Der Fasten-Hype

Der Fasten-Hype

Jeder redet vom Fasten, doch warum und wozu sollen wir fasten?

Seit jeher ist in den großen Weltreligionen vom Fasten die Rede, aus verschiedenen Gründen. Im Judentum ist neben einigen anderen Tagen für orthodoxe Juden der Versöhnungstag (Jom Kippur) ein jüdischer Ruhe- und Fastentag. Der Islam kennt den Fastenmonat Ramadan. Das Fasten gehört zu den fünf Grundpflichten eines gläubigen Moslems. Das Christentum erklärt die Zeit von Aschermittwoch bis Gründonnerstag als 40-tägige Fastenzeit als Vorbereitungszeit auf das Osterfest.

Dass das Fasten nicht nur auf religiösen Beweggründen basiert, zeigt ein gewisser Fasten-Hype in unserer modernen Wohlstandsgesellschaft. „Wohlstand“ und „Fasten“ ist für mich ein begrifflicher Anreiz, der mir sagt, von dem, was wir zuviel haben, könnten wir uns auch mal für einige Zeit verabschieden. Manches wissen wir danach vielleicht wieder neu zu schätzen.

VERZICHT NIMMT NICHT.
VERZICHT GIBT.

Martin Heidegger, Philosoph
1889-1976

Heilfasten und somit eine gründliche Reinigung unseres Körpers von innen ist heute keine Seltenheit mehr. Und wenn man in der sog. Fastenzeit bewusst auf bestimmte Nahrungsmittel verzichtet um gleichzeitig ein paar Kilos abzunehmen, ohne gleich die sommerliche Bikinifigur oder den Waschbrettbauch anzustreben, wer träumt insgeheim nicht davon?

Ob und wie man fastet, muss jeder selbst für sich entscheiden. Der eine übt sich tatsächlich in Askese, für manch anderen ist der Verzicht auf Süßes, den abendlichen Alkohol oder die Verdauungszigarette  Entsagung genug. Doch wer fastet, weiß nach dieser Zeit zu schätzen, was er wieder genießen darf.

DER WAHRE SINN DES FASTENS
LIEGT NICHT IM VERZICHTEN
Karl Rahner, kath. Theologe
1904-1984

Fasten bedeutet, bewusst auf etwas zu verzichten, sich neu zu orientieren und möglicherweise lässt sich ja ein bewusstes Reduzieren bestimmter lieb gewonnener Gewohnheiten für einige Tage mit Freude verwirklichen. So kann die Fastenzeit für jeden eine richtungweisende Zeit werden, je nachdem, wie man den eigenen Schwerpunkt setzt.

Ein Rauch verweht,
ein Wasser verrinnt,
eine Zeit vergeht,
eine NEUE beginnt!
Joachim Ringelnatz, deutscher Schriftsteller 
1883-1934

 

Fastenzeit

Schenke dir Zeit,
aber höre auch deinem Nächsten zu.

Gönne dir Freude,
doch gib etwas davon weiter.

Handele aus Liebe,
ein gesunder Egoismus ist jedoch erlaubt.

Genieße die Wärme um dich herum
und leite sie an Frierende weiter.

Sorge gut für dich,
maßgeschneidert.

© Text und Foto: G. Bessen

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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16 Antworten zu Der Fasten-Hype

  1. Monika schreibt:

    Das alles ist sehr interessant. Da ich Theologie studiert habe, stimme ich dir in vielen Punkten zu. Jedoch fürchte ich, dass viele nicht fasten um des Fastens Willens. Sie wollen teilweise nur mitreden. Die einen verzichten auf Lebensmittel. Wiederum andere versuchen sich daran, keine negativen Gedanken zu haben. Das jedoch finde ich, wenn man es noch dazu öffentlich sagt, nicht der Sinn des Fastens. Jeder muss selbst entscheiden, was er macht und warum. Daher finde ich die Diskussionen und Umfragen um das Thema Fasten nur überflüssig. Liebe Grüße Monika

    Gefällt 3 Personen

    • Anna-Lena schreibt:

      Danke, liebe Monika, für deinen Kommentar.
      Die Gründe für das Fasten – ob ernst oder nicht so ernst gemeint – sind sicher vielfältig und gehen über das eigentliche Fasten, wie es das Christentum versteht, hinaus. Die Tatsache, sich mit Verzicht zu befassen, ob körperlich oder spirituell, finde ich schon interessant in unserer heutigen Zeit.
      Mag jeder das für sich entscheiden.

      Liebe Grüße
      auch zu dir,
      Anna-Lena

      Gefällt 2 Personen

  2. Christiane schreibt:

    Was mich nervt, ist, dass anscheinend aus allem auf Teufel komm raus „Content“ gemacht wird. Und sobald es eine Welle gibt, gibt es welche, die darauf surfen, Inhalt fast egal. Sie schaden sich selbst am meisten, aber sie schaden auch allen anderen, da sie meistens nicht besonders tief einsteigen (wollen) und sich alles der Masse anpasst. Differenzierte, tiefe Betrachtungsweisen verschwinden so sofort in der Versenkung oder werden erst gar nicht gefördert. Komische Zeit, in der wir hier leben.
    Das Wort zur Nacht 😉
    Liebe Grüße gen Hauptstadt
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

    • Anna-Lena schreibt:

      Da ist viel Wahres dran, liebe Christiane. Deshalb können wir für uns entscheiden, wie tief wir uns selbst mit dem, was wichtig ist, befassen und darauf einlassen wollen. Nicht alles muss Mensch an die große Glocke hängen und Oberflächlichkeit ist heutzutage vielfach ohnehin an der Tagesordnung. Das Tieferblicken kostet Zeit und Energie und das ist vielen zu aufwändig.

      Gute Nacht und grüß den Fellträger,
      Anna-Lena

      Gefällt 1 Person

  3. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    DER WAHRE SINN DES FASTENS
    LIEGT NICHT IM VERZICHTEN
    und scheint mir im Erkennen zu liegen, liebe Anna-Lena.
    Ein guter und informativer Text. Obwohl mir das alles sehr klar ist, finde ich es gut, mal wieder darüber zu lesen und gleichzeitig zu wissen: Ich weiß genau, DASS ich genieße, genießen kann, denn ich bin kein Hineinstopfer, sondern ein intensiv langsamer Essen, was die Mitessenden oft nervt, denn ich esse immer noch, obwohl alle um mich herum schon ein Weilchen fertig sind *g*. Ob meine Gedanken reiner würden durch Fasten, klarer, intensiver? Ich glaubs FAST nicht und drum faste ich nie. OK, ein Pfündchen könnte ich hergeben, aber ich behalte es lieber, weil es mich nicht stört 🙂 und halt zu mir gehört.

    Ganz herzliche Grüße an Dich, liebe Freundin

    Gefällt 1 Person

  4. Agnes schreibt:

    Interessante zu dem aktuellen Thema, nicht nur wegen Fastenzeit, auch sonst höre ich immer wieder von Bekannten welche Diäten sie alle so machen etc.
    Wie und ob man fastet bleibt ja zum Glück jedem selber überlassen,
    Wirklich sinnvoll finde ich den Verzicht in der Fastenzeit, wenn ich das dadurch Ersparte z. B. für eine guten Zweck spende. Aber das soll jeder so machen wie er/sie es für gut befindet.
    Sehr schön finde ich auch die von Dir dazu geschriebenen Zitate.
    Hab eine gute Woche, liebe Grüße
    Agnes

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      „Wirklich sinnvoll finde ich den Verzicht in der Fastenzeit, wenn ich das dadurch Ersparte z. B. für eine guten Zweck spende.“
      Das finde ich eine ganz tolle Idee, die Schule machen könnte. Mögen viele deine Anregung lesen, liebe Agnes.

      Einen lieben Gruß und danke auch für deinen Kommentar,
      Anna-Lena

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  5. Fasten ist wirklich ein Megatrend: Intervallfasten z.B., wovon ich gar nichts halte. Ich würde mal gerne fasten nach Buchinger im Schwarzwald mit täglichen Wanderungen. Das fände ich mal sinnvoll! Herzliche Grüße, Sigrid

    Gefällt 1 Person

  6. Träumerle Kerstin schreibt:

    Ich habe noch nie gefastet. Wie du schreibst muss man dabei nicht aufs Essen verzichten. Der eine raucht während dieser Zeit nicht, der andere verzichtet auf Süßes, der dritte auf Alkohol. Jeder kann das für sich entscheiden und es ist ja auch kein „Muss“.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    Gefällt 1 Person

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