Susann Pásztor: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Mein heutiger Lesetipp

Susann Pásztor:
Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Bildquelle

Fred ist alleinerziehender Vater seines 14-jährigen Sohnes Phil, der nach der Scheidung beim Vater geblieben ist und bei ihm lebt. Beide gehen respektvoll, aber distanziert miteinander um, denn jeder von ihnen lebt in seiner eigenen Welt.

Während Fred sich neben seiner Arbeit zum Sterbebegleiter ausbilden ließ, schreibt Phil in einem Internetforum Gedichte und untersucht Wörter nach ihrer Gesundheit und danach, ob sie wegen ihrer kranken Aussagekraft in ein Wörterkrankenhaus verschoben werden sollten.

Und dann tritt Karla in das Leben von Vater und Sohn, eine 60-jährige selbstbewusste Frau ohne Familie und Freunde, die an Pankreaskrebs erkrankt ist und weiß, dass sie bald sterben wird. Es ist Freds erster Fall als Sterbebegleiter, an dem er sich fast die Zähne ausbeißt. Auch Phil tritt in Karlas Leben, da sie ihn beauftragt, eine Vielzahl all ihrer Negative zu digitalisieren und zu archivieren.

Und noch einige Personen aus dem näheren Umfeld werden immer bedeutender in Karlas Leben. So bildet sich eine Gemeinschaft völlig unterschiedlicher Menschen um Karla, die sie mit Einfühlungsvermögen und Fürsorge sie bis zum letzten Tag ihres Lebens begleiten, das sie selbstbestimmt zu Ende bringt.

Der Tod als Tabuthema in unserer Gesellschaft und die Auseinandersetzung mit ihm, die Frage, wie verlässt man diese Welt und wie geht man mit der eigenen Sterblichkeit um, sind einige zentrale Fragen in diesem Buch.

Die Autorin, selbst ehrenamtliche Sterbebegleiterin, schafft es, in diesem Roman, den Schrecken Tod zu etwas Natürlichem zu machen, zu etwas, das unweigerlich jeden von uns mal treffen wird und auch ein Stück greifbarer zu machen.

Die Menschen um Karla, die sich – bis auf Fred und Phil – vorher absolut fremd waren und auch in völlig verschiedenen Welten leben, bilden eine Gemeinschaft wie einen Kokon, der es Karla ermöglicht, in Würde zu gehen.

Der Roman berührt, er geht in die Tiefe und doch strömt er einen Frieden aus, der sich im Titel spiegelt, wenn die Seele des Verstorbenen durch das geöffnete Fenster ihren Weg in die Unendlichkeit antritt.

© G. Bessen

Taschenbuch
288 Seiten
erschienen am 16. August 2018 (die gebundene Ausgabe erschien bereits 2017)
ISBN 978-3-462-05186-5
Kiepenheuer Witsch, 11 €

 

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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17 Antworten zu Susann Pásztor: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

  1. wpplauderpause schreibt:

    Deine Beschreibung weckt mein Interesse am Buch.
    Einen guten Tag wünsche ich dir.
    Beste

    Gefällt 2 Personen

  2. sweetkoffie schreibt:

    Anna-Lena, du hast mich wieder neugierig gemacht. Habe mir das Buch gerade gekauft und freue mich aufs Lesen. Danke! LG sk

    Gefällt 1 Person

  3. www.wortbehagen.de schreibt:

    Das klingt so gut, liebe Anna-Lena! Schon alleine der Titel gefällt mir sehr und selbstverständlich das Thema. Ein Buch mit Tiefe, das aber nicht tieftraurig klingt, obwohl es doch von Tod spricht.
    Es kommt halt auf das Wie an und hier sehe ich ein gutes Wie.
    Danke für diesen guten Tip, liebe Freundin.
    Ganz herzlich, Bruni, total müde vom Tag

    Gefällt 3 Personen

  4. suebilderblog schreibt:

    Das Buch hört sich sehr interessant an. Danke für den Tipp.
    LG Susanne

    Gefällt 1 Person

  5. Pingback: 3.11. bei Anna-Lena im Lesestübchen entdeckt | Totenhemd-Blog

  6. mikesch1234 schreibt:

    Hat dies auf ilseluise rebloggt und kommentierte:
    Ein gelungene Rezension – und auch das HÖRBUCH ist sehr empfehlenswert.

    Gefällt 1 Person

  7. Pingback: Buchvorstellung: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster von Susann Paztor | Das erste Trauerjahr

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