
„Det versteh ick. Ick bin übrijens en waschechter Berliner, im Prenzelberg jeborn, keener von denen, die nur ma gucken wolln, wat in de Hauptstadt so los ist. Aber da wohn ick nich mehr. Ick wohne nu in Tiergarten, ja nich weit vom Franziskus-Krankenhaus entfernt.“
„Haben sie Familie?“, fragte Schwester Theodora eher beiläufig.
„Ne, det hab ick noch nich jeschafft. Wer will denn so eenen, der dauernd auf de Straße is? Außerdem halten mich meine Freunde für nich beziehungsfähig und haben mir schon prophezeit, dass ick wohl bis zur Schnabeltasse pubertieren werde.“
Er warf einen schnellen Blick in den Spiegel. Die zahlreichen Biere vom gestrigen Abend schwammen noch in seinen Tränensäcken herum und rasiert hatte er sich bereits seit drei Tagen nicht mehr. Er griff nach einem Kaugummi, denn er wollte nicht, dass die Duftwolke aus Bier und Döner Kebab mit viel Knoblauch in den hinteren Wagenraum entwich und der guten Schwester eine Übelkeit verursachte.
„Na, da haben wir ja was gemeinsam. Ihre Brüder sind die Taxikollegen und meine Familie sind meine Mitschwestern.“
„Wie isn det so im Kloster? Ick hab da echt keenen Plan.“
Erstaunt schaute Schwester Theodora in den Rückspiegel und traf seinen neugierigen, fast jungenhaften Blick.
„Ich bin mit achtzehn eingetreten und habe die letzten siebenunddreißig Jahre fast ausschließlich im Mutterhaus im Emsland als Krankenschwester gearbeitet. Zwischendurch war ich für fünf Jahre in einem Krankenhaus in Bombay. Für mich ist es das ideale Leben, ich habe noch keinen einzigen Tag davon bereut.“
‚Na bitte’, dachte er zufrieden, mit seiner altersmäßigen Einschätzung lag er nicht so ganz daneben.
Mittlerweile hatten sie den Bezirk Prenzlauer Berg fast hinter sich. Vor ihnen ragte imposant die Silhouette des Fernsehturmes am Alexanderplatz im Schein der Mittagssonne auf. Nun kam Lutze ins Schwärmen. In Berlin-Mitte kannte er sich aus, wie in seiner Westentasche.
Er liebte es, seinen Fahrgästen die Sehenswürdigkeiten Berlins nahezubringen, von deren Entstehung und geschichtlicher Entwicklung in den Wirren des Krieges zu erzählen, über ihre manchmal kuriose Nutzung in der DDR und ihre heutige Bedeutung für die Berliner.
Schwester Theodora saß fasziniert im Fond des Wagens und lauschte gebannt seinen Ausführungen. Jahrzehnte der geschichtlichen Entwicklung erstanden vor ihrem geistigen Auge. Das, was sie sich bereits an Wissen angeeignet hatte, verschmolz mit den Schilderungen ihres freundlichen Reiseführers und der Bildhaftigkeit der imposanten Bauwerke zu einem einheitlichen Ganzen.
Am Bahnhof Alexanderplatz konnte sie nicht mehr an sich halten.
Fotos: Anna-Lena
(Fortsetzung folgt)



….ich liebe Fortsetzungen-vor allem diese hier werde ich verfolgen,denn in Berlin war ich vor 2 Jahren auch mal und die Plätze rund um den „Alex“,kenn´ich!
Doro
Liebe Doro, dann wird Dir in den nächsten Tagen sicher noch einiges bekannt vorkommen.
Liebe Grüße
Anna-Lena
… und überfiel ihn von hinten mit wilden Küssen?
Das, lieber Björn, erfährts Du morgen
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Außerdem halten mich meine Freunde für nich beziehungsfähig und haben mir schon prophezeit, dass ick wohl bis zur Schnabeltasse pubertieren werde.“
Oh, wie ich die „Berliner Schnauze“ liebe!
Habe einige Jahre in Berlin, Potsdam, Michendorf gewohnt.
Und weil es mich wieder einmal nach „drüben“ zog, waren manacur und ich gerade drei Tage in Dresden – haben eine wunderschöne Tour hinter uns.
Wir sind vor zwei Stunden zurück gekommen.
Jetzt geht es ans Bloggen *freu*
Freue mich schon auf die Fortsetzungen, die aber später.
Gruß
Barbara
Liebe Barbara!
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Schön, wieder von Dir zu hören *freu*
Welcome back!!!
Liebe Grüße
Anna-Lena