Scham

Bettler 1Schau bitte nicht
in mein Gesicht!

Schau bitte nicht
auf mich herab,
nur weil ich einfach
nicht mehr hab’,
als was ich
auf dem Leibe trage,
voll Scham und ohne,
dass ich klage.

Trotz Schicksal,
Armut oder Pech,
bin ich ein Mensch,
keineswegs schlecht.

Lass dich herab
und mach dich klein,
dann werden wir
auf Augenhöhe sein.

Bettler 2

©Text und Fotos: G. Bessen 8/2016
Fotos: Bettler im Prager Straßenbild

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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48 Antworten zu Scham

  1. barbarabosshard schreibt:

    entsprechend eindringliche zeilen – gegen überheblichkeit, für demut

    Gefällt 2 Personen

  2. petra ulbrich schreibt:

    Hast du sie gefragt, ob du sie fotografieren darfst?

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  3. Agnes schreibt:

    Bilder und erst recht das Gedicht machen mich sehr traurig.
    Ich glaube wir können uns gar nicht vorstellen wie es den Menschen geht die so leben müssen.

    Gefällt 2 Personen

  4. Helmut schreibt:

    Leider gibt es ja Banden, die das Betteln organisieren. Umso mehr hätten die Betroffenen es nötig, dass ihnen geholfen wird. Ich sehe aber keine Möglichkeit, wie das individuell gehen soll. Wir brauchen eine gerechtere Gesellschaft in Europa und wenn es in unseren Kräften steht sonstwo.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ich teile deine Auffassung, lieber Helmut. Gerade auf der Karlsbrücke, wo viele junge Leute musiziert haben, und auch viele Andenkenstände aller Art waren, saßen auch auffällig viele Bettler. Die Menschenmassen, die sich dicht über die Brücke schoben, waren ja Touristen und die mögen sehr spendabel sein (mal vorsichtig formuliert, falls es sich um organisiertes Betteln handelt).

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  5. Frau Tonari schreibt:

    Stockholm, Prag, Berlin – Es werden allenorts immer mehr Menschen, die diese Haltung einnehmen oder auch mit anderen Mitteln versuchen, ihren Unterhalt zu bestreiten. Mir zerreißt es das Herz, aber … Was ist wirkliche Not, was ist Bettelmafia? Ich maße mir da kein Urteil, keine Wertung an.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Die Frage habe ich mir auch gestellt und von außen her lässt sich das nicht beurteilen.Von ‚unseren‘ Bettlern her kenne ich meist nur eine Sitzhaltung, dieses ’sich verbeugen‘ oder das Gesicht zu verstecken, habe ich in Prag zum ersten Mal gesehen.

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  6. frauholle52 schreibt:

    Wieder einmal wird die Schere zwischen arm und reich deutlich. Ich nehme sie mit Unbehagen hin und bin dankbar für mein reiches Leben. Ich weiß aber auch, dass wir nicht lange so weiter machen können.
    Die Haltung der Bettler berührt mich eher unangenehm. Weiß auch nicht, warum.

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  7. Beate schreibt:

    Berührende Worte, die zum Nachdenken anregen.
    Wie viele bettelnde Menschen auf unseren Straßen habe ich schon gesehen und bin achtlos an ihnen vorbei gegangen, weil man sich an den Anblick schon so gewöhnt hatte? Manchmal habe ich Geld in einen Hut geworfen, manchmal auch Essen gegeben, doch immer- zu meiner Beschämung- von oben herab. Nie habe ich mich niedergekniet- um auf Augenhöhe zu sein, um eine Verbindung zuzulassen- schließlich hätte das ja auch bedeuten können, dass man diesen Schmerz in sein eigenes Herz hineinlässt. Von oben herab schafft man sich Distanz…
    Danke für deine Worte, Anna-Lena, die mich wahrscheinlich von jetzt an immer wieder begleiten werden, wenn ich einem Bettler begegne…

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    • Anna-Lena schreibt:

      „Von oben herab schafft man sich Distanz…“ Ja, liebe Beate, so ist es tatsächlich. Man will das Leid anderer nicht zu dicht an sich heranlassen, es könnte berühren, es könnte weh tun.
      Aber nachdenken können wir darüber, und das sollten wir auch, denn niemand von uns kann sicher sein, eine solche Situation nicht auch erleben zu müssen.

      Niemand, der betteln muss, hat sich diese Lage ausgesucht.

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  8. Brigitte schreibt:

    Mir sind Bettler aus unseren Fußgängerzonen bekannt, aber auch seit vielen Jahren, auf Sizilien. Ich glaube, man bettelt nicht, weil das so einträglich ist. Helmut spricht von Banden, welche das organisieren. Das denke ich auch. Trotzdem – es fällt nicht leicht das zu ignorieren.

    Deine Worte dazu fand ich sehr berührend.

    Liebe Grüße, Brigitte

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    • Anna-Lena schreibt:

      Einträglich ist das sicher nicht und über Stunden da zu sitzen oder zu hocken, ist sicher auch keine leichte Übung.

      Was ist echt? Was ist organisiert?
      Wer hat es bitter nötig und wer nicht?
      Warum wird zu wenig dafür getan, dass niemand betteln muss?

      Das ist ein Thema, zu dem es zu viele Fragen, aber zu wenige Antworten gibt.

      Einen lieben Gruß auch zu dir,
      Anna-Lena

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  9. Ingrid schreibt:

    An Bettelmafia habe ich auch gleich gedacht. Der untere ist ja ganz jung, wie man an seinen Armen sieht. Hier bei uns stand auch immer einer vor den Supermärkten. Er tat mir Leid, ich habe ihm Kaffee und Brötchen spendiert und wenige Tage später sah ich ihn am M.er Bahnhof. Da sah er gar nicht so wie ein Bettler aus. Das ist sicher ein Einzelfall, aber man muss schon aufpassen. Hier sind es oft Frauen mit kleinen Kindern, die in erbarmungswürdiger Haltung irgendwo abgesetzt werden, betteln müssen und abends wieder eingesammelt werden.

    Wie auch immer das jetzt einzuordnen ist, es ist eine Schande, dass es so viele Bettler gibt, kein gutes Zeichen für eine Gesellschaft. Und viele verdienen auch unser Mitleid.

    Gefällt 2 Personen

    • Anna-Lena schreibt:

      Ja, es ist eine Schande für eine Gesellschaft, in der die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Doch die Leute sind in der Regel nicht einzuordnen, ob wirklich bedürftig oder vorgeschickt oder sogar keine Lust auf Arbeit. Auch das gibt es ja.

      Gefällt 1 Person

  10. bruni8wortbehagen schreibt:

    Wir halten gerne Distanz…
    Die Bilder berühren wirklich sehr und Deine Worte dazu sind sehr gut und eindringlich, liebe Anna-Lena.
    Es kann natürlich sein, daß diese Haltung bewußt eingenommen wird, um die Einnahmen zu vergrößern, aber ich gehe jetzt mal davon aus, daß es so vielleicht doch nicht ist und auf jeden Fall ist hier großes Elend zu sehen und wir sollten auf keinen Fall herabsehen und wenn sie einer organisierten Bande angehören sollten, dann auch nicht, denn dann kann es noch schlimmer sein, noch krasser für die Menschen, die damit leben müssen.

    Liebe Grüße von Bruni an Dich

    Gefällt 1 Person

  11. Michael Hermann schreibt:

    Hab die Diskussion aufmerksam gelesen. Nun – da ich in Siebenbürgen geboren bin, verstehe ich noch etwas rumänisch. So hab ich auch werstanden, was ein Bettler sagte, dem ich ein Süßstück aus der Bäckerei kaufte. Das möchte ich hier nicht wiedergeben. Aber seit diesem „Ereignis“ rede ich erstmal alle Bettler in rumänischer Sprache an. … und nein – die unschuldigen tun mir sehr, sehr Leid – doch beim Geben bin ich vorsichtig geworden. Helmut weiß da als Stuttgarter wahrscheinlich sehr gut, wovon ich rede.
    Ich behaupte, oft ist es Theater, was wie Scham aussieht. … und viele wirklich Bedürftige schämen sich, sich in die Reihen der „Betrüger“ zu buckeln.
    Diese Szenarien gehören unterbunden – stattdessen sollte man mehr soziale Einrichtungen für diese armen Menschen einrichten, wo jeder Spender weiß, was mit seiner Hilfe getan wird.
    Alles Liebe,
    Michael

    Gefällt 2 Personen

    • Anna-Lena schreibt:

      Ich kenne dieses Straßenbild aus Berlin und habe schon beobachtet, wie rumänische Mütter mit ihren Kindern von einem Autofahrer im dicksten Mercedes eingefangen und die nächsten auf die Straße geschickt wurden.
      Auch ich bin vorsichtig geworden, lieber Michael, und das aus eigener Erfahrung.
      Deine Forderung nach mehr sozialen Einrichtungen und mehr Hilfe generell für Bedürftige teile ich.

      Ich grüße dich herzlich zurück,
      Anna-Lena

      Gefällt mir

  12. Gudrun schreibt:

    Auch wenn sie für eine „Bettlermafia“ auf der Straße sind, dann bleibt ihnen nichts anderes übrig. Die Krumen vom Tisch einer reichen Gesellschaft müssen sie noch ungleich teilen.
    Das sind die, die man sieht. Andere leben still in ihrem Elend. Sie schämen sich. Eigentlich müssten sich andere schämen.
    Deine Worte haben mich sehr berührt.
    Liebe Grüße von der Gudrun

    Gefällt 3 Personen

  13. Frau Momo schreibt:

    Ich pflichte Gudrun bei… auch die Bettler der sog. Bettlermafia sind ganz arm dran… das Geld kriegen andere. In Hamburg haben sie mal eine menschenunwürdige Unterkunft für diese arme Menschen „ausgehoben“. Und ja, schämen sollten sich andere, nicht die, die betteln. Die haben keine Lobby, egal, ob sie zu einem System gehören oder nicht.

    Gefällt 1 Person

  14. suebilderblog schreibt:

    Solche Bilder machen mich immer nachdenklich….
    LG Susanne

    Gefällt 1 Person

  15. Helga/Rheinland schreibt:

    Hallo Anna-Lena!

    Es ist ein höchst bedauerlicher Kreislauf, den wir mit unseren Spenden an Bettler oftmals in Gang setzen. Je mehr Geld sie abends dem organisierten Clan abliefern, desto intensiver wird der Druck für diese Menschen. Es folgt eine gnadenlose Ausbeutung und ihre unterwürfige Körperhaltung ist eine Masche, um unser Mitleid zu erreichen. Diese Menschen tun mir sehr leid, aber ich weiß, dass ich speziell ihnen mit meiner Spende nicht helfe und das ist das Perfide an dieser Sache!

    Auch ich hatte ein Erlebnis der besonderen Art und wollte an unserem Wochenmarkt einer am Rand sitzenden Bettlerin (mit Kleinkind im Arm) eine Banane geben, die ich gerade erst gekauft hatte. Sie schüttelte den Kopf und zeigte auf ihre Sammelbüchse zu Füßen.

    Inzwischen spende ich für unsere hiesige Tafel und weiß, dass dort jede Hilfe bei den Bedürftigen ankommt!

    Ein Gruß von Helga

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Danke, liebe Helga, für deinen Beitrag.
      Unglaublich, was man so alles erlebt.
      Wir spenden auch regelmäßig für die Tafel, dazu haben wir Vertrauen, dass es auch wirklich an Bedürftige geht.

      Liebe Grüße zu dir.
      Ich bin in der kommenden Woche am Rhein und bitte um bestes Wetter 😉 .
      Herzlichst
      Anna-Lena

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  16. ernstblumenstein schreibt:

    Ein starker, wahrer Text liebe Anna-Lena, der das menschenunwürdige Dasein einfängt und auf den Punkt wiedergibt. Ein trauriges, sehr trauriges Kapitel unserer Gesellschaft, die werweisen muss, ob sie vor einem Einzelschicksal oder organisierten Bandenbettlern steht, spenden soll oder nicht.
    Ich habe all die Kommentare und guten Dialoge über dein treffendes Gedicht gelesen. Toll.
    Ich wünsche dir einen sonnigen Sonntag. Hab eine gute Zeit.
    Liebe Grüsse Ernst

    Gefällt 1 Person

  17. Träumerle Kerstin schreibt:

    In Rom haben wir viele solche Bettler gesehen. Und ich habe oft gezweifelt. Junge Frauen, die Kopftücher tief ins Gesicht gezogen, man sah nie ein Gesicht. Gepflegte junge Hände, die sich ausstrecken. Nein, das waren sicher nicht alles arme Menschen. Bei älteren Menschen habe ich Mitleid, kann sie kaum ersehen. Da regt sich mein Herz. Wieviel Überwindung und Verzweiflung stecken dahinter, bis man zum äußersten – dem Betteln – bereit ist?
    Liebe Grüße von Kerstin.

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  18. freiedenkerin schreibt:

    Es ist sehr leicht, auf andere herab zu blicken. Nur vergisst man in der Regel, dass man dabei irgendwie auf sich selbst herab sieht. Und niemand, wirklich niemand, ist heutzutage vor einem rasanten, schier unaufhaltsamen Abstieg in Not und Armut gefeit…

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  19. essayspics schreibt:

    Tolles Gedicht. Bin seit ein paar Tagen selber in Prag und habe auch zu dem Thema geschrieben. Schön zu sehen, dass auch andere Menschen nicht wegschauen!

    Gefällt 1 Person

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