Geranie und Kastanie

geranie-kastanie

Sanft plumpste sie
in die Geranie,
die braune, glänzende Kastanie,
landete weich und unverletzt,
samt Schale auf dem Blätternetz.

Die Geranie irritiert,
verwundert,
wer sich da verirrt,
beugt sich mit Vorsicht ganz nach unten,
den Schrecken noch nicht überwunden.

„Was machst du da
auf meinem Blatt?
Es sticht und kribbelt
und ist hart.

Von mir aus
kannst du liegen bleiben,
doch vorher
musst du dich entkleiden!

Du tust mir weh
mit deiner Schale,
die hinterlässt hässliche Male.“

„Entkleiden?“,
fragt die Kastanie und wird rot.
„Die Schale brauch‘ ich
in der Not.

Sie dient mir,
wenn das Wasser kommt,
als Boot.“

„Nun gut, dann bleib halt
wo du bist.
So lange in mir
Leben ist,
kannst du dich
ganz auf mich verlassen,
ich werde dich
nicht fallen lassen.“

© Text und Foto: G. Bessen

 

 

 

Advertisements

Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
Dieser Beitrag wurde unter Fantasy, Lyrisches abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

25 Antworten zu Geranie und Kastanie

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Klasse, fast ein echter Ringelnatz 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Wär ja schön, wenn jeder einen hat, der einen auffängt, auch wenn man seine Dornen zeigt, oder? Lässt sich wunderbar sinnbildlich übertragen. Ein schönes Gedicht! Habe eine schöne Woche! 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. Helmut schreibt:

    Das nenne ich echte Toleranz: die Bereitschaft „nicht fallen (zu lassen“!

    Liebe Grüße
    Helmut

    Gefällt 1 Person

  4. Deine Christine! schreibt:

    Richtig fein geschrieben

    Gefällt 1 Person

  5. freiedenkerin schreibt:

    So soll es sein – auch diejenigen, die eine harte und stachelige Schale haben, brauchen jemanden, der sie auffängt und hält, und so hilft, den glänzenden und schönen Kern zu schützen und zu bewahren…
    Herzliche Grüße!

    Gefällt 1 Person

  6. Helga/Rheinland schreibt:

    Ein zauberhafter Dialog … könnte er vielleicht so stattgefunden haben?
    Wer weiß … 🙂
    Ein hübsches Foto hast Du noch hinzugefügt von den beiden ‚Plaudertaschen‘, Anna-Lena!
    Ein Gruß von Helga

    Gefällt 1 Person

  7. cosmea49 schreibt:

    So liebe ich den Wochenbeginn – mit viel Humor! Danke dir!
    Liebe Grüße und eine schöne Woche, Brigitte

    Gefällt 1 Person

  8. bruni8wortbehagen schreibt:

    *lach*, was für ein liebes lustiges Gedicht, von der Kastanie, die sich entkleiden soll, damit sie der Geranie die Blütenblätter nicht zersticht mit ihrem igeligen Stachelpanzer 🙂
    Eine sehr feine Idee, liebe Anna-Lena
    und herzliche Grüßle von mir

    Gefällt 1 Person

  9. bruni8wortbehagen schreibt:

    wenn uns diese Kompromisse gut tun, ist alles ok, liebe Anna-Lena

    Gefällt 1 Person

  10. suebilderblog schreibt:

    Schön wie der Herbst auf den Sommer trifft 😉
    Bei uns trifft gerade der Winter auf den Herbst. Die Bäume noch voller Laub tragen gerade ihre ersten Schneemützen….
    LG Susanne

    Gefällt 1 Person

  11. Ingrid schreibt:

    *lach* Das ist ja richtig witzig. Die Geranien sind übrigens erstaunlich: wenn es schon fast Winter ist, blühen sie immer noch.
    LG, Ingrid

    Gefällt 1 Person

  12. ernstblumenstein schreibt:

    Ein feines Gedicht, das mit viel Schalk und Fantasie geschrieben mir den nasskalten grauen Tag versüsste, herzlichen Dank. 😉
    Liebe Grüsse Ernst

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s