Stefanie-Lahya Aukongo: Kalungas Kind – Wie die DDR mein Leben rettete

Mein heutiger Lesetipp

Stefanie-Lahya Aukongo ist eine außergewöhnliche Frau mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte.

Ihre schwangere Mutter Clementine wurde im Mai 1978 bei einem Massaker im namibischen Flüchtlingslager Cassinga schwer verletzt. Mit mehreren anderen Verwundeten wurde sie im Rahmen einer Solidaritätsaktion zwischen der SWAPO und der DDR zur medizinischen Behandlung in die DDR ausgeflogen.

Im September 1978 kommt Stefanie im Klinikum Berlin-Buch zur Welt und erhält den Namen einer deutschen Krankenschwester – Stefanie. Sie gelangt als Pflegekind in die liebevolle Obhut der Familie Schnieder, die sich aufopferungsvoll um das behinderte Mädchen kümmert, bis ihre leibliche Mutter so weit hergestellt ist, dass beide nach Namibia zurückkehren können.

Stefanie und ihre Mutter kommen in ein angolanisches Flüchtlingslager und die Pflegefamilie erfährt bald, dass Stefanie dort nicht überleben kann. Sie lassen nichts unversucht, um Stefanie zurück zu bekommen. Im Januar 1981 kehrt Stefanie, mehr tot als lebendig, in ihre Pflegefamilie zurück.

Ihr weiteres Leben verläuft zwischen zwei Welten und Kulturen, die gegensätzlicher nicht sein können. Die DDR gibt es nach der Wende nicht mehr und die Menschen dort, auch Stefanie, müssen sich in vielen Dingen umorientieren. Mit vierzehn Jahren reist sie erstmalig nach Namibia. Das Verhältnis zur Mutter bleibt weiterhin problematisch, aber sie lernt ihren Vater und dessen Familie  kennen und den Stamm um ihre Großmutter, der unter den einfachsten Verhältnissen sein Leben bestellt.

Im Laufe ihres weiteren Lebens findet  Stefanie, obgleich mittlerweile deutsche Staatsbürgerin, ihre Wurzeln immer mehr  in der afrikanischen Welt und verbindet ihre Ausbildung, für die sie zielstrebig gekämpft hat, mit den Bedürfnissen des schwarzen Kontinentes.

Ihr Erzählstil ist offen, humorvoll  und von einer Menschlichkeit geprägt, die heute nicht mehr selbstverständlich ist. Sie zeigt auf, was in unserer Gesellschaft immer mehr abhanden kommt: Toleranz, Mitmenschlichkeit und Solidarität.

Das Buch „Kalungas Kind“ ist nicht nur mitreißend. Es ist auch lehrreich für diejenigen, die nicht in der DDR gelebt haben und vermittelt ein wertvolles Stück Zeitgeschichte Südafrikas.

Somit fügt es sich auch in den Rahmen des großen, verstorbenen Nelson Mandela und seine hervorragende Bedeutung für die südafrikanische Geschichte.

©G. Bessen 09/12/13

Buchcover

Das Buch ist 2009 im Rowohlt-Verlag erschienen.
ISBN: 9783499625008
252 Seiten
€ 12,00
Bildquelle und Autorenseite:

http://stefanie-lahya.de/kalungas_kind.html

 

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Vorruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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12 Antworten zu Stefanie-Lahya Aukongo: Kalungas Kind – Wie die DDR mein Leben rettete

  1. kowkla123 schreibt:

    liest sich echt spannend, klaus

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  2. minibares schreibt:

    Liebe Anna-Lena das scheint echt ein gutes Buch zu sein.
    Solche Lebensgeschichten sind immer wieder spannend und einzigartig.

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  3. Träumerle Kerstin schreibt:

    Das klingt sehr dramatisch. Aber man weiß als Leser, dass es ein gutes Ende hat. Solch Geschichten kann nur das Leben schreiben.
    Liebe Grüße von Kerstin.

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  4. Uli schreibt:

    Liebe Anna-Lena !

    Deine Rezension ist Dir gut gelungen ! Du hast mich neugierig gemacht !
    GRUSS!
    Uli

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  5. bruni8wortbehagen schreibt:

    hm, das klingt aber nach sehr guter Lektüre.
    Da muß ich morgen, wenn ich sowieso in die Buchhandlung muß, gleich mal nachsehen, ob es vorrätig ist oder aber in der Gemeindebibliothek, deren Bestand ist nämlich außerordentlich gut.

    Liebe Grüße an Dich, liebe Anna-Lena
    von Bruni an einem etwas trüben Dezembertag

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ja, es ist wirklich gute Lektüre. Solltest du es bekommen und lesen, bin ich sicher, es wird dir gefallen.

      Hier war es auch trübe und nun ist es stockfinster. Das ist Dezember 😳 .
      Liebe Grüße von mir ♥

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  6. Gudrun schreibt:

    Liebe Anna-Lena, für diesen Beitrag möchte ich mich bei dir bedanken. Ja, manchmal ist es gut zu lesen, wie es in der DDR war und was für die, die hier wohnten, wegbrach. Ich möchte nichts beschönigen oder weine Ideologien nach. Nein, es geht um die vielen ganz kleinen Dinge, die in der Summe aber ein großes Stück Leben ausmachen.
    Liebe Grüße ins Lesestübchen

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ich kenne die DDR ja nur von „ferne“, bin aber dankbar für jede Bildungslücke, die ich stopfen kann. Ich wohne ja nicht umsonst seit fast siebzehn Jahren in Brandenburg.

      Über meine KollgInnen habe ich sehr viel erfahren und ich weiß auch, dass es viele gute Seiten in der DDR gab, gerade auch, was soziale und bildungsmäßige Dinge betraf.

      Danke für deinen Beitrag, liebe Gudrun 🙂 .

      Herzliche Grüße ins Spinnstübchen 🙂

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  7. Rana schreibt:

    Ich habe mir gerade das Buch bei „tauschticket“ ertauscht. Danke für den Tipp und viele Grüße von Rana

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