Sylvia Meywerk: Spiel der Tänzerin

Sylvia Meywerk: Spiel der Tänzerin

Mein heutiger Lesetipp

Karl, 54 Jahre alt, kennt nichts anderes, als seine Arbeit und ein Leben, das er etwa fünfzig Jahre mit seiner Mutter teilten musste. Seinen Vater hat er nie kennengelernt und seine seit vier Jahren verstorbene Mutter schikaniert und beleidigt ihn in seinen Gedanken und Gefühlen noch immer. Die einzige Freude, die Karl in seiner Kindheit hatte, war eine Tänzerin aus Porzellan, die er stundenlang anschauen und an deren Musik er sich erfreuen konnte.
Die Sehnsucht nach einer Frau, die ihn liebt, begleitet ihn bis ins Erwachsenenalter und flammt neu auf, als gegenüber ein Ehepaar einzieht. In Miriam sieht er seine Tänzerin wieder und beobachtet sie von nun an mit einem Opernglas.
Als es zu einer unerwarteten intimen Begegnung zwischen den beiden kommt, glaubt sich Karl am Ende seiner Sehnsucht.
Doch die Erkenntnis, nur Mittel zum Zwecke gewesen zu sein, zwingt ihn, aus der elterlichen Wohnung, in der er sein gesamtes Leben verbracht hat, auszuziehen.
Die Vergangenheit verblasst im Laufe der Jahre, bis sie ihn ganz unerwartet wieder einholt…

Der Debütroman von Sylvia Meywerk ist kein schönes Buch im eigentlichen Sinn. Es gibt kein Happy End und das Leben von Karl zu verfolgen, ist eher deprimierend. Und doch hat es mir gut gefallen, denn es lässt den Blick in eine Seele zu, die systematisch von der eigenen Mutter vergiftet und zerstört wurde.

Sehnsucht nach der Mutterliebe, der Wunsch, anerkannt zu werden, selber geliebt zu werden, das alles durfte Karl nie erfahren. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass er seine Sehnsüchte und Träume auf eine Porzellanspieluhr richtete und sich dann in die erstbeste Frau, die ihm für einen Moment Beachtung schenkt, verliebt.

Die schmerzliche Erfahrung, nicht geliebt und anerkannt zu werden, es niemanden recht machen zu können, kann Menschen in die Verzweiflung und in die Isolation stürzen und letztendlich zu ungewollten Handlungen einer durch und durch kranken Seele führen.

Wie gesagt, es ist kein erfrischender Roman, aber meiner Ansicht nach ein guter.

Ich wünsche Sylvia Meywerk viel Erfolg bei ihren Lesungen und weiteren Romanen.

© G.Bessen, Mai 2015

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Sylvia Meywerk
Spiel der Tänzerin
Seiten: 184
Format: 12 x 19 cm
Preis: 8,00 Euro
ISBN: 978-3-939564-50-8

Bildquelle

 

 

 

 

 

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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12 Antworten zu Sylvia Meywerk: Spiel der Tänzerin

  1. sylvi29 schreibt:

    Liebe Anna-Lena, ich danke dir für deine Rezension!
    Genieß die freien Tage, wenn du kannst und dich nicht noch durch die Texte deiner Schüler arbeiten musst.
    Ich folge DEINEN Texten weiter und sehr gern.

    Liebe Grüße
    Sylvia

    Gefällt 1 Person

    • Anna-Lena schreibt:

      Liebe Sylvia,
      ich habe es gern gelesen. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und besonders für deine anstehenden Lesungen.

      Heute muss ich mich tatsächlich noch durch Schülerarbeiten quälen. Die Abiturzeit ist jedes Jahr eine sehr anstrengende Zeit, aber wenn Schüler dann erfolgreich ihr Abitur schaffen, freuen wir uns gerne mit 🙂 .

      Liebe Grüße
      Anna-Lena

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  2. Frau Tonari schreibt:

    Wie es scheint, kein Buch für düstere Tage.
    Das Cover finde ich, nachdem ich Deine Rezension gelesen habe, aber sehr gelungen.

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  3. Ingrid schreibt:

    Das klingt zwar gut, aber ich werde es trotzdem nicht lesen. Mir ist gerade nicht so nach kranken Seelen, denen man nicht helfen kann.
    LG, Ingrid

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  4. bruni8wortbehagen schreibt:

    das cover ist guuuut. der inhalt klingt so, als könne er sehr belastend, aber auch sehr erkenntnisreich sein, liebe anna-lena.
    danke für die vorstellung dieses ernsten u. bestimmt sehr sensibel geschriebenen buches

    liebe grüße von bruni

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  5. freiedenkerin schreibt:

    Ich werde dieses Buch wohl trotz deiner guten Rezension nicht lesen, ich befürchte, dass bei der Lektüre alte, mühsam verheilende Wunden wieder aufbrechen könnten…

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  6. suebilderblog schreibt:

    Ohja hört sich sehr interessant an. Doch solche Bücher kann ich in stressigen Zeiten (wie ich sie momentan habe) nicht gut lesen, da brauche ich einfach ein Buch zum Abschalten.
    LG Susanne

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