Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft

Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft

Mein heutiger Lesetipp

Hape Kerkeling interessiert mich als Persönlichkeit eigentlich erst seit seiner faszinierenden Pilgerreise nach Santiago de Compostela, die er in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ mit Charme und Witz, aber auch mit Herzenswärme und religiösem Eifer schildert.
Sein neues Buch: „Der Junge muss an die frische Luft“ hat eine andere Thematik, die seiner Kindheit bis hin zu seinen Jugendjahren. Und die war alles andere als leicht.

Als übergewichtiger Wonneproppen aus dem Ruhrgebiet verläuft seine Kindheit erst einmal ohne weitere größere Hindernisse. Aufgehoben in einer großen Familie wird er schon früh durch seine beiden Großmütter Änne und Bertha und seiner Lieblingstante Lisbeth, einer Ordensschwester, geprägt.
Als seine stets unternehmungslustige und agile Oma Änne schwer krank wird und Hapes Mutter sich nicht nur um den eigenen Haushalt, mit Mann und zwei Jungen, sondern auch um ihre kranke Mutter und ihren Vater kümmern muss, gerät die Familie immer mehr in eine seelische und körperliche Krise.
Hapes Mutter ist völlig überfordert, wird erst körperlich, dann auch seelisch krank und nimmt sich das Leben. Hape ist zu diesem Zeitpunkt erst acht Jahre alt.

Und wieder fängt die Familie ihn auf. Seine Großeltern väterlicherseits ziehen zu ihrem Sohn und den beiden Enkeln und Hape findet in Oma Bertha eine Frau, die ihn liebevoll, aber auch mit Konsequenz aufzieht.

Der Tod der Mutter, der Weg dahin und auch der Umgang damit innerhalb der Familie nimmt einen breiten Raum des Buches ein. Die Frage, ob der Selbstmord zu verhindern gewesen wäre, lässt sich aus heutiger Sicht klar mit einem ‚ja‘ beantworten. In der damaligen Zeit, in der Depressionen etwas waren, worüber man nicht geredet hat, weil es den Touch des ‚Beklopptseins‘ hatte, war diese Krankheit ein absolutes Tabu. Das ging so weit, dass die Familie einen Hirnschlag als Todesursache angab, damit Hapes Mutter ein katholisches Begräbnis zustehen konnte.

Bewegend, aber auch von allen Gefühlsschattierungen begleitet, schildert Hape Kerkeling diese so prägende Zeit seines Lebens. Er fragt und hinterfragt, aber er klagt nicht an, sondern findet oft zu seinen eigenen Fragen Antworten, die auch die Mitglieder seiner Familie immer wieder entlasten.
Mit dem Tod der Mutter ist seine Kindheit jäh zu Ende. Aber er selbst stellt die Weichen dafür, wie sein späteres Leben verlaufen wird . Diese Einstellung hat ihn zu einem der besten Entertainer unserer Zeit gemacht.

Da ich selbst aus Recklinghausen stamme, war dieses Buch für mich gelegentlich ein Ausflug in die eigene Kindheit, sei es durch das Beschreiben der großen Familienfeiern, wenn alle zusammen kamen oder auch durch diverse Zitate aus dem „Ruhrpottslang“, den ich selbst bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr gesprochen habe.

Ein Buch, das ich sehr gern gelesen habe und das mich noch nachhaltig beschäftigen wird.

©G. Bessen 2/2015

der_junge_muss_an_die_frische_luft

Bildquelle

  • ISBN-10:3-492-05700-4
  • Erscheinungstermin:06.10.2014
  • Seiten:320, 19,99 €
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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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28 Antworten zu Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft

  1. Guten Morgen,
    danke für den Hinweis. Bin leider kein toller Leser von Büchern. Lese das Geschriebene von dir und das ist viel. Wir haben schönes Wetter mit Sonne. Der Schnee bleibt liegen. -6° LG. Wolfgang

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  2. sweetkoffie schreibt:

    Ich mag den Hape sehr!!!

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  3. winnieswelt schreibt:

    Hape finde ich einfach klasse, danke für diese schöne Rezension!

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  4. leonieloewin schreibt:

    Danke für die interessante Buchvorstellung. Du hast meine Neugierde geweckt und meine Wunschleseliste für den Sommer um ein weiteres Buch erweitert. liebe Grüße Leonie

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  5. Ingrid schreibt:

    Kerkeling ist ein Mensch, hinter dem viel mehr Tiefgang steckt als man vermutet. Er hat mich nie interessiert bis ich sein erstes Buch las. Das hat mir sehr gefallen. Dann bin ich mal gespannt auf dieses hier.
    LG, Ingrid

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  6. Helmut schreibt:

    Danke für den Tipp!

    Liebe Grüße
    Helmut

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  7. minibares schreibt:

    Immerhin bin ich schon bis zum Garten, in den er durfte, ohne zu reden…
    Ich bin auch vom ersten Buch total begeistert.
    deine Bärbel

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  8. Ruhrköpfe schreibt:

    Hallo Anna-Lena, eine schöne Rezension, die mich noch neugieriger auf das Buch macht, das schon eine Weile auf meinem Wunschzettel steht. Danke dafür 🙂 Liebe Grüße und ein schönes Wochenende, Annette

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  9. irisboden schreibt:

    Dieses Buch steht ebenfalls auf meiner Liste. Schön, hier darüber zu lesen.
    Lieben Gruß zu dir – Iris

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  10. mrsweasly schreibt:

    du schreibst mir aus der seele…. ich war tief bewegt von diesem buch. wer es noch nicht gelesen hat, oder wenn du magst, bitte das hörbuch anhören. es ist geht um einiges mehr an die seele, wenn er es selbst vorliest. ich bin ein ganz, ganz grosser fan von diesem buch bzw. hörbuch und das, obwohl ich hörbücher eigentlich gar nicht mag :-.)

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  11. bruni8wortbehagen schreibt:

    Ich wußte bisher nichts über seine Kindheit und was ich jetzt lese, macht mich sehr betroffen.
    Und auch heute noch hat ein Selbstmord – heute eigentlich fast nur noch öffentlich Suizid genannt, klingt etwas weniger nahe – den Ruch der Unsäglichkeit. Kaum zu begreifen ist er, eigentlich immer, es sei denn, es ist ein selbst gewählter Feitod, weil unheilbar krank und so voller Schmerzen, daß das Leben damit nur noch unerträglich ist. Dann wird es verstanden, aber oft trotzdem nicht gutgeheißen.
    Aber was heißt das schon. Nur der, der es erlebt, sollte hier urteilen!

    Gut ist sie, Deine Buchbeschreibung, liebe Anna-Lena

    Liebe Grüße zum Wochenende von Bruni

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  12. Pauline schreibt:

    Kann Dir voll zustimmen, liebe Anna-Lena: ein tolles Buch und ein toller Mensch!
    GLG ♥ Pauline ❤

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  13. Anna-Lena schreibt:

    @all:

    Ich danke euch für eure zahlreichen Rückmeldungen, diejenigen, die meinen Eindruck des Buches bestätigen und denjenigen, die nun neugierig geworden sind, wünsche ich ebensolchen Lesespaß, wie ich ihn hatte.
    Ein großartiges Buch mit großem Kino von einem Mann, der – wie Ingrid so treffend formuliert hat – ganz viel Tiefgang hat.

    @mrsweasly: Ich bin auch kein Freund von Hörbüchern. Aber das gelesene Buch hatte mir ein Freund geliehen und das Hörbuch werde ich mir anschaffen, eben weil es von H. Kerkeling selbst gelesen wird.

    Liebe Grüße ins Wochenende,
    Anna-Lena 🙂

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  14. Frau Tonari schreibt:

    Ich glaube, das Buch möchte ich lieber hören. Mit Hapes unverwechselbarer Stimme.
    Und ich bin eigentliche keine Hörbuchfreundin.)

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  15. hoetuspoetus schreibt:

    …. ich schließe mich noch spät an …
    jaaaaa … auch ich mag den Hape SEHR!!!

    Als er im WDR sein Buch selber vorgestelt hat, war ich ganz „Ohr“ …
    Das Hörbuch stelle ich mir somit auch sehr toll vor….

    Hab ein schöne Wochenende….. Katja

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  16. Emily schreibt:

    Liebe Anna-Lena,
    mir geht es wie dir, ich habe Hape Kerkeling bewundert, wenn er sich von Königin Beatrix zum schrulligen Hausmeister verwandelt hat, aber ich habe mich näher erst mit ihm beschäftigt, als er von seiner Pilgerreise berichtete. Er ist vielschichtig, vor allem in seiner Seele. Das Buch habe ich noch nicht gelesen, werde es aber noch nachholen. Ich sehe schon, du bist fleißig gewesen 😉

    Liebe Grüße, Emily

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  17. Lutz schreibt:

    Der Hape war in Recklinghausen auf dem Mary- Curry – Gymnasium . Sein bester Kumpel war der Achim Hagemann. Sein späterer Komponist und Pianist. Die Beiden traten als Duo in dem Catch “ Hurz “ auf. Die Beiden haben sich später getrennt und Hagemann tritt heute mit Der Familie Podolski. Den Vater von Hape Kerkeling kannte ich als Hausmeister bei Karstadt in Marl.
    Hape Kerkeling ist einer der größten Entertainer in Deutschland. Aus deiner Geburtsstadt kommen eben nur gute Leute her (lach).

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  18. freiedenkerin schreibt:

    Ich durfte ihn einmal bedienen, als er in dem Hotel logierte, in welchem ich vor etlichen Jahren Oberkellnerin war, und habe Herrn Kerkeling als sehr sympathisch und auch bescheiden in Erinnerung.

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