Eine Frage der Zeit

BlattEine Frage der Zeit

Früher haben wir mit kindlichem Gemüt gemeinsam die Welt entdeckt und haben uns dafür viel Zeit genommen.

Während unserer Ausbildung haben wir unsere Zeit damit verbracht, uns ein Standbein für die Zukunft zu schaffen. Als die Kinder kamen, legten wir den Meilenstein dafür, dass wir in dieser Welt etwas Gutes hinterlassen.

Familie und Beruf forderten ihren zeitlichen Tribut. Und so vergingen die Jahre.

In der Reife unserer Jahre holen wir das nach, was uns die Zeit der Berufsfindung und der Familienplanung nicht gegönnt hat. Wir reisen und erobern die Welt und betrachten sie aus ganz anderen Blickwinkeln.

Erst, wenn wir unsere Kinderteller und Schnabeltassen vor uns haben und uns zum Rollstuhl- und Rollatorentreffen sehen, haben wir wieder mehr Zeit und schlagen uns die Tage um die Ohren.

Und irgendwann kommt der Tag, da haben wir Zeit ohne Ende, aber das interessiert niemanden, denn dann hat unsere Stimme für immer versagt und der Blick ist starr und ausdruckslos.

©G.B. 10/2014

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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23 Antworten zu Eine Frage der Zeit

  1. karlswortbilder schreibt:

    hm, so ähnlich dachte ich auch, Wenn ich einmal in Pension bin dann reise ich und gönne mir die Dinge die während des Berufslebens nicht möglich waren. Aber ich muss leider feststellen, dass ich mehr unternahm im Berufsleben als jetzt in Pension. Es mag sicher Menschen geben, deren Gesundheitszustand so etwas zulässt. Es gibt aber auch leider Menschen bei denen mit dem Ruhestand auch die Beschwerden kommen und ihre Aktivitäten nur zwischen den immer häufiger werdenden Arztterminen durchführen können.
    Mein Rat, hebt euch nichts für die Rente auf, 😉
    lg
    karl

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ja, lieber Karl, da magst du recht haben, nicht jedem ist ein völlig gesunder Ruhestand gegönnt, manche trifft es ja vorher schon ganz hart.
      Deinen Rat sollten wir alle beherzigen – danke dafür.
      Liebe Grüße
      Anna-Lena

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  2. quersatzein schreibt:

    Nun, ein bisschen Zeit bleibt doch immer – und die bekommt dann jeweils besondere Qualität, wenn wir sie uns nehmen oder gar stehlen müssen…

    Mit lieben Grüssen,
    Brigitte

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  3. meinesichtderwelt schreibt:

    Wunderschön geschrieben – und so zutreffend!!! Alles eine Frage der Zeit …

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  4. die3kas schreibt:

    Wie wahr! Heute muss ja alles in Eile und Höchstgeschwindigkeit absolviert werden. Ein Termin jagt den nächsten. Zeit ist ein ganz wichtiges Gut geworden.
    Das sieht man auch gerne im Strassenverkehr, wobei man sich an der nächsten Ampel ja doch wieder trifft. Ich nehme mir heute die Zeit die ich brauche, hasse Termine, doch die müssen leider sein weil meist Arzttermine. Ansonsten lasse ich mich treiben… geht nicht anders, ich bin für Stress gar nicht mehr ausgelegt, schlägt sich sofort auf die Fibro. Ich musste das lernen und man kann das lernen, man muss eben Prioritäten setzen lernen. Was ist wichtig für einen, was nicht.
    Das Fazit ist: Das Leben ist viel zu kurz!

    Mach es dir schön ♥
    Liebe Grüsse, kkk

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    • Anna-Lena schreibt:

      Du hast so recht, liebe kkk. Gewisse Termine müssen eingehalten werden und Stress lässt sich nicht immer vermeiden, aber ich versuche es jeden Tag aufs Neue, meine Ruhephasen zu genießen.
      Ich grüße dich ♥lich,
      Anna-Lena

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  5. die3kas schreibt:

    Noch etwas… Dein Header ist eine Wucht, ich könnte so in einen Apfel beissen

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  6. Lutz schreibt:

    Toll geschrieben . Die Jugend ist die Zeit, Weisheit zu lernen.
    Das Alter ist die Zeit, sie auszuüben.
    Jean-Jacques Rousseau
    Bis zum Rollatoren treffen alles Gute. L.G.

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  7. bruni8wortbehagen schreibt:

    immer waren wir mit Wichtigem beschäftigt, ja, liebe Anna-Lena.
    Nie gab es Minuten, die denen wir saßen und nachdachten, wir hatten keine Zeit dazu – die kommt später, dachten wir uns und als sie da war, füllten wir die Zeit mit Beschäftigung und wieder war sie verbraten, die uns zustehende Zeit.

    Bei mir war es die Zeit, als die Kinder klein waren. Nie kam ich zum Nachdenken, die Jahre verflogen und so schnell waren sie vorbei. Urplötzlich kam die Rente, Ich hatte gar nicht daran gedacht. Doch meine Arbeitszeit war zu Ende und Neues kam.
    Zum Nachdenken komme ich schon, aber wehmütig ist es auch, obwohl ich fülle und keinerlei Langeweile habe. Ich fülle und fülle und die Tage vergehen. Ich frage sie, wo sie hinwollen, doch sie anworten mir nicht. Sie haben auch keine Zeit, sie müssen ihre Pflicht erfüllen…

    Verrücktes Leben…

    Herzliche Abendgrüße von mir zu Dir

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    • Anna-Lena schreibt:

      In dieser schnelllebigen Zeit werden wir mitgerissen wie im Hamsterrad und es ist so schwer, abzuspringen und zu verschnaufen. Vom Aussteigen kann ja gar keine Rede mehr sein… 😦

      Liebe Grüße in den frühen Morgen, an dem die Nacht noch vor der Tür steht,
      Anna-Lena

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  8. freiedenkerin schreibt:

    Ja, ja, die Lebenszeit… In den jungen Jahren denkt man, davon sei einem in Hülle und Fülle geschenkt worden, unmöglich, sie in einem einzigen Leben aufzubrauchen… Je näher das Alter rückt, umso mehr frag man sich: Wo ist sie nur hin, diese scheinbar unbegrenzte Zeit? Jetzt würde man sie manchmal am liebsten mit aller Macht anhalten wollen…
    Seitdem ich nicht mehr so gut zu Fuß bin, ist „Gemach, gemach!“ mein Lebensmotto. 😉 Ich komme dennoch überall hin, wie neulich erst wieder in Mailand. 😉
    Herzliche Grüße!

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    • Anna-Lena schreibt:

      Du hast ja so recht, liebe Freidenkerin. Ich staune, was du alles in der kurzen Zeit in Mailand gesehen hast. Dafür braucht so mancher junge Mensch Monate…
      Danke fürs Mitnehmen und für die vielen anschaulichen Fotos.

      Liebe Grüße .-) .

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  9. Gudrun schreibt:

    Ich glaube, ich bin ständig in Eile, so sehr, dass mir manchmal ein Dämpfer verpasst werden muss, damit der Blutdruck nicht abhebt. Ich möchte so gerne einige Dinge ändern und fange dann oft an, im Dauerlauf zu rennen. Vielleicht liegt es an den Normen, die unser gesellschaftliches Zusammenleben bestimmen. Denen entgeht man nicht, auch wenn man selbst nichts verschuldet hat.
    Ich war gestern zu einer Dankveranstaltung für Ehrenamtliche. In der Festrede wurde gesagt: „Ihr werdet euer Gehalt nicht aufbessern können, aber ihr sorgt dafür, dass das Leben in unserer Gemeinschaft einwenig menschlicher wird.“ Das hat mir sehr gefallen, aber an der gesellschaftlichen Stellung und Situation ändert es leider nichts.
    … Und schon habe ich es wieder eilig.
    Liebe Grüße, und danke für den Text, liebe Anna-Lena.

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    • Anna-Lena schreibt:

      „Ihr werdet euer Gehalt nicht aufbessern können, aber ihr sorgt dafür, dass das Leben in unserer Gemeinschaft ein wenig menschlicher wird.“ Das alleine ist doch ein tolles Fazit und zeigt, worauf es ankommt.

      Das Eilen und Hetzten, liebe Gudrun, wird immer ein Teil von uns bleiben, es darf nur nicht zur Dauergewohnheit werden.

      Alles Liebe und viele Grüße
      Anna-Lena

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  10. buchstabenwiese schreibt:

    Ein ganz schön düsteres Bild, was du da malst, liebe Anna-Lena.
    Andererseits … ja, niemand hat Zeit, alles wird auf „später“ verschoben, obwohl man gar nicht weiß, ob „später“ jemals eintreffen wird. Ist alles ganz schön hektisch auf der Welt.

    Liebe Grüße,
    Martina

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  11. minibares schreibt:

    Zum Jahresende hören wir mit der Arbeit auf.
    Darauf freuen wir uns sehr. Obwohl es nicht mehr viel ist.
    Trotzdem wird es eine Erleichterung sein.
    Inzwischen haben wir fast nur noch Termine für die Gesundheit oder eher Krankheit.
    Gut, montags abends die Chorprobe, noch kann ich mitsingen, und tu es gern.
    Vielleicht gehe ich mal in den Bass.
    Aber wie viele Leute nur hasten und eilen, das ist echt enorm.
    Ganz liebe Grüße Bärbel

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  12. ernstblumenstein schreibt:

    Deine Gedanken über die Zeit gefallen mir, liebe Anna-Lena. Wir laufen der Zeit das ganze Leben hinterher und verursachen selber Hektik und Eile durch Unvermögen oder falschem Ehrgeiz. Mahatma Gandhi sagte schon vor vielen Jahren : „Es gibt wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“
    Dir wünsche ich so oft es geht beschauliche Zeitfenster. ❤ Grüsse Ernst

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