Pilatus heute

Tag für Tag
nach dem Aufstehen
wasche ich meine Hände
in Unschuld.

Tag für Tag
steh ich ein bisschen eher auf,
reinige mich von ein bisschen
mehr Schuld.

Tag für Tag
mach ich mir
schmutzige Finger.
Hab sie überall drin.

Reib mir die Hände,
lach mir ins Fäustchen.
Überall mach ich
Profit und Gewinn.

Man gönnt sich ja sonst nichts!
Drum für mich nur das Beste.
Eine Hand wäscht die andere.
Seht die saubere Weste!

So ist halt die Welt.
Jeder denkt nur an sich.
Was schert mich mein Nächster.
Ich denke an mich.

© Gisela Baltes

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Heather Morris: Der Tätowierer von Auschwitz

Mein heutiger Lesetipp

Heather Morris: Der Tätowierer von Auschwitz

„Lale wurde unter dem Namen Ludwig Eisenberg am 28. Oktober 1916 in Krompachy (Krompach), Slowakei, geboren. Am 23. April 1942 wurde er nach Auschwitz deportiert und erhielt dort die Häftlingsnummer 32407.“ (S. 291)

In dem  Glauben, in Auschwitz Arbeit zu bekommen und somit seiner Familie zu helfen, stellte sich Lale den Nazis und gelangte so in das KZ, in dem er drei Jahre lang lebte und mit List und viel Glück irgendwie überlebte. Erst 50 Jahre später, nach dem Tod seiner Frau Gita, entschloss sich Lale, seine Geschichte einer Bekannten zu erzählen, die aus seinen Erinnerungen, Erzählungen und ihren eigenen Recherchen diesen packenden Roman schrieb, eine Geschichte, geprägt von einem Kampf ums Überleben und einer großen Liebe.

Lale konnte  diesen Wahnsinn in Auschwitz nur überleben, indem er aus Menschen Nummern machte. Nachdem er eine Typhuserkrankung nur knapp überlebt hatte, wurde er zum Haupttätowierer des Lagers, nicht zuletzt, weil er mehrere Sprachen sprach und schnell lernte, wie man es anstellen musste, um nicht aufzufallen und damit zu überleben. Unzähligen Mitgefangenen stach er die fünfstelligen Zahlen in die Unterarme, das Symbol für die unvorstellbaren Gräueltaten der Nazis.

Dank seiner Position für den politischen Teil der SS zu arbeiten, genoss er die Vorteile von Zusatzrationen und einem Einzelzimmer. Doch die Angst blieb sein ständiger Begleiter, wenn er durch seine cleveren Nebeneinkünfte in Form von Geld und Schmuck von anderen Gefangenen, die sonst den Nazis in die Hände gefallen wären, Nahrung und Medikamente für Mitgefangene und auch für sich  besorgen konnte. Mehrfach entkam er den Drohungen Josef Mengeles, der ihn als Versuchskaninchen anvisierte.

Auch dem Mädchen Gita aus dem Frauenlager Birkenau, tätowierte Lale eine Nummer ein und verliebte sich sofort in sie. Seine charmante Art und  viele Extrarationen in Form von Essen öffneten ihm so manche Tür, so dass sich Lale und Gita so oft wie möglich an Sonntagen sehen konnten und sich gegenseitig Mut machten, dieses Lager für eine gemeinsame Zukunft zu überleben.

1945 mussten die Nazis Ausschwitz räumen. Gita und ihre Freundinnen wurden  mit unbekanntem Ziel abtransportiert  und Lale konnte auf Umwegen in seine Heimatstadt zurückkehren. Den Weg nach Hause bezahlte er mit Geld und Schmuck anderer. Beide verloren sich aus den Augen.

Lale fand sein Elternhaus und seine Schwester wieder, die mittlerweile mit einem Russen verheiratet war und Lale nahm später dessen Familiennamen an. Von seinen Eltern hat er nie wieder etwas erfahren.

Gita und er trafen sich in Pressburg wieder, heirateten 1945 und bekamen sehr viel später einen Sohn. Sie lebten von den Einnahmen eines Textilgeschäftes und unterstützten finanziell den jungen Staat Israel, bis diese Transaktionen aufflogen.

Von der Slowakei flüchteten sie über Wien nach Paris und ließen sich  endgültig in Melbourne nieder, um endlich zur Ruhe zu kommen. Bis zu Gitas Tod hatte Lale ihre gemeinsame Vergangenheit geheim gehalten.

Gita (geboren 1925) starb im Oktober 2003 und Lale im Oktober 2006.

Taschenbuch, 304 Seiten,
Erscheinungsdatum: 01.08.2018 im Piper-Verlag
ISBN: 978-3-492-06137-7
Preis: 16,00 €

Bildquelle

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Nur ein Wort: Frühling

 

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In memoriam

Vor 74 Jahren wurden die Häftlinge des  ehemaligen KZ Sachsenhausen in Oranienburg befreit. Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde vor den Toren der Stadt Oranienburg in einem Waldgebiet 1936 von Häftlingen errichtet. Dazu rodeten sie etwa 80 ha Wald und errichteten mehr als 100 Gebäude mit unterschiedlichen Funktionen. Nach dem KZ Dachau war Sachsenhausen war das zweite Konzentrationslager der Nazis.

Ein heute etwa 400 ha großer Komplex in Form eines Dreiecks erinnert an die unrühmliche Vergangenheit des ehemaligen KZ Sachsenhausen in Oranienburg.  Mehr als  200 000 Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern wurden hier inhaftiert. Zehntausende von ihnen verloren durch Hunger, Zwangsarbeit, Misshandlung oder Mord ihr Leben. Fluchtversuche endeten nicht selten tödlich.

In einer Massenerschießungsanlage von 1941 wurden Tausende sowjetischer Kriegsgefangene hingerichtet.

Fotos: G. Bessen April 2019

Zwölf kalte, dünne Schläge der Turmuhr wecken mich.
Kein Klang, keine Wärme in ihnen bergen und decken mich.
Bellende Hund um Mitternacht schrecken mich.
Armseliges Geläute
trennt ein armes Gestern vom armen Heute.

Ob ein Tag sich zum andern wende,
der nichts Neues, nichts Besseres fände,
als dass er in Murzem wie dieser ende,-
Was kann mir’s bedeuten?
Ich will die Wende der Zeiten sehen,
wenn leuchtende Zeichen am Nachthimmel stehen,
neue Glocken über Völker gehen
und läuten und läuten.

Ich warte auf jene Mitternacht,
in deren schrecklich strahlender Pracht
die Bösen vor Angst vergehen,
die Guten in Freude bestehen.

Bösewicht, tritt ins Licht, vor Gericht.

Trug und Verrat, arge Tat, Sühne naht.

Mensch, o merke, heilige Stärke ist richtend am Werke.

Jauchzt und sprecht: Treue und Recht einem neuen Geschlecht!

Himmel versöhne zu Frieden und Schöne die Erdensöhne.
Erde, gedeih‘, Mensch werde frei, sei frei!

© Dietrich Bonhoeffer aus seinem Tagebuch im KZ-Flossenbürg:
„Auf dem Weg zur Freiheit“

 

 

 

 

Quelle

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Alltag – das Immerwiederkehrende (6)

Ulli Gaus Projekt, an jedem ersten Wochenende im Monat etwas aus dem eigenen Alltag zu beschreiben, erfreut sich immer noch großer Beliebtheit.

Der Alltag im Frühling

Was ist das für ein Unterschied zum stillen und mitunter düsteren Winter, wenn das Leben neu erwacht und man fast täglich zusehen kann, wie die Natur sich in ihrer Schönheit entfaltet. Da bedarf es keiner Worte, das Leben spricht für sich.

Fotos: © G. Bessen

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In den Tag gedacht …

Seitdem ich meinen Mann nicht mehr daran erinnere,
seine Hosen- und Jackentaschen
vor dem Waschen zu leeren,
habe ich eine Spardose angelegt.
Langfristig wird das eine lohnende Angelegenheit!

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Zum Nachdenken

In Zeiten wie diesen kann man nicht genug nachdenkenswerter Texte lesen und hören.

Danke, liebe Hanne!

ღ☀Hallöle ツ

Dieses Lied ging mir sehr unter die Haut …
und tut es noch immer, wenn ich es mir anhöre.

Nicht in meinem Namen
„Wenn ich ein Gott wär …“, so beginnt Bodo sein neuestes Lied,
in dem er sich gegen radikale, menschenverachtende Auslegungen
jedweder Religion wendet.
Zu seinem Lied sagt er: „Wenn man über Religion singt,
läuft man schnell Gefahr, religiöse Gefühle zu verletzen,
das ist nicht meine Absicht.
Aber gleichzeitig werden seit geraumer Zeit
meine aufgeklärt-humanistischen Gefühle verletzt,
dem trägt dieses Lied Rechnung.“

Frieden ist nicht das Ergebnis von Terror und Angst.
Frieden ist nicht die Totenstille der Friedhöfe.
Frieden ist nicht das stille Ergebnis gewaltsamer Unterdrückung.
Frieden ist der großzügige,
ruhige Beitrag aller
zum Wohle aller.
Frieden ist Dynamik und Kraft.
Frieden ist Großzügigkeit.
Er ist Recht, und er ist Pflicht.
(Oscar Arnulfo Romero, Geboren am 15. August 1917, Ermordet am 24.3.1980) war Erzbischof von San Salvador
Er gilt…

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Meeresrauschen

Meeresrauschen

Hörst du das Rauschen des Meeres?
Es erzählt dir seine Geschichte
von unerforschten Tiefen
und einer bunt schillernden Welt.

Von tosenden Gewalten,
die unbarmherzig Leben zerstören
und von Menschen,
die auch das letzte Geheimnis lüften
und vermarkten wollen.

Begnüge dich mit einer Muschel,
lausche ihrem Klang,
einem Zeugen aus vergangener Zeit,
als die Welt des Meeres
noch ein Eigenleben hatte.

©Text und Foto: G. Bessen

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Das Kreuz mit dem Kreuz

Das Leben mit all seinen Sorgen und Nöten sieht im Kreuz oft ein Symbol der Bürde und assoziiert damit Leid, Schmerz, Qual und Tod. Die 14 Kreuzwegstationen in Kirchen oder als Bildstöcke im Freien sind besonders in der Fastenzeit ein spiritueller Anreiz zu Gebet und Meditation.

Kreuze als Herausforderung zur Bewältigung des täglichen Lebens finden sich auf Friedhöfen und an Straßenrändern im Gedenken an einen tödlich Verunglückten.

Aber auch der eigene Rücken, das Kreuz mit dem Kreuz, macht gern mal als kreuzlahm von sich reden und auch ein Kreuzbandriss ist kein Vergnügen, wenn sich die Schmerzen kreuzförmig ausbreiten.

An Kreuzungen kreuzt sich oft, was sich nicht kreuzen will und das Rote Kreuz bekommt Arbeit, nach der sich je nach Schwierigkeitsgrad der Eine oder Andere dankbar bekreuzigt, wenn der Einsatz vorbei ist.

Besser haben es die Menschen auf Kreuzfahrtschiffen, die unbekümmert ihre Kreuzworträtsel lösen oder sich die Spielkarten mit dem Kreuz angeln. Hoffentlich merken sie, wo sie hinfahren, und verpassen nicht die eine oder andere Landesflagge mit Kreuzen.

Kreuzblütlern wird  als Antikrebs-Gemüse eine gesundheitsfördernde oder sogar heilende Wirkung zugesprochen und Kreuzkümmel ist eine Gewürzpflanze, die bei Verdauungsbeschwerden ihr Gutes tut.

Das Kreuz muss nicht immer eine negative Assoziation hervorrufen. Es gibt Menschen, die jeden Tag kreuzfidel genießen können.

© G. Bessen, Foto: pixabay

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Regentage

Regentage
wecken die Hoffung
auf ein
sonniges
Frühlingsbunt.

© G. Bessen

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