Auf zwei Rädern

Kaum ist der Frühling ins Land gezogen, zieht das Gefühl der Freiheit die Menschen vermehrt auf die Straße, die schnellen auf die Motorräder und die langsameren auf die Fahrräder. Und gleichzeitig häufen sich die Meldungen in den Nachrichten über die steigenden Unfallzahlen derer, die ihr Leben im Straßenverkehr verloren haben – unsagbar traurig, sinnlos und sicherlich auch vermeidbar.

Am 8. April, dem ersten sonnigen Frühlingssonntag dieses Jahres, war ich zu einer Feier eingeladen, die am Vormittag begonnen hatte und nachmittags in einem Schlosspark fortgesetzt wurde.

Auf der Landstraße dorthin kam mir ein Krankenwagen mit Blaulicht entgegen und ich stand bald vor einer Absperrung. Als ich vorging und den Feuerwehrbeamten fragte, wie lange die Sperrung wohl noch dauern würde, antwortete er betreten, dass wir alle besser wenden sollten, man warte auf einen Bestatter und das könne dauern.

Ein Motorradfahrer um die fünfzig war frontal in ein Auto gerast und noch am Unfallort gestorben. Ein Blumenstrauß und ein Grablicht am Straßenrand erinnern seither an diesen Unfall.

Zwei Tage später, nur wenige Kilometer weiter, starb in der Stadt meines Brötchengebers an einer viel befahrenen Kreuzung eine 59-jährige Radfahrerin, die von einem nach rechts abbiegenden Lkw überfahren und getötet wurde.

Ein weißes Geisterfahrrad, mit Blumen geschmückt und mit brennenden Kerzen rundherum, erinnern an diesen Unfall. Bei einer Mahnwache an der Todeskreuzung gedachten viele Menschen der Toten.

Die sinnlosen Tode dieser beiden Menschen,  das weiße Mahnfahrrad, sollte uns alle aufrütteln und unser eigenes Fahrverhalten mal wieder vor Augen führen, denn oft sind unsere Fahrten von A nach B so zur Routine geworden, dass der eine oder andere Blick, vielleicht Leben rettend, unterbleibt. Wir haben nur das eine Leben und ein wenig mehr Rücksicht aufeinander kann so manches Leben bewahren.

©Text und Fotos: G. Bessen

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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26 Antworten zu Auf zwei Rädern

  1. meinesichtderwelt schreibt:

    Wie wahr, danke für den Aufruf, etwas mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr, aufeinander schauen statt sich zu gefährden, das wär zu schön!!! Ganz liebe Grüße vonDoris

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  2. sweetkoffie schreibt:

    Das ist ein schönes Mahnmal, wenn man in den Zusammenhang überhaupt von schön reden darf …

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  3. Der Thomas schreibt:

    Rücksicht und nicht nur im Strassenverkehr und vor allem viel mehr Rücksicht würde das Miteinander sehr viel wertvoller gestalten. Deine zwei Beispiele rütteln auf und zeigen, dass es immer die schwächsten trifft, die rücksichtslos behandelt werden…

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  4. tontoeppe schreibt:

    Gerade heute erst fuhr ich dran vorbei……

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  5. alltagschrott.ch schreibt:

    Oh wow, das fährt ein…ich bin berührt 🌸

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  6. Brigitte schreibt:

    Rad- oder Motorradfahrer sind besonders gefährdet. Die Raserei kann man täglich beobachten und die Rücksichtslosigkeit ebenso. Mein Mann, Radrennfahrer seit fast 45 Jahren sagt, dass besonders in den letzten 2 Jahren eine unglaubliche Zunahme zu beobachten ist. Und ganz unschuldig sind auch die Radfahrer nicht immer. Mit Blick auf dem Smartphone und Ohrhörern auf sausen sie wie die Wilden durch die Gegend. Und bei uns – zwischen A 8 und B 16 häufen sich auch die Meldungen, dass es einen Frontalzusammenstoß aus ungeklärter Ursache gegeben habe. Immer öfter kann man dann lesen, dass man mit dem Smartphone beschäftigt war.

    Was Raserei und den Gebrauch der Medien im Auto und auf den Rädern anlangt, so finde ich, dass die Strafen hier drastisch verschärft werden sollten. Beispiel: Die Schweiz! Da sollte man sich solches mal erlauben.

    Aber es hilft alles nichts – ein Unfall mit tödlichen Folgen ist immer eine schreckliche Angelegenheit.

    Herzliche Grüße, Brigitte

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ich gebe dir in allem recht, liebe Brigitte, ich bin auch manchmal entsetzt und wundere mich dann nicht, wenn es solche Unfälle gibt. Was auch mühelos auf Autofahrer gegenüber anderen Autofahrern erweitert werden kann.

      Doch fern jeglicher Schuldzuweisung ging es mir um den Appell, dass jeder von uns das eigene Verhalten reflektiert, damit der Krieg auf den Straßen – und als das bezeichne ich das Verhalten vieler – endlich aufhört und nicht noch mehr Menschen sinnlose Tode sterben.

      Liebe Grüße auch zu dir,
      Anna-Lena

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  7. www.wortbehagen.de schreibt:

    Achtsamkeit/Rücksicht aufeinander, wie gut wäre das, aber solange ich beobachte, wie ungeduldig die Menschen sich im Straßenverkehr benehmen, wie sie schimpfen und hupen, wie ihnen jede Zeitverzögerung vorkommt, als würde die Welt unternehmen, solange wird sich nichts ändern.
    Ich bemerke es täglich, liebe Anna-Lena, und wie sie zu dicht an Radfahrern vorbeifahren, nur weil sie schnell vorwärtskommen wollen, als hätten sie alle jede Menge dringende Termine, die sie verpassen, wenn ihre Fahrt nur drei Minuten länger dauert.
    Ich sehe die ungeduligen Handbewegungen und ich fasse es nicht. Warum muß das so sein? Ich begreife es nicht.
    Es ist schrecklich, was viel zu oft passiert und die vielen kleinen Kreuze, jedes steht für einen tödlichen verunglückten Menschen und alle waren viel zu jung zum Sterben

    Ganz herzliche Grüße zum Wochenende von Bruni an Dich

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ich teile deine Beobachtungen zu 100 Prozent, liebe Bruni. Hoffen wir, dass die Menschen auch mal wieder in andere Richtungen denken, gelassener und geduldiger werden.

      Aber leider muss immer erst etwas passieren, bevor ein Umdenken erfolgt.

      Herzliche Grüße an dich, meine Liebe!

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      • www.wortbehagen.de schreibt:

        Fällt dir also diese Ungeduld auch immer mehr auf? Stehe ich auch nur eine Sekunde zu lange an der eben noch roten Ampel u. sie schaltete um, dann hupt schon einer und oft genug sehe ich diese ungeduligen Handbewegungen, wenn etwas zu langsam geht…Einmal fragte ich durch das runtergedrehte Seitenfenster einen schimpfenden Mann, wieso er sich so aufregt, es würde doch nichts ändern und ich merkte, wie unangenehm es ihm dann selbst war…
        Lieber Sonntagsgruß von Bruni an Dich

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        • Anna-Lena schreibt:

          Ja, liebe Bruni, das kommt mir so bekannt vor. Am schlimmsten sind diejenigen, die zu Verkehrsrowdies werden, wenn man selbst nur nach der Straßenverkehrsordnung fährt.
          Freitag Abend sehr spät auf einer Landstraße mit Tempo 70 hat Anna-Lena bei 70 noch neben die Fahrbahn geschaut, dass sich kein Fuchs oder ähnliche Genossen auf die Straße verirren, als von hinten ein Drängler scharf ausscherte und an ihr vorbeischoss. Den hätte ich liebend gern zusammengefaltet!
          *grummel*

          Einen lieben Sonntagabendfrühlingsgruß auch an dich!

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  8. Deshalb versuchen wir nur auf Radwegen unterwegs zu sein, aber seit wir hier in einer Kleinstadt wohnen, fahren wir fast alles mit dem Rad und da lässt es sich nicht vermeiden, auch manchmal auf der Straße zu fahren. Mein Helm ist ein MUSS, auch wenn er immer die Haare platt macht. Liebe Grüße, Sigrid P.S. Denn mein Kopf ist mir wichtiger als schön auszusehen 🙂

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  9. suebilderblog schreibt:

    Auch bei uns auf dem Land höre ich viel öfter den Rettungswagen als noch vor einigen Jahren. Radfahrer sind bei uns in Scharen unterwegs, weil wir am Ruhrtalradweg wohnen. Ich persönlich fahre nur ganz selten Rad, zum einen weil ich keinen Fahrradhelm mag (und auch nicht besitze) und zum anderen, weil es mir hier einfach zu bergig ist. Da ich es jetzt nicht mehr weit zur Arbeit habe, bin ich viel per Pedes unterwegs, aber da habe ich kürzlich auch einen Autofahrer in einem Wohngebiet erlebt, wo ich wirklich sagen muss, dass ich wohl einen guten Schutzengel dabei hatte……der ist sicher mit 80 km in einem 30er Gebiet um die Ecke gerast.
    Du hast schon Recht, wenn jeder etwas mehr Rücksicht nehmen würde, würde sicherlich viel weniger auf unseren Straßen passieren.
    LG Susanne

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ja, liebe Susanne, so scheint es überall zu sein, mehr Verkehr, mehr Unachtsamkeit und mehr Unfälle.
      Einen Helm habe und trage ich auch nicht, ich bewege mich nach Möglichkeit mit meinem Rad auf Radwegen.

      Liebe Grüße zu dir,
      Anna-Lena

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