ruhe noch ein wenig aus,
dann geh ‚ich in mein Hasenhaus,
bereite die Geschenke vor
und steh’ zu Ostern vor dem Tor.“

Am nächsten Tage war er weg,
da wo er lag, nur noch ein Fleck
vom Winterschnee kurz vor dem Fest,
was uns für Ostern hoffen lässt,
dass Frühling uns verführen wird,
uns zum Spaziergang animiert.

© Text und Foto: G. Bessen

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Über das Herz

Über das Herz

Das Herz ist
ein bewegliches Wesen,
manchmal schlägt es bis zum Hals,
manchmal rutscht es in die Hose.

Es gibt Menschen,
die es auf der Zunge tragen.
Andere nehmen es
in die Hand.

Das Herz ist
ein erstaunliches Organ,
man kann es verschenken
und wird dabei nicht arm,
sondern reich.

Das Herz ist
ein wundersamer Platz,
ja, wohl der einzige,
in dem man jemanden
einschließen kann,
ohne ihn einzusperren.
© Tina Willms

Aus: »Im Glauben: Zweifel – Im Zweifel: Glauben.
Inspirationen zur Jahreslosung und den Monatssprüchen 2020«

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Weil heute Valentinstag ist … war …

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Ein Hauch von Eiszeit

… gefüllt mit Leben.

Fotos: G. Bessen 2/2021

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Winterfreuden

Winterfreuden

Als Frau ist man geplagt im Leben
mit Mann und oft auch Kindersegen.
Familie, Haushalt und Beruf,
wer das wohl alles einst erschuf?

„Das bisschen Haushalt“, sagt der Mann,
ist meist im Handumdreh’n getan.
Wohl der, die einen Gatten hat,
der saugt und wischt und auch mal backt.
Nicht jede Frau hat dieses Glück
und geht beizeiten schon gebückt.

Die Last auf ihren Schultern schwer,
denn irgendwann geht gar nichts mehr.
Gar viele Männer sind soweit
und hauen ab zur Winterzeit.

Der Schneemann ist nur noch ein Traum,
denn scheinbar will ihn niemand bau ’n.
Kein Topf ziert heut’ sein bares Haupt,
die Möhre wurde oft geklaut.

Wer will als Mann denn so erscheinen,
gebt’s zu, das wäre doch zum Weinen!
Auch dafür gibt es ein Rezept,
die Frau, die steckt das auch noch weg.
Und somit gibt es, hör’ und schau,
auch hierfür eine toughe Frau:
eine Schneefrau.

© Text und Foto: G. Bessen (überarbeitet 2021)

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Sichtweisen

Weitsicht lässt uns über den eigenen Tellerrand hinausschauen.
Klarsicht lässt uns den Splitter im eigenen Auge erkennen.
Einsicht hilft uns, immer wieder neu an uns zu arbeiten.
Vorsicht und Behutsamkeit sollen unseren Umgang mit anderen auszeichnen.
Rücksicht und Geduld gehen Hand in Hand, mit anderen, aber auch mit uns selbst.
Nachsicht hilft uns das, was nicht gleich auf Anhieb gelingt, zu akzeptieren.

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