Totes Land

Fünf Jahre ist der Reaktorunfall in Fukushima her.

Lange danach

Verwüstetes Land und einsam
grüßend ein Baumgerippe

Ein Haus ohne Wände
auf verseuchtem Gelände

Fetzen trauernder Lieder
lehmverkrusteter Schmerz

Krumme Rücken, die sich
arbeitssam bücken

Reuevolle Tränen
die endlich rinnen

Und – kaum hörbar –
ein zaghaftes Lachen

Besänftigt verstummen
die wehklagenden Schatten
die mal ein Leben hatten

   © Bruni Kantz, März 2016

**************

Fernsehbilder

Ich muss mein Kind beschützen
sagt er immer wieder der junge Vater
mit dem Bündel Mensch im Arm.

Er lässt es nicht mehr los
sagen die anderen seit Tagen.

Wunderschön ist die Kleine
mit rosigen Wangen
vor drei Monaten geboren.

Die Mutter ist nicht zu sehen
unter Tausenden in der Notunterkunft.

Das Kind schläft friedlich
der Vater hält sich daran fest
mit seinem Blick.

Ich muss mein Kind beschützen
sagt er in der großen Halle
in der Brot und Wasser ausgehen
und die Fenster von innen zufrieren.

Von draußen ist nichts zu sehen
keine Trümmer kein Schlamm keine
Wolke
Nichts. Auch keine Toten.

Ich muss mein Kind beschützen
sagt ein junger Vater
immer wieder irgendwo in Japan.

   © Katharina Barth-Duran

Das Gedicht von Katharina Barth-Duran passt heute zu jedem Ort, an dem Flüchtlinge hoffen, dass sie ein menschenwürdiges Leben finden.

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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16 Antworten zu Totes Land

  1. Ingrid schreibt:

    Was Fukushima anbetrifft: Nichts dazu gelernt … 😦

    Gefällt 1 Person

  2. minibares schreibt:

    Wenn das mit dem Beschützen so einfach wäre in Japan!
    Leider vertrauen die Japaner weiter auf Atomkraft.
    Fukushima ist immer noch total verseucht.

    Gefällt mir

  3. bruni8wortbehagen schreibt:

    Ich vermute, sie lernen nie um, liebe Anna-Lena.
    Immer wird es die geben, die andere zerstören wollen!
    Die dunkle Seite des Menschen zeigt sich heute wieder von ihrer tiefsten Schwärze…

    Fukushima wird nie wieder sein, wie es mal war. Natur und Mensch haben gemeinsam ganze Sache gemacht und Entsetzen packt mich bei all dem Elend in der Welt.

    Seufzende liebe Grüße von Bruni

    Gefällt 1 Person

  4. Deine Christine! schreibt:

    auch eine traurige Episode in dieser zur Zeit unfassbaren Welt…

    Gefällt 1 Person

  5. Katrin - musikhai schreibt:

    Die Gedichte sind so traurig… irgendwie passend für diesen traurigen Tag. 😭

    Gefällt 1 Person

  6. ernstblumenstein schreibt:

    Die Entsorgung aller KKWs wird die Menschheit noch viele Jahrhunderte bedrohen und beschäftigen. Geld regiert die Welt : Jahrelang haben die Aktionäre der Betreiber damit viel Geld verdient. Trotz ihren Rückstellungen werden die Steuerzahler die Kosten für die Entsorgung begleichen müssen.

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Die Steuerzahler müssen immer den Kopf hinhalten. Die Notwendigkeit der Abkehr von Atomkraftwerken ist ja noch nicht in allen Köpfen angekommen. Ich mag mir nicht vorstellen, dass so ein Ding auch mal eine Zielscheibe von Terroristen wird.

      Gefällt mir

  7. freiedenkerin schreibt:

    Doris Dörrie hat einen sehr eindringlichen Film über Fukushima und das „Erbe“ dieses Supergaus gemacht:
    http://www.gruesseausfukushima.de/

    Gefällt 1 Person

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