Flaschenpost (1)

Sie hatten es geschafft. Nach wochenlangem Winter mit Schneefall und Kältewellen drehten sie der Heimat kurzerhand den Rücken und flogen für eine Woche nach Teneriffa, dorthin wo es saftig grün und angenehm warm war.

Sebastian stand an der Balkontür ihres gemütlich eingerichteten Doppelzimmers und sog die frische Meeresluft tief in seine Lungen ein.

„Was für ein Blick, weit und breit kein Schnee!  Und diese Luft, so mild und würzig, ganz anders als zu Hause.“

Melanie betrachtete ihn liebevoll, während sie die Reisetaschen auspackte. Die eine Woche würde ihnen beiden gut tun.

„Komm, lass uns zu Maria laufen. Ich sehne mich nach einem guten Stück Fisch und einem feurigen  Vino Tinto.“

Melanie und Sebastian verbrachten die Weihnachts- und die Osterferien auf der Insel und fühlten sich hier schon wie zu Hause. Hier konnten sie im üppigen Grün der Insel zu jeder Jahreszeit auftanken, lange Wanderungen fernab des Massentourismus unternehmen oder  einfach faul in der Sonne liegen.

Maria empfing sie in ihrem typisch kanarischen Fischlokal mit offenen Armen.

„Ihr seid wohl aus dem strengen deutschen Winter geflohen! Ich habe oft an euch gedacht, wenn ich die Nachrichten aus Deutschland gesehen habe.“

Nach einem üppigen Teller mit frischem Fisch und einem knackigen Salat hatten Melanie und Sebastian den letzten anstrengenden Schultag und den langen Flug bereits vergessen.

Als sie am schwarzen Lavasandstrand Playa Jardin zu ihrer Pension zurückgingen, versank die glutrote Sonne im Meer. Überwältigt von diesem Anblick standen sie minutenlang am Strand und genossen das Wunder der Natur.

„Schau mal“, unterbrach Sebastian die abendliche Stille. „Da liegt eine Flasche.“

Melanie schaute ihn verständnislos an und beobachtete, wie er die Flasche vorsichtig aus dem Wasser hob, bevor die nächste Welle sie wieder wegriss und der Endlosigkeit des Meeres übergab.

„Da ist ein Zettel drin“, antwortete er aufgeregt, wie ein kleiner Junge, der einen kostbaren Schatz gefunden hatte. Er nestelte an dem mit Algen besetzten Verschluss herum, bis er ihn aufhatte und zog den Zettel aus dem Inneren der Flasche.

Fortsetzung folgt…

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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21 Antworten zu Flaschenpost (1)

  1. Jouir la vie schreibt:

    Ach wie schön! Von einer solchen Flaschenpost träume ich auch immer noch, am liebsten mit einer kleinen Schatzkarte drin…
    Sei lieb gegrüßt
    Kvelli

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  2. Himmelhoch schreibt:

    Hallo, ich dachte schon, du erzählst (mir) eine Geschichte von meinem Sohn, aber dann las ich, dass es doch ein anderer Sebastian sein muss.
    Schön zu lesen und gutes Muster für Donnas Schreibprojekt.
    Danke, warte auf die Fortsetzung mit Spannung.
    Danke Christine

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  3. bruni kantz schreibt:

    da bin ich aber gespannt, wie es weitergeht.
    Das ist ja besser, als der Forsetzungsroman aus der Rhein-Neckar-Zeitung …
    LG von Bruni

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  4. Brigitte schreibt:

    Na hoffentlich sind die nicht grad jetzt am Playa Jardin, der Norden Teneriffas soll ja aktuell sehr unter dem Unwetter leiden

    Liebe Grüsse
    Brigitte

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  5. Himmelhoch schreibt:

    Ich nochmal. Per Mail an die angegebene Adresse wollte ich die beiden Bücher bei dir (natürlich mit Widmung, sonst könnte ich ja zu Amazon gehen) bestellen, aber Arcor sagte mir, dass sie nicht zustellen konnten! Was jetzt?

    Lieben Gruß von Christine

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  6. Lilie schreibt:

    Oh, wie spannend – eine Flaschenpost. Da bin ich aber gespannt, wie es weitergeht …
    Lieben Gruß
    Iris

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  7. Quer schreibt:

    Du verstehst es, Spannung aufzubauen.
    Da könnte jetzt alles Mögliche (und Unmögliche) passieren…

    Gruss, Brigitte

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  8. Karl schreibt:

    wann geht’s weiter 🙂
    Liebe Grüße,
    karl

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  9. Anna-Lena schreibt:

    @all:
    Guten Morgen, ihr Lieben,

    Allzu lange spanne ich euch nicht auf die Folter. Heute Abend geht es weiter….

    Herzlichst,
    Anna-Lena

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  10. Eva :) schreibt:

    Super, bin schon gespannt, wie’s weitergeht!

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  11. chinomso schreibt:

    Bitte um Fortsetzung. Bald, wenns geht.
    Das ist spannend und du has ja Ferien und bestimmt enorm viel Langeweile 🙂

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  12. Ocean schreibt:

    Liebe Anna-Lena,

    was für eine schöne Geschichte ..genau der richtige Kontrast zu den Schnee- und Regenmassen hier ..kann mir das südliche Flair so richtig bildlich vorstellen!

    und bin natürlich schon sehr gespannt auf die Fortsetzung!

    Liebe Grüsse an dich,
    Ocean

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  13. april schreibt:

    Das ist aber schön, dass du uns in den Frühling entführst und auch noch andere Sehnsüchte weckst. Damit meine ich jetzt aber die Flachenpost 😉 Wer bekäme eine solche nicht auch mal gerne?

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  14. syntaxia schreibt:

    Wenn ich von Ferien lese, kommt schon das Gefühl in mir auf: Ich will auch!
    Zwar nicht Teneriffa, aber Pause – Auszeit! Dabei arbeite ich erst die 4. Woche seit dem letzten Urlaub wieder.
    Dann lass ich mich von dir hier in Gedanken entführen, Anna-Lena…

    ..grüßt dich syntaxia

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  15. Follygirl schreibt:

    Nun kann ich die Fortsetzung nicht erwarten…(Geduld ist nicht so wirklich meine Sache).
    Was steht bloß auf dem Zettel?
    Liebe Grüße, Petra

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  16. Anna-Lena schreibt:

    Da ihr ja alle so ungeduldig seid, geht es um 20.00 Uhr mit Teil zwei weiter….

    Liebe Grüße
    Anna-Lena 🙂

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  17. piri schreibt:

    das fesselt mich auch und Urlaub könnte ich gut gebrauchen — oder wenigsten davon lesen!

    Herzliche Grüße, Petra

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  18. Elke (nordstar) schreibt:

    oh wie spannend ich lese
    es von unten nach oben.
    Nr 1 ist ist schon wundervoll.

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