Redewendung: Glückauf!

Glückauf!
Dieser Bergmannsgruß entstand am Ende des 16. Jahrhunderts im Erzgebirge und wünschte dem Bergmann einen unfallfreien Dienst, wenn er zu Fuß, mit einer Grubenbahn oder einem Förderkorb seine Schicht begann oder beendete. Immer wieder sind Bergleute unten geblieben oder durch Einstürze von Schächten zu Tode gekommen.
Kohle und Stahl zeichneten das Ruhgebiet lange als das deutsche Zentrum der Schwerindustrie aus. Doch Kohle- und Stahlkrise der späten 70er Jahre haben den ehemaligen „Kohlenpott“ heute zu einem Zentrum von Dienstleistungen und Freizeitangeboten mit besonderem Charme werden lassen. Von einst 141 Zechen im Ruhrgebiet fördern nur noch 6 Förderanlagen Steinkohle nach modernsten Verfahren.
Das Ruhrgebiet als Ballungsraum mit über fünf Millionen Einwohnern auf einer Fläche von etwa 4500 qkm hat nicht nur ein völlig neues Gesicht, auch saubere Luft und viel Grün bekommen.

Der Bergmannsgruß „Glückauf“ wird heute noch unter Höhlenforschern verwendet.

Rabensteiner Stollen in Thüringen

© Text und Fotos: G. Bessen
Fotos: Rabensteiner Stollen, Thüringen

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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34 Antworten zu Redewendung: Glückauf!

  1. Uli schreibt:

    Liebe Anna-Lena !
    DU bist ja- wie ich auch- im damaligen Ruhrgebiet groß geworden.
    Oh ja, an die Fördertürme kann ich mich sehr gut erinnern; sie gehörten geradezu zum typischen Stadt-Bild !
    Wenn wir aus unserem Kinderzimmerfenster schauten, konnten wir in der Ferne ganz deutlich einen Förderturm sehen und sogar verfolgen, wenn er in Betrieb war.
    1967 hat es mich ja nach Holland ins Internat verschlagen und 1968 sind meine Eltern nach Rheinland-Pfalz gezogen.
    Dann war ich von 1972 bis 1975 zwecks Berufsausbildung noch einmal im Ruhrgebiet.
    Anschließend haben mich die verschiedensten „Schleichwege“ dahin geführt, wo ich seit 1982 lebe… in Rheinland-Pfalz !
    Im Januar 2013 bin ich noch einmal- ganz bewusst- auf den „Pfaden meiner Kindheit“ gewandelt und habe zwei Tage in meiner Heimat-Stadt – in RECKLINGHAUSEN- verlebt.
    Habe das Wohnhaus betrachtet, in dem meine Fam. und ich ( im Alter von 7 bis 15 Jahren) gewohnt haben.
    Vorbei an „meiner“ Schule, in der Kirche, in der ich meine HL. ERSTKOMMUNION empfangen habe, USW., USW. !!!!!!
    Ich bin FROH, a.u.c.h in DEINEM Blog zu lesen, dass das Ruhrgebiet NICHTS mehr von d.e.m „Charme“ aufweist, von dem DU, lb. Anna-Lena, und ich in unserer Kindheit „umzingelt“ waren !!!!!!
    So VIEL GRÜN und wohltuende Flächen, wie ich sie 2013 in R’HAUSEN vorgefunden habe, davon träumt gewiss noch HEUTE so manch andere Stadt in Deutschland !!
    Gerade in der letzten Woche nannte eine „Dame“ in meiner Gegenwart den Begriff „Ruhrpott“….
    Die hätte ich am liebsten „verhauen“
    Auf meine Frage, ob sie das Ruhrgebiet aus den 50iger bzw. 60iger Jahren überhaupt kennt bzw. SO, wie es sich HEUTE – seit Beginn des Zechen-ABBAUS- darstellt, kam nur ein klägliche „NEIN“ .
    Ich habe ihr erwidert, sie möge doch mal hinfahren und dass sie FROH wäre, statt in I.h.r.e.r Wohn-Straße DORT wohnen zu dürfen…..
    „HUGH…. ICH HABE GESPROCHEN !!!!!! “
    Zu meiner Kinderzeit war es ein deutlich erkennbarer Unterschied, wenn man von R’HAUSEN Richtung MÜNSTER gereist ist, egal ob mit dem Auto oder mit dem Zug.
    Je näher man der Stadt MÜNSTER kam, umso harmonischer wurde die Gegend= sprich VIEL GRÜN und VIEL Landschaft….
    HEUTE jedoch ist da kaum noch ein Unterschied zu merken, die Übergänge sind fließend !!
    Der einzige Unterschied, der wirklich noch „ins Auge fällt“- aber das wird immer so bleiben- das ist die typische Bauweise der Wohnhäuser im Münsterland : alle aus rotem Backstein !!

    ALSO: Lange Rede-kurzer Sinn : Wer meine Heimat , so wie sie sich seit den Zechen-Stilllegungen deutlich(!!!) gewandelt hat, noch mit dem Begriff „Kohlenpott“ gleichsetzt, diese Person ist und bleibt für mich ein „BLIND-GÄNGER“ auf GOTTES wunderbarer ERDE !!!

    Liebe Anna-Lena !
    DIESE HOMMAGE an UNSERE Heimat musste ich an d.i.e.s.e.r Stelle mal ausführlich zum Besten geben!!
    Ich denke, das ist auch in DEINEM Sinn, nicht wahr. Wie kommen die Menschen dazu, UNSERE Heimat zu beleidigen….??…
    …………….NICHT mit UNS !!

    Ich grüße DICH
    Uli

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    • Anna-Lena schreibt:

      Liebe Uli, meine Mutter hat mir heute erzählt, warum ich so gern bei meinem Opa in Witten war, da durfte ich mit Kohlen spielen und mich so richtig einsauen, was ich zuhause natürlich nicht durfte :mrgreen: . Vielleicht hatte meine Mutter das Lied „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern…“ dabei im Kopf.

      Meine Urgroßeltern sind aus Polen in den Pott gekommen und meine Oma hatte von fünf Brüdern drei, die als Bergmänner gearbeitet haben, mein Urgroßvater natürlich auch. In Recklinghausen Süd, wo ich auch geboren wurde, lebten sie in einer typischen Bergbausiedlung, hatten einen Garten mit Obst und Gemüse zur Selbstversorgung und ganz früher (vor meiner Geburt) einen Stall mit einem Schwein. Auf dem Dachboden züchtete mein Großonkel Brieftauben und an besonderen Feiertagen gab es Taubensuppe mit Taubenfleisch – eine Delikatesse.

      Meine Wittener Verwandtschaft lebte auch in einer Werkssiedlung, die der DETAG (einer Glasfabrik) gehörte. Dort gab es auch einen kleinen Garten und mein Opa dort hatte Kaninchen, die zu Ostern als Festessen auf den Tisch kamen. Leider wurde diese Siedlung in den siebziger Jahren platt gemacht und ich konnte bis heute keine Archivbilder auftreiben.

      Aber wir zogen ja auch 1968 nach Berlin und ich kam zu dir ins Internat. So hat man uns in unseren jungen Jahren verpflanzt, weg von Zechen und Kohlenstaub und ungesunder Luft.
      Im übrigen benutze ich den Begriff „Pott“ heute auch noch, aber eher im liebevollen Gedenken.

      Ich grüße dich herzlich zurück ♥ .

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  2. Ruhrköpfe schreibt:

    ach wie schön, heute mal etwas aus meinem geliebten Ruhrgebiet 🙂

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  3. minibares schreibt:

    Und Herten war eine Zeit lang die größte Bergbaustadt. Also kurz vor Ende der ganzen Sache.
    Nun hast du mir einen Ohrwurm verpasst, Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt….

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  4. Brigitte schreibt:

    So ähnlich habe ich mir die Deutung dieser Redewendung vorgestellt. Ganz genau wusste ich es jedoch nicht. Danke auch für deine Ausführung!

    Liebe Grüße, Brigitte

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  5. Emily schreibt:

    Zum 1. Mai werden die Ruhrfestspiele in Recklinghausen eröffnet. Damit findet zum einen ein großes Kulturspektakel rund um das Festspielhaus statt und zum anderen ist das der Auftakt zu einer Reihe großartiger Inszenierungen und Gesangsdarstellungen. Bei Eröffnungsreden hören wir oft das Glück auf! Auch bei der Extraschicht, der Nacht der Industriekultur, zieht das Glück auf! seine Runden. Trotz des Strukturwandels gehört es einfach zum Ruhrgebiet und seiner Geschichte. Stimmt absolut!
    Ganz liebe Grüße zu dir, Emily ❤

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  6. Türmerin schreibt:

    Hi! Auch wir Türmer*innen benutzen den Gruß „Glück auf!“ 🙂 Viele Grüße aus Münster, Westfalen vom St. Lamberti-Turm

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  7. Uli schreibt:

    Ich wollte das „Glück auf “ auch nicht unter den Tisch fallen lassen bzw. die Impressionen, die früher das Ruhrgebiet geprägt haben UND vor allem nicht die familiären Bezugspunkte zu der betreffenden Berufsschicht… NEIN, natürlich nicht !!
    Bisher habe ich aber nur Leute vom „Kohlenpott“ sprechen hören, die im Grunde keine Ahnung von der GESCHICHTE „Drumherum“ haben, und die diesen Ausdruck immer negativ bestücken.
    Und da reagiere ich ein wenig „allergisch“, eben weil man die GESCHICHTE, die sich um diesen gesamten Bezirk knüpft, abwertend „zum Besten“ gibt.
    Wenn aber Personen, wie Du, lb. Anna-Lena, den Ausdruck „Pott“ noch heute benutzen, dann kann er nur liebevoll gemeint sein, denn wir kennen die Entwicklung des Ruhrgebiets, und schätzen sehr wohl a.u.c.h (!!) auch die alten Zeiten, vor allem d.i.e, die wir aus den Erzählungen heraus kennen.

    GRUSS !
    Uli
    P.S.: Die Ruhrfestspiele hat damals mein Vater mit begründet, und ich kann mich noch sehr gut an d.e.n Tag erinnern, an dem sie zum ersten Mal eröffnet wurden.
    Und wer das RUHRFESTSPIEHAUS kennt, der weiß, dass unmittelbar v.o.r dem HAUS eine lange , abschüssige Wiese lag, die für sämtliche Kinder aus der Gegend im Winter d.i.e Rodelbahn schlechthin war !!
    Ob „unsere Rodelbahn“ heute noch in der Form existiert, das weiß ich nicht.
    TSCHÜSS!

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    • Anna-Lena schreibt:

      Vielleicht sollten wir da mal auf den Spuren unserer Vergangenheit wandeln, liebe Uli. Leider habe ich nur noch zwei Cousinen im Ruhrgebiet, mit denen ich allerdings keinen großen Kontakt habe. Alle anderen Verwandten leben schon lange nicht mehr.
      Dass Menschen oft über Dinge reden und auch voller Vorurteile, obwohl sie keinen blassen Schimmer haben, ist doch nicht neu, oder? Da stehen wir doch ganz locker drüber 🙂 .

      Dass dein Vater die Ruhrfestspiele mit begründet hat, wusste ich gar nicht – interessant!

      Liebe Grüße von mir 🙂 .

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  8. quersatzein schreibt:

    Glück auf also für eine ganze Gegend! Man mag den Menschen dieses Aufatmen nach den langen, harten Zeiten des Kohlenpotts gönnen.

    Hab eine feine Woche – und liebe Grüsse,
    Brigitte

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ja, ich denke, die Zeiten waren für viele hart, als es darum ging, mit Investitionen neue Arbeitsbereiche zu suchen und zu schaffen.
      Nach der Kohl- und Stahlkrise sind viele weggezogen, weil sie auf der Straße standen und keine Arbeit mehr hatten. Umso mehr bin ich als dort Geborene stolz, was das Ruhrgebiet heute für ein attraktives Gesicht hat.

      Auch dir eine schöne Woche.
      Lieben Gruß,
      Anna-Lena

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  9. Ingrid schreibt:

    Glück brauchten sie in der Tat, um heil wieder nach oben zu kommen. Diese ganze Industriekultur, wie sie sich heute darstellt, ist sehr interessant und beeindruckend, sei es ‚Zeche Zollverein‘ oder der ‚Landschaftspark Duisburg‘.
    Liebe Grüße, Ingrid

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  10. bruni8wortbehagen schreibt:

    Da es im Saarland, meiner früheren Heimat, auch den Bergbau gab, kenne ich auch einige der Hüttendörfer, die über den Gruben errichtet wurden und deren Häuser heute extreme Risse aufweisen und auch die, die unbewohnbar wurden. Dörfer, die es kaum noch gibt, weil nach und nach die Bewohner umzogen in andere Gebiete…

    Die Bergleute konnten den Gruß gut gebrauchen und wenn sie immer heil aus den Gruben wieder rauskamen, hatten sie großes Glück, doch mußten viele frühzeitig in Rente gehen und starben dann bald an der Steinlunge…
    Ein hartes Leben war es und die Unglücksfälle zahlreich…

    In meiner Nähe damals war ein Hüttenwerk, eine Stahlhütte, eine von vielen im Saarland und besonders sauber war die Luft da auch nicht.
    Tja, ich bin gerne weggezogen als sehr junge Frau und nie habe ich sie vermisst, diese alte Heimat, die es schon lange nicht mehr ist.

    Liebe Grüße von Bruni

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    • Anna-Lena schreibt:

      Mein Urgroßvater ist auch früh Invalide geworden und starb, als ich zwei Jahre war. Vielleicht kommt die „geteerte Lunge“ auch als Begriff aus dem Bergbau. Unglaublich, welch harte Arbeit die Menschen unter Tage geleistet haben und viele sind wegen der Folgeerkrankungen oder durch Unglücksfälle frühzeitig gestorben.
      Hab einen schönen morgigen Feiertag, liebe Bruni 🙂 .

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      • bruni8wortbehagen schreibt:

        geteerte Lunge? Hört sich aber auch nach der Raucherlunge an, doch wer weiß…
        Auf jeden Fall war es eine miese Arbeit , schwer und gefährlich.
        Da hätte ich nicht lange durchgehalten. So viel ich weiß, gab es auch keine Frauen unter Tage, aber ganz sicher bin ich nicht.

        LG von Bruni (der Feiertag ist schon am Vorübergehen *g*)

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        • Anna-Lena schreibt:

          Bei Rauchern sagt man das jedenfalls.
          Frauen haben diese Arbeit ganz sicher nicht gemacht.
          Freuen wir uns auf den morgigen Tag – er ist auch frei 🙂 .

          Liebe Grüße von mir!

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  11. lettercastle schreibt:

    Sehr wissenswert… 🙂 Jetzt weiß ich woher der Spruch kommt. Ich bin ein großer Fan von Details wie diesen!

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  12. Lutz schreibt:

    Wie ich sehe, gibt es hier noch jemand aus Recklinghausen. Toll eure Hommage an das Ruhrgebiet. Es stimmt das heutige Ruhrgebiet hat nichts mehr mit dem damaligen Pott zu tun. Wir haben hier heute viel mehr Grün und Erholungsgebiete als so manche Großstadt. Aber es gibt immer noch Leute aus Süd und Nord Deutschland die meinen hier gibt es nur Zechen. Mein damaliger Arbeitgeber hat mal Kunden aus Nord und Süd Deutschland nach Essen zu einer Schifffahrt auf dem Baldeneysee und der Ruhr eingeladen. Die bekamen den Mund garn nicht mehr zu vor lauter Stauen wie grün und hügelig es dort war. Sie dachten auch es gebe hier nur Zechen und Staub. Es lohnt sich heute hier im Revier zu leben. Was den Bermannsgruß “ Glück auf “ angeht , der ist ja auch in dem Steiger Lied Glück auf der Steiger kommt verewigt.
    Also wenn ihr Beiden mal wieder in eure alte Heimat kommt, sagt Bescheid. Ich zeige euch mal das Ruhrgebiet. Vielleicht auch mal ein Besuch des Musicals Star Light Express in Bochum.
    Euch einen schönen Feiertag.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Wenn es mich doch mal wieder in die alte Heimat verschlagen sollte, lieber Lutz, werde ich dir vorher unbedingt Bescheid geben. Meine letzten Besuche dort waren leider immer traurige Anlässe – Beerdigungen.

      Hab einen schönen Vater- oder Herren- oder einfach nur Feiertag 🙂 .

      LG Anna-Lena

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