Mal so betrachtet…

Mal so betrachtet…

Wir können uns glücklich schätzen, in Breiten zu leben, in denen es noch vier Jahreszeiten gibt, selbst wenn der Klimawandel die Grenzen dieser Phasen immer stärker verwischt.

Stellt euch vor, wir würden in polaren oder subpolaren Zonen leben, in denen die Dunkelheit weitaus mehr Raum einnimmt als bei uns. Kälte würde unser Leben beherrschen, eine Vegetation, die uns den Frühling und den Sommer nicht so erleben lässt, wie wir das bei uns dürfen.
Es gibt Touristen, die einen Urlaub in Eishotels buchen. Schon der Gedanke daran lässt mich erzittern.

In den Subtropen, zum Beispiel rund ums Mittelmeer, sind die Sommer noch heißer als bei uns. Dabei klagen viele über die derzeitige Hitzewelle. Im Winter ist es milder, aber auch regenreicher und die eine oder andere Schneeflocke verirrt sich auch in diese Breiten.
Abgesehen mal davon, dass das Mittelmeer zur Zeit für mich politisch gesehen kein Reiseziel ist. Bombenstimmung brauche ich nicht und in einem Massengrab zu schwimmen stößt mich ebenfalls ab.

In den Tropen haben wir gleichbleibende Temperaturen und tägliche Gewitter. Die Vegetation und die Tierwelt dort sind sicher reizvoll, aber jeden Tag dasselbe? Dazu die hohe Luftfeuchtigkeit, die nicht jedem Kreislauf bekommt, wäre auch nicht mein Ding.

Die Wüste ist ein Bereich, den zu besuchen mich persönlich sehr reizen würde. Eine Ahnung davon bieten sie Sanddünen auf Gran Canaria. Doch hohe Sonneneinstrahlung und der Wind vom Atlantik erfordern ein Sonnenmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor. Und je nach Windstärke sieht man schnell wie ein paniertes Fischstäbchen aus.
Wassermangel prägt nicht nur die Wüste sondern auch die Savannen. Wir drehen den Hahn auf und unser Wasser läuft – Wohlstand pur und keine Ängste zu verdursten, was Menschen und Tiere in vielen Teilen der Welt zu schaffen macht. Dürre und schlechte Ernten lassen weiterhin die Überlebenschancen sinken.

In unseren Breiten können wir uns glücklich schätzen. Wir erleben die Jahreszeiten und können uns an ihnen erfreuen. Das Auge und alle Sinnen haben daran teil. In unserem Land sind wir sicher vor starken Erdbeben und Vulkanausbrüchen. Wir haben Wasser uns Strom, nicht endlos, aber wir haben genügend zu essen und zu trinken. Sturmfluten und Überschwemmungen haben auch hier Verwüstung und Zerstörung gebracht, aber das steht in keinem Verhältnis zu den Monsunregen, die in Asien oft wochenlang Wasserstände in die Höhe treiben und ganze Landstriche unter Wasser setzen.
Wer sich verantwortungsvoll verhält und die Waldbrandgefahr ernst nimmt, braucht bei uns nicht mit der Zerstörung großer Flächen wie derzeit in manchen Gebieten der Welt rechnen.

Das Wetter nimmt einen zu großen Raum in unserem täglichen Denken ein und auch mir macht der diesjährige Wechsel der Temperaturen kreislaufmäßig manchmal zu schaffen.
Aber seien wir glücklich, dass es uns hier so gut geht und jammern wir nicht über ein paar Grad zu viel oder zu wenig, über fehlende Sonnenstunden, viel Regen oder auch zu wenig.
Jammern wir nicht über den Wind, der uns den Hut vom Kopf weht.
Seien wir ein wenig demutsvoller und dankbar, das würde uns gut zu Gesicht stehen.

© Text und Fotos: G. Bessen 4-8-15

Sommer 2015

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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46 Antworten zu Mal so betrachtet…

  1. leonieloewin schreibt:

    Wahre Worte…….und die kann ich im Moment gerade gut gebrauchen, um mich ein wenig von dem wunderschönen nordischen Wetter zu überzeugen. Liebe Grüße, Leonie

    Gefällt 2 Personen

  2. freiedenkerin schreibt:

    Viele sind nie zufrieden, das äußert sich auch in Bezug auf das Wetter… Wahrscheinlich sind diese Menschen in Wahrheit mit sich selbst unzufrieden, und schieben Wetter und Klima lediglich als „Sündenböcke“ vor…
    Ich vertrage große Hitze zwar nicht mehr so gut wie noch vor ein paar Jährchen, aber ich erfreue mich auch daran, dass wir endlich mal wieder einen „richtigen“ Sommer haben. 😉
    Liebe Grüße!

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  3. helmutmaier schreibt:

    Etwas demutvoller zu sein würde uns gut anstehen. Dankbar wäre ich gerne, wenn ich wüsste wem, wenn ich das große Ganze anschaue. Dankbar einzelnen Menschen gegenüber bin ich natürlich schon.

    Liebe – und dankbare – Grüße
    Helmut

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  4. lifetellsstories schreibt:

    Liebe Anna-Lena,
    ja wir vergessen manchmal dankbar zu sein. Wir nehmen alles für selbstverständlich hin und beschweren uns auch noch. Und trotzdem könnte ich beispielsweise auf den Winter verzichten, drei Jahreszeiten würden mir ausreichen. Aber andere lieben den Winter wiederum. Also lassen wir alles wie es ist und seien denkbar, dass es uns gut geht.
    LG
    Astrid

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  5. Märchenfrau schreibt:

    Applaus für diesen tollen Artikel!
    (Ich werde ihn mir zu Herzen nehmen, wenn mir der Niederblutdruckkreislauf wieder mal an der Kniekehle hängt … jetzt zB 😉 )

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  6. Ingrid schreibt:

    Das könnte ich gleich zehnmal unterschreiben. Hier regnet es gerade und ich freue mich: der Garten braucht es, die Luft wird frisch und ich sitze mal wieder ausgiebig am Computer. Ich habe wunderbare Bücher da ‚liegen‘ und ich habe noch dies und das, was man nur bei Regenwetter tut. Gestern habe ich mich auch gefreut, weil ich da draußen lesen konnte und weil alles so schön blüht.
    Ich bin sehr froh mit dem Glück, hier geboren worden zu sein und mehr als zufrieden. Dennoch ist das Wetter ein unerschöpfliches Gesprächsthema. Man sollte nur nicht zu sehr jammern, sondern auch mal das Schöne sehen.

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  7. minibares schreibt:

    Ich finde es auch gut, dass wir Wechsel haben, dass unsere Tage im Laufe des Jahres unterschiedlich lang sind. Das gefällt mir.
    Nur wenn es über 30 Grad geht, dann mag ich nicht mehr rausgehen.
    Und bei Schnee blockieren die Räder meines Rollator.
    Und im Regen gehe ich gar nicht mehr gern raus, es sei denn, ich kann meine Regenjacke tragen. Aber bei 30 Grad geht das nicht.
    deine Bärbel

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  8. bruni8wortbehagen schreibt:

    Ein wunderbarer Text, liebe Anna-Lena, wie wahr ist doch, was Du da schreibst.

    Wir können uns glücklich schätzen, hier zu leben, in diesem gemäßigten Wetterlebensraum und wie ein paniertes Fischstäben möchte ich gar nicht gerne aussehen und mit klrebrigem Sonnenschutzmittel ist es in heftigem Wind an Sandständen vermutlich nicht zu vermeiden. Komsicherweise habe ich im Juli in der Provence keinerlei Sonnenschutzmittel gebraucht (die 2. Hälfte des Urlaubes verbrachte ich zum großen Teil leider sowieso im Bett u. nicht in der Sonne). Meine Haut ist wohl unempfindlicher als ich dachte, aber ein Sonnenanbeter bin ich nicht und suche unentwegt nur die Schatten und dort halte ich mich dann auf. Bräune ließ sich trotzdem nicht aufhalten *g*. Leider sehe ich davon kaum noch was…

    Ich liebe die Jahreszeiten sehr, obwohl mir der Winter oft zu lange wird und ich mich – wie wir alle – nach der nächsten Jahreszeit und dem wundervollen Blühen sehne und dann kommt es und es ist jedes Jahr gigantisch schön und begeistert immer aus Neue, wie mich jetzt auch Deine Bilder begeistern.

    Liebe späte Abendgrüße von Bruni, die sich langsam wieder wohler fühlt. Hoffenltich bleibt es so…

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  9. quersatzein schreibt:

    Oh ja, etwas mehr Zufriedenheit und Dankbarkeit für unser privilegiertes Leben in relativer Sicherheit und auf fruchtbarem Boden würde uns allen nicht schaden. Aber vieles lernt man eben erst dann schätzen, wenn man es vermisst oder gar verliert.
    Andererseits ist das „Wettern“ über das Wetter auch so eine Art von Konversations-Spiel und selten ein wirkliches Ärgernis. 😉

    Dir eine abwechslungsreiche Ferienzeit und liebe Grüsse,
    Brigitte

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  10. buchstabenwiese schreibt:

    Ich habe auch schon oft zu Herrn Buchstabenwiese gesagt, dass wir es hier doch gut haben. Wir werden meistens von Wetterkatastrophen, wie sie in anderen Ländern passieren, verschont. Dafür bin ich wirklich dankbar.
    Aber jammern werde ich doch, wenn es mir zu heiß ist oder es zu lange grau draußen ist. *grins* 😉 Ein bisschen Jammern muss einfach ab und zu mal sein. Ist ja gar nicht so ernst zu nehmen. 🙂

    Aber heute jammere ich mal nicht, liebe Gaby. Heute lasse ich nur ganz liebe Grüße hier. 🙂
    Martina

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  11. Lutz schreibt:

    Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Manchmal habe ich das Gefühl, das Meckern in Deutschland Inn ist. Du hast das genau richtig beschrieben. Man soll mit dem Zufrieden sein, was man hat. Dann lebt es sich viel leichter. Mit dem Wetter können wir hier sehr zu frieden sein. Dir noch einen schönen Abend. L.G.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Vielleicht meckern nur die, die generell unzufrieden sind? ich finde unseren Sommer schön, besonders, wenn es tagsüber Sommer ist und nachts regnet.
      Wohltemperierte Grüße zu dir!

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  12. ann53 schreibt:

    Wahre Worte und auch sehr gut rübergebracht liebe Anna-Lena!
    Schrieb auch schon so einiges über unsere wirklich sehr schönen Jahreszeiten, um die uns manche Völkchen beneiden. 🙂
    Liebe Grüße und noch einen schönen erholsamen Abend wünsche ich dir von Herzen ❤

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  13. Nun, jammern bringt wirklich nichts, auch wenn der Kreislauf ein wenig schlapp macht.
    Anpassung ist angesagt.
    Liebe Anna-Lena, herzlich Grüße trotz dieser Hitze *g*
    Barbara

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  14. suebilderblog schreibt:

    Du hast Recht, uns geht es verdammt gut und leider vergisst man das sehr schnell. Man sieht vieles als selbstverständlich an und erst dann, wenn es mal nicht mehr so ist (Beispiel Gesunheit), dann weiß man es wieder zu schätzen. Dankbarkeit würde jedem von uns gut zu Gesicht stehen.

    Der Klimawandel – ein Thema ohne Ende, was mich persönlich sehr beschäftigt und leider gibt es immer noch Menschen, die ihn nicht wahr haben wollen und die meinen, dass man im Umgang mit der Natur immer noch keine Rücksicht üben muss. Das macht mich traurig und auch sehr wütend.

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  15. Agnes schreibt:

    Ich bin ebenfalls sehr froh hier bei diesen Breitengraden zu Hause zu sein.
    Aber ich denke es ist auch so ein bißchen Gewohnheit, wer am Mittelmeer geboren und aufgewachsen ist, dem macht die Hitze „vielleicht“ nicht so viel, ebenso wie ein Eskimo es wahrscheinlich in südlichen Ländern nicht aushalten würde – ist aber nur eine Vermutung von mir.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ich denke, die Menschen passen sich an und so ein Sommer wie wir ihn jetzt haben, überfordert viele von uns. Mein Nachtschlaf ist sehr getrübt, das merke ich wiederum am Tag.
      Lass es dir gut gehen!

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  16. finbarsgift schreibt:

    Ein fantastisch guter Text, liebe Anna-Lena, da gibt’s nix!!

    Liebe Sommersonnengrüße vom Lu

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