Weltmeisterlich

466496_original_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.deWeltmeisterlich

Im Vorfeld dieser WM war ich skeptisch und hatte auch Bauchschmerzen. Die Deutsche Nationalmannschaft hatte ich als nicht besonders gut und fit eingeschätzt. Ähnlich wie 2010 in Südafrika hat mir auch das Land Brasilien mit seiner Problematik, den unzähligen Menschen in den randstädtischen Favelas und deren große Armut und die Berichterstattung im Vorfeld über Unglücksfälle und Wettskandale und Korruption einen bitteren Vor- und Beigeschmack zur WM geliefert.
Es ist viel Geld im Spiel und letztendlich haben die „am Rande“ nichts davon. An ihrer Situation ändert sich nichts.

Und trotzdem blicke ich auf viele Spiele dieser WM zurück, schöne und engagierte Spiele egal welcher Mannschaft, mit Fehlern und Unzulänglichkeiten behaftet und trotzdem haben wir mitgefiebert. Zweifelhafte Entscheidungen von Schiedsrichtern, derbe Fouls auf dem Spielfeld, Glück und Unglück – das gibt es immer wieder.
Nach dem Spiel der Deutschen Elf gegen Brasilien, diesem Traumspiel, waren auch meine letzten Zweifel beseitigt und der Titel schien in Reichweite zu rücken. Für die Brasilianer tat es mir Leid, aber auch da hängt einem das Hemd näher als die Hose. Auch wir waren 2006 Gastgeberland und haben verloren, such is life.

Und nun das gestrige Spiel: hart, kämpferisch und spannend auf beiden Seiten. Und kurz vor dem drohenden Elfmeterschießen die Erlösung und das entscheidende Tor zum Weltmeistertitel.
Profifußballer verdienen eine Menge Geld. Ob das gerechtfertigt ist, sei dahingestellt. Aber dafür bringen sie auch Einsatz. Das ungläubige Staunen von Mario Götze, die Freudentränen bei den Spielern, diese sagenhafte Erleichterung, es geschafft zu haben, diese Bilder vergessen wir nicht so leicht.
Wenn ich an das Herumgebolze auf dem Platz bei so manchen Spielen denke, so muss ich doch sagen, dass die Deutsche Elf so manchen anderen hitzigen und temperamentvollen Spielern eine Menge voraus hat, was Disziplin und soziale Kompetenzen betrifft.

Der viel zitierte Spruch: TEAM = „Toll, ein anderer macht’s“ trifft hier nicht zu.
Da war Teamgeist, Teamfähigkeit und ein Miteinander in Freud und Leid ausschlaggebend, durchaus etwas, was für unsere Jugend vorbildhaft sein kann.

Podolski Junior und die Klose-Zwillinge auf dem Platz können unsere Jungen und Mädchen anregen, sich mehr dem Sport zu widmen und einen Teil ihrer Freizeit sinnvoll zu nützen.
Alles in allem war es eine schöne Weltmeisterschaft mit brillanten Momenten und einem verdienten Titel.

© G.B. 14.7.14

Foto: Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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23 Antworten zu Weltmeisterlich

  1. karlswortbilder schreibt:

    Fußball! Ich bin immer wieder erstaunt wenn ich in die Gesichter der Fans blicke. Was rührt diese Menschen zu Tränen? Oder die Jubelschreie, dass einige Millionäre wieder um 300.000 € reicher sind? Sport soll Ertüchtigung des Körpers sein und es heißt auch Fußballspiel und nicht Kampf. Die Nachrichten der Welt lesen sie vermutlich beim Frühstück ohne ein Wort zu verlieren.
    So eine brutale WM habe ich in meinem doch schon längerem Leben nie gesehen.
    Kopfwunden am laufenden Band, Beinbruch, Wirbelbruch, Verletzungen im Gesicht u.s.w. Schweinsteiger mit Blut im Gesicht küsst den Pokal,
    Neuer nach seinem brutalem Foul gegen Argentinien zum besten Tormann zu wählen statt ihn auszuschließen …
    Es ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft
    Es ist gelungen Die deutsche Fußballmannschaft hat gewonnen, gut, na und?
    lg
    Karl

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    • Anna-Lena schreibt:

      Begeisterung und Leidenschaft ziehen mit, was ist daran verkehrt? Solche Spiele sind schon gewissermaßen ein Kampf, denn jeder will gewinnen und dafür muss Einsatz folgen. Da bleiben Blessuren nicht aus, ich denke, das war bei früheren Weltmeisterschaften nicht anders. Man hat es durch die damalige Technik nur nicht so mitbekommen.
      Vermisst habe ich auch so manche eindeutige Schiedsrichterentscheidung. Da ist so Einiges unter den Tisch gefallen.

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      • karlswortbilder schreibt:

        na ja alles Ansichtssache. Ab morgen kann man hoffentlich wieder „normale“ Fernsehprogramme empfangen aus Deutschland.
        Bis zur EM wird jetzt wieder Ruhe einkehren.
        lg
        karl

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        • Anna-Lena schreibt:

          Normales Fernsehprogramm? Ich glaube, das dauert noch, denn nun ist Sommerloch und Wiederholungen sind angesagt.
          Zum Glück lassen sich auch viele schöne andere Dinge machen 🙂 .

          Lieben Gruß,
          Anna-Lena

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  2. Frau Momo schreibt:

    Ich habe es verschlafen, aber macht nix. Mir geht dieser Fußballhype ehrlich gesagt auf die Nerven.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Das wird nun abebben. Heute steppt noch einmal der Bär in Berlin, schon jetzt ist die Fanmeile voll und ich bin froh, dass ich heute nicht nach Berlin muss… :-). Ich freue mich auf mehr Schlaf in der Nacht und mein abendliches Lesen, das kam eindeutig in den letzten Wochen zu kurz 😆 .

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  3. ann53 schreibt:

    Ich war anfangs auch sehr skeptisch liebe Anna-Lena und auch die vielen Berichte über die angeblich ziemlich rücksichtslosen Vorgehensweisen gegenüber der armen Bevölkerung schreckten mich sehr ab. Bekam dann aber auch andere Zeilen und Berichte zu lesen, die nicht „nur“ vom bewusst Panik machenden Medienklatsch sondern der brasilianischen Bevölkerung geschrieben wurden.
    Es gibt immer und überall zwei Seiten, wobei es mich sehr verärgert, dass bei uns fast immer nur die negativen Seiten aufgezeigt bzw. hervorgehoben werden, weil es offensichtlich doch sehr viel mehr Interesse, Begeisgerung und Emotionen erweckt.
    Jedenfalls waren die Spiele zwar teils ziemlich hart und so manche auch sehr unfair. Aber zumindest das entscheidende Endspiel unserer Mannschaft war einfach SUPER, spannend, fair und endete mit einem sehr verdienten Sieg.
    Liebe Grüße und noch einen richtig schönen harmonischen Tag wünsche ich dir von Herzen ❤

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  4. minibares schreibt:

    Vor allem, die Normalos in Brasilien werden nichts von den neuen Stadien haben, ich habe den Eindruck, die meisten bleiben nicht stehen.
    Und die Armut wird nicht weniger werden. Leider, leider.
    Aber dass dieses letzte Spiel ganz anders laufen würde als das geniale 7:1 gegen Brasilien, die vorher auch nicht überzeugt hatten, war mir absolut klar. Die hatten zu vieles, was sie alles bedienen sollten.
    Es war echt ein rasantes Spiel und sie haben sich nicht provozieren lassen. Messi gegen Wessi und Ossi, lach.

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  5. bruni8wortbehagen schreibt:

    Du hast gut umrissen, liebe Anna-Lena. Hast das bedacht, was manch einem auf der Seele liegt und doch hast Du eine Bresche geschlagen für die Spiele an sich und ich denke, das ist auch gut so.
    Wir dürfen nicht außer acht lassen, was unrecht ist und sollten uns doch an dem freuen, was mit Leidenschaft und Fairness gezeigt wird.

    Ja, den Mario Götze habe ich auch genau geobachtet ( Du wunderst Dich, daß ich mal Fußball geguckt habe? *g* ) Na ja, dieses Spiel wollte ich selbst sehen, mir nicht nur erzählen lassen, wie es ausgegangen ist…
    Ja, ich habe ihn beobachtet beim Schießen, den Gesichtsausdruck, in dem noch keine Freude über das gelungene Tor zu sehen war, noch konnte er es nicht glauben (ich auch nicht 🙂 , bis es dann gesickert ist, was IHM da gelungen ist, dem Spieler, der noch nicht lange im Feld war…

    Ein feines Spiel und nun ist der Alltag wieder eingekehrt. Nicht bei den Spielern selbst, die müssen feiern und sich feiern lassen. *lächel*
    Das gehört halt mit dazu. Sie werden es erst mal genießen und das sollen sie auch. Sie haben es sich verdient.
    Diesmal hatten WIR Glück, nächstes Mal vielleicht eine andere Mannschaft. Wer weiß, was sich da noch tut.

    Herzliche Grüße von mir, liebe Anna-Lena, und Danke für den tollen Bericht über die WM

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    • Anna-Lena schreibt:

      Das Unrecht in der Welt können wir nicht beseitigen, da sind andere gefragt und gefordert, die auch die entsprechenden Mittel an der Hand haben.
      Aber die Spieler in ihrer Freude und Begeisterung haben auch mich beeindruckt und wenn junge Leute wieder Idole haben, finde ich das gut. Die hatten wir doch auch früher, oder? Meine Latte von Menschen, die mich beeindruckt haben, ist mächtig lang… 🙂 .

      Liebe Grüße zu dir von mir ♥

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      • Gudrun schreibt:

        In dem Dörfchen, indem ich eine Zeit lang gewohnt habe gibt es eine sehr aktive Sportvereinigung, die vor allem Kindern das Fußballspielen beibringen. Viele aus Leipzig fahren da hin. Nach solchen Ereignissen spürte man immer besonderen Elan der Kinder. Ich finde es gut, weil es eben gegen das Stubenhocken ist. Und einige andere Eigenschaften fördert es auch. Manchmal habe ich die Kinder angefeuert, wenn ich in der Nähe des Sportplatzes war. Ehrgeizig waren sie. das muss man ihnen lassen.
        Liebe Grüße von der Gudrun

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        • Anna-Lena schreibt:

          Stubenhocken scheint heutzutage „in“ zu sein, und mit den digitalen Medien kann man sich ja auch leichter beschäftigen, als aktiv zu sein. Aber ich kenne auch eine Menge Schüler, die leidenschaftlich gern Sport machen.

          Liebe Grüße
          Anna-Lena

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  6. regenbogenlichter schreibt:

    Ich würde mir wünschen, dass von den ca. 4 Milliarden, die die FIFA steuerfrei! einstreicht, wenigstens etwas dort bleibt. Und dass die FIFA einmal darauf achten würde, dass auf Mensch, Tiere und Natur ein wenig mehr Rücksicht genommen wird. Und nicht, dass wie hier, das deutsche Camp mitten im Naturschutzgebiet errichtet wird. Solche Organisationen und auch die einflussreichen Mannschaften aus den Industrieländern, könnten da schon helfen und Einfluss nehmen. Genügend Geld wäre ja da, aber das brauchen leider alles die korrupten Funktionäre. 😦
    Mit der sportlichen Leistung hat das allerdings nichts zu tun.
    Und von den Fans würde ich mir wünschen, dass sie in der Zeit vielleicht schon Fußball im Kopf, aber keinen Fußball als Kopf haben!
    Liebe Grüße
    Ute

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  7. Brigitte schreibt:

    An meiner Meinung zu diesem ganzen Trubel – hat sich gar nichts geändert. Ich muss Bruni recht geben, du hast es gut umrissen.

    Dass sich die Leute gefreut haben, das ist völlig in Ordnung. Und ich gönne ihnen das. Meines ist es einfach nicht. Mir war Fußball schon immer reichlich egal. Und muss mich auch wie Karl fragen, was es eigentlich ist, dass die Menschen zu Tränen rührt? Dass das Runde in das Eckige geschossen werden konnte?

    Ich muss da weiter denken. Und sagte es schon mal, dass ich es auch erwartet habe, dass sie gewinnen, bei diesen bevorzugten Bedingungen, die sie hatten. Da mussten sie das auch. Oder wer sonst konnte es sich leisten mitten in die Natur ein Ressort zu bauen? Mir gefällt der ganze Umgang der Fifa nicht. Ungleiche Bedingungen sind das, Oder welche afrikanische Mannschaft hatte denn solche Bedingungen? Rücksichtslosigkeiten auch gegenüber der Bevölkerung. Man sollte sich da nichts vormachen.

    Doch letztendlich ist das ja auch das Unwichtigste der Welt, wenn dann nicht oben erwähnte Dinge wären.

    Herzlichen Gruß, Brigitte

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ich denke, zu all den positiven Dingen, die der Fussball bei jungen Menschen bewirkt, darf man die sozialen und politischen Hintergründe nicht vergessen und da ist es legitim, auch Kritik zu üben.

      Wir Älteren haben ja schon einige WM’s erlebt und trotzdem ist das Wir-Erleben duch moderne Technik, Public Viewing und ein gemeinschaftliches Erleben doch in eine neue Dimension gerückt, die alles hautnah, greifbar und Fußballer zum Anfassen vermittelt. Dass das jetzt wieder in einen falschen Kanal geführt wie vermeintliche T-Shirts bei Amazon und ein fehlgeleitetes Nationalbewusstsein halte ich für sehr gefährlich.
      Lasst doch den Menschen ihre Freude, ihre Begeisterung, vielleicht auch ein Ablenken von einer ansonsten sorgenvollen Existenz, problembeladen, arbeitslos… Es muss doch nicht immer wieder alles schlecht gemacht werden!

      Herzlichen Gruß auch dir,
      Anna-Lena

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  8. Lutz schreibt:

    Ich sehe das genauso wie du. Das Eine ist die Situation im Land , das Andere ist der Fußball. Für die Brasilianer hat Fußball einen viel höheren Stellenwert wie bei uns. Leider ist es für die Brasilianer nicht gut ausgegangen. Was unsere Mannschaft angeht, war es wirklich Teamgeist. Selten sieht man so eine Mannschaft bei der jeder mitzieht. Auch gestern bei der Ankunft sah man das wieder. Unser Team war ein Vorbild für unsere Kinder. L.G.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Und, lieber Lutz, warst du in Berlin? Über einige Aspekte der Feier kann man geteilter Meinung sein, aber die Begeisterung der jungen Leute finde ich nach wie vor sehr beeindruckend. Möge das eine positive und nachhaltige Wirkung behalten 🙂 .

      LG Anna-Lena

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