Elisabeth Herrmann: Die 7. Stunde

Elisabeth Herrmann: Die 7. Stunde

Mein heutiger Lesetipp

Der junge Anwalt Joachim Vernau kämpft mit seiner Kollegin ums finanzielle Überleben, denn die gemeinsame Anwaltskanzlei wirft kaum noch etwas ab. So nimmt er das gut bezahlte Angebot einer Berliner Privatschule an, den Abiturjahrgang in einer Jura-AG, genannt ‚teen court‘, zu unterrichten. Der teen court hat die Aufgabe, Verstöße gegen die Hausordnung dieser elitären Schule aufzudecken und Maßnahmen gegen die Verursacher zu ergreifen.

Die Schulleitung hatte ihm den Selbstmord einer Schülerin vorenthalten. Joachim Vernau tritt einer sehr verschlossenen und von Angst erfüllten Klasse gegenüber und auch im Kollegium merkt er bald, dass die Fassade dieser Pankower Schule Risse hat. Als eine weitere Schülerin am Tag der offenen Tür knapp einer Vergiftung entgeht, versucht Vernau gemeinsam mit seiner Anwaltskollegin, eine frühere Freundin der Konrektorin, Licht in das Dunkel zu bringen.
Einige Schüler seiner AG sind Live – Rollenspielen verfallen (eine für mich bisher unbekannte Welt) , aus der sie nicht mehr aussteigen können und die verstorbene Mitschülerin Clarissa meldet sich weiterhin über ihr Handy und hält ihre Klasse in Atem.

Als Vernau durch eine Krankenakte dahinter kommt, dass diese Schule hundert Jahre zuvor eine Nervenheilanstalt war und bereits damals eine Patientin von der „Schwarzen Königin“ sprach, verbeißt er sich in die Aufgabe, dieses Geheimnis zu lüften und das Leben seiner restlichen Schüler zu retten, ein Wettlauf mit der Zeit…

Elisabeth Herrmanns Sprachstil fesselt, ist witzig und humorvoll, aber auch anspruchsvoll. Vom Anfang bis Ende schafft sie es, Spannungsbögen aufzubauen und zu halten.
Die Charaktere, besonders die zwielichtige und fast schon von Karrieredenken zerfressene Konrektorin Oettinger im Kontrast zu ihrem Chef und Geliebten Kladen wirken so lebendig gezeichnet, dass der Leser ein klares Bild von ihnen bekommt. Das Konzept dieser Privatschule steht im Gegensatz zur benachbarten Hauptschule und wirft auch hier Fragen nach unserem heutigen Schulsystem auf, in dem Bildung offenkundig ein Privileg der Reichen ist.

Daneben zeichnet sich Joachim Vernau als engagierter Vertretungslehrer aus, der nicht eher Ruhe gibt, bis seine Klasse gerettet wird und doch ist er als Privatmensch sympathisch-chaotisch und wie ein Kumpel von nebenan. In enger freundschaftlicher Verbindung mit seiner Co-Anwältin und deren gemeinsamem schrottreifem Volvo erleben die beiden so manche gemeinsame Kneipenstunde.

Fazit: sehr empfehlenswert, spannungsgeladen und mal eine ganz andere Art von Krimi.
Elisabeth Herrmann kann es mit anderen namhaften Krimiautoren durchaus aufnehmen und ich habe bereits vier weitere Krimis von ihr bestellt. Ich freue mich darauf.

© G. Bessen 30.04.15

Elisabeth Herrmann51o6mLhV3OL._AA160_
Die 7. Stunde
416 Seiten
List Taschenbuch (4. Dezember 2008)
ISBN-13: 978-3548608549
€ 9,99

Bildquelle

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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29 Antworten zu Elisabeth Herrmann: Die 7. Stunde

  1. leonieloewin schreibt:

    Danke für die ausführliche Beschreibung. Nun kann ich ja auch bald wieder in Buchhandlungen stürmen und ein wenig schmökern. Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende Leonie

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  2. piri schreibt:

    Da hört sich spannend an! Ich lese zwar kaum Krimis, aber der macht mich an.

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  3. minibares schreibt:

    Wie du weißt, schaffe ich es kaum noch, mal ein Buch zu lesen.
    Inzwischen ist es nicht mehr nur der Blog, auch die vielen Termine, zweimal die Woche Physio, dazu Logopädie, Fußpflege, Heilpraktiker, da bleibt echt nicht viel Zeit.
    Aber ich habe deinen Bericht darüber mit Interesse gelesen, so ist das nicht.
    deine Bärbel

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  4. Ingrid schreibt:

    Das hört sich interessant an und der Name Joachim Vernau kommt mir bekannt vor. Ich glaube, ich muss mir langsam eine Liste erstellen, was ich wann gelesen habe. Danke für die Empfehlung und liebe Grüße,
    Ingrid

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    • Anna-Lena schreibt:

      Drei meiner vier bestellten Bücher sind angekommen, ich werde weiter berichten. Der Band vor „Die 7. Stunde“ heißt „Das Kindermädchen“ . Damit fange ich an, wenn ich mein jetziges Buch durch habe. Vielleicht ist es wie bei den Crombie-Krimis, der Krimi im Vordergrund und im Hintergrund ein wenig Privatleben 🙂 .

      Liebe Grüße auch zu dir!

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  5. freiedenkerin schreibt:

    Deine Rezension liest sich vortrefflich, das Buch kommt auf meine Leseliste für die Reha. 😉
    Liebe Grüße!

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  6. bruni8wortbehagen schreibt:

    Das klingt nach einem höchst interessanten Schmöker, der unbedingt mit in den Urlaub sollte 🙂
    Inzwischen müßte doch Euer Haus auch von Büchern überquellen, liebe Anna-Lena

    Lächelnde Abendgrüße von Bruni

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    • Anna-Lena schreibt:

      Da sind wir gerade aneinander vorbeigelaufen, liebe Bruni 😆 . Nein, es sind noch Eckchen vorhanden… noch, aber nicht mehr viele.
      Von Zeit zu Zeit verschenke ich auch Bücher, die ich sicher kein zweites Mal lese.
      Und wir tauschen auch gern untereinander aus. ‚Die 7. Stunde‘ war so eine Leihgabe, nun habe ich mir vier weitere Bücher dieser Autorin bestellt.
      Ich gehe dann mal lesen… 😉 .

      Auch dir liebe Grüße von mir!

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  7. Lutz schreibt:

    Danke für den Tipp. Dir noch einen schönen Abend und eine gute neue Woche. L.G.

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  8. suebilderblog schreibt:

    Danke für den Tipp. Bin ja im Moment nicht so auf Krimitour, aber den MUSS ich haben. Der sprach mich jetzt sofort an.
    LG Susanne

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  9. Frau Tonari schreibt:

    Liest sich gut. Leider ist mein Stapel ungelesener Bücher in schwindelerregende Höhen gewachsen. Ich muss den erst mal abtragen.

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  10. finbarsgift schreibt:

    Du weißt ja, liebe Anna-Lena, für Lesetipps bin ich IMMER dankbar! 🙂
    Dir einen feinen Sonnentag!
    Herzlich, Lu

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  11. Pingback: Elisabeth Herrmann: Die letzte Instanz | Mein Lesestübchen

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