Erkenntnis

Die Erkenntnis traf sie wie ein Faustschlag, mitten ins Gesicht.
Sie erinnerte sich schlagartig an die vielen Momente, in denen sie sich damit abgefunden hatte,  nie ein eigenes Kind mit ihm zu haben. Es lag nicht an ihr, das wusste sie.
Seine Zeugungsunfähigkeit hatte sie nie in Frage gestellt. Sie vertraute ihm. Sie hatte den Schmerz mit ihm geteilt. Gemeinsam hatten sie sich immer wieder damit getröstet, dass sie auch ohne eigene Kinder glücklich seien.

Sie starrte ungläubig in ihre offene Hand.
Das, was sie soeben zufällig in seiner Kulturtasche gefunden hatte, brachte das Gerüst ihrer Ehe  gefährlich ins Wanken. Mit spitzen Fingern öffnete sie den kleinen Mülleimer und warf den Kondom hinein. Lautlos liefen ihr die Tränen über das heiße Gesicht.

Ein eigenes Kind – noch war es dafür nicht zu spät. Gleich morgen  würde sie dem beharrlichen Drängen ihres sympathischen Kollegen nach einer Verabredung nachgeben. Und ein raffinierter Plan nahm Gestalt an.

c/  Anna-Lena

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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23 Antworten zu Erkenntnis

  1. Quer schreibt:

    Du meine Güte, da sind aber sehr viele Fragen offen!
    Da ist etwas gründlich schief gelaufen…

    Unabhängig davon schicke ich dir fröhliche, unkomplizierte Grüsse.

    Brigitte

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  2. Elisabeth schreibt:

    Liebe Anna-Lena,
    diese Zeilen treffen mich ins Herz… und erinnern mich an etwas sehr Schmerzliches… auch bei mir ist es noch nicht zu spät… wenn sich der Mann endlich für mich entscheiden würde… aber das ist auch eine sehr, sehr lange Geschichte…
    Herzliche Sonntagsgrüße zu dir, Elisabeth

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  3. Karl schreibt:

    ob das die Lösung ist des Problems ist?

    liebe Sonntagsgrüße,
    Karl

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  4. syntaxia schreibt:

    Da stört mich die Kleinigkeit, dass in der heutigen Zeit Kondome eben nicht nur zum Verhüten gedacht sind, liebe Anna-Lena!

    Sicher gibt es auch diese Denk- und Vorgehensweisen, die du beschreibst – aber es gruselt mich beim Lesen!

    Hab einen schönen Sonntag!
    ..grüßt dich syntaxia

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  5. rosadora schreibt:

    was sucht sie denn in seiner kulturtasche. das ist ein übergriff, der ärger ist als ein gefundenes kondom.
    da fehlt es an respekt und toleranz. und ein kondom soll dann schuld sein.
    ach, ist das ein kuddelmuddel.

    schöne grüsse
    rosadora

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  6. Himmelhoch schreibt:

    Hallo, ich dachte auch als erstes an Fremdschlafen und Krankheitsschutz, aber dann an Aussprache statt Kollegenschlafen.
    Lieben Gruß von Christine

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    • Anna-Lena schreibt:

      Eine Aussprache wäre naheliegend.

      Ich könnte mir auch vorstellen, dass es Frauen gibt, deren biologische Uhr gewaltig tickt und unbedingt noch ein Kind wollen. Und wenn es mit dem eigenen Partner nicht geht, muss eine andere Lösung her.

      Hab einen schönen Sonntag,
      Anna-Lena 😉

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  7. chinomso schreibt:

    Die geben sich beide nichts. Er ist schon anderswo unterwegs und sie steht vllt. schon länger in den Startlöchern. Die Beziehung ist bereits keine mehr.

    Traurig, dass manche Leute sich selber in die Tasche lügen.

    Geht die Geschichte weiter??
    Ich fänds spannend.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Ja, das sehe ich auch so.
      Fraglich, ob da noch eine Aussprche nutzt.

      Fortsetzung?
      Ich denke mal drüber nach, momentan bin ich durch die Schule knapp in der Zeit – leider :-(.

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  8. Elke schreibt:

    So etwas ist immer schwierig.
    Es gibt keine Patentlösung dafür.
    Jeder reagiert eben anders!

    Lieben Gruss
    Elke

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  9. Follygirl schreibt:

    Mir sind solche Gedanken schon immer ein Rätsel..? Warum muß sich jeder vermehren?
    Egal, — jetzt wird sie sich also FremdSchwängern lassen?

    Wünsche einen guten Sonntag, liebe Grüße Petra

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  10. Elfe schreibt:

    Es gibt keine Zufälle, denke ich, eher ein Stups, statt lautlos zu weinen, das „Kind“ beim Namen zu nennen.
    Liebe Grüsse in den Sonntag
    Elfe

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  11. Lilie schreibt:

    Oh je, da liegt vieles im Argen – ob ein Kind da wirklich die Lösung ist? Aber ich habe Frauen kennen gelernt, die eine Schwangerschaft über alles stellen – für mich eher unverständlich, aber nur so ist die Reaktion der beschriebenen Dame zu verstehen …

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  12. Anna-Lena schreibt:

    Vor Jahren habe ich im Freundeskreis folgendes erlebt:

    Eine Freundin verließ ihren Lebenpartner, weil sie unbedingt ein Kind wollte und er nicht. Sie war Mitte 30 und litt unter schwersten Depressionen. Sie trennten sich, sie zog hunderte von Kilometern weg, aber zu einem neuen Mann mit Kind kam es auch nicht. Nach Jahren ging sie zum ersten Lebenspartner zurück und sie blieben kinderlos.

    Eine andere Freundin lernte einen verheirateten Mann kennen, der mit seiner Frau einen Jungen adoptiert hatte, weil er laut ärztlichem Attest zeugungsunfähig war. Meine Freundin wurde schwanger von ihm, hat das Kind aber nicht behalten wollen, da er vor Schreck zu seiner Frau und seinem adoptierten Kind zurückging.

    Die besten Kuddelmuddel-Geschichten schreibt immer noch das reale Leben :-).

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  13. steffi schreibt:

    oh weh oh weh, das kann nur spannend weiter gehen 😉
    Grüsslis
    Steffi

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  14. Traveller schreibt:

    da graust es mich ja !

    den Plan der Protagonistin würde ich nicht raffiniert sondern perfide nennen
    da ist keine Beziehung mehr vorhanden, und den Kollegen will sie benutzen, um ihr Ziel zu erreichen
    dass sie in die Kulturtasche ihres Mannes greift, kann verständliche Gründe haben (z.B. brauchte sie die Zahnpasta oder was weiß ich)
    aber Schlüsse zu ziehen und Konsequenzen zu planen, ohne mit der anderen Partei auch nur zu reden, nee, das geht gar nicht

    ich kann mir allerdings vorstellen, dass es ähnliche Fälle wirklich gibt

    lieben Gruß
    Uta

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