‚Die gute Nachricht‘

oder der Versuch eines Januarrückblickes

Ich habe das Gefühl, sie läuft ständig vor mir davon. Wenn ich sie mal für einen kurzen Moment erblicke, ist sie gleich darauf wie vom Erdboden verschluckt. Langsam vergeht mir die Lust, ihr hinterherzujagen, meine Energie für etwas so Flüchtiges und kaum Greifbares zu vergeuden. Vielleicht soll ihr kurzes Aufblitzen mir sagen, dass es sie zwar gibt, ich sie aber immer wieder neu suchen muss?

Wenn ich am Abend meine Gedanken sortiere und auf meinem Zettel ein + und ein – schreibe, um die jeweiligen Tagesnachrichten der richtigen Rubrik zuzuordnen, wird die Schieflage noch deutlicher und ich höre frustriert damit auf.

So geht es schon den ganzen Januar über. Kaum steht das neue Jahr in den Startlöchern, lande ich mit Freundin Erkältung im Bett und der Gatte mit dem Namensvetter zeitgleich im Extrazimmer. Silvester zu verschlafen, wenn man sich ohnehin nichts aus Böllerei und Völlerei macht, ist gar nicht so schlecht.

Am Neujahrstag kommt eine völlig unerwartete Todesnachricht aus dem Freundeskreis, kurz danach die Nachricht von einer schweren Erkrankung im Bekanntenkreis, und schon möchte man das neue Jahr wieder zurückgeben und gegen eine bessere Startposition eintauschen.

Sterben scheint ansteckend zu sein. Die Nachrichten, die man tagtäglich liest, sieht und hört, treffen genau diesen wunden Punkt, auch wenn man nicht jeden Promi kannte oder mochte. Doch einige, die noch jung an Jahren gehen mussten, waren Große, die die Welt bereichert und erhellt haben.

Andere gehen, weil die Royal Family vielleicht doch nicht mehr zeitgemäß, eng und piefig geworden scheint oder der Brexit ohnehin eine ganze Nation ins Dilemma stürzen wird. Von anderen Mächtigen in der Welt haben wir sicher auch im noch frischen Jahr keine wesentlichen Veränderungen außer den üblichen Lippenbekenntnissen erwartet, und was nun innen- und außenpolitisch weiterhin passieren wird, da bin ich mittlerweile zwar nicht anspruchslos, aber doch recht erwartungslos eingestellt.

Ein Kontinent brennt, ein Vulkan auf den Philippinen schickt gefährliche Vorboten, die Erde in der Türkei bebt und Brasilien wird von Unwettern geplagt. All die Menschen, die dort leben, machen Schlimmes durch. Unvorstellbar und grausam, wie viele Tiere in Australien ihr Leben in den Flammen verloren.

Und nun droht uns noch ein Coronavirus, dessen Ausmaß für uns alle noch nicht absehbar ist. Das Fazit der guten Nachrichten für den Monat Januar: Der Winterblues lässt grüßen!?

Wenn man sich die negativen Schlagzeilen zu sehr zu eigen macht, kann man sich nur noch die sprichwörtliche Kugel geben. Und doch:

Wir sollten nicht vergessen, dass die Medienlandschaft von solch zündenden Nachrichten lebt. Wen interessieren schon die vielen ‚Engel auf zwei Beinen’, die es tagtäglich überall auf der Welt gibt und die ihren Beitrag zum Wohlfühlklima leisten? Wir vergessen zu oft die kleinen Momente, die uns täglich begegnen, die unseren Tag erhellen und bereichern.

Vielleicht sollten wir uns in unserem alltäglichen Leben darauf konzentrieren, negatives Gedankengut in positives zu recyceln, denn die positiven Nachrichten finden wir meist in unseren Erfahrungen und Erlebnissen und auch in unserem eigenen Handeln.

Und wenn wir die Weltlage mit all ihren Konfliktherden und naturgeografisch gefährdeten Regionen betrachten, können wir doch aufatmen und dankbar sein, dass es den meisten von uns doch gut geht.

Und sollte jemand doch von den negativen Gedanken erdrückt werden, so hilft ihm vielleicht meine Suchmeldung:

Gedankenvernichtungsmülldeponie

Standortvoraussetzungen:
umwelt- und klimafreundlichfreundlich
und ohne Schadstoffe,
auch für Sondermüll geeignet.

Genügend verseuchte Luft, Böden und Meere
sind hinreichend vorhanden

Wieder verwertbar
aus negativen Gedanken
sollen positive werden
ohne jegliche Konservierungsmittel
und Zusatzstoffe

Globalisierbar
eine Verbreitung positiver Gedanken
erfolgt automatisch, umfassend, weltumspannend

© G. Bessen

Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
Dieser Beitrag wurde unter Empfundenes, Gerade aktuell, Persönliches abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

20 Antworten zu ‚Die gute Nachricht‘

  1. freiedenkerin schreibt:

    Die ersten drei Wochen des nicht mehr ganz so brandneuen Jahres hat es mich gesundheitlich auch ganz ordentlich gebeutelt – die schlimmste Grippe seit Jahrzehnten, ein Darmvirus, anschließend eine heftige Bronchitis. Aber jetzt scheint es endlich wieder aufwärts zu gehen.
    Und trotz der ungezählten niederschmetternden, Besorgnis erregenden Nachrichten und Meldungen, Sondersendungen und Geschmiere und Gehetze in den sogenannten sozialen Netzwerken gibt es nach wie vor auch das Schöne, Gute, Wertvolle, Lebens- und Liebenswerte. ❤

    Gefällt 3 Personen

  2. Ulli schreibt:

    Liebe Anna-Lena, ja, die Medien leben von den schlechten Nachrichten, leider, aber nicht alle Medien. So höre ich gerade im Radio oft sehr positive Berichte aus den Bereichen Kultur und alternative Lebensformen. Veränderungen, die heimlich, still und leise passieren, ohne groß Wellen in den anderen Medien zu schlagen. Und ich stimme dir darin zu, dass die positiven Erlebnisse meist das eigene Leben, den Freundeskreis und die Familie betreffen, die sind es, die mich überhaupt halten!
    Aber das zu benennen, was nicht okay ist, finde ich eben auch wichtig. Ich will Negatives nicht positiv weichspülen und damit konturlos werden lassen, denn hier liegen ja die Herausforderungen und die Lernfelder. Somit wünsche ich mir mehr eine ausgeglichenere Berichterstattung und nicht nur die Horrormeldungen des Tages. Ich kann eh nix machen, wenn in Brasilien Unwetter toben, ich kann nur Mitgefühl entwickeln und gute Wünsche für die Lebewesen dort aussenden.
    Was nun Sterben und Krankheit anbelangt, so sind das die Themen, die sich im zunehmenden Alter immer wieder in den Weg stellen. Auch hiermit gilt es leben zu lernen, bei aller Traurigkeit und mit allem Weh.
    Liebe Grüße
    Ulli

    Gefällt 4 Personen

    • Anna-Lena schreibt:

      Danke, liebe Ulli, für deinen ausführlichen Kommentar.
      „heimlich, still und leise “ , genau das sind die vielen positiven Ereignisse, die oft unbemerkt passieren und die gehören ja zu einer ausgewogenen Berichterstattung, die auch ich mir wünsche, ebenso wie mehr Empathie untereinander und füreinander.
      Die soziale Kälte unserer Zeit macht mir sehr zu schaffen.

      Herzliche Grüße auch zu dir!

      Gefällt 3 Personen

  3. Helmut Maier schreibt:

    Ich stimme Dir weitgehend zu! (Dass es genügt, wenn es u n s gut geht, na ja.)
    Liebe Grüße
    Helmut

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      „Dass es genügt, wenn es u n s gut geht, na ja.“
      So steht es da nicht lieber Helmut, sondern, dass es ein Grund ist, dankbar zu sein, so wie uns allen auch generell ein wenig mehr Demut gut zu Gesicht stehen würde.

      Auch dir liebe Grüße,
      Anna-Lena

      Liken

  4. Hedwig Mundorf schreibt:

    Du sprichst mir aus dem Herzen!

    Gefällt 1 Person

  5. Gisela Benseler schreibt:

    Immerhin eine Anregung. Doch vernichten wird man es nicht können. Es geht um Erkenntnis, Umkehr und Neuwerden. Und im Kleinen Gutes tun, „Samen aussäen“, die Zukunft haben werden…, wohl in einer feineren Welt zuerst. Und solche „Hoffnungspflänzchen“ dann kräftig „begießen“, damit sie stark und groß werden…

    Gefällt 1 Person

  6. Reiner schreibt:

    Liebe Anna-Lena, die Auseinandersetzung mit unserer Endlichkeit soll wohl die Qualität der Zeit sein, der Lebenszeit, in der wir uns befinden. Bewusstmachung, dass wir die nächste Generation ist, die abtritt – zugleich stellt sich die Frage, wie fülle ich meine „Restzeit“, welche Qualität möchte ich leben, losgelöst von Besitz und Dingen. Wie gehe ich mit denen um, die jetzt gehen sollen, was habe ich von denen gelernt, die mir vorausgegangen sind?

    Wo finde ich Halt und Trost? Wer oder was führt mich, lasse ich das überhaupt zu oder ist mein Ego immer noch bestimmend? Und ja – welche Worte benutze ich gern, welche Redewendungen, wie wirken diese Sätze in der Tiefe? Reicht mir immer noch ein schlichtes Nein oder lieber ein Ja, weil … Wie viel Macht gestatte ich anderen über mein Befinden und – andersherum – wie oft denke und fühle ich über und mit meinen Mitmenschen?

    Der Tod hat auch etwas Klärendes, für die, die bleiben sollen, so empfinde ich das. Zu schauen, wie das Leben sich aus einem Menschen zurück zieht und wie der Betreffende damit umgeht. Ist da Verzweiflung oder Hingabe, glaubt dieser Mensch an etwas oder steht er innerlich vor dem Nichts? Und immer wieder – was darf ich davon lernen, neben dem Beistand, den ich so gut es geht leiste.

    So viel wollte ich nicht schreiben, aber auch ich stecke gerade mitten drin…

    Grüße, Reiner

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Lieber Reiner,

      ich danke dir herzlich für deinen so schönen und ausführlichen Kommentar, der so viel Anregendes zum Nachdenken in sich hat.
      Wir wissen, dass wir nur Gast auf dieser Erde sind und da ist es auch wichtig, sich mit seinem Leben und dem Tod auseinanderzusetzen.

      Fragen können wir stellen, Antworten werden wir nicht direkt bekommen, aber unsere Haltung zum Leben und zum Tod kann uns weiterhelfen.

      Auch dir alles Liebe für deine aktuelle Situation und einen herzlichen Gruß,
      Anna-Lena

      Gefällt 1 Person

  7. Arno von Rosen schreibt:

    „Vielleicht sollten wir uns in unserem alltäglichen Leben darauf konzentrieren, negatives Gedankengut in positives zu recyceln, denn die positiven Nachrichten finden wir meist in unseren Erfahrungen und Erlebnissen und auch in unserem eigenen Handeln.“

    Den Gedanken sollten wir verbreiten, denn wir können nicht das Leid der Welt alleine auf unsere schmalen Schultern tragen. Ich versuche jeden Tag jemandem eine Freude zu machen und damit mache ich meinen Tag reicher. Nachrichten sind nur bedingt empfehlenswert, aber es ist Übungssache, den kleinen Kern für sich herauszuschälen, der wesentlich ist. Ich wünsche dir einen viel schöneren Februar, liebe Anna-Lena, der extra einen Tag mehr eingebaut hat, nur um dir Freude zu bringen!

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Danke, lieber Arno, für deine einfühlsamen Worte. Du hast völlig recht, ein wenig Abschottung von den vielen negativen Nachrichten ist für unsere Seele heilsam und Freude bereiten ist dazu eine wunderbare Lebenseinstellung.
      Wir haben auch für uns selber eine verantwortung und die ist nicht ohne.

      Danke und liebe Grüße nach Marburg,
      Anna-Lena

      Gefällt 1 Person

  8. Habe deinen Beitrag meiner besseren Hälfte vorgelesen, so gut finde ich den. Ja, die vielen erschreckenden Meldungen geben viel zu denken, aber in direktem Umfeld geschieht auch viel Gutes, worüber nie berichtet wird. Hoffen wir mal, dass das Jahr nicht so weitergeht. LG Sigrid

    Gefällt 1 Person

  9. www.wortbehagen.de schreibt:

    Und ich dachte, nun kommt eine durch und durch gute Nachricht, eine die alles schlimme vergessen lässt und auch den Coronavieus wieder an den echten Platz setzt, an den er gehört. Dann las ich von den miesen Erkältungen, die euch beide gepackt haben und den schlimmen Informationen aus dem Bekanntenkreis, liebe Freundin und bin sehr froh, dass du dann am Ende die Vernichtungsanlage erfinden konntest. Puuuuh, was muss die so alles wegschaffen … hoffentlich fällt sie nicht bald wieder vor Überbelastung aus.

    Die allerherzlichsten Grüsse von Bruni, die dir noch einen Haufen von leichten und lichten Gedanken schickt. (Ich versuchs wenigstens ❣)

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Die guten und lichten Gedanken sind angekommen, liebe Bruni.
      Der Coronavirus wird uns noch beschäftigen und ich hoffe, mit Vorsichtsmaßnahmen und hygienischem Verhalten unsererseits werden wir diesem Unglück entkommen . Es ist ohnehin schlimm genug und die Menschen in China werden ja regelrecht weggesperrt. Hoffen wir auf Lösungen, Impfstoffen und auf alles, was diese schlimme Lage entspannen kann.
      Auch Australien hat die schlimmen Brände noch nicht überstanden …

      Einen lieben Gruß auch dir und morgen ein gutes Ausschlafen für dich 🙂 .

      Gefällt 1 Person

      • www.wortbehagen.de schreibt:

        Dieses Wegsperren nimmt zum Teil schon skurrile Züge an. Ich fürchte, die Hysterie ist schlimmer als der Virus selbst.

        Gefällt 1 Person

        • Anna-Lena schreibt:

          Ich weiß nicht, wir haben ja zu wenig Ahnung von China und seiner Gesundheitspolitik. Die schnelle Ausbreitung erfordert sicher hohe Sicherheitsmaßnahmen ,und besser so als nachher Nachlässigkeit erfahren zu müssen.

          Gefällt 1 Person

          • www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

            Das stimmt natürlich, aber Hysterie macht nichts besser, verschlimmert nur, verfälscht Meldungen und schürt Ängste

            Eine gute Nacht in den Sonntag, liebe Anna-Lena, und ich hoffe, Du bist wieder fidel und zu allen Schandtaten bereit

            Gefällt 1 Person

Mit der Nutzung der Kommentarfunktion erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch diese Webseite bzw. WordPress und Gravatar einverstanden. Weitere Informationen findest du auf meiner Datenschutzseite.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.