Von Irrungen und Wirrungen oder wie zwei Engel mir den Tag retteten … (2)

Meine Hoffnung bewahrheitete sich. Die Hose war bis Duisburg fast trocken und bis auf einen kleinen Rand deutete nichts auf mein Kaffeemalheur hin. Die schlaue Hausfrau fährt nicht ohne ‚Rei in der Tube’ weg und die Endreinigung der Hose hatte bis zum Abend Zeit. Nun ging es darum, weiterzukommen, was sich doch als etwas schwierig herausstellte.

Wir bereits mehrfach in diesem Jahr bei der DB erlebt, hatte mein Anschlusszug nach Viersen Verspätung, dann fuhr kurz darauf doch einer, der mich aber wiederum in Viersen in Kalamitäten brachte, da ich den Zug nach Kaldenkirchen nicht pünktlich bekommen würde und eine Stunde warten musste. Da ich Verabredungen nicht unentschuldigt absage, rief ich den Taxifahrer an, schilderte ihm meine Situation und vertröstete ihn auf später und versprach, mich wieder zu melden. In Viersen setzte dann doch ein Regionalzug ein und als ich in Kaldenkirchen ausstieg und die beiden Taxistellplätze leer waren, meldete ich mich noch einmal freudestrahlend telefonisch, dass ich nun doch da sei. Gut, ich war nun da, mit letztendlich zwanzigminütiger Verspätung, aber auf eine der beiden Taxis des Ortes hätte ich mindestens eine und eine halbe Stunde warten müssen. Vom Regionalzug, der bereits weiter nach Venlo fuhr (und da gibt es hinreichend Taxis und einen Bus, für den ich sogar noch ein Busticket vom letzten Jahr in der Tasche hatte), sah ich nur noch die Rücklichter.

Auf dem Bahnhofsvorplatz stand ein Auto mit Düsseldorfer Kennzeichen und einem Schild darin: DB – Sicherheitsdienst. Am geöffneten Kofferraum stand ein südländisch wirkender junger Mann, rauchend und eifrig in irgendwelchen Papieren lesend. Ich schritt auf ihn zu, fragte ihn, ob er wüsste, wo hier eine Bushaltestelle wäre, wo Busse Richtung Venlo führen. Den Ort, wo ich eigentlich hinwollte, kannte er ohnehin nicht.

Er verneinte, bot mir aber an, mich für einen kleinen Obolus dorthin zu fahren, wenn ich noch etwa fünfzehn Minuten Zeit hätte, denn er wartete auf wichtige Papiere. Was hatte ich für eine Wahl, als die nächsten knapp zehn Kilometer per pedes zurückzulegen?

Wir verbrachten die Zeit mit einer netten Unterhaltung, er rauchend, ich eher die Blase zusammenkneifend, denn das war doch alles recht aufregend. Nach einer Weile bot er mir an, im Auto zu warten, da er noch mal ins Bahnhofsgebäude müsse, und ich nahm dankend im Wagen Platz.

Da erst wurde mir so langsam klar, was ich hier eigentlich tat. Der junge Mann hätte mein Sohn sein können und die Zeit des mutigen Trampens in jungen Sturm- und Drangzeiten war ja lange vorbei. Als ich mich genauer im Auto umsah, entdeckte ich hinter mir auf dem Rücksitz einen Kindersitz, der mich schlagartig ein wenig beruhigte. Und im Zündschloss steckte ein dicker Schlüsselbund. Also vertraute er mir, dass ich mich mit dem Auto nicht davon machte und ich vertraute ihm.

Als er dann kam, verging die Fahrt wie im Fluge. Wir unterhielten uns so nett und anregend, besonders über die Stadt Witten, in der der junge Mann mit türkischen Wurzeln geboren worden war, genau wie mein Vater, der an dem Tag Geburtstag gehabt hätte und ebenfalls gebürtig aus Witten stammte.

Am Zielort angekommen, umarmten wir uns, beide in Freude darüber, dass uns das Schicksal auf so nette Art und Weise zusammen geführt hatte und dann fuhr er heim nach Düsseldorf zu Frau und Kind und ich atmete tief ein und begann meinen Urlaub, der am Morgen noch so am seidenen Faden gehangen hatte. Man mag an Engel glauben oder nicht, zwei Engel auf je zwei Beinen hatten das möglich gemacht.

© G. Bessen, Oktober 2019

Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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19 Antworten zu Von Irrungen und Wirrungen oder wie zwei Engel mir den Tag retteten … (2)

  1. finbarsgift schreibt:

    Schön … Glück gehabt 😊
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

    Gefällt 2 Personen

  2. Karin schreibt:

    Liebe Anna-Lena, so Engel hatte ich nicht auf meiner letzten Fahrt vor wenigen Wochen zum Töchting. Ich fuhr hier um 5.20 Uhr mit dem ICE weg, sollte um 11.10Uhr nach Umstiegen in Hamburg und Schwerin in Gadebusch sein und kam um 17.10 Uhr an -:((((, der erste hatte über eine Stunde Verspätung, wir standen irgendwo lange auf den Gleisen, den Anschlußzug in Hamburg verpaßt, der nächste, der fahren sollte, fiel aus und so setzte sich das dann fort. Dafür klappte diesmal die Rückfahrt trotz Verspätung prima, weil ich in Fulda anstelle des Regionalzuges einen ICE nehmen durfte und somit 15 Minuten früher in Hanau war -:)))
    Vermutlich kann jeder, der mit der Bahn reist, solche Verspätungsgeschichten erzählen, sie gehören schon zum All-tag. Auto ist aber auch nicht besser, denn die Staus wegen der vielen Baustellen sind auch nicht zu vermeiden; eine Freundin hat von München bis Frankfurt letzte Woche 7 Stunden gebraucht.
    Dir einen lieben Gruß vom herbstsonnigem Dach, Karin

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ja, liebe Karin, so kann es leider auch gehen, das tut mir leid. Aber mit dem Auto erlebt man ja auch zeitungsreife Geschichten.
      Gerade letzte Woche hatte ich so ein Erlebnis, leider ohne engelhafte Begleitumstände. Aber wenn es dann doch gut ausgeht, ist die Freude groß und der Glaube an die Menschen bekommt einen Aufschwung.

      Ebensolche sonnigen Grüße zu dir,
      Anna-Lena

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  3. freiedenkerin schreibt:

    Da bewahrheitet sich doch wieder mal aufs Schönste der altbekannte Spruch: Wenn eine eine Reise tut, dann kann sie was erleben. 😉
    Zum Glück gibt es sie, die hilfreichen und menschenfreundlichen Engel, inmitten all des Chaos, das uns täglich umgibt…

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  4. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Was für ein wundervolles Glück, oder auch Engel, liebe Anna-Lena!
    Aber Du hast ja auch was dafür getan! Nur durch Deinen Mut, Dich in dieses Auto zu setzen, klappte es so gut.

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  5. Nicole Vergin schreibt:

    Ui, da bist Du doch glatt noch getrampt. Ich ziehe den Hut. Keine Ahnung, ob ich mich getraut hätte. Dabei kann man ja offensichtlich dabei nette Bekanntschaften machen. Ich habe mal eine junge Frau mitgenommen, das war auch sehr nett und es hat sich rausgestellt, dass ihre Eltern in dem Ort leben, wo meine Mutter geboren ist. Das war schon ein Zufall! 😀
    Liebe Grüße
    Nicole

    Gefällt 1 Person

  6. Wir können darauf vertrauen, dass sich alles fügt.

    Gefällt 2 Personen

  7. Manchmal folgt auf Ärger doch noch was unerwartet Erfreuliches! Wobei der Ärger mit der DB eher normal ist. Unpünktlichkeit muss man dort immer einplanen und „Nerven wie Drahtseile“ sind überaus nützlich 🙂

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ja, da hatte ich Glück! Andererseits muss ich gestehen, dass ich – bis auf dieses Jahr – nichts Nachteiliges über die DB sagen kann und eigentlich in den letzten Jahren zufrieden war.
      Die Straßen werden immer voller und gerade bei uns sanierungsbedürftiger, die Kreuzfahrten boomen leider auch noch und vom Fliegen werden sich auch viele nicht abhalten lassen. Da kann man doch froh sein, wenn man noch Glück im Unglück hat, gelle? 🙂

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  8. suebilderblog schreibt:

    Mutig warst Du da schon, ich bin mir nicht sicher, ob ich mich das getraut hätte (in jungen Jahren mit Sicherheit, aber heute…..da bin ich eher vorsichtig). Manchmal sollte man wirklich seinem Gefühl vertrauen, Du hast es gemacht und der Urlaub war gerettet.
    LG Susanne

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ich bin normalerweise auch sehr vorsichtig und manchmal auch zu misstrauisch, aber zu diesem Tag passte mein positives Grundgefühl.
      Ende gut – alles gut!

      Liebe Grüße auch dir!

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