Hera Lind: Der Mann der wirklich liebte

Hera Lind: Der Mann der wirklich liebte

Mein heutiger Lesetipp

Angela und Michael Röhrdanz haben das Gefühl füreinander bestimmt zu sein und heiraten.
Acht Jahre nach der Hochzeit ist Angela mit ihrem dritten gemeinsamen Kind schwanger. Dazu haben sie zwei ältere Kinder aus Michaels erster Ehe.
Von jetzt auf gleich bricht das glückliche Leben der Familie auseinander. Angela erleidet mit nur neunundzwanzig Jahren einen Hirnschlag und wird nach einer Notoperation von den Ärzten aufgegeben. Nach einigen Tagen auf der Intensivstation legen die Ärzte Michael nahe, die Geräte, die sie am Leben erhalten, abschalten zu lassen. Sie geben sowohl ihr als auch dem Embryo keine Überlebenschance. Doch Michael kämpft wie ein Besessener um seine Frau und das ungeborene Kind.

Angela ist eine Komapatientin, die in ihrem eigenen Körper gefangen ist. Sie leidet unter dem „Locked-In Syndrom“ und ist bei vollem Bewusstsein. Sie bringt einen gesunden Jungen zur Welt und in mühevoller Kleinarbeit findet sie nach Jahren ins Leben zurück.

Wie Michael das schafft, arbeiten zu gehen, sich um seine schwerstkranke Frau und fast allein um seine Kinder zu kümmern, ist einzigartig, fast übermenschlich und nur durch die Unterstützung seiner Firma, seiner Schwiegermutter und seines Sohnes aus erster Ehe möglich. Michael ist am Rand der Selbstaufgabe, nur der innere Motor, die Liebe zu seiner Frau und seinen Kindern treibt ihn an.

Nach über zehn Jahren ist die Familie wieder in der Lage, ein relativ normales Familienleben zu führen.

Eine schöne Geschichte der Autorin, so könnte man denken.
Diese Geschichte beruht jedoch auf einer wahren Begebenheit, durch Szenen des täglichen Miteinander dieser besonderen Familie von der Autorin ausgeschmückt.

Was mich an Hera Linds Stil nicht überzeugt hat, sind die großen Zeitsprünge. Die unmittelbare Zeit nach dem Hirnschlag hätte in ihrer Dramatik mit redundanten Begebenheiten zugunsten der späteren Entwicklung gekürzt werden können. Gegen Ende werden die Fortschritte in sehr großen Zeitsprüngen geschildert. In diesem Part hätte mir mehr Entwicklung besser gefallen und zu mehr Ausgewogenheit geführt.

Trotzdem ist die Geschichte dieser Familie bewegend und geht ans Herz.
„Liebe kann Berge versetzen“, diese wahre Begebenheit beweist es.

Zu ihrem Roman gibt es ein Interview mit Hera Lind und Michael Röhrdanz hier.

Das sog. „Locked-In Syndrom ist auf youtube erklärt und heute Abend gibt es um 22.25 Uhr auf 3SAT den Film „Schmetterlinge und Taucherglocke“ zu diesem Thema, auch nach einer wahren Biografie.

der_mann_der_wirklich_liebteHera Lind
Der Mann, der wirklich liebte

ISBN: 978-3-453-35445-6
Diana Verlag, 201367 Seiten,
8,95 €

Bildquelle:
Leseprobe:
Das Locked-in Syndrom

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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22 Antworten zu Hera Lind: Der Mann der wirklich liebte

  1. piri schreibt:

    So spät werde ich nicht mehr gucken. Aber dieser Film, dieses Buch von Schmetterling und Taucherglocke hat mich fasziniert und sehr beeindruckt. Hera Lind! Nein, Hera Lind lese ich aus Prinzip nicht.

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  2. minibares schreibt:

    Anfangs hatte ich mal Hera Lind gelesen.
    Aber dieses Syndrom droht mir auch mal.
    Doch dann möchte ich nicht mehr leben.

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  3. freiedenkerin schreibt:

    Mir geht’s wie Piri, ich habe noch nie etwas von Hera Lind gelesen, und werde dies auch nicht. 😉

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  4. leonieloewin schreibt:

    Danke für diesen interessanten (jedenfalls hört es sich so an) Lesetipp. Ich habe bisher von Hera Lind nur vollkommen andere Bücher kennen gelernt. Also: auf die Leseliste! Liebe Grüße Leonie

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  5. Lutz schreibt:

    Ich war mal in der Situation, das ich entscheiden mußte die Maschinen bei meinem Vater abzustellen. Eine schwere Entscheidung. Ich möchte das nicht noch einmal durchmachen. Mir wurde dann die Entscheidung während der Bedenkzeit abgenommen, weil er dann selbst verstorben ist. Dir noch einen schönen Abend. L.G.

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    • Anna-Lena schreibt:

      So etwas stelle ich mir sehr schwer, auch wenn der Betreffende eine Patientenverfügung hat. Ich möchte auch nicht in die Situation kommen.
      Ein sonniges Wochenende wünsche ich dir.
      LG Anna-Lena

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  6. bruni8wortbehagen schreibt:

    au weiah, Hera Lind…
    Liebe Anna-Lena, ich denke, Du kennst das Problem, das viele von uns mit ihr haben.
    Ihr allererstes, nach dem Titel müßte ich jetzt suchen, war für mich wunderschön, doch nach und nach wurde jedem Leser deutlich, nach welchem Schema sie schreibt und sie macht es gigantisch gut, aber eben zu gut, zu flüssig, einen Tick zu gefällig. Sie wurde nicht besser, sie wurde flacher und flacher…
    Dann las ich sie nicht mehr und hörte auch nichts mehr von ihr. Für mich verschwand sie in der Versenkung…
    Das, was Du schreibst, hört sich an, als hätte sie sich einem Trend angepasst.

    Aber sie hat eine – wenn ich es mal so formulieren darf – saugute Schreibe, der man sich nicht entziehen kann, und doch erkenne ich in Deiner Rezension, daß Du den Finger genau dorthin gelegt hast., wo es hapert
    und doch würde ich es auf meine Leseliste setzen, um mir ein eigenes Urteil zu bilden.

    Liebe Grüße von Bruni und Dir ein wunderschönes und möglichst entspanntes Wochenende
    von Bruni

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    • Anna-Lena schreibt:

      Mich hat bei dem Buch weniger Hera Lind interessiert, sondern das Thema des Buches, das ja keine reine Fantasiegeschichte ist sondern nach einer wahren Begebenheit geschrieben wurde.
      Dieses „Locked-In Syndrom“ war mir bis dahin ziemlich fremd und es wirft für mich wieder die Frage nach genauester ärztlicher Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und Sterbehilfe auf. Die berührende Liebesgeschichte drumherum ist halt das Wesen eines Romanes.
      Auch in der Medizin gibt es Wunder, das ist ja bekannt und hat Menschen immer wieder überrascht.

      Das Buch ist ja schon älter, liebe Bruni, ihre anderen Bücher kenne ich nicht, werde aber, wenn es sich ergibt, sicher noch mal eins von ihre lesen um den Kritikpunkten selbst nachzugehen. Mir sozusagen auch ein eigenes Urteil bilden, wie du es so treffend formuliert hast 🙂 .
      Auch dir ein schönes Wochenende,
      Anna-Lena

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  7. Frau Momo schreibt:

    Hera Lind fasse ich nicht mit der Kneifzange an… ihre ersten beiden Bücher habe ich sogar gelesen, aber das war auch mehr, als gut war…. ich mag weder die Frau noch ihre Bücher

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  8. suebilderblog schreibt:

    H.Lind ist eigentlich gar nicht mein Fall, da geht es mir ähnlich wie Frau Momo. Doch wenn ich die Handlung lese, dann wäre dieses Buch vielleicht doch interessant……

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