Aus dem Land der Dichter und Denker

Aus dem Land der Dichter und Denker

Unser christliches Abendland hat wahre Ko­ry­phäen in Kunst, Literatur und Musik hervorgebracht. Gerade gestern Abend haben wir uns in kleinem Kreis mit Gedichten befasst. Das Spektrum reichte von Heinrich Heine, Christian Morgenstern, Rainer Maria Rilke bis zu Rose Ausländer, um einige zu nennen. Sprache macht Inhalte transparent und führt in die Weite.

Dass unsere heutige Sprache sich sehr verändert, und das meine ich hier nicht unbedingt in positiver Hinsicht, wissen wir alle, die moderne Medien und soziale Netzwerke nutzen.

Über die Flut der Amerikanismen und Anglizismen regt sich kaum noch jemand auf, nur die ältere Generation, die des Englischen nicht mächtig ist, erträgt sie.

In unserem regionalen Radiosender, den wir wegen der guten Musik eigentlich gern hören, tönt es nun den lieben langen Tag: ‚EVERYBODY HÖRTS’. Schaltet man den Fernseher ein, stolpert man in der Werbung häufig über die Formulierung: ‚Shop-Apotheke … ich weg’.

Vielleicht fehlt es mir wirklich an dem nötigen Humor, das gut zu finden, oder mein innerer Rotstift ist noch zu lebendig, denn es soll ja noch Menschen geben, die hier leben, sich hier integrieren und unsere ohnehin nicht einfache Sprache erlernen wollen. In diesem Fall schließe ich mich dem guten alten Friedrich Schiller an:

„Die Sprache ist der Spiegel einer Nation.
Wenn wir in diesen Spiegel schauen,
so kommt uns ein großes treffliches Bild
von uns selbst daraus entgegen.“
Friedrich Schiller (1759-1805)

 

© G. Bessen

Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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39 Antworten zu Aus dem Land der Dichter und Denker

  1. freiedenkerin schreibt:

    Ich finde es Tag für Tag beim Stöbern im WWW ganz furchtbar, wie arg unsere schöne Sprache inzwischen verkommen ist.

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  2. Werner Kastens schreibt:

    In welcher location habt ihr denn Gedichte gelesen? War sicher ein tolles event. Echt cool bestimmt. Waren wohl nur Titel aus den Bestsellern. Oder nur über bluetooth gehört und dann ein brainstorming gemacht? Oder waren das nur abgefuckte Texte ohne richtigen background? Gedichte gibt es jetzt ja auch über book-on-demand und mit CD und bonus-track. Und Du warst zuständig für das briefing für das nächste meeting?
    Ich drück jetzt mal den buzzer.
    Schönen Abend noch!
    Werner

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  3. Susanne und Peter schreibt:

    Ja Anna-Lena, da gebe ich Dir recht. Obwohl ich als Franke mit dem Hochdeutschen auf dem Kriegsfuß stehe, auch mit dem Genetiv, so bedaure ich die Änderung bei unserer Sprache. Da heißt es nicht mehr Schlußverkauf sondern sales, in der Wirtschaft sind auch keine Rad- oder Motorradfahrer willkommen, sondern Biker, dafür gibt’s dann Biker-Schnitzel, und unendlich do weiter. Bedauernswert finde ich auch die Art der Kommunikation per SMS (schon überholt), WhatsApp oder anderen. Da gibt’s nur noch ein HiHi, ein paar Icons und das wars. Wenn das der Schiller alles mitbekommen würde.
    Liebe Grüße

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    • Anna-Lena schreibt:

      Wenn das der Schiller alles mitbekommen würde – er würde sich im Grab umdrehen und mit ihm noch viele andere …
      Nun, ich mag Dialekte, sie sind etwas Gewachsenes und verfall auch manchmal in meinen Ruhrpott-Slang oder ins Berlinerische, obwohl wir in der Schule auf Hochdeutsch getrimmt wurden.

      Es wird immer mehr gekürzt, als würden die Menschen immer mundfauler und das Schlimme ist, man sieht es in der Zeitung, in Büchern und schwarz auf weiß!
      Ich habe meine Schüler bis zum Abi immer zu ganzen Sätzen genötigt, so nervig das auch war.

      Liebe Grüße euch und weiterhin eine gute Reise 🙂 !

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  4. finbarsgift schreibt:

    Wie du weißt, liebe Anna-Lena, bin ich da anderer Meinung, wir haben ja schon öfters drüber diskutiert.
    Das Ganze ist ja als direkte Folge der Globalisierung und des Englischen als Kwasi-Weltsprache zu sehen. Es geht allen anderen Sprachen ja auch so.
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ohne Frage, lieber Lu, dürfen wir die Folgen der Globalisierung nicht außer acht lassen.
      Wobei Englisch vielleicht nicht ewig Weltsprache bleiben wird, da andere Sprachen kräftig nachziehen.
      Mir ging es aber auch eher um die beiden Beispiele, die für mich schon so schräg daneben klingen, dass ich Angst vor Ohrenkrebs bekomme …

      Auch dir ganz liebe Grüße aus dem Morgenregen,
      Anna-Lena

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  5. Arno von Rosen schreibt:

    Guten Morgen liebe Anna-Lena. In deiner Überschrift finden wir bereits das Problem. Wir sind schon lange nicht mehr das Land der Denker und Dichter haben heute keinen Einfluss mehr auf die Gesellschaft, sondern schreiben nur noch für einen kleines Kreis von Menschen, die wohl noch gerne ein echtes Buch in Händen halten. Es ist das Eine, sich modernen Zeiten mit veränderter Sprache anzupassen, wie schon seit tausenden Jahren, aber es ist etwas ganz andere jeden Blödsinn gedankenlos nachzuplappern, ohne dessen Sinn überhaupt zu begreifen. Aus den Dichtern von einst sind Werbestrategen und Verkaufsprofis geworden, wie schade.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Wenn ich deinen Gedanken weiterspinne, lieber Arno, wird mir ganz anders. Angepasst hat sich die Bandbreite aller Geschöpfe immer wieder, je nach den vorherrschenden Bedingungen. Mit unseren veränderten Klimabedingungen ist es ja nicht anders und da werden Veränderungen auf uns alle zukommen.

      Ich fürche, irgendwann wird sich niemand mehr an unsere ‚Großen‘ erinnern oder sie kennen, oder gar lesen und denken können …

      Gute Besserung weiterhin und liebe Regengrüße aus Brandenburg ( seit einiger Zeit freue ich mich immer über Regen – so passen wir uns an 😉 ).

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  6. Helmut schreibt:

    Ich weiß gar nicht so richtig, w a s nun verkehrt ist. Es gab immer Zeiten, in denen mehr oder weniger andere Sprachen, das Französische oder das Italienische „in Mode“ waren – und wir haben das immer ertragen und den Schässloh oder den Suttrai ganz normal verwendet. Ich wäre da nicht so in Sorge. Das geht alles vorbei – und ist in der Mundart (die ja als ganz besonders deutsch-treu gilt) eine Zeit lang (oder länger) ganz in Mode. Das Trottwar ist bei uns heuer wieder ganz geläufig – wenn auch nur als Name für eine Obdachlosen-Zeitung.

    Also „keep cool!“
    Helmut

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ganz so harmlos sehe ich es heute nicht mehr, lieber Helmut. Über eine Modeerscheinung geht das für mich weit hinaus.
      Aber deinen Rat ‚keep cool‘ nehme ich mir zu Herzen, er ist sicher Blutdruck schonend.
      Ändern kann ich ohnehin nichts, nur auf meinen eigenen verbalen Eiertanz aufpassen 🙂 .

      Auch dir liebe Grüße,
      Anna-Lena

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      • Gisela Benseler schreibt:

        Danke, das macht nachdenklich. Aber wozu sind wir denn da – ich und Du – ( wir und Ihr lasse ich mal weg, denn wir wollen doch lieber Einzelne bleiben vorerst, …) ? Jeder Mensch ist verantwortlich für das, was er / sie sagt,oder
        schreibt, muß sich da keineswegs nach anderen richten. Und was die Dichter betrifft, so sagte doch Goethe selbst:
        „Was Du ererbten von Deinen Vätern, – erwirbt es, um es
        Zu besitzen!“ Das ist ein Imperativ, und damit meinte er
        uns, Dich und mich….. Lieber seinem Rat folgen, als ihn
        zu verehren, – ich glaube, daß wäre ihm selbst auch lieber.

        Gefällt 1 Person

        • Gisela Benseler schreibt:

          Liebe Anna-Lena! Hier steht jetzt über meinem Kommentar wieder: „Dein Kommentar muß noch freigeschaltet werden.“ Dahinter steckt aber wohl kein Bösewicht, sondern einfach nur die Technik, die
          So reagiert, wie ich sie zuvor einspeicherte, bzw.
          meine beiden “ Kinder“. Ich glaube, die sehen etwas anderes, als wir hier jetzt sehen. Das ist das Problem.

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  7. Gudrun schreibt:

    Du sprichst mir aus dem Herzen, liebe Anna-Lena. Manchmal komme ich mir, was die Sprache anbelangt, wie ein Erbsenzähler vor. Mich nerven nicht nur die unsäglichen Anlizismen, auch jeder andere schludrige Umgang mit Sprache. Bei meinen drei Kindern scheine ich mit meiner Pingelichkeit alles richtig gemacht zu haben. Sie haben alle drei Berufe, in denen Sprache eine große Rolle spielt. Jetzt freue ich mich auf zwei Veranstaltungen in zwei Bibliotheken. Das Spinnrad muss mit und dann geht es um Märchen und Geschichten, um Erzählen und Vorlesen. Ich freue mich sehr darauf, auch wenn das Spinnrad gleichmal auseinander genommen wird. Wir wollen erkunden, woran sich denn Dornröschen gestochen haben könnte und wieso die Goldmarie Blut an der Spindel im Brunnen abwaschen musste.
    Ach, lass uns mal die Liebe zur Sprache ruhig ein bisschen verbreiten.
    Liebe Grüße aus dem Spinnstübchen.

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  8. fraggle schreibt:

    Ich gebe zu, als sich im Jahr 1997 der damalige „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache“ gründete, war ich gerade mal zwanzig Jahre alt und fand selbigen fürchterlich spießig und „typisch deutsch“ und dachte mir: „Was soll´n das!? Sprache entwickelt sich halt.“

    Heute dagegen kann ich die Gründungsmütter und – väter besagten Vereins vollkommen verstehen … 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • Anna-Lena schreibt:

      Sprache entwickelt sich und das soll sie auch. Aber deshalb muss man sie ja nicht noch bewusst verdummdeubeln. Das ist eigentlich das, was mich immer wieder ärgert und es gibt eine Menge Leute, die so einen Blödsinn auch noch mitmachen.

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  9. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Klar entwickelte sich die Sprache über die Zeiten, ja, es war mal das Französiche die Sprache der Oberen und das Volk sprach, wie ihm der Schnabel gewachsen war und wie veränderte Luthers Bibel alles. Sie ließ die Christen besser verstehen, was ihnen da von der Kanzel gepredigt wurde und sie konnten nach und nach mitreden. Durch den 30jährigen Krieg kamen viele Worte zu Orten, die dort keiner je gehört hatte und viele bürgerten sich ein über Jahrzehnte und was gibt noch so viele Gründe, warum Worte zu Worten kamen.
    Ursprünglich aus dem Saarland stammend, kenne ich von dort auch viele französiche Ausdrücke im Dialekt und das fand ich im *Saarländischen* das einzige Schöne und Originelle.
    Das Enkelchen hatte z.B. die Angewohnheit zu fragen? Darf ich Kika? Irgenwann wurden ihm die ständigen Nachfragen zu dumm und er bequemte sie zu ganzen Sätzen… Aber das dauerte…

    Sprache verändert sich, klar, aber sie sollte auf keinen Fall verkommen oder verrohen. Sie sollte blühen und gedeihen.

    Ganz herzlich, Bruni

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    • Anna-Lena schreibt:

      Danke für deinen bereichernden Kommentar, liebe Bruni!

      Was ist denn Kika?
      Kinderkaffee?
      Kinderspielkarten?
      Kinderkanal?
      😆

      Der nächste Satz auf der Vollkommenheitsleiter wäre wohl: Darf ich bitte Kika? Und wenn dann noch irgendwann das Verb dazustoßen würde, wäre das doch perfekt!

      Ich bin gespannt, wie der zweite Enkel das mal machen wird 😆 !

      Mit herzlichen Grüßen
      Anna-Lena

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      • www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

        *lach*, Kika ist der Kinderkanal mit Sitz in Erfurt.
        Alle Kinder kennen ihn und ihre Mütter auch, liebe Anna-Lena. Hier kommt zur üblichen Zeit auch das Sandmännchen und das ist hochwichtig am Abend, denn es gehört zum Abendritual. *lächel*. Nun wird das Zubettgehen eingeläutet.
        Das Verb lassen viele Jugendliche weg und es ist fürchterlich, das mit anhören zu müssen. Ich denke, Du kennst es zur Genüge.
        Der zweite Enkel wird ein Mädchen und ich vermute, hier wird alles sehr anders sein,

        Liebe Grüße in die Nacht von Bruni an Dich

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        • Anna-Lena schreibt:

          Dachte ich es mir doch 😆 !
          Ich kann mich gar nicht erinnern, welche Fernsehrituale wir hatten, nur, dass ich 7 Jahre alt war, als wir die erste schwarz-weiße Flimmerkiste bekamen.
          Damals gab es irgendwann Fury und Lassie und Flipper …

          Ein Mädchen, dann hast du bald Enkelkinder beiderlei Geschlechtes, liebe Bruni-Oma 🙂 .

          Liebe Grüße und eine gute Nacht dir!

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    • Gisela Benseler schreibt:

      Ja, so finde ich es auch gut und richtig. Sprache soll lebendiger Ausdruck unseres Empfindens sein und möglichst haargenau die Situation beschreiben, um die es geht. Und wer Ohren hat, versteht dann den versteckten, feinen Hinweis, lauscht noch feiner hin, lernt das Differenzieren von Worten und Sätzen und spürt, woher sie kommen: von einem ehrlichen, lebendigen Menschen mit einem Herzen oder von einem Systematik und Prinzipienreiter. Habe ich jetzt unsere Sprache wieder verdorben??

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  10. beaneu schreibt:

    Liebe Anna-Lena,
    deine Gedanken und Empfindungen sind für mich gut nachvollziehbar, mir ergeht es ganz ähnlich. Die Flut von Amerikanismem und Anglizismen erwecken bei mir ambivalente Gefühle.
    Aber auch jenseits davon hat sich unsere Sprache sehr verändert.
    Vielleicht ist es ein „Problem“, das sich nur der älteren Generation stellt?
    Obwohl sich bei mir des Öfteren beim Erklingen diverser Redewendungen die Nackenhaare sträuben, habe ich in meiner Jugendzeit eventuell auch zu diesen Veränderungen beigetragen?
    Liebe Grüße von:
    Beate

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Globalisierung und Digitalisierung haben keinen geringen Einfluss auf die Sprache und ich denke, damit müssen wir uns arrangieren und das auch akzeptieren.
      Auch wir verändern unsere Sprache, früher wie heute. Mit all dem kann ich auch leben, denn wir Menschen verändern und auch, passen uns an, integrieren uns.

      Was mir Bauchschmerzen macht, ist das bewusste Verhunzen der Sprache, die grammatikalischen und sonstigen Verdreher. Diese Fehler prägen sich ja ein und werden weitergegeben.

      Der Begriff Backshop z. B. ergibt für mich keinen Sinn. Jeder weiß, was gemeint ist. Nimm das Wort aber mal auseinander:
      back heißt zurück und shop Geschäft. Und dann ist der Sinn dieses Wortes schon sehr fraglich.

      Einen lieben Gruß,
      Anna-Lena

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  11. wolfgang weiland schreibt:

    sehe ich auch so…fängt bei ‚like‘ an…
    Mögen

    Möcht‘ gern weiters mögen sagen,
    mag, wie Worte Bögen wagen.
    Worten nachgeh’n, folgsam sein,

    wirklich mögen, nicht zum Schein.
    Mögen muss sich erst ergeben.
    Gemocht zu sein möcht‘ ich erstreben.

    .

    © copyright all lyrics wolfgang weiland

    liebe grüße wolfgang

    Gefällt 2 Personen

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