Warum mir Weihnachten gefällt – Gedanken von Iris Berben

Warum mir Weihnachten gefällt

Mir gefallen Menschen, die belastbar sind, die etwas aushalten, die etwas durchhalten. Künstler, Politiker, Bauarbeiter, Großmütter. Ich mag auch Dinge, die etwas aushalten. Eine Reisetasche, die nicht schon nach drei Tagen Paris ihre Nähte aufgibt, sondern auch im Hochland von Peru noch eine gute Figur macht.

Und mir gefällt Weihnachten. Seit über 2000 Jahren hält Weihnachten aus. Und durch. Darf ich die Belastungen aufzählen?

Wütende und missmutige Menschen, die durch Strasse irren, weil sie noch keine Geschenke haben. Streitsüchtige Schwiegermütter, die sich in den Teig der Vanillekipferln einmischen. Rechthaberische Ehemänner, die auf der Suche nach dem Christbaumständer den Sinn des Lebens in Frage stellen. Pubertierende Töchter, die nicht auf Befehl schenken wollen und die ständig auf die Uhr schauen, weil sie nur in der Disko ihre Erlösung finden.

Weihnachten hält schlechten Geschmack aus. Unfassbar, was in diesen wenigen Stunden auf der ganzen Welt alles so ausgepackt wird – aus unfassbar geschmacklosem Papier.

Weihnachten hält atemberaubende Duftkombinationen aus. Onkel Peters neues Rasierwasser entfaltet sich neben Hannas indischen Räucherstäbchen. Weihrauch legt sich über Zimt und Bratapfelduft, Tannennadeln verfeinern Tante Hildas Duftkerzen, und die Geschenkidee eines Raumsprays fügt sich harmonisch in den Duft aus der Karpfenküche.

Weihnachten hat den höchsten Cholesterinspiegel der Welt. Mediziner würden der „Heiligen Weihnacht“ nur ein sehr kurzes Dasein prognostizieren, bei den Mengen von Gänsen und Würsten. Fett in allen Pfannen, Ofenrohren, Töpfen und Schüsseln, Risiko auf jedem Tisch: Süßwein und Marzipankartoffeln, Bommerlunder und Butterstollen, Kirschlikör und Griebenschmalz, Vollmilchnuss und Weizenbier.

Alle Jahre wieder: Wie viele Witze muss Weihnachten ertragen, wie viel Protest, Streit, Frust, seelische Zusammenbrüche, ideologische Entwürfe, vereinzelte Klagen aus der Nachbarschaft und traditionelle Klage aus dem Einzelhandel.

Aber keiner kommt daran vorbei, niemand kann sich freimachen von Weihnachten. Auch der nicht, der zornig sagt: „Ich? Ich mache Weihnachten gar nichts, null, nichts.“ Also auch der macht an diesem Abend deshalb nichts, weil Weihnachten ist. Und der Vorstandsvorsitzende, der vor ein paar Jahren noch mit leuchtenden Augen unterm Christbaum sein erstes ferngesteuertes Auto an sich drückte, steht heute wieder da – trotz schlechter Jahresbilanz, schütterem Haar und Lesebrille. Und singt laut und falsch: „Leise rieselt der Schnee.“

Wunderbar: Weihnachten ist unerschütterlich.

Ich kann mir das Jahr ohne Weihnachten gar nicht vorstellen. Weihnachten hilft, die Unberechenbarkeit des Lebens auszuhalten.

Auf irgendwas muss man sich doch verlassen können!

© Iris Berben, geb. 1950, deutsche Schauspielerin

Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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22 Antworten zu Warum mir Weihnachten gefällt – Gedanken von Iris Berben

  1. Karin schreibt:

    Den Beginn dieser Tirade finde ich anmaßend: was ist mit den Menschen, die nicht belastbar sind : körperlich,seelisch usw verachtet sie diese Menschen? Reisetasche für Paris,Peru? Gehst nicht etwas kleiner?
    Mir gefällt dieser Text nicht…..bin allerdings auch voreingenommen dieser Schauspielerin gegenüber

    Gefällt 2 Personen

  2. Arno von Rosen schreibt:

    Ich bin nicht mehr belastbar, aber zur Not könnte ich auch ohne Frau Berben leben 😉

    Gefällt 3 Personen

  3. christahartwig schreibt:

    Ein wirklich guter Text, der es verdient, weiterverbreitet zu werden – besonders in Zeiten, in denen viel zu viel und von den falschen Leuten gejammert wird.

    Gefällt 2 Personen

  4. Karin schreibt:

    Mein erster Kommentar ist verschwunden, vielleicht hast Du ihn aber auch gelöscht, wäre auch in Ordnung, weil ich kritisch zu dem stehe, was die Berben schreibt:
    Ihr gefallen Menschen, die belastbar sind? Und was ist mit denen, die nicht in diese Kategorie gehören, sind sie weniger wert?
    Eine Reisetasche für Peru oder Paris? geht es nicht ein wenig kleiner? Der Vorstandsvorsitzende mit ferngesteuertem Auto? Die böse Schwiegermutter….
    Der Text strotzt vor Klischees für mich.
    Ich bin subjektiv, weil ich sie als Schauspielerin und in dem ,was sie in Magazinen und sonst von sich preisgibt, nicht mag.
    Nicht böse sein, bin ja schon wieder friedlich und wünsche Dir einen ebenso sonnigen Nachmtitag wie wir ihn hier haben, Karin

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Liebe Karin, nun habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich schalte Kommentare per Hand frei und habe den ganzen Nachmittag „Lockdown“ -Kekse gebacken. Somit komme ich erst gerade an den PC.

      Es ist vollkommen legitim, wenn du den Text und auch Iris Berben nicht besonders magst.

      Natürlich hat der Text Klischees und man kann eine Menge Gegenargumente finden. Ich persönlich mag sie als Schauspielerin und auch so finde ich sie in vielem – nicht in allem – rundum gerade aus und oft trifft sie den Nagel auf den Kopf. Ich meine, der Text stammt sogar aus einem Buch, das sie geschrieben hat.

      Nun wird Weihnachten für uns alle anders und stiller, aber die normalen, oft familiären Probleme, werden auch nicht verschwinden, wenn man sie nicht angeht sondern immer unter den Teppich kehrt, ob mit oder ohne Corona.

      Danke für deine Mühe des doppelten Kommentares, aber ich beschäftige mich derzeit oft sehr hausfraulich (was sonst nicht so meine Art ist, wenn ich raus und unterwegs bin).

      Sei herzlich gegrüßt,
      Anna-Lena (die von einem sonnigen Nachmittag nur geträumt hat … ) 😆

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  5. Gute, schöne und wirklich passende Worte von Iris Berben über Weihnachten.
    Es beschäftigt uns und läßt uns nicht los. Geschmackvolles und Geschmackloses fügt sich zusammen und wird zu einer irrwitzigen Kombination.
    Weihnachten ist uns wichtig, egal wie wir es feiern und warum.

    Liebe Grüße von Bruni an Dich

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  6. Helmut Maier schreibt:

    Es wäre ja geradezu grotesk, wollten wir Weihnachten einfach so abtun als Irgendetwas, was n u r mit dem Jesuskind zu tun hat (obwohl auch das als uraltes Symbol – lange vor dem Christentum – eine gewisse Bedeutung hat); denn es handelt sich ja eigentlich um die Wintersonnwende, nur dass die christlichen Oberen den Termin etwas verschoben haben. Solch alte Vorstellungen lassen sich nicht über den Haufen werfen – sie leben weiter in den Köpfen.

    Liebe Grüße
    Helmut

    Gefällt 2 Personen

  7. xxxxxxxxxxxxxxxxxxx schreibt:

    Ich stimme Christa Hartwig zu! Genau so hätte ich es auch formuliert. Guter Text, über den man ruhig nachdenken darf.

    Lieben Gruß der Keksbäckerin, Brigitte

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  8. Trotz aller Kritik von einigen hier, Iris Berben sagt nur, wen oder was sie mag, Menschen, die belastbar sind, Taschen, die viel aushalten und das darf sie doch äußern. Jeder hat doch Sympathien und man muss es schon aushalten, wenn jemand sich klar ausdrückt. Ich mag die Iris Berben, denn die nimmt kein Blatt vor den Mund . Heutzutage gibt’s viel zu wenige Menschen, die so ehrlich ihre persönliche Meinung kundtun. LG Sigrid (Jg. 52) 🙂🤗

    Gefällt 1 Person

  9. michaelcarljohanns schreibt:

    Sehr anregende Gedanken das bringt mich zum Nachdenken.

    Gruß Michael.

    Gefällt 1 Person

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