Neuzelle

Südöstlich von Berlin, wenige Kilometer von den Flussläufen von Oder und Neiße und unweit der polnischen Grenze, liegt der Ort Neuzelle.

Vor dem Hintergrund von lediglich 3% Katholiken in Brandenburg (nach Angaben von 2011: 17% Protestanten, 80 % konfessionslos oder anderen Religionen zugehörig ), erstaunt es doch sehr, wenn man in Neuzelle auf ein sog.  „Barockwunder“ in tiefster Diaspora trifft.

Bereits vor 750 Jahren wurde hier von Zisterziensermönchen ein Kloster gegründet, das auf die Besiedlung dieser Region einen großen Einfluss hatte. Der Bau des Gesamtwerkes dauerte mehrere Jahrhunderte und noch heute ist die weitläufige Anlage eine der wenigen vollständig erhaltenen Klosteranlagen in Europa. 1817 wurde das Kloster vom preußischen Staat aufgelöst und verstaatlicht.

2018 wagten erst drei, mittlerweile sind es sechs, Zisterziensermönche aus dem österreichischen  Mutterstift Heiligenkreuz, das Mönchtum in dieser Gegend neu zu beleben. Am 2. September 2018 wurde das Priorat Neuzelle gegründet.

Das Zentrum der Klosteranlage bildet die Stiftskirche St. Marien, ein ursprünglich gotische Kirche, die im 17. und 18. Jahrhundert barock überformt und ausgestattet wurde.

 

Rechts vom Pfarrhaus, in dem die Mönche derzeit noch leben, befindet sich die heute evangelische Kirche zum Hl. Kreuz, die bis zur Säkularisierung des Klosters als katholische Pfarrkirche für Neuzelle diente und danach den Protestanten zur Nutzung überlassen wurde.

Die Klostergärten, nach französischem Vorbild 1760 umgestaltet, sind die einzige barocke Parkanlage in Brandenburg  mit geometrischen Wege- und Wasseranlagen und sind in den letzten Jahren nach historischen Vorbildern wiederhergestellt worden.

 

Im Zentrum hat die Orangerie im Sommer als Cafe und kulturelles Zentrum einen regen Zulauf. Auf dem weitläufigen Klostergelände finden sich der Kreuzgang mit Klausur und Museum, ein Gymnasium, eine Oberschule und eine Klosterbrauerei. Fast alle Gebäude sind zu besichtigen.

1996 wurde die Stiftung Stift Neuzelle als öffentlich-rechtliche Stiftung des Landes Brandenburg gegründet.

Die sechs Zisterziensermönche, die nach den Regeln des Hl. Benedikt leben, wohnen zur Zeit noch sehr beengt im Pfarrhaus und sind auf der Suche nach einem Haus, das sie als ausbaufähiges Kloster mit Gästeabteilung künftig nutzen können. Im Gespräch ist momentan ein ehemaliges Forsthaus, ein paar Kilometer entfernt, das noch im Besitz der Stiftung Stift Neuzelle ist.

Die durchweg noch recht jungen Mönche zeigen einen wahren Pioniergeist und brauchen einen ebensolchen starken Rückenwind für das, was sie sich vorgenommen haben.

© G. Bessen, Oktober 2019

Bildquelle und mehr …

Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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20 Antworten zu Neuzelle

  1. freiedenkerin schreibt:

    Was für ein herrliches barockes Bauwerk! Das könnte genauso gut hier in Bayern stehen.

    Gefällt 2 Personen

  2. finbarsgift schreibt:

    Eine Schwester der bayrischen Wies‘ in Neuzelle?
    Fast sieht’s so aus 😊
    Dankeschön für’s Zeigen und Präsentieren, liebe Anna-Lena!
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

    Gefällt 2 Personen

  3. Arno von Rosen schreibt:

    Klasse Beitrag liebe Anna-Lena, und es ist wirklich selten, dass hier von einem Ort berichtet wird, von dem ich noch nie gehört habe!

    Gefällt 1 Person

  4. Christiane schreibt:

    Wie spannend, so ein Neuanfang. Ich wünsche den Patres (mit Kater) gutes Gelingen und allen Segen für ihr Vorhaben. Ich hätte auch nie geglaubt, dass das in Brandenburg sein könnte. Bayern ja …
    Liebe Grüße
    Christiane 😀❤️👍

    Gefällt 1 Person

  5. blogspione schreibt:

    Ach, Neuzelle. Ein Sommerlieblingsort durch den wunderbaren Klostergarten, die Wandermöglichkeiten drumherum, die abendlichen Opernvorstellungen und natürlich das Neuzeller Bier.

    Da gab es zum Beispiel die Geschichte um den “Schwarzen Abt“, ein Bier laut Klosterbrauerei, ein Mischgetränk laut Behörde. Es kam zum Brandenburger Bierkrieg. Letzendlich urteilte der Richter für das Bier „mit viel Genuss beim Trinken.“ Ist ja auch lecker.

    Das Kloster Neuzelle beherbergt übrigens eine historische Sensation.

    Das sogenannte Himmlische Theater aus der Barockzeit wurde 1997 “wiederentdeckt“. Einheimische kannten die riesigen Holztafeln, die in einer dunklen Kirchturmecke seit Jahrhunderten vor sich hin moderten. Nun sind viele restauriert und in einem Museum zu bewundern.

    Die Bilderbibel besteht aus 15 Szenen der Passionsdarstellung. In dunklen Räumen und nur spärlich beleuchtet stehen Figurengruppen wie in einer riesigen Theaterkulisse. Städte, Paläste und Gärten tun sich auf und führen in eine alte, irgendwie verwunschene Zeit. Die Gemälde auf den Tafeln sind einmalig. Man steht, schaut und staunt. https://www.katholisch.de/artikel/8355-himmlisches-theater

    Da lohnt sich die Reise gleich mehrmals. An alle Neugierigen: Herzlich willkommen in Brandenburg.

    Liebe Grüße Katy

    Gefällt 2 Personen

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