Das Grauen von Nauen

Das Grauen von Nauen

Die Stadt Nauen liegt 35 Kilometer Luftlinie von mir entfernt.
Die flüchtlingsfeindliche Welle, die durch unser Land schwappt, hat auch Brandenburg mit einem fürchterlichen Brandanschlag getroffen. Die geplante Flüchtlingsunterkunft, eine Turnhalle, wurde in Brand gesetzt und brannte nieder, sie muss abgerissen werden.
Es wird von vorsätzlicher Brandstiftung mit rechtsextremem Hintergrund ausgegangen.
Und trotzdem haben die Bügerinnen und Bürger von Nauen nicht mitgejohlt, sondern sofort ein Zeichen gegen Fremdenhass gesetzt. Überlegungen werden angestellt, wie die Flüchtlinge nun untergebracht werden sollen.

Die Brandenburger Landesminister haben sofort reagiert und heute ein Extratreffen in Potsdam abgehalten. Ist dieser Brandanschlag ein Einzelfall? Politiker hoffen es (was sollen sie auch sonst sagen).
Das ist meiner Ansicht ein blauäugiges Denken, denn die Rechtsextremisten konzentrieren sich auch in Brandenburg.

Am Montag fängt in Brandenburg die Schule an. Flüchtlingskinder sollen in Kitas und Schulen untergebracht werden. Das erfordert schnellsten Handlungsbedarf. Der Personalschlüssel in Brandenburgs Kitas ist der drittschlechteste in Brandenburg und es herrscht Lehrermangel.

Sigmar Gabriels Worte in Heidenau zeigen negativste Wirkung, eine Bombendrohung im Willy-Brandt-Haus am heutigen Tag und eine weitere im LAGESO in Berlin- Moabit (Landesamt für Gesundheit und Soziales – ich habe im Beitrag HAUTNAH darüber berichtet) sind die Reaktionen. Es überrascht mich nicht, es zeigt, dass wir alle gefordert sind, mitzuhelfen, dem rechstradikalen und menschenverachtenden Mob die Stirn zu bieten.

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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24 Antworten zu Das Grauen von Nauen

  1. freiedenkerin schreibt:

    Der braune Mob hat ungezählte Helfershelfer/innen. Nämlich all jene, die den Kopf in den Sand stecken, nichts wissen wollen, sich nicht dazu äußern wollen, weil ihnen die Traute dazu fehlt, diejenigen, die sich schweigend hinter den Gardinen verstecken, wenn in ihrer Nähe die „Asylkritiker“ und „besorgten Bürger/innen“ ihr Unwesen treiben. Diese Leute bereiten mir beinahe mehr Sorgen als die Rechtsradikalen. Denn wenn sich an die Spitze jener ein auch nur halbwegs charismatischer Anführer stellt, dann sind wir verloren, denn dann trotten sie wie 1933 wieder stumm und folgsam mit. Wohin das geführt hat, ist in allen Geschichtsbüchern zu lesen.

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  2. Guten Morgen!
    Leider sind in unserem Land nicht alle Bürger helle Kerzen auf der Torte.
    Wie schon gesagt, im Geschichtsunterricht gepennt und nichts gelernt…
    Und wenn dann noch Leute in feinem Zwirn, aber mit mehr oder weniger rechter Gesinnung auftauchen? Das kann einen wirklich nachdenklich machen.
    Da kann man sich als Brandenburgerin wirklich nur schämen.
    Habe trotzdem einen schönen Tag.
    Gruß Karen

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  3. Brigitte schreibt:

    Ich verstehe überhaupt nicht, weswegen diese Leute so plärren. Und denke einfach mal 25 Jahre zurück!! Wir sind alle Menschen und wie es schon jemand gesagt hat, wir alle würden nicht unsere Heimat verlassen, wenn wir das nicht müssten. Viele müssen einfach. Wo Krieg herrscht, da würde jeder versuchen seine Familie in Sicherheit zu bringen und jene, welche sich in ausweglosen wirtschaftlichen Situationen befinden, die kann ich durchaus verstehen.

    Ein Recht auf Respekt haben alle, das steht für mich fest. Wenn alle zusammenhalten, dann kann man das schultern.

    Am meisten habe ich mich über jenes Plakat geärgert, auf dem zu lesen war: Wir wollen keine westdeutschen Verhältnisse. Was soll das?!

    Liebe Grüße (muss mich gerade rar machen, ich habe das Haus voller Besucher), Brigitte

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    • Anna-Lena schreibt:

      Dieses Plakat habe ich auch mit Verärgerung gesehen. Ich denke auch, wenn wir zusammenstehen und JEDER bildlich gesprochen „mit anpackt“, kann man viel erreichen.
      Die meisten von uns haben zum Glück keinen Krieg erlebt, aber was ich von meinen Eltern und Großeltern je dazu erfahren habe, war schauerlich genug. Allein die Vorstellung davon müsste doch jedem normal Denkenden einen Hauch von Ahnung vermitteln, wie diese Menschen und besonders die Kinder sich fühlen.

      Lieb, dass du dir trotz voller Hütte Zeit genommen hast. Habt es schön!!!

      LG Anna-Lena

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  4. Lutz schreibt:

    Das Plakat habe ich auch gesehen. Aber gewundert hat mich das nicht. Wenn ich in einigen Netzwerken manche Kommentare lese, die am liebsten die DDR wieder hätten, dann braucht man sich über solche Plakate nicht wundern. Sicherlich gibt es auch im Westen Ausländerfeindlichkeit aber im Osten scheint es ganz besonders schlimm zu sein. Solche Ausschreitungen gehören streng bestraft. Meistens sind es junge Leute die den Krieg nur aus den Medien kennen und keine Ahnung haben, was sich aus ihren Taten entwickeln kann. Von der EU ist nicht viel zu erwarten. Die sollten mal ihre Mitglieder wie England Polen oder Holland in die Pflicht nehmen. Diese Länder sind eine Schande für Europa. Dir noch einen schönen Abend. L.G

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    • Anna-Lena schreibt:

      Es gibt durchaus viele, denen die Wende keine Verbesserung ihrer finanziellen Situation gebracht hat und die viel verloren haben. Aber ich lebe seit fast zwanzig Jahren in Brandenburg und kenne viele, die sich zwar kritisch mit dem „davor“ und „danach“ auseinandersetzen, aber niemanden, der die DDR zurück haben möchte. Solche Äußerungen halte ich für unreflektiertes und dummes Gewäsch.
      Die Rechten haben in den neuen Bundesländern mehr Zulauf.
      Ich denke, alle EU-Länder müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, sonst geht gar nichts. Die täglichen Horrormeldungen, wie heute aus Österreich, scheinen doch langsam aufzuschrecken. Schade, dass immer erst etwas passieren muss, damit gehandelt wird.
      LG auch zu dir!

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  5. bruni8wortbehagen schreibt:

    Die Welt wird sich verändern, so ist es mal wieder, wie schon so oft, Menschen suchen nach neuer Heimat und sie haben mein großes Mitgefühl.
    Wenn ich mir überlege, ich wäre ein Flüchtling, müßte mein gewohntes Umfeld verlassen, könnte hier nicht mehr leben, müßte um Leib und Leben und das meiner Kinder fürchten, dann packt mich Entsetzen. ICH bin es im Moment gottseidank nicht. Aber so etwas kann sich schnell ändern…
    Ich denke zurück… an meinen Vater und alle, die zu ihm gehörten…
    Was blieb ihnen? Kein Stück der Heimat. Und alle waren froh, eine andere Heimat finden zu können.
    Ich wünsche es den Flüchtlingen von ganzem Herzen und verurteile jede Art von Rassismus und rechtem Gedankengut, denn das brachte und bringt Kriege, Morden, Totschlagen, Feuer und Not.
    Wo bleibt da die Menschlichkeit, wo versteckt sie sich?

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  6. bruni8wortbehagen schreibt:

    http://wortbehagen.de/index.php/gedichte/2015/august/unsinniger_hass
    Das mußte ich unbedingt schreiben, weil es mir so auf der Seele lag!

    Liebe Grüße von mir

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  7. Frau Momo schreibt:

    Ich wohne ja zur Zeit in der Hochburg der Rechten, zumindest hier im Osten. Wohl fühle ich damit wahrlich nicht. Auch wenn ich immer wieder sehr engagierte Mitmenschen kennenlerne, die machen und tun und anpacken. Es müßten viel mehr sein. Ich habe mich in meinem Blog gerade etwas ausführlicher dazu geäußert.

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  8. ernstblumenstein schreibt:

    Ich hoffe sehr, dass möglichst viele „Unentschlossene“ all diese Berichte und Kommentare lesen werden.
    Ich weiss, dass unsere Bloggerinnen und Blogger sich über diese Situation im Klaren sind und menschlich denken und handeln.
    Ich bezweifle, dass wir diejenigen, die hier lesen sollten, erreichen.

    Trotzdem finde ich eure Berichte und Kommentare zu diesem Thema äusserst wichtig. Ernst

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    • Anna-Lena schreibt:

      „Ich bezweifle, dass wir diejenigen, die hier lesen sollten, erreichen. “ Und wenn jeder nur Einige erreicht, lieber Ernst, ist das schon viel.
      Ich sende dir Sommergrüße in die Schweiz,
      Anna-Lena

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      • freiedenkerin schreibt:

        Wie heisst es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt… Heute, als ich nach langen Monaten mal wieder den FB-Account eines nahen Verwandten durchstöberte, der von der Gesinnung her den „besorgten Bürgern“ sowie Verschwörungstheoretikern zuzurechnen war, staunte ich ziemlich freudig. Es machte auf mich durchaus den Eindruck, als habe der gute Mann die Gesinnung gewechselt und seine braun eingefärbte Haltung aufgegeben.

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