Eckpunkte

Nie werde ich den Tag vergessen, an dem wir den Geburtstag einer Kollegin mit einem gemeinsamen Ständchen besingen wollten. Mittendrin wurde sie ans Telefon gerufen, schnappte sich ihren Mantel und rannte mit besorgtem Gesicht los. Später erfuhren wir, dass ihr Vater im Krankenhaus lag. Sie kam gerade noch rechtzeitig, um sich von ihm zu verabschieden, bevor er die Augen für immer schloss.’Wie grausam‘, dachte ich damals. ‚Das wird man nie mehr los, wenn jemand, der einem so nahe steht, am eigenen Geburtstag stirbt.

Viele Jahre später, genau vor zehn Jahren, betraf es uns ebenfalls. Mein Vater starb am Geburtstag meines Mannes. Leben und Tod gehören zusammen. Aber in der unmittelbaren Betroffenheit sieht das immer anders aus.

Da mein Mann und ich kurz nacheinander Geburtstag haben, war sein Geburtstag eher immer der Tag, an dem wir zum Friedhof gingen und danach mit der Familie zusammen waren. Und nach meinem Geburtstag haben wir beide Geburtstage zusammen gefeiert

In diesem Jahr war das anders. Wir haben in den Geburtstag meines Mannes hinein gefeiert. Anfangs hatte ich ein wenig Bauchschmerzen damit. Aber nachts gegen halb zwei, die Zeit, zu der mein Vater die Augen für immer schloss, habe ich fest an ihn gedacht und ich glaube, er hätte mir geantwortet: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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31 Antworten zu Eckpunkte

  1. rosadora schreibt:

    ein tag, an dem ein lieber mensch gestorben ist, wird umsomehr erinnert, wenn es der tag des eigenen geburtstags ist. einen x-beliebigen tag könnte man schon eher einmal vergessen.
    aber sterbetag und geburtstag – ist das nicht ein schöner lebenskranz, der alles enthält, sich rundet zu einem ganzen.
    und es fällt mir dazu ein:
    Alles geben die Götter, die unendlichen,
    Ihren Lieblingen ganz,
    Alle Freuden, die unendlichen,
    Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.
    Goethe
    freuden und schmerzen
    leben und sterben
    das ganze leben
    ganz

    liebe grüsse
    rosadora

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  2. Jouir la vie schreibt:

    Solche schweren Momente sind niemals einfach zu verkraften. Und ich denke mal, es ist schon richtig im Sinne des verlorenen Menschen zu handeln…

    Sei lieb gegrüßt
    Kvelli

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  3. Elisabeth schreibt:

    Liebe Anna-Lena,

    das habt ihr gut gemacht… *lächel* Ich hatte heute Morgen ganz den selben Gedanken… weil der Bruder einer lieben Freundin von mir gestern, kurz nach ihrem Geburtstag, gestorben ist…
    Leben und Tod… das eine kann ohne das andere nicht sein und ergibt ein Ganzes…
    Ich selbst bin am Todestag meines eigenen Bruders nicht mehr traurig, weil er das nicht gewollt hätte, er war immer ein so fröhlicher, strahlender Mensch… und in meinem Herzen und in meinen Gedanken bleibt er lebendig… und ist immer da…

    Fühl dich lieb umarmt, Elisabeth

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  4. fudelchen schreibt:

    Der Todestag meines Vaters hat die gleiche Zahl wie mein Geburtstag und beerdigt wurde er am Geburtstag meines Mannes Mannes, das war lange Zeit schon recht eigenartig, aber jetzt ist immer nur noch ein kurzer Gedanke.

    GLG Marianne 🙂

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  5. bruni kantz schreibt:

    Eltern sind doch verständige Wesen, auch wenn sie schon gestorben sind.
    Dein Vater weiß, daß Du nicht nur an einem einzigen Tag an ihn denkst. Die, die wir mochten, die wir liebten, denen wir in Liebe verbunden waren, bleiben uns immer.

    Wir können sie berühren, so oft wir wollen. Einen Erdenkörper brauchen sie dazu nicht.
    Unsere Gedanken sind stark genug.
    LieberGruß von Bruni

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  6. Quer schreibt:

    Das denke ich auch, Anna-Lena. Das Leben steht an erster Stelle. Und das Gedenken sollte nicht abhängig gemacht werden vom Tag, sondern vom Gemüt.

    Liebe Grüsse,
    Brigitte

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  7. Himmelhoch schreibt:

    Du hast recht – er hätte dir geantwortet: „Gaby, geh mal jetzt zu deinem Mann und eurer Feier, dort gehörst du jetzt hin!“
    Ich finde es schön, wenn an dem Todestag eines lieben Menschen ein Kind geboren wird, um den Zusammenhang von Leben und Tod richtig zu zeigen!
    GLG von Christine

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  8. freidenkerin schreibt:

    Freud und Leid liegen oftmals so sehr nahe beisammen…
    Vor zwei Jahren hatte mein lieber Papa meinen Geburtstag vergessen. Ich machte mir keinen Kopf deswegen, damals ist er schon seit sehr langer Zeit sehr krank gewesen. Am nächsten Tag rief er mich abends an und entschuldigte sich so sehr für sein Versäumnis. Ich beruhigte ihn, wir sprachen eine geraume Weile fröhlich, liebevoll und aufgeräumt miteinander. Wieder einen Tag später hat er sich am späten Nachmittag friedvoll und mit einem sanften, wunderschönen Lächeln auf dem mageren Gesicht in den Himmel hinein schlafen dürfen…

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  9. Ich weiß, dass unsere Eltern sich auf ihrer Wolke freuen, wenn sie uns glücklich sehen. An jemanden zu denken, ist nicht (nur) abhängig von bestimmten Tagen. Und warum sollen wir nicht fröhlich an unsere Eltern denken, gerade wenn sie ein gutes und langes Leben hatten?

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  10. skryptoria schreibt:

    „Aber in der unmittelbaren Betroffenheit sieht das immer anders aus.“

    Das genau ist der Punkt! Wenn ich jemanden tröste, weil er sich verabschieden musste, schaffe ich das meist mit ganz vielen „schlauen Weisheiten“. Genau wissend, dass mich all die schönen Worte selbst vermutlich nie trösten können, wenn ich mich von zwei bestimmten Menschen irgendwann verabschieden muss. Allein der Gedanke daran …

    Und doch sollte man immer bedenken: Für die Hierbleibenden ist es immer viel schlimmer, als für diejenigen, die gehen. Vermutlich.

    Dein Paps hat bestimmt ein Auge auf Euch gehabt und sich gefreut. Über Eure Gedanken an ihn und darüber, dass es Euch gut geht!

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  11. Frau Momo schreibt:

    Ich denke, es ist wichtig, den geliebten Menschen im Herzen zu behalten, nicht an einem bestimmten Tag an ihn zu denken.
    Hätte Dein Vater gewollt, das Dein Mann sozusagen fortan auf seinen Geburtstag verzichtet? Ganz sicher nicht.
    Dein Vater hat einen Platz in Deinem Herzen, alles andere finde ich nicht so wichtig.

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  12. Anna-Lena schreibt:

    Ihr Lieben,

    Eure lieben Worte tun so gut. Dafür danke ich Euch von Herzen, besonders denjenigen, die Erfahrungen in ähnlicher Form gemacht haben, wie Elisabeth, Fudelchen und die Freidenkerin.

    Ich denke viel an meinen Vater, weil ich auch sehr an ihm gehangen habe. Das Denken an ihn ist auch unabhängig von diesem Todestag und meine Besuche an seinem Grab sind auch meist spontan, nämlich dann, wenn ich es möchte und mir danach ist.

    Er hatte leider nicht das Glück, plötzlich und friedlich einzuschlafen, sondern ist Tag für Tag ein bisschen mehr gestorben. Wir waren bis fast zum Schluss ständig bei ihm.
    Diese letzten Tage waren sehr schlimm und die Gedanken holen mich an diesem Todestag immer wieder besonders ein.
    Aber sie verblassen und das Leben geht weiter

    Wäre er noch am Leben, hätte er mit gefeiert ;-).

    Mit herzlichem Gruß
    Anna-Lena

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  13. Gedankenkruemel schreibt:

    Eben, wäre er noch am Leben hätte er mitgefeiert.
    Es ist immer sehr sehr schwer einen
    nahestehenden Menschen gehen zu lassen.

    Wie du schon sagst der Schmerz verblasst mit der Zeit.
    Man trägt sie doch immer im Herzen sie sind immer
    bei uns.
    Herzliche Grüsse
    Elke

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  14. minibares schreibt:

    Wenn ihr nun an seinem Todestag den Geburtstag endlich mal feiert, so heißt das ja nicht, dass ihr nicht an ihn denkt. Und das weiß er da oben.

    Es ist gut, dass ihr es tut.
    Er wird lächeln und sagen: endlich!
    Leben und Tod gehören einfach zusammen.

    Seit ich den Bestatterblog kenne, und auch schon vorher, beschäftige ich mich mit dem Tod und der Beerdigung. Mein Mann und ich sind uns einig, wie wir beigesetzt werden möchten.

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  15. dorosgedankenduene schreibt:

    Ja es ist richtig und gut, wie ihr es gemacht habt und ich kann mich nur anschliessen, er hätte es so gewollt, hundertpro. Ich halte es so wie du, ich gehe nicht zum Friedhof weil ich muss, sondern weil ich will und wann ich will. Und am Todestag holen einen die Erinnerungen doch meist mehr ein als an anderen Tagen, weil man dann eben diesen tag meist noch mal in Gedanken erlebt. So geht es mir jedenfalls. Und wer sucht sich schon den tag aus, an dem er gehen muss? Doch wohl niemand. Mein Vater starb an dem Tag an dem mein Schwiegervater Geburtstag gehabt hätte (hätte weil er ein Jahr vorher starb) und dann mussten wir uns wortwörtlich von meinem Schwiegermonster anhören, daß mein Vater sich ja auch einen anderen Tag hätte aussuchen können. Da fällt einem nichts mehr zu ein, oder?

    Lieben Gruß Doro

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    • Anna-Lena schreibt:

      Liebe Doro, so einen Spruch hätte meine Schwiegermonstermutter auch drauf. Wir haben sie vor vielen Jahren, als sie noch in Bad Harzburg lebte, besucht (etwa drei Jahre bevor mein Vater starb). Da sagte sie leise zu meinem Mann:“DER macht ja auch nicht mehr lange.“ Meinem Mann sind fast die Gesichtszüge entglitten. Er hat zum Glück die Gene seines Vaters.

      Liebe Grüße zu dir,
      Anna-Lena

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  16. Brigitte schreibt:

    Das habt ihr richtig gemacht! Es gehört halt einfach zusammen: Das Leben und auch der Tod. Und einen lieben Gedanken an deinen Vater geschickt – er hätte sich sicher gefreut, dass ihr das so gehalten habt.

    Lieben Gruss, Brigitte

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  17. Träumerle Kerstin schreibt:

    Liebe Anna-Lena, so ähnlich geht es auch andersrum. Ich hab mit meiner Mam am selben Tag Geburtstag. Sollte sie irgendwann in weiter Zukunft nicht mehr bei uns sein, werde ich nie wieder so Geburtstag feiern können wie bisher – sie wird immer an diesem Tag fehlen.
    Liebe Grüße von Kerstin.

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  18. Coralita schreibt:

    Liebe Anna-Lena,

    auch wenn ich Deinen Vater nicht persönlich gekannt habe, so denke ich doch, dass es auch gar nicht in seinem Sinne gewesen wäre, dass Du an seinem Todestag bzw. am Geburtstag Deines Mannes trauerst. Ich weiß nichts über seinen Charakter. Aber er hat Dich geliebt. Und Menschen, die man liebt, wünscht man alles Liebe …

    Eine Umarmung,
    Coralita

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  19. vivi schreibt:

    ja Leben und Tod sind immer schon sehr in Verbindung gewesen. Man sagt ja oft, dass wenn jemand stirbt, in der selben Minute irgendwo ein neues Kind auf die Welt kommt. Gut dass man den Toten gedenkt, aber die Lebenden duerfen sich deshalb auch nicht vergessen.

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  20. GZi schreibt:

    Es stimmt, Leben und Tod gehören zusammen wie ja auch Freud und Leid. Man braucht keinen Ort oder Tag, um sich zu erinnern, wenn man aber einen Ort oder einen Tag hat, an/mit dem man sich auch wohl fühlt ist es um so schöner. Manchmal kommen Erinnerungen überraschend, manche fühlen sich auf einem Friedhof wohl, andere nicht. Und ich bin auch sicher, bei meinem würden meine Oma oder/und Mutter mahnen, bei manchem lächeln und bei noch anderem sagen „na und?“ und im Pkattdeutsch hört es sich leichter an: „Schiet druff“ á la: ist doch egal oder man muss die Feste feiern wie sie fallen, deshalb denkst Du ja nicht weniger daran….!

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  21. Mamü schreibt:

    Liebe Anna-Lena,

    ich kann dich gut verstehen. *dich mal lieb drück*
    Aber, ich denke, es ist gut so und dein Vater hat sich bestimmt für euch gefreut.

    Vor fünf Jahren, an dem Geburtstag meines Vaters sind mein Paps und ich zu meiner Mutter ins Leichenschauhaus gefahren, um sie noch ein letztes Mal zu sehen. Das war schon irgendwie komisch, meinem Paps an dem Tag zum Geburtstag zu gratulieren, mit dem Wissen, dass meine Mutter tot daliegt.
    Mein Paps ist dann im November vor zwei Jahren genau auf Allerseelen nach langer Krankheit gestorben, was vielleicht irgendwie passend war.
    Das sind Dinge, die man nie vergisst. Und immer wieder gibt es Momente, in denen das alles plötzlich wieder präsent ist.

    Liebe Grüße an dich,
    Martina

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    • Anna-Lena schreibt:

      Liebe Martina,
      da hast du deine Eltern so schnell hintereinander verloren, das ist hart.
      Ich danke dir für deine persönlichen Erfahrungen und drück dich auch mal ganz doll.

      Herzlich
      Anna-Lena

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  22. chinomso schreibt:

    So viele schöne und liebevolle Gedanken.
    Die würden/werden auch deinen Vater freuen.

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  23. Traveller schreibt:

    dem Tod und den Gedanken daran weichen wir ja gerne aus (ich schließe mich da ein)
    und wenn Feiertage und Todestage zusammenfallen, ist dieses Ausweichen schwierig
    aber das Leben hat für mich immer Vorrang
    das heißt ja nicht, dass man den Verstorbenen vergisst

    lieben Gruß
    Uta

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