Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal bei Bernau in Brandenburg 

Pastor Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910) erlebte bereits 1904 überfüllte Obdachlosenasyle in  Berlin. Armut, Not und Elend tausender Menschen, an den Rand der Gesellschaft gedrängt, berührten ihn zutiefst.

Er gründete den Verein Hoffnungstal in Rüdnitz bei Bernau mit der Absicht, arbeitswilligen Obdachlosen im ländlichen Raum Arbeit zu bieten, nach dem Motto: Arbeit statt Almosen. Die Kolonisten sollten „selbst auf­schlagen und dann in einem Wiesenthal sofort einen Garten anlegen und der guten Mutter Erde mit Schweiß und Arbeit wieder selbst ihre Nahrung abnötigen und wieder lernen, wie gut selbstverdientes Brot schmeckt.“

Der Zustrom war enorm, so wurde westlich von Rüdnitz am Mechesee 1906 eine weitere Kolonie er­richtet, mit dem Namen „Lobetal“. Bodelschwingh hielt den Ort für passend, „dass in diesem schönen Tal Menschen dazu kommen können, Gott zu loben“.

(AnmerkungDas Pfarrhaus und heutiges Begegnungszentrum im Hintergrund geriet drei Monate nach der Grenzöffnung ins öffentliche Licht: dem Ehepaar Erich und Margot Honecker wurde vom damalige Anstaltsleiter Pfarrer Uwe Holmer für einige Wochen ( Jan. bis April 1990) Asyl gewährt)

Lobetal wuchs im Laufe der Zeit immer mehr und wurde 1929 eine eigenständige politische Gemeinde.

Im Nationalsozialismus machte sich Pastor Paul Braune einen Namen. Er verfasste eine Denkschrift gegen die Euthanasie und wurde dafür inhaftiert. Menschen jüdischer Herkunft nahm er unter falschem Namen auf und bewahrte sie so vor dem sicheren Tod.

Nach dem Krieg kamen wieder viele Flüchtlinge nach Lobetal, doch Hunderte starben durch Hunger und Seuchen. Ein eindrückliches Mahnmal auf dem Lobetaler Friedhof erinnert an sie.

Seit den 1930er Jahren suchten immer mehr geistig behinderte Menschen Zuflucht und Betreuung in Lobetal. So wurden aus den ehemaligen Arbeiterkolonien Einrichtungen für alte und behinderte Menschen. Nach dem Bau der Mauer 1961 wurde in Zusammenarbeit und nach dem Vorbild Bethel  die Behandlung von Epilepsiekranken aufgebaut und intensiviert.

Ein Fachkrankenhaus für Neurologie, Psychiatrie und Epileptologie erarbeitete sich im Osten Deutschlands unter Fachleuten und Patienten einen guten Ruf.

Seit 1988 gibt es vielfache Hilfsangebote für Suchtkranke, besonders in der Betreuung Alkoholkranker. Neben einer Nachsorgeeinrichtung können mehrfach Abhängige ambulant sowie in einer Dauerwohneinrichtung betreut werden.

Abgesehen von seiner landschaftlich reizvollen Lage lohnt sich ein Besuch in Lobetal, wenn man etwas spenden möchte.

In der „Brockensammlung“ werden seit mehr als fünf Jahrzehnten Sachspenden für einen guten Zweck gesammelt,  die „übrigen Brocken“ (nach dem Johannesevangelium 6,12 „Sammelt die übrigen Brocken, auf dass nichts umkomme!“)

Zum Teil werden die Spenden wieder aufgewertet, bedürftigen Bewohnern oder den verschiedenen Wohnbereichen zur Verfügung gestellt oder kostengünstig im Secondhand-Basar der Brockensammlung Lobetal an interessierte Kunden verkauft. Darüberhinaus werden auch bedürftige Menschen in der Ukraine unterstützt.

Quelle: Magazin der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal aktuell, Ausgabe 2/2021

Fotos: G. Bessen, Oktober 2021

Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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14 Antworten zu Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal bei Bernau in Brandenburg 

  1. Elke schreibt:

    Gut kann ich mich daran erinnern, liebe Anna-Lena, dass damals meine Großeltern, dann meine Eltern u.a. nach „Lobetal“ immer wieder auch Kleinder-Spenden geschickt haben… Dieser hilfreiche Ort war uns Kindern dadurch auch schon gut bekannt! Hab DANK für die Erinnerung daran…
    Liebe Grüße,
    Elke

    Gefällt 2 Personen

    • Anna-Lena schreibt:

      Obwohl ich seit vielen Jahren in Brandenburg lebe, kannte ich diesen Ort und diese Einrichtung nicht. Aber neulich hatte ich genau diesen Grund – Kleiderspenden in größerem Ausmaß – und hatte das Gefühl, etwas wirklich Gutes getan zu haben. Das DRK bei uns hat seit Corona keine Aufnahmekapazitäten mehr.

      Liebe Grüße auch zu dir, liebe Elke

      Gefällt 3 Personen

  2. Gisela Benseler schreibt:

    So wichtig, daran zu erinnern…

    Gefällt 4 Personen

  3. Helmut Maier schreibt:

    Danke für diese Erinnerung, liebe Anna-Lena. Es war und ist wohl immer noch ein großartiges Werk menschlicher Solidarität.

    Hab liebe Grüße
    Helmut

    Gefällt 4 Personen

  4. Hedwig Mundorf schreibt:

    Liebe Anna- Lena, danke für diesen bemerkenswerten, sehr interessanten Bericht.
    Viele Grüße
    Hedwig

    Gefällt 1 Person

  5. bruni8wortbehagen schreibt:

    Lobetal, was für ein guter und sehr passender Name für ein soziales Hilfswerk.
    Bethel ist mir ein Begriff, dahin habe ich oft in Verbindung mit der Kirchengemeinde Sachspenden geschickt, aber der Name Lobetal war mir unbekannt.
    Toll, daß Du darauf aufmerksam gemacht hast, liebe Anna-Lena!
    Ganz herzlich, Bruni

    Gefällt 1 Person

  6. kopfundgestalt schreibt:

    Lobetal, was für ein Name! Danke für diesen Beitrag, Anna-Lena.

    Gefällt 1 Person

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