In diesen Tagen … (9)

Zeit ist ein Riese

Zeit ist ein Riese
mit Pranken sehr weit
ich mittendrin
was geschieht?
was’s gescheit?

Schon immer war ich geworfen
in das, was geschieht
jetzt seh ich, wie mich die Zeit gebiert
in allen Epochen, die ich durchlebt
Zeitgeschichte in mir ihre Spuren webt

Und heute? Corona – Reset
Einkehr verordnet
Ich komm ins Gebet
für die Erde, fürs Leben,
fürs einfache Sein
Zeitgeschichte wird jetzt ganz groß
und ganz klein

© Erika Lützner-Lay

https://www.publik-forum.de/die-liebe-in-zeiten-von-corona

 

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In diesen Tagen… (8)

Unsere Welt steht Kopf.
Oben und unten,
rechts und links,
alles ist verrückt.

Und ich?
Ich stehe neben mir
und sehe die Welt aus einer anderen,
einer völlig neuen Perspektive.

Wie geht es weiter?
Ist nach der Krise
ein Leben mit der Krise?

Wird das Neben-mir-stehen,
das Ver-rückte,
gar das Normale der Zukunft?

Unser Leben – ein Strudel von Gegensätzen,
der seit rund zwei Monaten unser aller Leben durcheinanderwirbelt

Aus dem rastlosen Alltag in den Entschleunigungsmodus,
zuerst mit einem Gefühl von Starre  und Stillstand

Virtuelle Erfahrungen wie home office und home schooling, Telefon- und Videokonferenzen,
Livestream-Übertragungen und Podcasts mit Kontaktbeschränkung und dem schmerzlichen Fehlen des persönlichen Miteinanders

Umgeben von Befürwortern der Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung
wie auch von Unterwanderern und Beschwörungstheoretikern

Der Wunsch nach verlässlicher Aufklärung und verantwortbaren Lockerungen,
nach Normalität und einem Leben, wie wir es kannten und schätzen gelernt haben

Sommerzeit ist Urlaubszeit und Reisezeit mit Reisewarnung und Reiseplanungen
und über allem die Frage der Verhältnismäßigkeit

Was werden wir machen,
wenn die Zahl der Infizierten einen neuen Höhepunkt erreicht?

Was werden wir anders machen,
wenn Corona vorüber ist?

Die Krisen und Probleme unserer Welt werden sich nicht ändern, wenn wir nicht umdenken, neue Wege ausprobieren und alles tun, den Planeten nachhaltig zu retten. Vieles wird nicht mehr aufzuhalten sein, doch wir stehen in der Verantwortung den nächsten Generationen gegenüber.

Eine Vogel-Strauß-Haltung mit dem Kopf im Sand wird uns nichts nützen, ebenso wenig ein unüberlegtes Vorpreschen. Das hatten wir alles doch schon. Oder?

©Text: G. Bessen 5/2020, Foto: Christine Engelhardt/pixabay

 

 

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Himmelfahrtstag

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In diesen Tagen … (7)

Corona ist eine Chance!

Nein, die Wahrheit ist
dass Corona nur den Tod bringt
dass es uns zerstört
dass Corona uns alles nimmt.
Ich glaube nicht
dass Corona unsere Rettung ist
dass es uns erweckt
uns entschleunigt
dass Corona durch Distanz zeigt, wie wertvoll Nähe ist
Es ist doch so
dass Corona uns voneinander entfernt
uns in den sozialen Abgrund stürzt
uns vernichtet
dass Corona uns einsam macht

Ich weigere mich zu akzeptieren
dass Corona uns zeigt, worauf es im Leben ankommt
dass wir menschlicher werden
zusammenhalten
aneinander denken
dass wir nachdenken
Es ist doch offensichtlich
dass Corona die neue Pest ist
dass wir alle sterben werden
dass dies unser Ende ist
Es wäre gelogen, würde ich sagen
Corona bringt uns zusammen!

Und nun lies den Text von unten nach oben!
Birgit Rutenberg – nach einer Idee von Iris Macke

Quelle

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In diesen Tagen … (6)

Am vergangenen Sonntag haben wir den Muttertag gefeiert. Fast alle von uns Frauen hier sind Mütter und manche haben in den letzten Wochen sicherlich die schmerzliche Erfahrung gemacht, die eigenen Kinder oder die noch lebenden Mütter nicht persönlich sehen, geschweige in den Arm nehmen und ans Herzdrücken zu können.

Hunger und Durst nach Gemeinschaft und Miteinander sind groß, wie auch der Spagat zwischen Nähe und Distanz. Liebgewordenes wird von Unsicherheit begleitet.

Doch bei aller Sehnsucht und brennendem Herzen tut es gut, gerade jetzt einen kühlen Kopf zu bewahren. So verständlich der Wunsch nach Normalität auch ist, so unverständlich sind für mich Menschen, die Verschwörungstheorien verbreiten, bei Demos, die Maskenpflicht ignorierend, sog. Grundrechte einfordern und sich mit Ignoranz, Dummschwätzerei und Rücksichtslosigkeit, alles besser wissend, in die Reihen derer einreihen, die nicht begreifen wollen, was da gerade um die Welt zieht: nicht ein Virus, den man mit Medikamenten oder einem Impfstoff mal schnell wieder los wird wie einen lästigen Schnupfen, sondern ein Etwas, das uns aktuell im Griff hat, weltumspannend und unberechenbar.

Wie wäre es, mal wieder den Blick über den deutschen und europäischen Tellerrand zu wagen? Vielleicht rückt das so manche Sichtweise wieder gerade …

© G. Bessen 5/2020

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In diesen Tagen … (5)

Schule fällt aus, doch nicht für immer,
wir geh’n ins ‚Grüne Klassenzimmer’.
In herrlicher Luft
mit Maiglöckchenduft,
besser als das Smartphone-Geflimmer.

Ein Englischlehrer aus Leimen
beschloss: „Unterricht gibt’s keinen!
Geht einfach nach Haus
und ruht euch gut aus.
Euer Können ist doch zum Weinen.

Zwei Mundschutzmasken in Rheine
hingen vereint auf der Leine
Doch dann kam der Wind,
das himmlische Kind,
und die Masken bekamen Beine …

© Texte und Fotos G. Bessen 5/2020

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In diesen Tagen … (4)

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In diesen Tagen … (3)

‚You are welcome‘

Türen ziehen mich seit jeher an und ich wüsste oft gern mehr über sie und die Häuser oder Anlagen, in die sie sich einfügen. Meist senden sie zwei gegensätzliche Impulse aus: GEÖFFNET oder GESCHLOSSEN.

Türen markieren einen Ein- oder Ausgang. Sie schützen einen Raum, indem sie den Zutritt erlauben oder vielleicht auch verwehren.

Was aber verbirgt sich hinter Türen? So mancher sucht Schutz und verbarrikadiert sich hinter einer Tür, weil das Leben ihm kein guter Lehrmeister war oder ihn ein anderer verletzt und misstrauisch gemacht hat. Wer sich aus einer solchen Erfahrung zurückzieht, mutet dem, der von der anderen Seite immer wieder anklopft, viel zu. Mit der Tür ins Haus fallen zu wollen, wäre ein schlechter Ratgeber. Um Einlass zu bitten kostet Kraft, doch wenn das Schloss einer Herzenstür erst einmal geknackt ist, können wieder Licht und Wärme einfallen und den dahinter liegenden Raum strahlend hell und warm machen.

Corona hat uns so manche Lebenstür von jetzt auf gleich zugeschlagen. Und seit Wochen sitzen wir dahinter, abwartend, manche furchtsam und ängstlich, nicht bereit, die Paniktür auch nur einen Spalt zu öffnen.

Viele in unserer Gesellschaft sind eingesperrt, müssen sich von Familie und Freunden fernhalten, vereinsamen und möchten die Sicherheitstüren, die zu ihrem eigenen Schutz dienen, einreißen. Auch das ist ein Zustand, der längerfristig schwer auszuhalten ist.

Doch vorsichtig öffnet sich die eine oder andere Tür. Wir tasten uns heran, achtsam und prüfend, wie weit wir die Tür öffnen können, ohne uns in Gefahr zu bringen.

Es ist wie mit dem Licht. Wenn wir lange im Dunklen waren, können wir kein gleißendes Sonnenlicht ertragen, sondern müssen unseren Augen Zeit geben, sich der Helligkeit anzupassen.

Zugesperrte Türen lassen sich nicht mit Gewalt aufreißen, die nötige Geduld für einen passenden Schlüssel muss man schon mitbringen, wenn man die Tür nicht dauerhaft beschädigen will. Nicht jeder Schaden ist reparabel.

Oft kommt das Glück durch eine Tür herein,
von der man gar nicht wusste,
dass man sie offen gelassen hatte.
John Barrymore

Die Tür zum Herzen eines Menschen
kann nur von innen geöffnet werden
Aus Spanien

Das schönste Haus ist das,
welches jedermann offen steht.
Aus Arabien

©G. Bessen 5/2020

 

 

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Wonnemonat Mai

Wonnemonat Mai

Ein Wonnemonat,
warm die Luft,
mit süßlich schwerem Blütenduft.

Frühlingsberauscht,
fliederbetört,
Stille, die niemand stört.

Maiglöckchen klingeln,
Baumwipfel schwingen,
Wind singt sein Lied.

Sternenbewacht
in klarer Nacht
bis ein neuer Tag erwacht.

© G. Bessen

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In diesen Tagen …(2)

Verhaltenes Kinderlachen
Gedämpfte Motorengeräusche
Ernste Gesichter

Sonnenstrahlen kitzeln die Nasenspitze
Hummeln sind im Bestäubungsflug
Die Natur lechzt nach Regen

Ein Wochentag im April
Mitten im Rapsfeld
Am Stadtrand von Berlin

Stille in der Geschäftigkeit
Leere mitten am Tag
Ein Sonntag für die Natur

© Text und Fotos: G. Bessen 4/2020

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