Mein Tagesgepäck

Mein Tagesgepäck

Was nehme ich gern mit in meinen Tag?

den Duft von heißem Kaffee

das prickelnde Gefühl auf der Haut
nach einer heißen Dusche

ein Gefühl der Dankbarkeit, wenn ich mein Ziel
gesund und ohne Schaden erreicht habe

freundliche Schüler und das eine oder andere
lächelnde Gesicht seitens der Kollegen

hin und wieder ein herzhaftes Lachen
und ein liebes und anerkennendes Wort

Unter solchen Voraussetzungen wird das Tagesgepäck von Stunde zu Stunde leichter.
Geht der schulische Arbeitstag dem Ende entgegen, steht ein wenig Entspannung an. Doch die ist ganz von der Tagesform , dem Wetter und der Länge der vergangenen Nacht abhängig.

Und kaum läuft im Auto das Radio, ist die Leichtigkeit dahin:
Anschlag in Istanbul – mehrere Tote – möglicherweise auch Deutsche – ….

Der Tag hat seine Leichtigkeit verloren und ist nur schwer wieder in den Griff zu bekommen.
Das Erforderliche wird abgearbeitet, die Gedanken kreisen weiter.

Terroranschläge in Paris, massive Übergriffe in Köln, ein Anschlag in Istanbul. Das Grauen kommt wieder ganz nah.
Die Medien geben schon wieder Antworten, die nicht bewiesen sind.

Doch die Fragen bleiben, kreisen.
Ist das die Quittung für unsere umstrittenen Beteiligung im Krieg gegen den IS?
Sind die deutschen Touristen zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und rein zufällig dem Anschlag zum Opfer gefallen?

Dann die Warnung, Menschenansammlungen zu meiden. Das mag gut gemeint sein, aber sie ist ein ebensolcher Witz wie die Aussagen von Henriette Reker. Wer in der Altstadt Sultanahmet ist, kann sich diesen Menschenansammlungen gar nicht entziehen. Es sei denn, er lässt die Stadt nur für sich alleine sperren (Scheichs können das ja mit Küstenabschnitten auch).

Am Abend erinnere ich mich an meine Leichtigkeit. Sie ist nicht ganz zurück, dafür ist ein anderes Gefühl vorherrschend, ein Gefühl von Dankbarkeit, dass mein Besuch in Istanbul ohne Terror, ohne sichtbare Gefahr und ohne Angst verlaufen ist.

Bazar Istanbul (1)Hagia Sofia

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
Dieser Beitrag wurde unter Gerade aktuell, In den Tag gedacht, Mal kritisch angemerkt..., Persönliches abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

31 Antworten zu Mein Tagesgepäck

  1. freiedenkerin schreibt:

    Ich denke schon, dass dieser Anschlag eine der Quittungen für Deutschlands höchst dämliche Beteiligung am Syrien-Konflikt gewesen ist. So wie ich auch davon überzeugt bin, dass die Vorkommnisse der Silvesternacht in Köln, Hamburg und Stuttgart vom IS inszeniert wurden – die wissen mittlerweile ganz genau, wie sie uns „zu packen“ haben, um uns zu erschüttern und zu entzweien…

    Gefällt 4 Personen

  2. Arno von Rosen schreibt:

    Sicher falsche Zeit und falscher Ort, wie bei allen Anschlägen. Die Rechnung für den Terror in Paris und bald auch woanders wurde bereits in den 90ern geschrieben, nun zahlen wir für Waffenverkäufe, gierige Partner, für unsere eigene Gier und weil wir uns nicht wirklich für Menschen aus anderen Ländern interessieren, es sei denn wir wollen in dem Land unsere kostbare Freizeit verbringen. So lange wir keine Bombeneinschläge hören schlafen wir in einer trügerischen Sicherheit, die kein auch noch so gläserner Bürger mit der Freigabe seiner Daten erzeugen kann.

    Gefällt 5 Personen

  3. Quer schreibt:

    Ach ja, das Leben ist immer beides: schrecklich und schön zugleich. Und wir schwanken zwischen Entsetzen, Dankbarkeit und Freude.
    Alles Liebe dir und herzliche Grüsse,
    Brigitte

    Gefällt 1 Person

  4. finbarsgift schreibt:

    Fein sensibel geschrieben, liebe Anna-Lena…
    Die Welt ist in Aufruhr und das wird auch Jahre andauern…
    Zuuuuu viel wurde jahrzehntelang ignoriert und übergangen,
    nun platzen immer mehr Geschwüre auf und ergießen sich über die Menschheit!

    Liebe Morgengrüße vom Lu

    Gefällt 3 Personen

  5. Ingrid schreibt:

    Man muss überhaupt für jeden Tag dankbar sein, den man gesund und ohne Schaden verbringen kann und man muss die kleinen Freuden des Alltags – die du oben erwähnst – schätzen. Dennoch darf man das große Ganze nicht aus den Augen verlieren und muss informiert bleiben, auch wenn das bedeutet, dass man schon voller Befürchtungen den An-Knopf von Radio, TV oder Computer drückt und dann tatsächlich wieder neue Horrornachrichten hört.

    Gefällt 1 Person

  6. cosmea49 schreibt:

    Deine Beschreibung fängt so gut an, sodass man sich richtig hineindenken kann und sich freut, dass es dir gut geht. Doch dann…! Es ist so. Kaum glaubt man, dass es einem gut geht, gibt es neue Schreckensnachrichten.
    Es ist richtig, wir müssen uns nicht wundern. Arno schreibt es so treffend. Und ja, die Äußerung, man möge Menschenansammlungen meiden – das ist genau so, ich sag mal – unüberlegt – wie die Äußerung der Frau Reker mit der Armlänge. Was mich ja besonders aufgeregt hat, weil das ja so leicht durchzuführen ist, wenn viele Männer um einen herum stehen.
    Doch, ich bin für jeden Tag dankbar, den ich gut verleben konnte.

    Liebe Grüße, Brigitte

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ja, liebe Brigitte, jeder Tag ist unberechenbar und am Ende sollten wir dankbar sein, wenn er ohne Blessuren und vielleicht auch schön in die Nacht verabschiedet werden kann.

      Danke für deine Worte, sie unterstreichen voll meine Gedanken.
      Liebe Grüße
      Anna-Lena

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  7. Michael Hermann schreibt:

    Ganz fein hast Du das im Tagesgepäck untergebracht, liebe Anna-Lena. Nimm es aber nicht als Rucksack auf den Rücken – es wird dich runterziehen.
    Ich erwäge die Möglichkeit abzustumpfen – komme aber zu dem Schluss, dass das auch nicht der richtige Weg ist.
    Wer weiß, was uns noch alles blüht.?
    Mit lieben Grüßen,
    Michael

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  8. bruni8wortbehagen schreibt:

    Das Gute haben wir schnell vergessen über all den Schreckensmeldungen täglich und sie häufen sich.
    Natürlich bekommen wir jetzt die Quittung für alle Waffenlieferungen, die so viel Geld brachten und noch mehr Leid…
    Sind wir nicht das Land, das einen friedfertigen Eindruck machen möchte? Und wie bitter nötig haben wir ihn doch. Wie sollen wir es schaffen, wenn immer noch Teileliefererungen in die Emirate gehen und die Waffenindustrie immer weiter produziert? Irgendwo müssen diese Mordgeräte ja hin, sonst verdienen WIR nichts. Verdammt! Wir? Wert ist wir?

    Ich bin es nicht, Du bist es nicht. Die Gier der Wirtschaftsbosse ist es und dann jammern sie…
    und es weinen die Angehörigen der Toten.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Wir haben genug geschichtliche Schuld auf uns geladen. Und daher sollten wir die Finger von allem lassen, was mit Waffen zu tun hat, aber beim Thema Geld und Profit setzt das Gehirn offenbar aus.
      Danke für deine Worte, sie zeigen, was viele denken und eine kollektive Hilflosigkeit, gepaart mit einem breit gefächerten Unverständnis.

      Gefällt 1 Person

  9. Gudrun schreibt:

    Genau diese Gedanken holen mich immer wieder ein. In Sachsen und in Leipzig kann man sich kaum entziehen, den Nachrichten nicht und allen rechtspopulistischen Umtrieben auch nicht. Eigentlich bräuchte ich jetzt mal jede Nervenzelle für ein Projekt, aber es geht schwerlich.
    Genieße die schönen Momente, liebe Anna-Lena.
    Gruß von der Gudrun.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Liebe Gudrun,
      du bist ja direkt vor Ort und ich glaube dir, dass diese Situation noch hilfloser und ohnmächtiger macht.
      Umso wichtiger sind die kleinen Oasen der Ruhe und der Ablenkung, um nicht noch wahnsinnig zu werden.

      Ich wünsche dir viele solcher Oasen, die deine Nerven wieder ein wenig aufbauen.
      Liebe Grüße auch zu dir von mir ♥

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  10. helmutmaier schreibt:

    Auch ich habe Istanbul leichtfüßig erlebt – auch seelisch. Warum auch haben wir uns in so viel Ungerechtigkeit verstricken lassen?

    Liebe Grüße
    Helmut

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    • Anna-Lena schreibt:

      Die Frage solltest du unseren Volksvertretern stellen, lieber Helmut.
      Was hätten wir, z.B. Du und ich, dagegen machen sollen.
      Petititionen, Demonstrationen, ja, das ist unser Part, doch letztendlich sind wir nur Marionetten in diesem Spiel.

      Liebe Grüße
      Anna-Lena

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  11. ernstblumenstein schreibt:

    Wir Bürger wissen, was zu tun ist, was zu unterlassen, was man darf und was nicht, was Moral ist und was Gemeinschaft, Solidarität usw. Der sogenannten Elite in Wirtschaft und Politik fehlt weltweit die Moral, es zählt nur Macht, Einfluss, Geld und Prestige. Der Mensch bleibt auf der Strecke. Die Waffenverkäufe finden weltweit statt, würde z.B. Deutschland auf Waffenverkäufe verzichten, würde trotzdem auf der Welt keine einzige Waffe weniger produziert und verkauft. Selbst die kleine „saubere“ Schweiz mischelt ohne Skrupel im Waffengeschäft in die ganze Welt inkl. Krisengebiete mit. Der weltweite Waffenhandel ist leider nicht mehr einzudämmen.

    Konzentrieren wir uns auf unser Umfeld, erfreuen wir uns an der Natur, pflegen wir unsere Kultur, unsere Freundschaften; gehen wir fair miteinander um, tricksen, schummeln, morden, lügen und töten wir nicht ! Denn all dies ist den internationalen Finanz-, Wirtschafts- und Machtpolitikern vorbehalten, die von ratlosen Politgrössen unterstützt werden.

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Danke, lieber Ernst, für deine offenen Worte, die ich gern mit unterschreibe. Wir können nicht erwarten, dass die Welt sich verändert, nur wir können uns verändern und uns auf unsere kleine Welt um uns herum konzentrieren.

      Einen lieben Gruß zu dir in die Schweiz,
      Anna-Lena

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  12. ernstblumenstein schreibt:

    Übrigens : Ich wollte Dir eigentlich für die schönen Bilder und die feinen Tagesgepäck-Gedanken gratulieren, habe dann mittendrin beim Lesen meine Contenance verloren. Deine Bilder haben in mir Erinnerungen hervorgerufen an meine Aufenthalte 1965. Noch harren Reiseberichte auf ihre Vollendung. Hab eine gute Zeit…

    Gefällt 1 Person

  13. Agnes schreibt:

    Es geht mir oft so, dass ich die Nachrichten nicht mehr hören mag, eine Horrormeldung nach der anderen.
    Natürlich wollen und müssen wir informiert sein, aber müssen die abendlichen Nachrichten nur (oder fast nur) aus Horrormeldungen von Krieg, Anschlägen und Übergriffen bestehen?
    Kann denn nicht auch mal über positive Dinge berichtet werden?
    Oder möchte die niemand hören?
    Ich jedenfalls lieber als nur diese traurigen Meldungen. Betonung auf „NUR“
    Dann folgt den Tagesnachrichten noch ein Kommentar und oft noch eine Sondersendung, irgendeine der überflüssigen (für mich jedenfalls) Talk-Shows die sich in Experten-Runde darüber ergehen wer denn wann und wo was gesagt hat und falsch gemacht hat rundet den Abend letztendlich ab.
    Ohne mich, dann schalte ich lieber ab, widme mich meinem Buch, oder meinem Rechner.
    Wie wohltuend sind dagegen die Gedanken in einigen Blogs zu den aktuellen Themen, so wie dieser Beitrag von Dir.
    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende wünscht
    Agnes

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Liebe Agnes,
      es ist wirklich bald nicht mehr zu ertragen und ich schaue auch nur sehr ausgewählte Dinge, sonst hat man bald nur noch schlaflose Nächte.
      Mir wird auch zuviel geredet. Wir haben die Situation nun einmal und da sollte jeder auf seine Art anpacken und helfen, ohne viel zu reden. Der Möglichkeiten gibt es viele.

      Ich wünsche dir ein rundherum schönes Wochenende.
      Mit lieben Grüßen
      Anna-Lena

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