U – Umkehren

Richtungsweisend
nach vorn schauen,
abseits der ausgetretenen Pfade,
den Fuß vorsichtig ins Neuland setzen.

© G. Bessen, Foto Pixabay

 

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Hanni Münzer: Die Akte Rosenthal Teil 1

Mein heutiger Lesetipp

Hanni Münzer: Die Akte Rosenthal Teil 1

Bücher zu schreiben, die einen Spannungsbogen aufbauen und halten, in denen die Charaktere sich entwickeln, in denen auch ein Inhalt auf soliden Füßen steht, können begeistern, können mitreißen. Das ist ja  die Kunst des Schreibens und zeigt die Kompetenz einer Autorin oder eines Autors.

Nach dem ersten Buch der Trilogie von Hanni Münzer fand ich den zweiten Band „Die Akte Rosenthal Teil 1“ doch zum Teil enttäuschend.

Angefangen mit der Tatsache, dass zwei wichtige Charaktere von den Toten auferstanden sind hat sich auch das Leben des Lukas von Stetten radikal geändert.

Aus dem Jesuitenorden ausgetreten, verheiratet mit der Mutter seines bis vor kurzen nicht bekannten Sohnes Matti, muss er die plötzliche Entführung seiner kleinen Familie miterleben und findet heraus, dass seine Frau Magali die Tochter der verhassten Carlotta van Kampen ist, die ihm zwei Jahre vorher in Rom das Leben zur Hölle gemacht hat.

Doch es wird kein Lösegeld gefordert, sondern die Akte, die Rabea ihm kurz vor ihrem Tod zugespielt hatte und die nicht mehr in seinem Besitz sind.

Rabeas Dokumente bringen selbst die amerikanische Regierung, deren Geheimdienste und Wirtschaftsverbände derart in Gefahr, dass sich die Aneinanderreihung all dieser Ereignisse für mich doch als unglaubwürdig und stark überzogen erweist.

Während der Band „Die Seelenfischer“ auch von der intensiven Beziehung der Zwillinge von Stetten mit deren Freundin Rabea Rosenthal und ihrem gemeinsamen Freund Jules Lafitte und deren Interaktionen lebt, so verlaufen  die Wege der Vier in diesem Band doch manchmal wie eine Hasenspur, schwer nachzuvollziehen und planlos. Auch die anderen Charaktere, sei es die Familie von Stetten oder auch Rabeas Großvater, gehen in diesem Band eher unter und werden zu fast  bedeutungslosen Randfiguren.

Überzogene Handlungsstränge und zuviel Action nehmen diesem zweiten Band ein wenig den Wind aus den Segeln und lassen ihn doch streckenweise unglaubwürdig erscheinen – schade!

Taschenbuch, 400 Seiten
Erscheinungsdatum 3.4.2017
ISBN 978-3-492-30963-9
9,99 €

Bildquelle

© G. Bessen

 

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Fensterbild

Manchmal ist der Blick ins Fenster
lediglich eine Reflexion
auf das innere Ich
und hüllt die Seele
in ein besonderes Licht.

©Text und Bilder: G. Bessen

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Spiegelbild

Spiegelbild

Ein Spiegelbild
zeigt schonungslos,
was mit Dir los ist,
gnadenlos!

Die Haut ganz blass
und ohne Farbe,
Tristesse des Winters,
keine Frage.

Spuren von Lachen,
auch mal von Sorgen,
die bleiben Dir,
gewiss auch morgen.

Doch schau mal tief
in Dich hinein,
siehst Du in Dir
den hellen Schein?

In Deinen Augen
liegt ein Strahlen,
das will sich
aus der Seele wagen,

ein Licht, das tief
in Dir schon brennt,
und das den Weg
nach außen kennt.

Die Liebe führt Dich,
sie prägt Dein Leben,
Du darfst sie gerne
weitergeben.

© G. Bessen
Foto: Pixabay

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Der Boddensee im Winter

Der Boddensee hat auch im Winter seinen Reiz. Während mich die Sonne am heutigen  meteorologischen Frühlingsanfang an der Nase kitzelte, standen die Bäume und Sträucher mit ihren Wurzeln fest im Eis.

Es war still an diesem späten Vormittag. Hin und wieder traf ich Hunde mit ihren Frauchen oder Herrchen, doch Schwäne, Enten  oder gar Fischreiher ließen sich nicht blicken. Der See ist zugefroren und Schlittschuhläufer hatten ihren Spaß. Vielleicht war der Kältebus da und hat sich vorübergehend der Tiere angenommen.

Bald ist die Eispracht vorbei, der Vollmond steht schon voll am Himmel und damit naht auch der Wetterwechsel …

© G. Bessen

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Eiszeit mitten im Winter

Eiszeit mitten im Winter

Weißgrau,
messerscharf, bizarr,
treiben Eisschollen,
leblos, starr.

Kaum Leben,
weit und breit,
kein Entenschnattern,
Vogelzwitschern,
nur hier und da ein
Sonnenblitzen.

Dunkles Wasser
zwischen Eisgebilden
zieht den Blick
in graue Tiefen.

Nicht verzweifeln,
nach vorne schauen
und dem Licht
blind vertrauen.

© Text und Fotos: G. Bessen

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Eiszeit

Der Maulwurf, ganz tief in der Erde,
der hoffte, dass  Frühling bald werde.
Nun kam auch noch Eis
und alles wurd’ weiß,
da schickte er eine Beschwerde.
© G. Bessen

 

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WortArt

WortArt ist eine Gruppe von fünf Hobbyautoren, die sich einmal im Monat zu einer Lesung in einem Cafe in Oranienburg trifft. Manchmal gibt es Themenabende, wie auch am vergangenen Samstag. Zusammen mit verschiedenen Musikern und einem Tanzpaar, die das Thema des Abends auch künstlerisch umsetzten, umrahmte unsere Gruppe die Darbietungen mit Lesungen.

Das Thema des Abends lautete: TANGO

Dazu stelle ich meine geschriebene und gelesene Geschichte ein, zu der als Hintergrundmusik Ravels Bolero lief …

Tango Mortale

Der erste Arbeitstag in der fremden Stadt lag hinter ihr, gespickt mit neuen und vielversprechenden Anregungen. Ganz in Gedanken versunken, schloss sie die Wohnungstür auf. Sie erstarrte. Aus ihrer Wohnung erklang Maurice Ravels „Bolero“.

Ihr Herz schien für einen Moment auszusetzen, um dann mit der dreifachen Geschwindigkeit erneut loszuschlagen. Schweißperlen legten sich wie ein feiner Film über ihr Gesicht, sammelten sich und rannen in winzigen Rinnsalen ihren schlanken Hals hinab. Für einen kurzen Moment blickte sie hinter sich in das noch erleuchtete Treppenhaus, dann nach vorn in den dunklen langen Flur. Noch war es Zeit, die Tür leise wieder zu schließen und die Treppe hinab auf die Straße zu laufen. Und dann? Auf der Straße konnte sie nicht übernachten.

Wo sollte sie hin? Sie war hier fremd, neu hergezogen, kannte noch niemanden und war noch weit entfernt davon, angekommen zu sein. Erst gestern war sie, nach einigen Tagen im Hotel, in die neue Wohnung eingezogen. Sie hatte nach langen inneren Kämpfen den Mut gefunden, ihr altes Leben in der Stadt am anderen Ende von Deutschland aufzugeben, alle Brücken abzubrechen und ganz neu anzufangen. Und nun kam sie nach einem langen Arbeitstag, an dessen Ende sie noch diverse Amtsstuben besucht hatte, in ihre eigenen vier Wände und musste feststellen, dass sie offenbar nicht alleine war.

Die Klänge des „Bolero“ irritierten sie, ja, sie machten ihr Angst und gleichzeitig durchströmte sie ein warmer Fluss voller Leidenschaft. Vor ihrem inneren Auge sah sie sofort das fein geschnittene Gesicht von Miguel, seine dunklen Augen, seine vollen Lippen und das schwarze lange Haar, das ihm in Wellen auf die Schultern fiel. Sofort spürte sie seine fordernden Hände, die beim feurigen und leidenschaftlichen Tangotanzen nur mit Mühe an der Stelle blieben, die der Tanz einforderte. Sie musste der Sache auf den Grund gehen. Wer wagte es, ungefragt in ihr kleines Reich einzudringen, ihre ureigene Intimsphäre zu stören und ihre kleine Welt sofort wieder auf den Kopf zu stellen?

So leise sie konnte, schloss sie die Eingangstür, legte ihre Tasche neben sich auf einen Umzugskarton, fingerte das Pfefferspray aus dem vorderen Taschenfach und zog die Schuhe und Socken aus. Barfuß pirschte sie sich durch den Flur bis zum Rahmen der Badezimmertür und lauschte. Aus dem Wohnzimmer erklang nichts als der bedrohliche und doch so liebenswerte  „Bolero“, kein weiterer Laut war zu hören. Schräg gegenüber vom  Badezimmer lag die Küche. Die Küchentür stand offen. Wenn sie es schaffte, in die Küche zu gelangen, konnte sie einen direkten Blick ins Wohnzimmer werfen.

Bevor sie den entscheidenden Schritt über den Flur zur Küche wagte, wischte sie sich den Schweiß mit dem Ärmel ihres Sweatshirts  aus dem Gesicht. Leise wie eine Katze setzte sie zum Sprung in die Küche an.

Ihre Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit. Hinter zwei übereinandergestapelten Kartons versteckte sie sich. Fieberhaft überlegte sie, wie die Umzugsleute die Möbel im Wohnzimmer hingestellt hatten und wo die Kartons für dieses Zimmer aufgestapelt waren. Ihr Blick fiel auf die Balkontür und das große Wohnzimmerfenster. Aber es fiel kaum Licht ins Wohnzimmer. Der Himmel war voller Wolken und die Fenster auf der gegenüberliegenden Straßenseite waren, bis auf zwei Ausnahmen, dunkel.

Vor dem Fenster erkannte sie die Silhouette der Ledercouch, rechts davon stand ein einzelner Sessel. Dort konnte sie niemanden erkennen. Der Fremde musste sich auf der Seite aufhalten, zu der ihr die Sicht verwehrt war. Von dort kam auch die Musik. Sie hörte für einen kurzen Moment auf, um dann erbarmungslos von Neuem zu beginnen. Der Fremde. War es wirklich ein Fremder? Ein grauenhafter Gedanke in ihr begann, Gestalt anzunehmen.
Sie wusste zwar, dass ihre Musikanlage in einem Fach des wuchtigen Wohnzimmerschrankes stand, aber ebenso genau war sie sich bewusst, dass sie die Anlage noch nicht angeschlossen hatte.

Sie war am gestrigen Abend so erschöpft gewesen, dass sie lediglich ihr Bett bezogen und einen Wecker auf den Nachttisch gestellt hatte. Waschzeug, Kosmetikartikel und frische Kleidung hatte sie extra in einer Reisetasche für den ersten Tag bereitgelegt. Alles andere konnte bis zum Wochenende warten.

Die Angst schnürte ihr die Kehle zu. Sie fühlte sich wie ein Tiger im Käfig, unfähig einen Schritt vor oder zurückzumachen. Das Pfefferspray in ihrer Hand kam ihr vor wie ein Witzartikel aus einem Kaugummiautomaten. Was konnte sie damit schon ausrichten?

Ein Profi würde darüber nur mitleidig lächeln. Die Situation war nicht einschätzbar. Ein Einbrecher konnte bei ihr nichts holen. Dazu hätte er schon ihre Umzugskartons auspacken müssen. Und alles Wichtige hatte sie bei sich in ihrer Handtasche.

Steckte ihr Mann dahinter? Wollte er ihr einen Denkzettel verpassen, nachdem sie den Umzug heimlich organisiert, sein Konto weitgehend geplündert und seine dreitägige Geschäftsreise zum Auszug genutzt hatte? So schnell konnte er sie nicht ausfindig gemacht haben. Er würde erst einmal in einen Schockzustand verfallen, wenn er erkannte, dass sie ihn in ihrem gemeinsamen Haus nur mit dem Nötigsten zurückgelassen hatte.

Der Unbekannte musste im Wohnzimmer sein und sie würde warten. Ihm direkt in die Arme zu laufen, wäre zu gefährlich, darauf schien er zu warten. Sie blieb, wo sie war, bereit alles zu tun, um ihr Revier bis aufs Messer zu verteidigen. Messer? Fieberhaft überlegte sie, wo sie ihre großen Küchenmesser hineingepackt hatte, verwarf aber den Gedanken sogleich wieder.

Der Bolero war wieder einmal zu Ende und – das durfte doch nicht wahr sein – er fing sogleich wieder von vorne an. Außer der Musik war nichts aus dem Wohnzimmer zu hören.

Und wieder wanderten ihre Gedanken zurück zu Miguel, dem Traum von Mann, den sie während ihrer kurzen, aber leidenschaftlichen Dienstreise nach Rio de Janeiro kennen- und liebengelernt hatte. Sie dachte an die Abende im Hotel an der Bar, an die Stunden, in denen sie nichts mehr ersehnte, als später beim Tango dahingleitend in seinen Armen zu liegen, sich dem Wechsel der schleichenden und zackigen Schritte zu ergeben mit einer Mischung aus Lust und Schmerz, schreitend wie ein liebendes Storchenpaar den Saal zu beherrschen, um dann mit einer ruckartigen Drehung des Kopfes die Situation neu zu definieren. In den kurzen und intensiven Nächten suchten sich die angesammelten Gefühle einen Weg, auszubrechen, und in einem Crescendo von Leidenschaft die Welt vergessen zu lassen.

Doch Dienstreisen haben ein Ende, Affairen auch und trotz der verzehrenden Sehnsucht nach dem jeweils anderen kehrten Miguel zu seiner Frau Satine und Franka zu ihrem Mann Robert zurück, in ein Leben, in dem nun nichts mehr so wie vorher war.

Die Zeit kam ihr vor wie die Ewigkeit. Es gab nichts an ihrem Körper, was nicht schmerzte. Sie war diese ungewohnte Stellung in der Hocke nicht gewöhnt. Die Oberschenkel waren eingeschlafen und der Druck auf die Blase wurde unerträglich. Tränen der Verzweiflung traten ihr in die Augen. Wie konnte sie nur so töricht sein, unter diesen Umständen in die Wohnung zu gehen, anstatt sofort zur nächsten Polizeiwache zu laufen? Nun war sie gefangen.

Hinter sich hörte sie ein Geräusch, ein kurzes, kaum wahrnehmbares Klirren. Das Blut gefror ihr in den Adern, als sie von hinten etwas Metallenes um ihren Hals spürte. Je mehr ihr Hals zugedrückt wurde, desto deutlicher quollen ihr die Augen aus den Höhlen. Sie zappelte mit Armen und Beinen, versuchte mit den Händen nach der Kette um ihren Hals zu greifen. Sie versuchte zu atmen, aber ihre Luftröhre war zugeschnürt. Ein Schlag auf den Hinterkopf raubte ihr das letzte bisschen Bewusstsein. Ein gleißendes Licht blitzte für einen kurzen Moment auf, dann versank alles um sie herum in ein tiefes Schwarz.

Bevor sich der Mantel der Bewusstlosigkeit über sie legte, erkannte sie den Geruch als den ihres Mannes, der hinter die kurze und heftige Liebesaffaire seiner Frau gekommen war und ihr fortan das Leben zur Hölle gemacht hatte. Ihr Auszug und ihr Versuch, der Vergangenheit entfliehen zu wollen, waren sinnlos. Er hatte seine Leute, seine Beziehungen und seine Verbindungen, und wie er ihr immer prophezeit hatte, würde er sie in jedem noch so kleinen Mauseloch finden.

Sie griff sich an den Hals, sog die Luft scharf ein und riss die Augen auf. Ihr Körper war  in Schweiß getränkt,  ihr Mund war pelzig und völlig ausgetrocknet. Sie fingerte in der Dunkelheit auf dem Nachttisch nach der Flasche Mineralwasser.

Würden diese Albträume denn nie aufhören?

© G. Bessen

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M – Mensch

Unsere Berufung ist es,
Mensch zu sein.
Aber wer hat schon
den Ehrgeiz?

(Sigmund Freud)

Foto: G.B. 2018, Berlin-Reinickendorf, Bernauer Straße

 

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L – Licht

Lichterglanz
Lichtgeschwindigkeit
Lichtjahr
Lichterfülltheit
Lichtung
Lichtblick
Lichterprozession
Lichtorgel
Lichtschein
Lichtspielhaus

lichtscheu
lichtlos
lichterloh
lichtarm

L icht und Liebe
I llustration
C horeografie
H eilsamkeit
T iefe

Lichtlos
der Winter
Eine lichtarme Jahreszeit
Die Natur darf ruhen
Winterschlaf

Sonne
Klare Luft
Ein wolkenfreier Himmel
Die Natur will erwachen
Frühlingsgefühl

©Text und Fotos: G. Bessen

 

 

 

 

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