Im Namen…

Die liebe Frau Tonari hat mir in der Woche vor Ostern diese Karte geschickt und somit meine Kartensammlung der ‚Stummen Impulse‘ wesentlich bereichert. Ich habe mich sehr darüber gefreut, liebe Frau Tonari und danke dir hier noch einmal sehr dafür  :-).

So sehr solche Karten auch belustigen – denn wir Lehrer sind häufig ein Opfer  diverser mehr oder weniger übler Nachreden ( man denke an die vielen Ferien 😉  oder auch das Dilemma klimakteriumsgeschädigter Lehrerinnen in der Serie „Klimawechsel“ 🙂 ) –  so sollte man den tatsächlichen  Ernst eines solchen Spruches nicht vergessen.

Im Namen…

Im Namen des Volkes werden Menschen verurteilt, die gegen  geltende Gesetze verstoßen. ‚Das Volk‘ erfährt allerdings meist wenig davon, wer in dessen Namen für kurz oder lang hinter Gittern verschwindet. Dank der Medien erfahren wir so Einiges und ob ‚das Volk‘ sich mit dem Strafmaß einverstanden erklärt, interessiert auch nicht wirklich.

Vieles in unserem Land wird bestraft, aber viele Delikte sind nach wie vor ein Tabuthema oder ein Thema, bei dem man lieber wegschaut, damit man sich selbst nicht in Schwierigkeiten bringt. Meldungen über verwahrloste Kinder in Wohnungen, von Nachbarn umgeben, machen fassungslos.Verstorbene in Wohnungen werden oft erst entdeckt, wenn der Verwesungsgeruch die Nachbarn aufschreckt.

Niemand will etwas bemerkt haben. Körperliche und seelische Gewalt an Kindern ist ein noch sensibleres Thema. Bekommt man etwas davon mit, will man sich nicht unbedingt in die Erziehung anderer Menschen einmischen. Die Körperstrafe per Hand oder einem Gegenstand war in der Kindererziehung lange Zeit erlaubt und ist heute verboten.

Seit 2000 ist auch das Züchtigungsrecht durch eine Änderung im BGB abgeschafft. Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Doch wie oft hört man Sprüche wie ‚Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen‘ oder ‚Eine ordentliche Tracht Prügel hat mir auch nicht geschadet‘. Körperstrafe ist verboten ebenso wie Gewalt in der Ehe. Beides geschieht tagtäglich und wird geduldet und  noch viel zu häufig hingenommen. Beides wird zu wenig geahndet und hinterfragt. Wir ein Mädchen vergewaltigt und findet den Mut, zur Polizei zu gehen, muss es sich quälenden Verhören aussetzen und findet nur selten angemessene Hilfe.

Im Namen der Kirche sind jahrhundertelang Greueltaten geschehen, die in den Augen der Kirche immer ihre Berechtigung fanden. Auch das heutige Gesicht der Kirche passt  nicht mehr in die Wirklichkeit. Grundsätzliche Dinge zum Wohl der Menschen wie Verhütung in Entwicklungsländern oder der Gebrauch von Kondomen in von AIDS gezeichneten Ländern, stoßen bei der Amtskirche immer noch auf taube Ohren. Und das in einer Zeit, in der der Priesternachwuchs drastisch sinkt, die Orden kaum noch Nachwuchs haben. Ist es da ein Wunder, dass immer mehr engagierte Katholiken der Kirche den Rücken kehren?

Die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sind der Dauerbrenner in den Medien. Und jeder neue Skandal ist ein gefundenes mediales Fressen, sicherlich auch für Trittbrettfahrer, die nun ihre Chancen sehen, ihren Frust an dieser Kirche abzulassen. Es gibt sie sicher, diese Fälle, das ist schockierend, aber es gibt sie auch in vielen Familien, deren Dunkelziffer niemand je kennen wird.

Die Wenigsten werden dafür bestraft werden. Viele Fälle sind verjährt.

Vieles ist schon immer in der Kirche unter den Tisch gekehrt worden, ohne großes Aufsehen, doch  zum  Leid der Betroffenen, wie die Frauen, die von einem Priester schwanger waren, Priester, die dem Zölibat nicht Stand halten konnten und sich von heute auf morgen für oder gegen ihren Beruf entscheiden mussten

Zum diesjährigen Osterfest haben sicher viele erschütterte Katholiken auf ein klärendes Wort, eine Stellungnahme aus Rom gehofft, doch vergebens. Der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, stellte sich ausdrücklich hinter den Papst, der wegen des Skandals mehrfach persönlich angegriffen worden ist. „Das Volk Gottes werde auf Geplapper nicht hören“, bekräftigte Sodano.

Dem ist kaum noch etwas hinzuzufügen.

Kinder haben keine Lobby. Aber sie haben ein Recht auf eine auf Vertrauen basierende Erziehung, gewaltfrei, ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen. Wir alle sind in der Verantwortung, den Kindern dieses Recht zu ermöglichen, zu erhalten und zu schützen. Wir sind in der Verantwortung, genau hinzusehen und hinzuhören und schnellstens zu handeln, wenn das Recht der Kinder mit Füßen getreten wird, im Namen der Kinder.

© Anna-Lena

Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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32 Antworten zu Im Namen…

  1. Brigitte schreibt:

    Ganz recht, kein klärendes Wort! Man schweigt einfach gerne! Ich war schon einmal in Diensten der Kirche und könnte ein Lied davon singen. Es geschieht und geschah Unglaubliches, das man eigentlich gar nicht glauben mag. Doch, ich glaube das schon und wenn das noch lange dauert, bis hier endlich Klartext geredet wird, dann weiß ich, was ich zu tun habe.

    Züchtigungen, das war wirklich an der Tagesordnung, und auch ich erinnere mich an Kopfnüsse, Schläge mit dem Lineal während des Unterrichts etc.

    Was mich jedoch sehr angegriffen hat, war, dass ein kleines Mädchen kürzlich sterben musste, weil das Jugendamt einem Nachweis aus der Nachbarschaft einfach nicht nachgegangen ist. Das fand ich ganz unglaublich!

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    • Anna-Lena schreibt:

      Liebe Brigitte,

      auch ich habe lange aktiv in der Kirche gearbeitet und war auch einige Jahre in einem katholischen Internat, Gewalt oder Missbrauch habe ich nie erlebt.

      Trotzdem bin ich vor einigen Jahren aus der Kirche ausgetreten, als ich mich mit dem, was die Amtskirche vertritt, nicht mehr identifizieren konnte. Um zu glauben, brauche ich die Kirche in dieser Form nicht.

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  2. Quer schreibt:

    Ein eindringliches Plädoyer für Menschlichkeit, das du hier einstellst, Anna-Lena. Es ist gut, sich das immer wieder vor Augen zu halten – gerade im Umgang mit Kindern…

    Dank und Gruss zu dir,
    Brigitte

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  3. rosadora schreibt:

    sehr häufig sind sprüche, die belustigen sollen, dumme sprüche und verfestigen sich in den gehirnen besonders derer, die nicht weiterdenken…
    wirf die karte weg und sammle nur wirklich gute, liebe anna-lena.

    einen schönen tag
    rosadora

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    • Anna-Lena schreibt:

      Liebe Rosadora,

      die Karte gefällt mir trotzdem, da ich zu differenzieren weiß. Und wie GZi schreibt, kann sie ein guter Anlaß für Diskussionen sein.

      Ich werde die Karte demnächst mal als Diskussionsanreiz genau über das Thema in einer Klassenleiterstunde in meiner 10. Klasse einsetzen. Mit solchen Karten erfährt man sogar Einiges über die Kinder und wie sie sich in ihrer Umgebung (ob Schule, Elternhaus ) wohlfühlen.

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  4. GZi schreibt:

    Liebe Anna-Lena, wichtige, zum Nachdenken anregende Worte und Beispiele, die Du hier aufführst. Ich denke, es ist ganz wichtig, dies zu jedem Zeitpunkt im Kopf zu haben und an der Verbesserung zu arbeiten und darauf hinzuweisen, was alles getan werden kann und muss. Das ist unsere Verantwortung. Es hat sich schon sehr viel – aber eben noch lange nicht genug – getan zum Wohle der Kinder und zum Wohle der Schwachen, das soll man nicht vergessen.
    @rosadora: auch diese Karte kann ein sehr guter stiller Impuls für Diskussionen und zum Nachdenken sein! Und ich bin ganz sicher, Frau Tonari hat viel weiter gedacht, als Du annimmst und ebenso sicher bin ich, dass Anna-Lena das sehr wohl weiß und schätzt (wie sie darüner hinaus ja auch geschrieben hat!) 😉

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  5. gedankenkruemel schreibt:

    Menschlichkeit,
    Viel zu oft bekommt man das Gefühl, es gibt keine mehr 😦

    All das was du hier aufführst sollte alle wachrütteln und daran erinnern das es aller unser Verantwortung ist.

    Liebe Grüsse
    Elke
    (promocia/gedankenkrümel)

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  6. Follygirl schreibt:

    … Lehrer habens gut… sooo oft und sooo lange Ferien.
    Und außerdem zeigt uns die neue Serie ja gerade genau, was für eine „Sorte Mäuse“ sie auch noch sind…

    Wünsche einen schönen Tag, Frau Lehrerin, liebe Grüße Petra

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  7. Karl schreibt:

    „Nur Menschen
    können Menschen
    Unmenschliches antun“
    (karl miziolek)

    bezüglich der LehrerInnen schweige ich, habe zu viele in meinem Umfeld 😉
    liebe Grüße,
    Karl

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  8. Himmelhoch schreibt:

    Anna-Lena, ich bin hier an einem „spinnenden“ Rechner, deswegen nur kurz: Für deinen Beitrag könnte ich dich knutschen, denn du hast ja so recht.
    LG Clara

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  9. april schreibt:

    *voll-unterschreib* Was die katholische Kirche und ihren Umgang mit den Missbrauchsfällen angeht, da fehlen mir sämtliche Worte. Das alles ist nicht gut für die Moral unserer Gesellschaft; es wird weiter bergab gehen ;-(

    Eine ähnliche Karte habe ich auch mal bekommen: Lehrer haben vormittags Recht …

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  10. Anna-Lena schreibt:

    Danke für eure rege Beteiligung an der Diskussion.
    Im Moment ist das ein Thema, zu dem man nicht mehr schweigen kann.

    Habt ein schönes Wochenende.
    Mit lieben Grüßen
    Anna-Lena

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  11. chinomso schreibt:

    Das ist so treffend formuliert, dass ich da garnichts hinzufügen kann und will.

    Danke.

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  12. ahora schreibt:

    mich erstaunt immer wieder, dass es Menschen gibt, die in den Kindern nicht den vollwertigen Menschen sehen. alleine der Gedanke, dass wir auch einmal Kinder waren genügt für mich schon, ihnen alle Rechte einzuräumen, die ihnen zustehen.
    Dein Eintrag ist sehr interessant. Ich habe ihn gerne gelesen.

    Liebe Grüße
    Barbara

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    • Anna-Lena schreibt:

      Danke, Barbara. Dieses Thema beschäftigt mich derzeit ungemein.

      Liebe Grüße zu dir und euch ein schönes Wochenende
      Ich kann bei Curt derzeit nicht kommentieren, weiß nicht warum :-(.)

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  13. bruni kantz schreibt:

    Eindruckvoll und stark ist er, der Aertikel, jedes Wort trifft.
    Mal wieder fällt mir Bettina Wegners Lied ein:

    Sind so kleine Hände, winz’ge Finger dran.
    Darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann.

    Sind so kleine Füße mit so kleinen Zeh’n.
    Darf man nie drauftreten, könn‘ sie sonst nicht geh’n.

    Sind so kleine Ohren, scharf und ihr erlaubt.
    Darf man nie zerbrüllen, werden davon taub.

    Sind so schöne Münder, sprechen alles aus.
    Darf man nie verbieten, kommt sonst nichts mehr raus.

    Sind so klare Augen, die noch alles seh’n.
    Darf man nie verbinden, könn’n sie nichts versteh’n

    Sind so kleine Seelen, offen und ganz frei.
    Darf man niemals quälen, geh’n kaputt dabei.

    Ist so’n kleines Rückgrat, sieht man fast noch nicht.
    Darf man niemals beugen, weil es sonst zerbricht.

    Grade, klare Menschen wär’n ein schönes Ziel.
    Leute ohne Rückgrat hab’n wir schon zuviel.

    Ich höre die etwas rauhe Stimme, wie sie singt und ihre Aussage wird immer richtig sein.

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  14. bruni kantz schreibt:

    Danke, daß Du es reingesetzt hast, liebe Anna-Lena!

    Es ist ein Lied, welches nie seine Berechtigung verlieren wird.

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