„Die Tür“ von Erich Fried

Jeden Tag öffnen wir Türen, gehen durch sie hindurch und verändern unseren Blickwinkel. Diese Erfahrung mag mit Neugier, Freude, aber auch mit Schmerz verbunden sein.

‚Macht hoch die Tür’ – ein altes Lied im Advent, das uns auf das Weihnachtsfest vorbereitet hat. Wir erlebten die Zeit der Wintersonnenwende und der Geburt Christi und genießen bis zum Dreikönigstag die Stille der Raunächte.

Mittlerweile ist ein neues Jahr über die Türschwelle getreten.

Was wird es uns bringen? Nach fast zwei Jahren Corona sind die Hoffnungen auf ein Ende der Pandemie groß, ebenso aber die Resignation und auch die Sorge, welche Folgen die neue Mutation für uns und unsere Gesellschaft haben wird.

Viele Menschen mussten schmerzlich erfahren, dass sich Lebenstüren geschlossen haben. Menschen sind von uns gegangen, Naturgewalten haben von jetzt auf gleich Existenzen vernichtet. Geschlossene Türen – tiefste Dunkelheit – rabenschwarze Nacht.

Und doch spricht Erich Fried vom Tag. Tag bedeutet Helligkeit und Licht und das Ende der Dunkelheit. Wie die Sonne auf den Regen folgt, so folgt der Tag der Nacht. Nichts bleibt für immer und ewig in tiefster Dunkelheit.

Wenn sich Türen schließen, enden schöne Lebensabschnitte, verändern sich Lebensumstände, gehen geliebte Menschen. Doch ein Neubeginn ist nur möglich, wenn sich vorher Türen geschlossen haben. Erst das Licht des Tages zeigt uns neue Wege, Chancen und Herausforderungen.

Schließen wir ab mit dem was war und konzentrieren wir uns auf das Neue. Hintertürchen gibt es nicht!

© G. Bessen

Erich Fried, 1921-1988, österreichischer Lyriker

Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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10 Antworten zu „Die Tür“ von Erich Fried

  1. Trude schreibt:

    Hallo Anna-Lena,
    da kann ich nur zustimmen. Auch wenn es mir noch schwerfällt. Ich werde meinen Blick jetzt nach vorne lenken. S. werde ich nie wieder bekommen.
    Ich wünsche dir ein frohes neues Jahr.
    Liebe Grüße
    Trude

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    „Jeden Tag öffnen wir Türen, gehen hindurch und verändern den Blickwinkel“, ja, das ist wahr und gut. Manches geht ganz plötzlich zuende. Aber wir selbst sollten die Türen zu den noch offenen Möglichkeiten nicht zu schnell schließen, meine ich, – nur wenn es so „sein soll“. Und wer weiß das so genau! 🙏💛💕

    Gefällt 1 Person

  3. blogspione schreibt:

    So ist es. Gerade wenn der Winter besonders trüb und regnerisch ist, freuen wir uns umso mehr auf den Frühling. Wäre doch langweilig, wenn immer nur die Sonne scheint. Und auch wenn wir niemals schlechte Zeiten wollen, Glück empfinden wir doch stärker aus dem Wissen heraus, das jeder von uns auch schlechte Zeiten erlebt und durchsteht.
    Wir wünschen dir und deinen Bloglesern ein glückliches neues Jahr. Katy und Effe

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  4. Schon hat es sich eingenistet, das Neue Jahr, aber es ist noch ein Baby,miniklein, und braucht seine Zeit, um zu wachsen und Erfahrung zu sammeln wie es mit uns umgehe sollte.
    Warten wir geduldig ab, wie es sein wird, liebe Anna-Lena

    Ganz herzlich, Bruni

    Gefällt 1 Person

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