Achtsamkeit

Hin und wieder ist es wichtig, der eigenen Achtsamkeit nachzuspüren …

Achtsamkeit

Du sollst jetzt aufstehen – sagt der Wecker.
Du sollst dich waschen – sagt die Erziehung.
Du sollst dich kleiden, modisch, doch auch korrekt – sagt der Zeitgeist.
Du sollst in Ruhe frühstücken – sagt der Ernährungsberater.

Dein Chef sagt – Du sollst erst dieses erledigen.
Ein paar Kollegen sagen aber – Du sollst um neun Uhr zum Frühstück kommen.
Der Kunde sagt – Du sollst dich beeilen.
Dein Fachwissen sagt aber – Du sollst es ordentlich machen.

Du sollst trinken – sagt der Kreislauf.
Du sollst nicht naschen – sagt die Leber.
Du sollst die Mittagspause auch für gesunde Bewegung nutzen – sagt der Betriebsarzt.
Du sollst das essen, was am schnellsten geht – sagt die Warteschlange in der Kantine.
Du sollst nach dem Mittagessen die Zähne putzen – sagt der Zahnarzt
Du sollst aber keinesfalls die Mittagspause überziehen – sagen alle.

Die Natur sagt – Du sollst es im biologischen Tief nach der Mittagspause ruhig angehen.
Dein Berufsethos sagt – Du sollst bis zum Feierabend freundlich sein.
Dein Blutzuckerspiegel sagt – Du sollst deinen Heißhunger stillen.
Dein Ordnungssinn sagt – Du sollst deinen Arbeitsplatz zum Schluss aufgeräumt hinterlassen und die Gewerkschaft sagt – Du sollst deine Arbeit jetzt beenden!
Und Du gehst von der Arbeit – im Stress und mit Heißhunger.

Du sollst jetzt alles Nötige einkaufen – sagt der Kühlschrank.
Alles Unnötige sollst du aber auch kaufen – sagt die Werbung.
Du sollst nicht durch den Straßenverkehr hetzen – sagen die Verkehrsregeln.
Du sollst aber jetzt zügig losfahren – hupt Dein Hintermann.
Und Du? – Du … Du … Du … bist irgendwann zuhause.

Dein Hausmeister sagt – Du sollst im Hausflur nicht …bla…bla… und an den Mülltonnen sowieso…
Deine Familie klagt – Du sollst nicht so spät von der Arbeit kommen.
Deine Nerven sagen – Du sollst dich entspannen.
Dein Magen sagt – Du sollst etwas essen.
Die Küche sagt aber – Du sollst erst mal was kochen.
Später sagt der Feierabend angesichts Deines gefüllten Magens – Du sollst jetzt tun, was Dir Spaß macht.
Dein Familiensinn sagt – Du sollst liebevoll sein, zuhören und für alle Probleme einen einfühlsamen Rat haben.

Der Alltag sagt – Du sollst für morgen alles andere auch fertig haben.
Die Uhr sagt aber – Du sollst jetzt ins Bett gehen und schlafen!!!

Solltest Du nicht dein Leben leben? – fragt die Verheißung.
Aber dann sollte ich ja …?
Ja! – sagt der Verstand, das solltest Du!
Soll ich ? Jetzt???

© Gerd von Hacht

Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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20 Antworten zu Achtsamkeit

  1. Linsenfutter schreibt:

    Für mich zuviel „Du sollst“. Da lasse ich gerne einge „Du sollst“ weg.

    Gefällt 1 Person

  2. Arno von Rosen schreibt:

    Ich bin derzeit ind der „du kannst“ und der „du darfst“ Phase, weil die „du sollst“ Hirnecke gerade nicht mehr funktioniert. So ändert sich das Leben, manchmal von ganz alleine …

    Gefällt 1 Person

  3. finbarsgift schreibt:

    Uff, was für ein Lebensprogramm … what a heavy load …
    Nach dem Lesen weiß man erst, was es bedeutet ein freier Mensch zu sein 🙂
    HG vom Lu

    Gefällt 3 Personen

  4. Pingback: Achtsamkeit — Anna-Lenas Lesestübchen – romanticker-carolinecaspar-autorenblog.com

  5. Susanne und Peter schreibt:

    Jetzt, ….
    Einfach in der Frühlingssonne auf Sizilien sitzen, dem sachten Plätschern der Wellen zuhören, die Augen schließen und ein kleines Mittagsschläfchen halten. Jetzt ….

    Gefällt 1 Person

  6. Träumerle Kerstin schreibt:

    Unser Leben besteht aus Vorschriften, Regeln, Müssen. Doch eigentlich müssen wir gar nichts, doch damit kommen wir heut nicht weit.
    Sich selbst Grenzen setzen, Vorschriften sprengen, dem Gefühl folgen – das sollten wir.
    Achtsamkeit – auf sich selbst hören, in sich hinein horchen, die Atmung verfolgen – das habe ich jüngst in einer Apotheken-Zeitung gelesen. Und es ist ein Trend.
    Hab jeden Tag Zeit für dich selbst Anna-Lena!
    Liebe Grüße von Kerstin.

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Die psychischen Erkrankungen nehmen rapide zu, denn der Druck in der Arbeitswelt, dazu noch die familiären Verpflichtungen, steigt. Nur durch Achtsamkeit, gesunden Egoismus und auch mal mit einem NEIN, kann man sich gesund halten. Diese Erfahrung habe ich auch machen und lernen müssen und seitdem ich mich bemühe, auf mich aufzupassen, geht es mir gut.
      Pass du auch auf dich auf, liebe Kerstin und sei herzlich gegrüßt,
      Anna-Lena

      Gefällt 2 Personen

  7. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Du sollst klingt schlimm, aber bei vielen Dingen ist s wirklich so, daß es halt zu erledigen ist. Bei vielem heute nicht mehr oder auch nie so gewesen, aber es sind schon recht viele Dinge, die einem das Leben aufdrückte. Wie man damit umging, war entweder Druck oder eine tiefe innere Bereitschaft dazu.
    Vieles verschob ich immer auf den nächsten Tag und meist klappte das recht gut. *g*
    Achtsam mit mir selbst war ich sicherlich viel zu wenig und manchmal erinnere ich mich daran und hole es nach, so gut es geht 🙂 und ich beginne, mich auf einiges, was vor mir liegt, richig zu freuen, liebe Anna-Lena!

    Ganz herzlich, Bruni

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Das hört sich doch vielversprechend an, nach vorne zu schauen und sich freuen zu können, liebe Bruni.
      Daran halten wir uns fest und freuen uns darauf.

      Liebe Sonnengrüße zu dir,
      Anna-Lena

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  8. Toll geschrieben 😉 Ich mag diese Wörter „du musst“, „du sollst“ überhaupt nicht mehr, im Alltag..

    Gefällt 1 Person

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