Die Facetten des Winters

aus Anna-Lenas Blickwinkel

Dieser Winter erwischte uns von hinten, durch die Brust ins Auge. Noch vor dem kalendarischen Winteranfang breitete sich die weiße Schneepracht über das ganze Land. Entsetzte Aufschreie hallten durchs Volk – Schon wieder Winter? Der letzte ist doch gerade erst vorbei!

Petrus fragt uns nicht, der Klimawandel ist da und der Wunsch nach weißer Weihnacht wurde uns gewährt. Ganz Deutschland lag friedlich unter einer dicken, persilweißen Schneedecke. Doch ganz soviel Schnee wollten wir auch wiederum nicht haben. Diejenigen, die zu Weihnachten unterwegs waren, mussten  wahrlich lernen, sich in Geduld zu üben.

So mancher kam aus seiner Parklücke nicht mehr raus  und ließ das Auto stehen. Andere  hatten arge Probleme, ihr Auto wieder startklar zu bekommen, um die Urlaubsfahrt fortsetzen zu können (Liebe Ruth, du hast dich tapfer gehalten und keine Kosten und Mühen gescheut, um den Weg quer durchs verschneite Berlin mit öffentlichen Verkehrsmitteln – sofern sie überhaupt fahrbereit sind – zu Clara Himmelhoch zu finden).

Als der Mann an meiner Seite nach Berlin fuhr und nach vielen Geduldsproben und Anstrengungen doch noch einen Parkplatz in der Innenstadt bekam, ahnte er nicht, dass der noch halbwegs intakte Winterdienst die Autos am Straßenrand kaltblütig übersehen würde.

Das Ergebnis nach mehreren Stunden warf ihn fast aus den nicht vorhandenen Pantoffeln:

Als die Sonne  in der Zeit zwischen den Jahren doch das eine oder andere Mal auch in unseren Breiten weilte und die hohen Stiefel ihren Weg durch die inzwischen mächtig angewachsene Schneedecke fanden, versöhnte die wunderschöne Landschaft doch zumindest meine Augen und meine Seele. Unsere Hunde übernahmen kurzfristig die Rolle von  Maulwürfen, war die Schneedecke im Garten doch höher als die Hunde. Und die für sie frei geschaufelten Trampelpfade waren nach dem ersten Tag auch nicht mehr der Top-Hit.

Es blieb weiß und es blieb kalt. Wohl dem, der nicht früh aufstehen und mit der Berliner S-Bahn fahren musste. Fehlendes Streusalz schränkte auch das allgemeine Straßennetz gewaltig ein.

Petrus bekam ein Einsehen, die Katastrophe der bereits eingeschränkten Mobilität vieler Mitbürger nicht bis zum Ausnahmezustand auszudehnen. Er schickte plötzlich Regentropfen, die bereits auf meinen Autoscheiben beim Auftreffen gefroren, mitten auf dem Weg zur Arbeit.

Nach gefühlten Stunden und mit Kopfschmerzen endlich heile angekommen, war der Fußweg vom Parkplatz zum Schulhaus ein neuer Abenteuerspaziergang. Während der Regen unaufhörlich prasselte und dann in dichtes Schneetreiben überging, kam die Anweisung, die Schüler wegen des Glatteises nicht in die große Pause zu lassen. Die Schule wurde  kurzzeitig zum Knast ohne Freigang und hunderte Schüler, die sich in der großen Pause nicht die Beine vertreten konnten, machten die nachfolgenden Stunden zu einer Tortur für alle. Währenddessen wurden die Sirenen von Feuerwehr und Polizei zur dauerhaften Außenbeschallung und der Gedanke, wie man wohl selbst sicher nach Hause komme, legte sich wie ein Virus in die Magengrube. Die Aussicht, lange Unterricht zu haben, bekam plötzlich einen ganz anderen Stellenwert, denn irgendwann würde sich bei steigenden Temperaturen die Lage hoffentlich entspannen.

Nach einer gefühlten weiteren Unendlichkeit zu Hause angekommen, war die Spitze des Eisberges im wahrsten Sinne erst mal erreicht.

Nun tropft es mächtig vor sich hin. Ganze Massen nassen Schnees fallen hin und wieder laut krachend von den Dächern. Es empfiehlt sich also, gelegentlich den Blick nach oben zu richten, ob eine Schneelawine oder nur ein aus dem Fenster geworfener Weihnachtsbaum im Anflug ist.

Das ganze Ausmaß fand ich heute in Berlin. Graue, matschige Schneehaufen, fast bis zur Unkenntlichkeit verdreckt. Der schmelzende Schnee bringt jedoch auch Anderes ans Licht.

Nachdem, was ich heute so sah, schien nicht nur das Streusalz knapp geworden zu sein, sondern auch die besagten Tüten  für Hundeexkremente. Weitere Einzelheiten dazu erspare ich mir an dieser Stelle. Und Berlin hat in der Silvesternacht ordentlich gefeuerwerkelt. Die im Schnee versunkenen Reste zeigen sich auf mannigfache Weise an den unterschiedlichsten Stellen. Die Wahrheit der verballerten Euronen in unbekannter Höhe kommt so nach und nach ans Licht.

Am Wochenende erwarten wir weitere Plusgrade. Die Schneeketten können getrost erst mal zur Seite gelegt werden und wer ein Schlauchboot hat, sollte es für den Ernstfall startklar machen, denn die Schneemassen wollen in flüssiger Form auch irgendwo bleiben.

In diesem Sinne, habt ein schönes Wochenende! Wir müssen es  im Zweifel aussitzen :-).

Anna-Lena

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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37 Antworten zu Die Facetten des Winters

  1. freidenkerin schreibt:

    Lässt die Natur ihre Muskeln spielen, dann werden wir Menschen trotz aller „Zivilisation“ und technischen Errungenschaften mit einem Male wieder ganz, ganz klein und ziemlich wehrlos… 😉
    Dir und deinen Lieben auch ein schönes und erholsames – und wettermäßig nicht gar zu greusliches – Wochenende!

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  2. Himmelhoch schreibt:

    Ach Anna-Lenchen, ich leide richtig mit dir mit, weil du dich ja bei Wind und Wetter in das Schneegetümmel stürzen musst, denn wir wollen doch nicht den Bildungsnotstand ausrufen, sonst sind wir ja bei Pisa’s noch mehr Neese.
    Sooooooooooo lange kann es nun auch nicht mehr dauern, halte durch!
    LG Clara

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  3. fudelchen schreibt:

    Das ist einfach klasse geschrieben und bebildert.
    Momentan schaut es draußen gar nicht schön aus. Alles grau, schmutzig und dennoch Schneemassen.
    Zum Glück brauchen wir uns vor Hochwasser nicht zu füchtern, die Talsperren im Harz sind gerüstet und unsere kleine Fuhse kann sich über viel Wiesenlandschaft legen, da kann das Gummiboot im Keller bleiben.
    Ich wünsche dir einen Samstag in trockenen Tüchern und voller Gemütlichkeit.

    Herzlichst ♥ Marianne

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  4. Karl schreibt:

    schöner Situationbericht. Wie heißt es so schön: da müssen wir durch 🙂
    liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    karl

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  5. quersatzein schreibt:

    Deine Winterbeschreibung ist spannend, detail- und bilderreich (ganz wörtlich).
    Ach ja, man kann ihn mögen oder nicht, den Winter – er hat das Sagen…
    Komm gut und unbeschadet durch die nächsten Schneewehen, Anna-Lena!

    Gruss ins Wochenende,
    Brigitte

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  6. gerda schreibt:

    aber ein gutes hatte der winter doch. du hast wunderschöne fotos gemacht.
    alles liebe dir
    gerda

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  7. rosadora schreibt:

    es kommt, wies kommen muss, liebe anna-lena.
    das wetter ist mal gegner und mal freund.
    fast immer finden es die menschen extrem, obwohl…
    naja, du hast ja ausführlich berichtet.

    ein wochenende ohne schlauchboot
    wünscht dir rosadora

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  8. zeitreisen schreibt:

    Ja, Anna-Lena, diejenigen, die raus müssen und nich warten dürfen, bis sich die Wetterlage entspannt, sind nicht zu beneiden. Aber dann gibt es ja auch noch die, die zu Hause bleiben könnten, es aber nicht tun. Mit Krückstock oder Gehhilfen bewaffnet wird über spiegelglatte Bürgersteige geeiert und sich gewundert, dass das nicht gut geht. Ich weiß wovon ich rede, meine Omi war auch immer ein von ihnen…
    Hab dennoch ein schönes Wochenende,
    Monika

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  9. Gedankenkruemel schreibt:

    Ganz wundervoll geschrieben (wie immer)

    Vor den grauen, matschigen Schneehaufen die hier später
    ja auch mal kommen graut mir.
    Aber auf deiner Bank (Schnee bissel weg wischen) könnte
    ich mir denken zu verweilen 🙂

    Ein schönes Wochenende dir und deinen Lieben
    Elke

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  10. skriptum schreibt:

    Heute war es draußen schon fast wie Frühling. Aber nach Ansicht Deiner Fotos habe ich kalte Füße.

    Toll. Danke dafür! *nöl

    ;o)

    Schöne Impressionen, liebe Anna-Lena!

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  11. Träumerle Kerstin schreibt:

    Hach, hast Du das wieder fein formuliert. Genauso war es in den vergangenen Tagen ja auch bei uns.
    Der Weg in die Aue eine Eispiste. Und überall die Häufchen! Nun taut es unaufhörlich und die Sonne kam sogar kurz durch.
    Ich wünsche Dir ein erholsames Wochenende und hoffentlich bald wieder freie Straßen.
    Liebe Grüße von Kerstin.

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  12. GZi schreibt:

    Ja, liebe Anna-Lena, hier auch, Tauwetter und wahrlich kein schöner Anblick. Gleichwohl ertrage ich lieber die tauenden schmutzigen Berge, die dann bald ein Ende finden, als dass sie wieder sauber weiß würden! Bereits letztes Jahr war ich entsetzt, was viel an Knallzeug und Hundehaufen ja erst im März/April aus dem Schnee zum Vorschein kamen. Als ob die Tüten im Schnee nicht zu benutzen wären *mit den Schultern zuckt*

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    • Anna-Lena schreibt:

      Meinst du, der tauende Schnee bedeutet auch das Winterende?
      Das wäre zu schön, um wahr zu sein.
      Ich habe eher Sorge, das Ganze geht bald von vorne los 😦 …

      Liebe Wochenendgrüße zu euch ;-).

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  13. Elisabeth schreibt:

    Danke dir, liebe Anna-Lena!

    Wunderschöne Winterbilder hast du in Wort und Bild veranschaulicht! 🙂
    Wir hatten zwar nicht so viel Schnee in Wien wie ihr, aber einmal war es doch eine ganze Menge, und mein Auto sah – nachdem die Schneeräumung vorüberfuhr – noch um einiges schlimmer aus, zugeschüttet mit dreckigem Schnee 😆 Es taut… alles… *lächel*

    Herzliche Grüße von Elisabeth

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  14. april schreibt:

    Die Natur zeigt eben auch uns in unserem ach so ‚zivilisierten‘ Westeuropa, dass sie nicht beherrschbar ist. Köln rüstet sich für ein großes Hochwasser … aber letztendlich entscheidet der Rhein, wie weit er mal in die Stadt hineingucken möchte 😉

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    • Anna-Lena schreibt:

      Da hat sich Vater Rhein mit Mutter Oder verabredet? Die steht auch schon in den Startlöchern.
      Also doch das Schlauchboot startklar machen ;-).
      Wie sagt man jetzt am besten?

      Hol über !

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  15. minibares schreibt:

    Immerhin ist auf dem vom Schneeschieber vollgesauten Auto ein Herzchen zu sehen. Also alles nur halb so schlimm, offensichtlich 😉
    Das muss in der Schule ja echt schlimm sein, wenn die Schüler nicht raus dürfen.
    Wir haben unseren Wagen, nachdem wir bei der Rückkunft 40 Minuten gescheppt hatten, um ihn in die Garage zu bekommen, drin gelassen. Haben den Bus genommen. Das war echt einfacher.
    Unsere Sackgasse ist erst heute fast frei geworden. Es war ein Gewackel, wenn da ein Auto drüber fuhr, das war Abenteuer pur.
    Was jetzt mit dem Hochwasser wird, das ahnen wir wohl bisher nur….

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    • Anna-Lena schreibt:

      Liebe Bärbel,
      was suchst du denn im Spam-Ordner? Sooo glatt ist es nicht mehr und noch ist alles hochwasserfrei.
      Im Ernst, ein wenig Bedenken habe ich schon. Warten wir es ab.

      Liebe Grüße zu dir ;-).

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  16. buchstabenwiese schreibt:

    Liebe Anna-Lena,

    genau so ist es. Was habe ich für ein Glück, dass ich da nicht mit dem Auto fahren musste. Bei euch war/ist sicher alles noch viel schlimmer gewesen als bei uns.
    Hier ist mittlerweile alles komplett weggetaut. Nur noch ganz ganz winzige dreckige Schneefleckchen erinnern an den Schnee. Und wir hatte ziemliches Glück, dass hier nicht alles so vereist war wie bei euch. Ein wenig geschlittert sind wir natürlich auch, als es von Schnee in Regen überging, nachts mal wieder frierte und so, aber es hielt sich wirklich in Grenzen. Wir hatten das mit dem Glatteis mal so zwischendurch, da bin ich über die Felder durch Schnee gelaufen, um nicht auf den Feldwegen auszurutschen. Auf die Schneelawinen vom Dach mussten wir auch aufpassen. 🙂

    Liebe Grüße,
    Martina

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  17. Federwelt schreibt:

    Eigentlich sind wir’s nur nicht mehr gewohnt, einen so urmächtigen Winter zu erleben. Die Skandinavier oder, viel näher, die Bewohner in Harz, Schwarzwald, Alpenländern, sie alle belächeln uns schon ein wenig. Für sie ist es ein ganz normaler Winter und ehrlich gesagt, nach den ersten Tagen der Eingewöhnung fand ich die Schneezeit auch ganz toll und war und bin fast ein bisschen traurig, dass nun alles wieder weggetaut ist.
    Ein bisschen war’s doch fast wie eine Märchenwelt – heller, stiller, sauberer, zumindest außerhalt der Städte.

    Sehr schön geschrieben, dein Essay. Es hat Spaß gemacht, es zu lesen.

    Lieben Gruß und einen schönen Sonntagabend
    Elana

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ich empfinde ähnlich, liebe Elena. Von mir aus kann der Winter noch mal kommen, solange es keine gravierenden Behinderungen im Straßenverkehr gibt. Ich bin leider aufs Auto angewiesen.

      LG Anna-Lena

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  18. Simone schreibt:

    Ich bin froh, dass ich jetzt solange Urlaub hatte und von der Autofahrerei weitgehend verschont geblieben bin. Ich fahre nämlich gar nicht gerne bei Schnee und noch weniger bei Glatteis.
    Hatten wir vor zwei Tagen doch noch eine weisse Pracht in Unmengen, so ist jetzt fast alles weg. Am Samstag hatten wir 15 Grad, das muss sich mal ein Mensch vorstellen. Einen Tag zuvor -6 Grad. Irre. Hätte mich an die Frühlingstemperaturen gut gewöhnen können 🙂
    Aber, naturgemäß ist es eben so, dass es im Winter kalt ist und es Schnee geben kann und im Sommer eben warm. Daran sollten sich die Menschen mal wieder gewöhnen 😉

    LG Simone

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  19. Traveller schreibt:

    eine treffende Zusammenfassung des bisherigen Winters, liebe Anna-Lena !

    wir waren froh über das Tauwetter am Wochenende – mussten wir doch an beiden Tagen „auf die Piste“ sowohl zu Freunden als auch zum Geburtstag der Schwiegermutter
    erstaunlich, was sich alles jetzt wieder zeigt, nachdem die weißen Massen sich in die letzten schattigen Ecken verzogen haben (und die grauen Haufen sacken auch langsam in sich zusammen)

    lieben Gruß
    Uta

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  20. Ruthie schreibt:

    Liebe Anna-Lena,
    das hast du sehr schön geschrieben und genau auf den Punkt gebracht! (Danke für die Erwähnung 😉 ) Die Bilder sind auch klasse!!

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