Zeugnisse

Morgen  ist es wieder soweit. Die Halbjahreszeugnisse, die ja seit Jahrzehnten den Beinamen ‚Giftblätter’ haben,  stehen an. Für  Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Eltern können Zeugnisse wie Balsam wirken, andere spucken Gift und Galle.
Es gibt viele glückliche Schülerinnen und Schüler, die mit ihren Leistungen zufrieden sind und bekommen, was sie sich erarbeitet  haben. Das Ziel einer beruflichen Zukunft rückt näher, wenn man einen guten Schulabschluss schafft. Es wird auch viele enttäuschte Gesichter geben. Leistungen, die nicht mehr befriedigend oder ausreichend sind, obwohl man sich redlich bemüht und abgestrampelt hat.  Häufig gibt es Schüler, deren erreichte Leistungen  nur ein gleichgültiges Achselzucken hervorrufen werden, weil es ohne Fleiß keinen Preis gibt.

Verzweifelte und enttäuschte  Gesichter, in denen man die Angst sieht, wenn der letzte Schultag vorbei ist und sie mit ihren Zeugnissen nach Hause gehen müssen.
Viele erwartet zu Hause nichts Gutes, wenn die Erwartungen der Eltern nicht erfüllt worden sind, wenn die Eltern sowieso nur an ihrem Kind herumnörgeln und es ihnen nichts gut oder recht machen kann.
Und dann gibt es noch die ganz Gleichgültigen unter den Schülerinnen und Schülern und unter den Eltern, die die Schule als notwendiges Übel ansehen, von dem man später das meiste sowieso nicht braucht.

Und wie empfinden die Lehrer? Auch sie hinterfragen, ob sie alles getan haben, um ihre Schüler zu motivieren und zu Höchstleistungen angespornt haben.

Ob sie die Zeit im Schulhalbjahr für jeden Schüler, ob fleißig oder eher passiv, ausreichend genutzt haben, um jeden gleichermaßen, je nach Stärken und Schwächen zu fördern.

Wie empfinden die Eltern?
Glücklich diejenigen, die mit ihrem Kind zusammenarbeiten und es fördern. Die merken, wann ihr Kind überfordert ist und seine Situation überdenken und ändern, so dass die Leistungen den Fähigkeiten des  Kindes  entsprechen können.
Merken die Eltern, deren Kind zum Gymnasium geschickt wurde, obwohl die Empfehlung eher für die Realschule war, welchem Stress sie ihr Kind aussetzen? Stress macht krank, Kinder besonders.

Gleichgültige Eltern werden auch gleichgültig reagieren, egal wie das Zeugnis ausfällt. Viele bemerken erst, dass ihr Kind schwänzt, wenn sie es schwarz auf weiß lesen können. Und auch dann hat die Reaktion eine Bandbreite von ‚Kann gar nicht sein’ bis ‚Was soll ich denn machen?’.

Das Feedback für uns Lehrer ist auch recht vielfältig. Freundliche  Stimmungund ein Vertrauensverhältnis  zwischen Schülerschaft und Lehrern, Zusammenarbeit und Einvernehmen zwischen Eltern und Lehrern bis hin zu  Mobbing, Gewaltandrohung, Telefonterror, Beschwerden und Anzeigen seitens der Schüler oder der Eltern.

In diesen Tagen liegen die Nerven oft blank, auf allen Seiten.
Eltern und Lehrer sollten immer wieder das Gespräch rechtzeitig miteinander suchen, nicht erst, wenn das Kind in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen ist. Wir alle haben die Verantwortung für jeden einzelnen Schüler und jede einzelne Schülerin und sollten sofort im Interesse und Sinne des Kindes reagieren und handeln.

Nur so können wir unsere Kinder begleiten, fördern und unterstützen.

In meiner eigenen Klasse werden morgen sicher alle Reaktionen kommen, Freude über Erreichtes, lange Gesichter nach Selbstüberschätzung, enttäuschte Gesichter, weil der Einsatz nicht gereicht hat und auch Gleichgültigkeit, weil sowieso alles egal ist. Einmal noch kann ich einigen sprichwörtlich die Ohren lang ziehen und sie sinnbildlich in den Allerwertesten treten, denn beim nächsten Zeugnis entlasse ich sie, mit oder ohne Abschluss, einem guten Realschulabschluss oder in dem Bewusstsein, sie bis zum Abitur zu begleiten.

Ich hoffe morgen auf einen flächendeckenden Balsam, wenn die Kids mit ihren Zeugnissen nach Hause kommen.

© Anna-Lena

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Über Anna-Lena

Lehrerin im Un-Ruhestand, mit vielen Hobbys, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Ich lese viel, schreibe gern selber und fotografiere, was mir vor die Linse kommt.
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27 Antworten zu Zeugnisse

  1. tonari schreibt:

    Oh ja.
    Ich bin Mama zweier völlig verschiedener Kinder. Beide sind inzwischen der Schulzeugniszeit entwachsen.
    Kind A: Zeugnisse in der Grundschule entsprachen den Fähigkeiten. Zeugnisse im Gymnasium entsprachen denselben nicht. Ein Sich-nicht-in-Szene-setz-Kind wird deutlich unter Niveau bewertet. ( Das änderte sich buchstäblich erst als in der Schule laut wurde, sie hätte ein eigenes Buch veröffentlicht und pltzlich schnellten die zensuren nach oben.)
    Kind B: Interessierte Eltern, sich verweigerndes Kind. Bis heute habe ich keine Lösung. Die Schulzeit ist vorbei. Die HartzIV-Karierre deutlich auf dem Schirm… Verzweiflung unsererseits und schlaflose Elternnächte inbegriffen.

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  2. Quer schreibt:

    Sehr einfühlsam und authentisch, deine Betrachtungen dazu, Anna-Lena.
    Möge dein abschliessender Wunsch in Erfüllung gehen.

    Liebe Grüsse,
    Brigitte

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  3. rosadora schreibt:

    das ist ein beunruhigendes thema, liebe anna-lena.
    ich wünsche eine schulreform, die in viel kleinere klassen
    ohne zeugnisse auskommt, die kinder klassenübergreifend und nach ihren talenten fördert.
    nicht alle kinder müssen ein abitur machen auf biegen oder brechen. den abschluss eines kindes schon zu beginn der schulzeit ins blickfeld zu rücken, macht stress, den kindern, den lehrerinnen und lehrern und den eltern.
    nicht alle kinder entsprechen den heutigen anforderungen,
    nicht alle lehrer haben das talent zum unterrichten, das sie haben sollten,
    nicht alle eltern sind die besten begleiterInnen für ihre kinder.
    dass zu medikamenten gegriffen wird, um kinder gefügig zu machen, ist eine nicht wieder gutzumachende sünde an der gesundheit der kinder.

    ich wünsche dir viel geduld für kinder und eltern
    und einen schönen tag, der hier noch dunkel ist und nichts ahnen lässt..
    rosadora

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  4. gerda schreibt:

    am zeugnistag habe ich auch immer ein ganz ungutes gefühl, wenn ich an die vielen kinder denke, die mit bauchschmerzen nach hause gehen müssen.
    aber es liegt nicht nur am elternhaus, wenn die kinder sich verrückt machen.
    meine kleine tochter (10) sagte eben zu mir: „ich habe angst vor dem zeugnis. wenn ich in mathe eine drei kriege, ist mein leben ruiniert.“
    das hört sich witzig an, aber ich fürchte, das war ihr ernst gemeint.
    wieso setzen kinder sich heute im vierten schuljahr schon derart selbst unter druck????

    nee, nee, ich bin froh, dass ich schon 53 bin und nicht mehr zur schule muss.

    alles liebe

    gerda

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  5. Jouir la vie schreibt:

    Dem Leistungsdruck in der Schule und den damit meistens verbundenen Erwartungen sind viele Kinder einfach hilflos ausgesetzt. Heute mehr denn je, zumal Lehrstellen und viele Studienplätze immer weniger werden. Klar, irgendwie muss es eine Wertung geben, die über vorhandenes und mehr noch verstandenes Wissen Auskunft gibt. Doch dieses nur mit Noten zu tun, das halte ich für überholt und bin auch dür eine grundlegende Reform, die ohne Noten auskommt. Doch ist es müßig, darüber nachzudenken, denn solch eine wird in diesem Staat wohl niemals stattfinden. Und so werden immer wieder Kinder keinen Ausweg sehen, Suizid betreiben oder in ähnliche Situationen geraten, sich als Versager…
    Sei lieb gegrüßt
    Kvelli

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  6. chinomso schreibt:

    Das weckt Erinnerungen.

    Als Eltern hat man ja so seine Wünsche und Vorstellungen, was das Kinde für einen Abschluß haben sollte und was es damit machen kann. Und wenn es dann anders kommt, als Eltern sich das wünschen, dann steht man als Vater oder Mutter an nem Scheideweg.

    Soll/muss ich mehr anschieben?
    Oder soll ich die Kids einfach machen lassen?

    Ein bisschen „schieb-schubs-drängel“ ist meiner Meinung nach schon gut und wichtig, aber echter Druck niemals.

    Schade ist es, wenn sie „das Zeug dazu“ haben, aber stinkefaul sind. Da redet man sich als Mutter den Mund fusselig und die Herren Söhne gähnen. „Mama, du nervst.“

    Also lässt man sie an der langen Leine machen, achtet nur drauf, dass sie wenigstens durch kommen, nen Abschluß machen und nicht vorher hinschmeissen.

    Das Ende vom Lied? Kein Abi (obwohl Mama sich das für die Kids gewünscht hätte) aber ein passabler Realschulabschluß.
    Und dann wurde aus den Knaben doch noch was. Und das ganz ohne Abi…… wer hätte es gedacht?

    Ich wünsche gerade den verzweifelten Zeugnisempfängern, dass sie irgendwo ein Ohr haben, das ihnen zuhört und jemanden der sie in den Arm nimmt. Und bitte, bitte keine Selbstmorde wegen Zeugnissen.

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  7. Katinka schreibt:

    Hallo Anna-Lena,
    leider ist es ja so, dass mittlerweile fast nur die Schüler Chancen auf eine Lehrstelle haben, die mindestens einen guten Realschulabschluss haben.
    Da wird der Druck für alle natürlich umso größer.

    Ich denke auch, dass sich viele Eltern mehr mit dem Thema auseinander setzen müssten, und auch ihren Kindern helfen müssten – allen Bereichen.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Katinka

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  8. Follygirl schreibt:

    Zeugnisse… ein Thema, das bei mir keines ist.
    Früher schon, aber ich war ein sehr „unleidliches Kind“, und bin nur gern da gewesen, wenn es mich interessiert hat. Das habe ich dann allerdings meistens zu Hause sowieso gelesen…
    Später dann bin ich nicht mehr so oft hingegangen…dann gings.

    Ich möchte Dich gerne bei mir verlinken (wegen Deiner TOLLEN Beiträge, außer über Zeugnisse). Hoffe Du bist einverstanden, wenn nicht bitte eine kurze Nachricht.
    Liebe Grüße, Petra

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  9. april schreibt:

    Ach ja, da kommen Erinnerungen auf … und ich hab’s ja von beiden Seiten gesehen und bin froh, jetzt damit nichts mehr zu tun zu haben, weil es sehr frustrierend ist. Ich möchte heutzutage kein Schüler mehr sein; dieser Druck ist doch zu schlimm und die Lehrer unterliegen ihm genau so.

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  10. Barbara schreibt:

    Na ja, ich hatte spätestens ab Klasse 6 oder 7 immer das typische Zeugnis der hochbegabten und hochsensiblen Leistungsversager. Nicht, dass es mir am guten Willen gefehlt hätte – ich habe mich sehr auf das Gymnasium gefreut, weil ich die Vorstellung hatte, dass man da noch mehr und noch schneller lernt als in der Grundschule. Leider gab es vor allem größere Klassen, wenig Disziplin und „moderne“ Lehrmethoden. Wenn hinten gequasselt wurde, habe ich vorne nichts mehr verstanden und es irgendwann aufgegeben. Dafür wurde ich in die Schublade „intelligent aber faul“ gesteckt und mit schlechten Noten bestraft. Gelernt habe ich aber trotzdem was – nachmittags habe ich kiloweise Fachbücher über alles mögliche verschlungen. Es versteht sich von selbst, dass ich das meiste davon in der Schule nicht anwenden konnte, also habe ich mich so durchgewurschtelt bis zum schlechten Abi, und bald danach waren dann endlich auch die täglichen Bauchschmerzen und Angstzustände weg – nur die Alpträume haben noch Jahre angedauert.

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  11. rebis schreibt:

    Für mich sind Zeugniszeiten auch schwierige Zeiten: ich richte meinen Blick intensiver auf die Kinder, versuche abzudämpfen, was an Schlägen kommen wird (für so manches Kind ist es das), und fühle mich dabei ziemlich hilflos. Gefangen in dem System, aus dem wir alle – Lehrer, Eltern, Kinder – nicht herauskönnen, solange die Rahmenbedingungen eben sind, wie sie sind.
    Am schwierigsten empfinde ich ehrgeizige Eltern, die von der allgemeinen Zukunftsangst angesteckt, den Blick dafür verloren haben, was sie ihrem eigenen Kind zumuten können.
    Hier im ländlichen süddeutschen G8-Raum herrscht ein Hauen und Stechen um die Gymnasialempfehlung – die Erzählungen der Grundschullehrer würde man nicht glauben, wären sie nicht so traurig-wahr. Und bei uns am Gymnasium sitzen diese armen Kinder dann, wir bemühen uns wenn angezeigt den Wechsel zur Realschule zu empfehlen, wenn das Kind leidet und leidet, wenn es zu 4mal Nachmittagsunterricht 3mal wöchentlich in Nachhhilfeschulen geschickt wird — und leider leider gibt es Eltern, die dies vom Tisch wischen, uns den Anwalt ins Haus schicken wegen jeder Viertelnote und ihr Kind in die Verzweiflung treiben. Mich macht das wütend und weinend. Und bei 33 Kindern in der Klasse – wenn ich mich um solche armen, überforderten, um sich schlagenden Kinder kümmern will, bleibt für die anderen 25-30 Schüler kaum noch Kapazität …
    Mir schlägt das zuweilen auf den Magen, und wenn ich dann hier die Mütter-Beiträge lese, und aus dem Freundeskreis weiß, wie sich die Elternperspektive anfühlt (ich selbst bin mit meinem Großen erst in der 2. Klasse angekommen, kann als Mutter noch nicht wirklich mitreden) – ohweiohwei.
    Jetzt hätte ich hier gern einen Lichtblick-Schlusssatz geschrieben, aber zum Thema Noten und Zeugnisse fällt mir keiner ein. Auch nach längerem Nachdenken nicht …
    Liebe Grüße
    Uta

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  12. Lilie schreibt:

    Liebe Anna-Lena,
    an die „Zeugnis-Tage“ kann ich mich gar nicht mehr so recht erinnern, umso mehr jedoch an die Schulzeit überhaupt. Ich zählte zu den ruhigen / schüchternen Kindern, hatte Bauchschmerzen, wenn ich wusste, dass ich vor der Klasse vortragen sollte, oftmals sagte ich lieber gar nichts, obwohl ich es wusste. Angst vor Klassenarbeiten begleitete mich. Okey, ich habe mein Abi mit viel Angst geschafft, hätte jedoch besser sein können … Oftmals habe ich mir die Noten durch meine „Nichtteilnahme“ am Unterricht verschlechtert. Besser wurde es erst, als ich dann in der Ausbildung war. Ich weiß nur, dass ich nicht mehr Schülerin sein möchte.
    Liebe Grüße
    Iris

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  13. Brigitte schreibt:

    Selbstverständlich haben wir unseren Kindern nach der Empfehlung der Lehrer die Möglichkeit zum jeweiligen Schulbesuch geboten und auch die notwendige Zusammenarbeit und Unterstützung der Lehrer.

    Einmal war es die falsche Empfehlung.

    Kind 1: Realschulempfehlung. Realschulbesuch: Bester durch die Jahre einschließlich Abschluss. Banklehre – Bester in Baden-Württemberg seines Jahrgangs. Hochschulreife: Bester aller Abschlussklassen. Studium: Bester, weiterer Abschuss – Bester.

    Kind 2: Realschulempfehlung. Besuch des Gymnasiums, weil sie das so wollte, das war falsch. Nach Umzug hierher – Realschulabschluss. Entspannung der Familie. Ausbildung zur Krankenschwester mit Examen. Alles bestens.

    Ich finde halt, dass auch Lehrer keine Hellseher sind, und niemand konnte im Fall von Kind 1 wissen, dass er solches Interesse entwickeln würde.

    Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber der Grundstein wird einfach zuhause gelegt, man muss Interesse fördern und zulassen. Auch das Verhältnis zu den Eltern muss stimmen. Was zuhause versäumt wird, kann kein Lehrer reparieren.

    Es muss sehr schwierig sein, heutzutage zu unterrichten. Und auch die Kinder haben es nicht sehr leicht, wer weiß schon, wie es im Beruf weitergeht. Es fehlt einfach eine gewisse Sicherheit. Meiner Meinung nach muss sich irgendwann die Arbeitswelt total wandeln.

    LG, Brigitte

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  14. Brigitte schreibt:

    Wenn ich mich richtig erinnere war der Zeugnistag für mich jedesmal wieder ein neuer Katastrophentag und für meine Eltern vermutlich auch 😉

    Liebe Grüsse
    Brigitte

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  15. Anna-Lena schreibt:

    Ich danke euch ganz herzlich für eure zahlreichen und interessanten Kommentare, zu denen ich einiges anmerken und ergänzen möchte

    @tonari:
    „Ein Sich-nicht-in-Szene-setz-Kind wird deutlich unter Niveau bewertet“.
    – Es tut mir Leid, dass dein Kind diese Erfahrung machen musste. Es ist auf keinen Fall richtig. Gerade die ruhigeren Kinder fallen oft durchs Rost, weil die anderen viel mehr Aufmerksamkeit abverlangen und einfordern. Da ist eine Lehrkraft besonders gefordert, die Ruhigeren ebenso ausreichend zu betreuen und zu fördern.

    @rosadora:
    Eine Reform ist grundlegend nötig, besonders, was kleinere Klassen und vor allem junge, qualifizierte Lehrkräfte anbelangt.
    Die Lehrerkollegien sind in der Regel überaltert, Referendare müssen in der Regel nach dem Examen gehen. Wir steuern auf einen eklatanten Lehrermangel zu, der sich seit langem abzeichnet und bekannt ist. Schon jetzt können mangels Fachlehrern manche Fächer nicht ausreichend abgedeckt werden..

    @kvelli:
    Beim derzeitigen Lehrstellen- und Studienmangel ist es kein Wunder, dass viele Schüler demotiviert sind und bei erhöhtem Druck dicht machen, wenn sie die Anforderungen nicht erfüllen können.
    Eine Wertung ohne Noten ist schwer und in weiterführenden Schulen meiner Ansicht nach kaum möglich.

    @chinomso:
    Ja, als Eltern muss man eine Gratwanderung machen.
    Selbst, wenn Eltern das Beste für ihr Kind im Auge haben, muss es für die Kinder noch lange nicht das Beste sein.

    @katinka
    Die Abschlüsse, die an viele Lehrstellen geknüpft sind, sind für viele Schüler unerreichbar. Das ist sicher der Grund, dass viele Eltern nur das Abitur im Auge haben und auch zu wenig MIT ihren Kindern nach Alternativen sichen.

    @Barbara
    ‚intelligent, aber faul‘ ist leider auch so ein Schubladendenken von Lehrern und ein Stigma, das Schüler krank werden lässt.

    @Uta
    Dein Beitrag spricht mir sehr aus der Seele. Ich bin froh, dass die Zeugniszeit erst mal wieder vorbei ist, denn die Verantwortung von uns Lehrern ist so vielschichtig und das System, in dem wir stecken, erdrückend.

    @Brigitte
    Auch Eltern sind nicht frei von Fehlentscheidungen, selbst, wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen handeln.

    Als ich heute mittag die Schule verlassen habe, fiel mir ein Riesenstein vom Herzen, denn – wie Uta schrieb – ist die Zeugniszeit auch für Lehrer bedrückend.

    Ohne es zu wollen, gibt es Fehleinschätzungen. Ein Lehrer, der eine Klasse mit 30 Schülern zum Beispiel nur eine oder zwei Stunden pro Woche unterrichtet, kennt eine Klasse kaum, wie auch? Wie soll er einen Schüler gerecht beurteilen?

    Ein Klassenlehrer, der wie bei uns seine Klasse von der 7. bis zur 10. begleitet und nach Möglichkeit zwei Fächer darin unterrichtet, kennt die Kids etwas genauer.

    Die Person des Lehrers, das gemeinsame Miteinander spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Kinder wollen Grenzen, besonders dann, wenn sie zu Hause keine gesetzt bekommen. Sie probieren aus, testen, wie weit sie gehen können.
    Mit manchen Lehrern klappt das Miteinander gut, bei manchen gar nicht, bei dem einen herrscht Ruhe und eine angenehme Lernatmosphäre im Unterricht, beim anderen gehen sie über Tische und Bänke. Das kann ins gemeinsame Gegeneinander ausarten.

    Das Interesse an Schule variiert bei den Schülern je nach Alter , besonders in der Pubertät, wenn die Antennen ganz woanders aufgestellt werden , nur nicht in der Schule.

    Irgendwann sollten sie dann doch aber die Kurve bekommen, wenn es auf die Abschlüsse zugeht. Da gibt es Schüler, die begreifen es und kriegen gut den Schwenker in die richtige Richtung, andere sind noch in der 10. Klasse so kindlich, dass ein Berufsleben noch Lichtjahre entfernt zu liegen scheint.

    Unterschiedliche Fähigkeiten, unterschiedliche Lerneinstellungen, verschiedene Anforderungen seitens der Eltern, gute bis gar keine Zusammenarbeit der Eltern mit der Schule und noch viele andere Dinge lasten auf uns Lehrern. Wir vermitteln neben Wissen grundlegende Werte, sind Sozialarbeiter, Familienhelfer, Blitzableiter und Kummerkassten.

    Wir haben in vielen Gebieten rückläufige Schülerzahlen, müssen um den Erhalt der Schulen und um unseren Arbeitsplatz kämpfen und müssen den Schulen ein neues Profil geben. Das erfordert Neuerungen, neue Ideen, Sitzungen, Arbeitsgruppen, Konferenzen, Fortbildungen, einen Papierwust nach dem anderen, manchmal Berge von gefüllten Akten.

    Und die Arbeit am Kind? Sie wird immer mehr reduziert, die Kinder kommen zu kurz. Die Klassen werden nicht kleiner, es kommt kein frischer Wind, es wird gespart und gespart, auf Kosten der Kinder.

    Und da wundern wir uns über die Misere in der Bildungslandschaft? Es wird immer nur geredet, in Bildung zu investieren, aber die Kinder bleiben auf der Strecke, sie sind die Verlierer, oftmals in der Schule und später im Leben.

    In meiner Klasse waren die Gesichtsausdrücke heute so unterschiedlich wie die Angebote im Schuhgeschäft. Von Freude bis Enttäuschung alles. Wir haben jedes Zeugnis hinreichend besprochen, errechnet, was jeder noch einbringen muss, um den für ihn erreichbaren Schulabschluss zu schaffen.

    Der Groschen ist bei allen gefallen, warten wir es ab, was sie nach den Winterferien daraus machen. Ich habe ein gutes Gefühl.

    Liebe Grüße zur Nacht,
    Anna-Lena

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  16. bruni kantz schreibt:

    Balsam ist gut, immer, und Balsam für die Seele nut not, wenn die Noten schwarz sehen lassen.

    Balsam heilt, schließt die Wunden und lindert den ärgsten Schmerz.
    Also, nehmt Balsam mit auf in die dringlich notwendige Basisausstattung der Hausapotheke.

    Ich denke, Du hast heute jede Menge Balsam dabei gehabt und zu jedem Zeugnis ein Tübchen voll verteilt.

    LG von Bruni

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  17. Rachel schreibt:

    Liebe Anna-Lena,

    wer so an diese Sache heran geht wie du, dem wünsche ich den nötigen Erfolg!!
    Mögen deine Schüler und deren Eltern erkennen, dass
    du deine Sache ernst nimmst, aber das haben sie sicher schon längst.
    Also auf ein Neues, ein sicher noch besseres Schulhalbjahr…

    MfG, Rachel

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  18. Elfe schreibt:

    Liebe Anna-Lena

    Meinen Respekt vor Deiner Arbeit! Ich staune was sich alles verändert hat an den Schulen in CH, wenn ich jeweils in der Zeitung einen entsprechenden Artikel lese, bestimmt auch einiges zum positiven, jedoch auch mit viel, viel mehr Herausforderungen für die Lehrerinnen und Lehrer denke ich. Was da alles Platz haben muss als Unterrichtsstoff und dann die Kinder aus verschiedensten Kulturen die nebeneinander in die Schule gehen!

    Für mich liegt die Zeit des Schulzeugnis erhaltens weit zurück und ich kann mich an keine negativen Reaktionen meiner Eltern erinnern. Selbst Zeugnisse schreiben musste ich nie, das heisst für Lernende Qualifikationen schreiben, auch das war manchmal eine Herausforderung, doch nicht zu vegleichen mit Deiner Leistung.
    Möge der Balsam wirken für die verletzten Herzen und echte Freude am Lernen gefördert werden!
    Schönes Wochenende und liebe Grüsse
    Elfe

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  19. Anna-Lena schreibt:

    Liebe Elfe,

    mein eigener Schulabschluss liegt gut fünfunddreißig Jahre zurück. Es hat sich vieles in der Schullandschaft seitdem geändert, auch zum Positiven, wenn ich das mit meiner eigenen Schulzeit vergleiche.

    Ich war alles andere als eine immer pflegeleichte Schülerin und hatte zum Teil fürchterliche Lehrer, die uns das Leben schwer machten und wir ihnen auch.

    Wir haben nun eine Woche Winterferien, um uns auf das nächste Halbjahr vorzubereiten.

    Ich sende dir herzliche Grüße,
    Anna-Lena

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  20. chinomso schreibt:

    Irgendwie habe ich mich wahrscheinlich unklar ausgedrückt.

    Aber ich finde es sehr wichtig, den Kindern nicht den eigenen Wunsch aufzudrücken sondern sie (gut beobachtet) machen zu lassen und einfach da zu sein.

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    • Anna-Lena schreibt:

      Das habe ich auch so verstanden. Wahrscheinlich habe ich mich falsch ausgedrückt. Mit Gratwanderung meine ich, die Kindern ihren Weg finden lassen, aber sie dabei auch tatkräftig zu unterstützen. Das schließt hin und wieder ein wenig Druck nicht aus.

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  21. Traveller schreibt:

    Zeugnisse – ein ewiges Thema, ohne das wir wohl nie auskommen werden.

    Du hast die verschiedenen Aspekte, die verschiedenen Blickwinkel gut dargestellt.
    Und ich finde es toll, dass du immer noch versuchst, deine Schüler zu unterstützen. Leider gibt es nämlich auch eine ganze Menge Lehrer, die sich da ganz anders verhalten.

    Ich hoffe, dass irgendwann mal eine wirkliche Schulreform kommt, die nicht übers Knie gebrochen wird, so dass die Schüler dann darunter leiden müssen.
    Ich hoffe eigentlich, dass meine Tätigkeit als Nachhilfelehrerin irgendwann mal überflüssig wird. 😉

    Lieben Gruß
    Uta

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  22. Anna-Lena schreibt:

    Liebe Uta,

    ich sehe es immer noch als eine zentrale Aufgabe meines Berufes an, Schüler zu unterstützen. Was ich nicht unterstütze ist Faulheit, da bin ich konsequent.

    Bei unserer derzeitigen Wirtschaftslage werden wir wohl keine grundlegende Reform erwarten können und als Nachhilfelehrerin musst du dir sicher keine Sorgen machen.

    Hab eine gute Nacht,
    Anna-Lena

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