Fahrerflucht

Die Geschichte ‚Fahrerflucht’ habe ich schon vor einigen Jahren geschrieben, als eine rein fiktive Erzählung,  und heute musste ich ein Eichhörnchen erleben, das um sein kleines Leben kämpfte.

Ich war auf dem Weg nach Hause, fuhr durch eine kleine Ortschaft und hatte niemanden direkt vor und hinter mir. Da sah ich etwas Braunes auf der Straße liegen und konnte gerade noch ausweichen. Im Rückspiegel sah ich, wie sich der kleine Körper mehrfach so aufbäumte, dass er  wie ein geangelter Fisch einige Zentimeter vom Boden hochsprang.

Ich bog die nächste Möglichkeit rechts ab und hielt an. Beim Aussteigen sah ich, dass der kleine Körper nun auf der Bordsteinkante lag , reglos und tot.

Ein zauberhaftes kleines Geschöpf hatte sein Leben verloren. Ich bin immer noch sehr erschüttert und bekomme die Bilder nicht aus dem Kopf.

Fahrerflucht

Er beugte sich über sie und suchte verzweifelt nach einem Lebenszeichen. Sie atmete ganz flach. Ihr Körper lag mitten auf der Fahrbahn, schwer verletzt. „Du Dummchen, warum hast du nicht auf mich gehört? Es war zu gefährlich, einfach loszurennen.“ Sie versuchte, den Kopf zu drehen, um  zu antworten, aber sie hatte keine Kraft mehr. Ihr kleiner Kopf fiel zur Seite. Sie war tot.
Nervös schaute er nach rechts und links, denn er selbst war in höchster Gefahr. In dieser Kurve kamen die Autos so schnell herangefahren, dass nur eine schnelle Reaktion und ein langer Sprung von der Fahrbahn sein Leben retten konnte.
Und so machte er mehrere Anläufe, sie wenigstens von der Fahrbahn an den Straßenrand zu ziehen. Resigniert gab er auf. Der Berufsverkehr nahm zu und wollte er nicht selber sein Leben lassen, musste er aufgeben.
Er war wütend, dass der Fahrer, der sie überfahren hatte, einfach weiter gefahren war. Warum hatte er nicht wenigstens angehalten und den kleinen Körper an den Straßenrand gelegt? Oder hatte er es nicht einmal bemerkt?
Erbarmungslos donnerten  unzählige Autoreifen über sie hinweg. Er hatte sich einen sicheren Platz am Straßenrand  gesucht, immer noch in der Hoffnung, sie von der Fahrbahn wegziehen zu können.
Um den kleinen verrenkten Körper hatte sich Blut  verteilt. Von weitem sah es aus, wie ein dunkler Fleck und so nahmen es die herannahenden Autofahrer  wahr.

Nur im letzten Moment konnte man die kleine tote Eichkatze erkennen, die beim Überqueren der Straße nicht schnell genug gewesen war.
Am nächsten Morgen erinnerte nur ein schwarzbrauner, platt gefahrener, tellergroßer  Fleck an sie. Der Eichkater hatte nichts mehr tun können und war weiter gezogen, in einen Wald, in dem er keine Angst haben musste, von den Reifen eines Autos erfasst zu werden.

© G. Bessen

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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